„Ihre Geschichte im Mitmachkanal auf YouTube!“ ?

Das medial gerade sehr präsente „Gedächtnis der Nation“ –  Projekt lädt ein, dass jeder seine Geschichte(n) auf Youtube einstellt:

„Es sieht einfach aus, ist es auch – wenn Sie unsere Hinweise beachten. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr eigenes Zeitzeugen-Video erstellen können. Dieses Video wird dann anschließend auf unserem Mitmachkanal auf YouTube präsentiert.“

Ein paar Gedanken und eine kleine Diskussion dazu auf Google+.

Hier geht’s zum „Mitmachkanal auf Youtube„, der zum Start des Portals nicht ein einziges Zeitzeugenvideo aufweist…

Zeitzeugenarchiv des 20. Jahrhunderts

Unsere Geschichte – das Zeitzeugenarchiv des 20. Jahrhunderts ist ein gemeinsames Projekt von ZDF, Stern und dem Institut für Mediengestaltung der Fachhochschule Mainz.

Auf den Portalseitenseiten des Projekts heißt es dazu:

„‚Unsere Geschichte‘ ist ein einmaliges Archiv von Zeitzeugenberichten zu verschiedensten gesellschaftlichen, historischen und politischen Ereignissen des gesamten 20. Jahrhunderts. Hier finden Sie Berichte von denjenigen, die dabei gewesen sind.

Im Zeitraum von 1998 bis 2003 wurden im ZDF ‚Jahrhundertbus‘ mehr als 5.000 Interviews mit Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Diese einmalige Sammlung soll in den kommenden Jahren „Schritt für Schritt“ über das Internetportal „Unsere Geschichte“ der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Institut für Mediengestaltung der Fachhochschule Mainz übernahm im 2007 unter Leitung von Prof. Tjark Ihmels als Kooperationspartner die komplexen Arbeitsbereiche Konzeption, Digitalisierung, Datenanalyse, Informationsarchitektur, Datenverwaltung, Speicherung, Navigation und Interfacedesign für die Entwicklung und Realisierung einer Online-Video-Datenbank.

Das Projekt wurde gefördert durch das „Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz“

Wie bildet sich die kollektive Erinnerung an historische Ereignisse ab? Zur Bearbeitung dieser zentralen und spannenden Frage der neuzeitlichen Geschichtsforschung ensteht am Institut für Mediengestaltung in Kooperation mit dem Verein ‚Augen der Geschichte e.V.‘ ein Online-Archiv. Dies stellt zukünftig ca. 5000 Stunden vorhandenes Interviewmaterial als Film und Text zur Verfügung. Weitere Zeitzeugenberichte sollen hinzukommen.“

Bis zum offiziellen Start des Portals sind die Videos nur passwortgeschützt zugänglich. Einen kurzer Bericht über das Projekt findet sich auch in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau.

So großartig und spannend die einzelnen Projekte sind (Lehrer haben ja immer etwas zu meckern ;)), mittlerweile gibt es doch einige Zeitzeugenportale online. Es wäre ja sinnvoll und wünschenswert, wenn die Videos der Zeitzeugenarchive auch breit im Geschichtsunterricht genutzt würden. Für die Nutzung in der Schule wäre es hilfreich, wenn die Videos der einzelnen Portale nicht nur innerhalb des jeweiligen Portals, sondern auch über eine Metasuche gefunden werden könnten. Eine Alternative wären Angeboten von Vorstrukturierungen der Materialauswahl durch Vorschläge für Unterrichtseinheiten … kaum eine Lehrkraft wird es leisten können, die verschiedenen Portale nach geeignetem Material zu durchforsten und dieses für den Unterricht bzw. für die weitere Bearbeitung durch Schüler (vor-) auszuwählen.

Zeitzeugenbüro

Zur SED-Diktatur und deutschen Teilungsgeschichte von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Initiative ist heute zwei Jahre alt. Ich kannte sie noch nicht. Für Rheinland-Pfalz gibt es zwei Zeitzeugen, die man in die Schule einladen kann. (Hier sei auch noch einmal auf die rheinland-pfälzische Koordinierungsstelle für Zeitzeugengespräche im Unterricht hingewiesen.) Darüber hinaus finden sich auf den Seiten des Zeitzeugenbüros auch Unterrichtsmaterialien zum Thema.

1989/1990

Hier der Hinweis auf einige Portale, die gutes Unterrichtsmaterial für die Jahre 1989/1990 bieten. Ergänzend sei auch noch auf die an anderer Stelle verlinkten Zeitzeugenportale verwiesen:

Wir waren so frei ist ist ein Internetarchiv mit privaten Filmen und Fotos aus den Jahren 1989 und 1990 aus Deutschland. Es werden auch noch weitere Dokumente gesucht, wer mag kann also seine eigenen Bilder beisteuern.

Einen schönen Perspektivwechsel ermöglicht das folgende Webportal:

1989-1990 Wendezeiten ist ein Angebot des Deutschen Rundfunkarchivs mit Tönen, Bildern und Filmen aus dem DDR-Fernsehen.

Jugendopposition in der DDR bietet neben einem umfangreichen Zeitzeugenarchiv, Bilder, Dokumente und Unterichtsmaterial von 1950 bis 1989.

Migrationsgeschichte

Der Blogeintrag bietet zunächst einen Überblick über gute Materialien und Informationsseiten zur Behandlung des Thema Migration im Geschichts- und Sozialkundeunterricht:

Einfamilienalbum zeigt die Fotoalben einer deutsch-kurdischen Familie. Die Bilder reichen zurück bis ins späte 19. Jahrhundert und sind sowohl über einen Familien-Stammbaum als auch thematisch abrufbar.

angekommen.com ist eine Überblicksseite zu verschiedenen Webprojekten zur Migration in Rheinland und Westfalen. Besonders hervorzuheben sind sicher der lange, vom Kaiserreich bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts reichende Blick auf die italienische Einwanderung sowie das beeindruckende „migration-audio-archiv“ mit einer Datenbank erzählter Migrationsgeschichte.

Top-Tipp ist The Unwanted: eine Online-Dokumentation über Umsiedlung, Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts. Durch erzählte Lebensgeschichten wird das Schicksal von Flüchtlingen und Vertriebenen nachgezeichnet und verstehbar gemacht. Leider selbst noch nicht ausgetestet, aber auf den ersten Blick sehr vielversprechend wirkt die  angebotene didaktische Aufbereitung in einem eigenen Lernportal.

Auf die aktuelle Situation gerichtet ist das Informationsportal des Netzwerkes Migration in Europa.

Außerschulische Lernorte:

Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DoMiD) in Köln. Ausstellungen, Vorträge und eine umfangreiche Sammlung von Zeugnissen (Filme, Fotos, Alltagsgestände usw.) zur Einwanderung, aber leider nur vor Ort und nicht digitalisiert: http://migrationsmuseum.de/

Das Luxemburger Migrationsmuseum in Dudelange (Centre de Documentation sur les Migrations Humaines): http://www.cdmh.lu/

Unter umgekehrten Vorzeichen betrachtet schließlich das Deutsche Auswanderhaus Bremerhaven das Thema Migration. Das Museum wurde 2007 als  „European Museum of the Year“ ausgezeichnet.

Buch für den Unterricht

Lernen aus der Geschichte weist heute auf ein Methodenbuch für Lehrer zum Thema Migration hin. Das Buch enthältMaterialien zu  sieben Lebensgeschichten, die sich von Anfang bis Ende des 20. Jahrhunderts erstrecken und exemplarisch verschiedene Aspekte von Immigration und Umgang mit gesellschaftlichen Minderheiten in der deutschen Geschichte aufzeigen.

Zeitzeugenportale

Zeitzeugenportale bieten großartige Möglichkeiten für den Unterricht. Nicht immer kann man als Lehrer ein Zeitzeugengespräch an der Schule organisieren oder eine Exkursion mit Schülern durchführen. Gerade weil Zeitzeugeninterviews eine so schwierige Quellengattung sind und häufig im Bereich der Geschichtskultur (TV, Radio, Ausstellungen usw.) eingesetzt werden, sollte eine exemplarische Auseinandersetzung mit ihnen Gegenstand des Unterrichts sein. Nur wer die Chancen aber auch die Probleme von Zeitzeugenaussagen angemessen einschätzen kann, ist zu einer reflektierten Teilhabe an der Geschichtskultur als eines der Ziele des Geschichtsunterrichts in der Lage.

Deshalb möchte ich hier auf einige Zeitzeugenportale zu verschiedenen Themen der Geschichte des 20. Jahrhunderts hinweisen, die die Interviews in digitalisierter Form (Video und Audio) bereitstellen und teilweise auch über Schlagworte zielgenau zugänglich machen. Einige bieten darüber hinaus weitere Materialien sowie Didaktisierungsangebote für den Unterricht.

Für die Zeit des Nationalsozialismus das 2008 mit dem Grimme online award ausgezeichnete:

http://zeitzeugengeschichte.de/

Zeitzeugenprojekt zu Holocaust und Stalinismus für Schulen in den deutsch-tschechischen Euroregionen der Brücke/Most-Stiftung:

http://www.zeitzeugen-dialog.de

Zum Herbst 1989, der friedlichen Revolution, dem Mauerfall und die Wiedervereinigung laufen zur Zeit mehrere Projekte:

http://www.mein-herbst-89.de/

http://www.zeitzeugenportal8990.de/

http://www.dubistgeschichte.de/blog/

Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt Zeitzeugenaussagen zum 17. Juni 1953 als Texte und Audiodateien zur Verfügung:

http://www.17juni53.de/material/otoene.html

Für das ganze 20. Jahrhundert jedoch nur als Texte im pdf-Format:

Archiv der Zeitzeugen

Abschließend sei noch auf die Koordinierungsstelle für Zeitzeugengespräche im Unterricht in Rheinland-Pfalz hingewiesen, die leider bisher (vielleicht kommt das noch?) keine Aufzeichnungen zur Verfügung stellen, aber für Schulen in RLP Zeitzeugen vermitteln helfen:

http://zeitzeugen.bildung-rp.de/

Die Chance über eine aktive Medienarbeit von Schülern ein audio-visuelles ,regionales Gedächtnis aufzubauen sollte eigentlich nicht ungenutzt bleiben. Als Vorbild kann das als erstes genannte, offene Webportal von zeitzeugengeschichte.de dienen. Zum Einstieg in die Arbeit  mit Jugendlichen an „lebensgeschichtlichen Videointerviews“ sei der entsprechende einführende Beitrag im Methoden-Dossier von „Lernen aus der Geschichte“ auf dem Portal der Bundeszentrale für politische Bildung empfohlen.

Zeitzeuge Kindertransport

Von einigen der Denkmälern in London und Danzig war hier schon die Rede: In der First Person Podacst Series des US Holocaust Memorial Museum gibt es zum Download ein Gespräch mit Freddy Traum vom Mai diesen Jahres. Freddy Traum ist 1929 in Wien geboren und wurde am 20. Juni 1939 durch einen Kindertransport nach London gerettet. Das englische Interview ist vollständig transkribiert, darüber hinaus finden sich auf den Seiten noch weitere Informationen über Freddy Traum und die Kindertransporte.