Buchners „Das waren Zeiten“ – neu für Rheinland-Pfalz

Zum neuen Teillehrplan Geschichte für die Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz, der zum nächsten Schuljahr zeitgleich in allen Jahrgangsstufen eingeführt wird, legt auch der Buchner Verlag eine eigene Ausgabe aus der Reihe „Das waren Zeiten“ vor. An den beiden Bänden habe ich als Autor und Herausgeber mitgearbeitet. In den letzten beiden Wochen haben wir das Konzept auf mehreren Veranstaltungen vorgestellt. Die Folien der Präsentation sind unten in diesem Beitrag zu sehen und können auch heruntergeladen und weitergegeben werden.

Der neue Lehrplan besteht aus zwei Elementen: dem gemeinsamen Vorwort für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (PDF), das auch das eigene, fächerübergreifende Kompetenzmodell erklärt, sowie den Teillehrplan für das Fach Geschichte (PDF). Aufbau und Konzeption des Buchs erschließen sich nur auf Grundlage der Lehrplanvorgaben. Wir haben versucht, den Lehrplan möglichst präzise in den Büchern umzusetzen.

Das auffälligste Merkmal des neuen Lehrplans ist die Gliederung der Epochalen Schwerpunkte (ESP) anhand von jeweils fünf „Kategorien“ (Orientierung, Herrschaft, Wirtschaft, Gesellschaft, Weltdeutungen), die einen sektoralen Zugriff auf Geschichte bieten. In jedem Lernfeld müssen für die Unterrichtsgestaltung vorgegebene Leitfragen, Kompetenzen, Grundbegriffe und Inhalte berücksichtigt und sinnvoll zueinander in Bezug gesetzt werden. Beide Punkte (Zugriff über Kategorien und die Einzelelemente der Lernfelder) bedingen eine sorgfältige und langfristige Unterrichtsplanung. Deren Komplexität zusätzlich die Integration von Längsschnitten und den Auswahlmöglichkeiten bei den Inhalten gesteigert wird.

Der Lehrplan schwankt dabei einerseits zwischen Festlegungen, die eine bestimmten Kombination von Kompetenz, Inhalt und Methode festschreibt und damit Vorgaben bis in die einzelnen Unterrichtsstunden hinein macht (Beispiele Methodenkompetenz in den Lernfeldern I.4.3 oder II.2.2 des Lehrplans – was mir persönlich als unnötige Gängelung der Lehrkräfte erscheint). Andererseits lässt der Lehrplan sehr viele Wahlmöglichkeiten im Hinblick auf die Inhalte (Weglassen einer Kategorie pro ESP, große Auswahl von „Erweiterungs- und Vertiefungsthemen“ von denen jeweils nur 2 pro Doppeljahrgangsstufe verpflichtend sind).

Für mich ist kein roter Faden im Sinne einer didaktisch begründeten Auswahl der verpflichtenden Inhalte zu erkennen ist. So erschließt sich mir auch nicht, warum einige Themen, die mir zentral erscheinen nur in der freiwilligen Erweiterung oder Vertiefung auftauchen, an anderer Stelle aber in der Basis als verpflichtend gesetzt sind (vgl. z.B. Lernfeld I.2 oder Herrschaftslegitimation in Antike Basisinhalt, im Mittelalter Erweiterung usw.). Die genannten sowie weitere Punkte wurden übrigens mehrfach an die Lehrplankommission herangetragen, aber bei den Überarbeitungen des Lehrplanentwurfs nicht berücksichtigt.

Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen haben wir bei der Konzeption des Buchs versucht, die Auswahlmöglichkeiten zu erhalten und eine flexible Umsetzung des Lehrplans zu ermöglichen. Dies war ein Leitmotiv bei der Konzeption des Buchs. Die Präsentation unten zeigt auf, wie diese Wahlmöglichkeiten im Buch umgesetzt wurden. Auch die Doppelseiten sind nicht als fertige Unterrichtsstunden konzipiert, sondern bieten im Sinne eines Steinbruchs verschiedene Umsetzungsmöglichkeit und Schwerpunktsetzungen. Daher muss auch hier bei den Materialien und Aufgaben ausgewählt werden. Es ist nicht angedacht, dass alle Aufgaben und Materialien auf einer Doppelseite bearbeitet wird.

Aufgrund dieser zahlreichen Wahlmöglichkeiten haben wir überlegt, beispielhafte Stundenmodelle zu erarbeiten, von denen die ersten drei bereits verfügbar sind. Sie machen die enorme Arbeitserleicherung durch das Schulbuch deutlich, das die verschiedenen Elemente des Lehrplans zusammenführt und auf dieser Grundlage flexible Stundengestaltungen zulässt. Die Stundenentwürfe haben Modellcharakter und sollen eine möglichst hilfreiche Orientierung bieten, auch wenn sicher nicht jede/r die Unterichtsstunden genau so aufbauen wird:

Beispiele für Stundenmodelle zu einigen Doppelseiten (PDF)

Und noch eine abschließende Bemerkung: Vielleicht fragt sich der eine oder die andere LeserIn, warum ich an einem klassischen Schulbuch mitarbeite. Ausschlaggebend für die Entscheidung zur Mitarbeit war für mich die Aussage der beiden Herausgeber von „Das waren Zeiten“, die die Reihe seit 20 Jahren betreuen, in unserem ersten Gepräch: Wir wollen Geschichtsschulbücher für Kinder und Jugendliche machen. Bücher, die so ansprechend gestaltet und interessant sind, dass sie nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause zum Lesen in die Hand genommen werden. Das finde ich einen ebenso hervorragenden wie schwer einzulösenden Anspruch. Ob dies bei der Rheinland-Pfalz-Ausgabe gelungen ist, können nur die Leserinnen und Leser berurteilen.Ob dies bei der Rheinland-Pfalz-Ausgabe gelungen ist, können nur die Leserinnen und Leser berurteilen.

Aber noch ein weiterer grundsätzlicher Punkt spielte eine Rolle: Was das alltägliche, selbstverständliche Lernen mit digitalen Medien im Unterricht angeht, stehen wir trotz aller bisherigen Ausstattungsinitiativen, Leuchtturmschulen und -projekten immer noch am Anfang. Den meisten Schulen fehlt weiterhin schlicht die Infrastruktur, um durchgängig mit digitalen Materialien, ob nun als e- oder m-Book oder in Form von freien Modulen, zu arbeiten. Das zeigt sich auch daran, dass für den Einsatz multimedialer Schulbücher ausgewählte Projektschulen erst entsprechend ausgerüstet werden. Das ist in Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit den Schulbehörden und Schulträgern möglich, aber nicht für den einzelnen Schulbuchverlag.

Digitale Medien sind in der Fläche auch 2015 immer noch die Ausnahme und nicht der Normalfall. Deshalb spielt das klassische Schulbuch weiterhin eine zentrale Rolle für die Umsetzung des Lehrplans und die Gestaltung des Geschichtsunterrichts. Und daher lohnt es sich meines Erachtens auch, sich einzubringen und dazu beizutragen, dass Lernenden wie Lehrkräften möglichst gute Bücher zur Verfügung stehen, die sie dann als Ausgangspunkt, Steinbruch, Leitfaden oder Lesebuch nutzen können.

 

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Den Pfannkuchen einmal wenden

Während es in England wie in Frankreich in letzter Zeit große nationale Debatten über die Ausrichtung des Geschichts- unterrichts gab, ist das aufgrund der föderalen Struktur in Deutschland seltener. Nur die Diskussion uTossingPancakem den neuen Berliner Lehrplan hat leichte Wellen über die Hauptstadt hinaus geschlagen, wobei es vor allem um Fragen von Aufbau und Strukturierung des Lehrplans ging. In Frankreich wie in England geht es den Beitrag des Geschichtsunterrichts zu einer nationalen Identitätsbildung.

Owen Jones, Kolumnist beim Guardian, fordert eine linke nationale Geschichtserzählung: „We need to reclaim the English identity from the right and challenge the idea that English people are inherently conservative, that being English is all about kings and queens, empire and not being an immigrant.“

Stattdessen sollten frühe soziale und proto-demokratische Bewegungen in den Blick genommen werden, die Geschichte der Nicht-Privilegierten, der Unterdrückten, von unten gegen oben, von Widerstand und Aufständen, erfolgreich oder nicht, in denen Rechte verteidigt, eingefordert oder neu gewonnen wurden.

Das ist der nationalgeschichtliche Pfannkuchen einmal von rechts nach links gewendet. Trotzdem regt er zum Nachdenken an: Natürlich sind die Befähigung zum selbstständigen Denken und eines kritisches Geschichtsbewusstseins als zentrale Ziele eines kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts gesetzt, aber vielleicht sollten wir doch noch einmal einen Blick in die neueren Lehrpläne (u.a. NRW, RLP, Berlin) werfen, um zu prüfen, an welchen verpflichtend gesetzten Inhalten gearbeitet wird.

Wo finden sich dort die Geschichte von politischer und rechtlicher Emanzipation, wo sind die sozialen Bewegungen und Kräfte? Wo ist die Geschichte von Minderheiten, Unterdrückung und Aufbegehren dagegen im Geschichtsunterricht? Wo ist der Einblick in Strukturen und Mechanismen (historischer) Formen von Unterdrückung und Ausbeutung? Welchen Raum nehmen sie ein gegenüber dem in den Lehrplänen weiterhin dominierenden traditionellen und konservativen Geschichtsbild mächtiger (nicht mehr nur, aber doch noch überwiegend weißer) Männer?

Die Beschäftigung mit Geschichte ist nicht nur Sachwissen und Kompetenzen, sondern zentral für die Entwicklung einer eigenen Meinung und Haltung, von Moral und Urteilsbildung.

In der Geschichte „von unten“ steckt übrigens die Chance zur Überwindung der nationalen Narrative durch eine europäischen oder gar globalen Zugang im Geschichtsunterricht, gerade auch bei Themen wie z.B. dem Ersten Weltkrieg, die noch stark von nationalen Sichtweisen geprägt sind und diese allenfalls vergleichend nebeneinander stellen.

Daz zwei Beispiele aus dem neuen Teillehrplan Geschichte für die Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz, der ab 2016/17 gilt:

1) Dort werden unter „Inhalten“ zahlreiche Männernamen aufgelistet – von Solon über Maximilian von Habsburg bis zu Gorbatschow -, aber exakt nur eine Frau namentlich erwähnt – in einer optionalen Erweiterung gemeinsam mit ihrem Bruder: Hans und Sophie Scholl. Auch das Frauenwahlrecht wird nirgendwo explizit genannt.

2) Sklaverei kommt zwei Mal im neuen Lehrplan vor: in der Antike „als Wirtschaftsfaktor“ und in der Frühen Neuzeit unter „Erschließung neuer Handelsräume und Märkte“ verbunden mit dem „Grundbegriff“ Dreieckshandel. Abschaffung der Sklaverei? Fehlanzeige.

Implementierung des neuen Teillehrplans Geschichte in RLP

Download der Präsentation zur Bearbeitung und weiteren Nutzung

Update: Seit dem 17.7.2015 liegt der Lehrplan in einer genehmigten Endversion vor. Sie kann hier als PDF heruntergeladen werden. Das allgemeine Vorwort umfasst auch das fächerübergreifende Kompetenzmodell sowie ergänzende verpflichtende Vorgabe, die alle drei Fächer betreffen.

Gesamtvorwort

Teillehrplan Geschichte

Ergänzungen:

  • Auf Anfrage wurde mitgeteilt, dass die Vorgaben für die Mindestverpflichtungen bei den Inhalten geändert wurde. Bezüglich Erweiterungs- und Vertiefungsthemen bezieht sie sich jeweils auf die komplette Doppeljahrgangsstufe 7/8 und 9/10.
  • Die Gymnasien G9 müssen in der Doppeljahrgangsstufe 7/8 zwei Erweiterungsthemen und zwei Vertiefungsthemen behandeln, in der Doppeljahrgangstufe 9/10 müssen sie drei Erweiterungsthemen und drei Vertiefungsthemen behandeln.
  • Die Gymnasien G8GTS müssen in der Doppeljahrgangsstufe 7/8 zwei Erweiterungsthemen und zwei Vertiefungsthemen behandeln, im Schuljahr 9 müssen sie ein Erweiterungsthema und ein Vertiefungsthema behandeln.
  • Hinweis für die G8GTS: Die Option, den Lehrplan wie in G9 in vier Jahren zu absolvieren, entfällt entgegen bisherigen Informationen. Der Lehrplan muss mit der Jahrgangsstufe 9 abgeschlossen werden, anschließend beginnt in Klasse 10 der MSS-Lehrplan Geschichte.
  • Für die Jahresplanung und die Gestaltung der Arbeitspläne gilt, dass beim Auslassen einer Kategorie auch der im Lernfeld dafür vermerkte Stundenansatz rausgerechnet werden muss.
  • Die Anregung von Fortbildungen zur Umsetzung des Lehrplans in Arbeitspläne, zur Materialerstellung sowie zu den neuen Themen habe ich aufgenommen und beim PL nachgefragt. Für das Jahr 2015 ist die Planung weiterer Fortbildungen nicht mehr möglich.
  • Die Erarbeitung eines neuen Lehrplans für die MSS ist – entgegen bisherigen Informationen – nicht geplant.
  • Verpflichtende fächerübergreifende Projekte der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer ab Klasse 7. Dazu heißt es im Entwurf zum Vorwort des gemeinsamen Lehrplans:
    „Die  Fachlehrerinnen  und  Fachlehrer  der  gesellschaftswissenschaftlichen  Fächer
    sind  deshalb  ab  der  Klassenstufe  7  in  jedem  Schuljahr  gehalten,  konkrete
    Vereinbarungen  für  die  Realisierung fachübergreifender  Projekte in  den
    verschiedenen  Klassenstufen  der  Sekundarstufe  I  zu  treffen. […] In  den  Klassenstufen  9  und  10  werden  darüber  hinaus  die  folgenden  drei
    Lernfelder ‚Rheinland-Pfalz‘, ‚Europa‘  und ‚Eine Welt‘ als fächerübergreifende
    Lernfelder  ausgewiesen.  Mindestens  eines  dieser  Lernfelder  muss  als
    gemeinschaftskundliches  Projekt in  Kooperation der drei Fächer
    durchgeführt werden.“
  • Lösungsmöglichkeiten für Lehrplanübergang sind z.B.:
    • Vorziehen von Inhalten in das Übergangsjahr (mit Kopien, Film, Schüler-/Lehrervorträgen)
    • Schieben der fehlenden chronologischen Bindeglieder zwischen altem und neuem Lehrplan in das Schuljahr 2016/17
    • Teillösung aus 1 und 2 (z.B. Vorziehen von der 8 in Klasse 7 und Schieben von Inhalten von Klasse 9 in 10)
    • Wegfall / Springen im chronlogischen Durchgang (kurze historische Einordnunge, wo nötig, bei neuen Themen)

Schulbuchentwicklung zum neuen Lehrplan Geschichte in RLP

DwZ RLP 1 CoverDer Lehrplanentwurf für Geschichte in der Sek I in RLP ist in der kombinierten Vorgabe von epochale Schwerpunkte, Leitfragen, Kategorien/Lernfeldern, Kompetenzen, Inhalten und Begriffen nicht einfach umzusetzen – weder für den Unterricht noch für Lernmaterialien. Der Entwurf des neuen Teillehrplans für Geschichte wurde bereits mehrfach hier im Blog thematisiert (zuletzt hier).

Zur Bewertung der Schulbücher scheint mir ein guter Überblick über die Vorgaben und die Strukturierung des Lehrplans unbedingt notwendig.

Geplant ist die Einführung des Lehrplans in allen Jahrgangsstufen gleichzeitig mit dem Schuljahr 2016/17. Ein aktueller Überblick über den Stand des Schulbuchangebots – soweit bekannt – findet sich beim Fachberaterkollegen Nieß auf der Homepage.

Trotz der vergleichsweise kurzen Zeit liegt vom Klett Verlag ein Vorabdruck des Mittelalter-Kapitels vor, den wir als Regionale Fachberater auch in der Beratung zum Lehrplan in den Fachkonferenzen einsetzen können. Darüber hinaus hat Klett auf seinen Internetseiten Informationen zur neuen Rheinland-Pfalz-Ausgabe sowie bereits Lehrermaterialien zum Mittelalter-Kapitel als PDF-Download zur Verfügung gestellt.

Der Buchner-Verlag, wo ich auch an dem Schulbuch mitarbeite, hat vorab einige Musterseiten zum epochen Schwerpunkt „Antike Hochkulturen“ im Lernfeld „Herrschaft“ als PDF herausgegeben. Der Verlag hat zudem die Freigabe erteilt, dass die Seiten als PDF zum Download angeboten werden können. Rückmeldungen zum Entwurf sind ausdrücklich willkommen, noch sind Überarbeitungen und Verbesserungen möglich.

Download PDF: CCBuchner Das waren Zeiten – Rheinland-Pfalz ESP Antike_Teil1

Download PDF: CCBuchner Das waren Zeiten – Rheinland-Pfalz ESP Antike_Teil2

[Update 7.5.2015]

Cornelsen hat zu seiner Ausgabe von „Forum Geschichte“ einen Überblick über Aufbau und Konzeption der Reihe sowie Preis und Erscheinungsdatum der Bände online gestellt. Dort findet sich auch eine „Leseprobe“ als PDF mit Beispielseiten aus verschiedenen Kapiteln und einem Inhaltsverzeichnis der Bände 1-3.

Erste, allerdings noch weniger umfangreiche Informationen zur „Horizonte“-Ausgabe von Westermann für Rheinland-Pfalz finden sich auch bereits auf den Seiten des Verlags.

[Update 20.11.2015]

Siehe auch die ausführliche Vorstellung der Konzeption von Buchners „Das waren Zeiten“ Band 1 für Rheinland-Pfalz unter folgendem Link:

https://geschichtsunterricht.wordpress.com/2015/11/20/buchners-das-waren-zeiten-neu-fuer-rheinland-pfalz/

Entwurf des neuen Lehrplans für die Sekundarstufe I in RLP

Nachdem Christoph Pallaske bereits in einem Beitrag auf die angedachte Grundstruktur des neuen Lehrplans für Geschichte in Rheinland-Pfalz verwiesen hat, stelle ich den Entwurf hier online, um Spekulationen zu vermeiden und zur Diskussion anzuregen.

Ministerium und Lehrplankommission haben darauf verwiesen, dass mit dem Zusenden der Entwurfsversion an die Teilnehmer der Tagung, bei der der Entwurf erstmalig vorgestellt wurde, der Entwurf „sozusagen öffentlich“ ist und auch diskutiert werden darf und soll. Vorrangig war dabei wohl an eine Weitergabe per E-Mail gedacht und nicht an ein Zugänglichmachen und Diskutieren über Blogs, aber, wenn ich das Ministerium und die Kommission richtig verstanden habe, müsste die Weitergabe auch in dieser Form in ihrem Sinn sein.

Wichtig festzuhalten ist, dass es sich um einen ersten öffentlichen Entwurf handelt, der in den nächsten Monaten noch überarbeitet und daher nicht in dieser Form in Kraft treten wird.

Für einen ersten Überblick zur Struktur übernehme ich hier noch einmal einige Infos aus meinem Kommentar in Christophs Blog:

Der Lehrplan ist für die Sekundarstufe I und soll mit dem Schuljahr 2014 eingeführt werden. Neben den Domänen wird als Grundorientierung die Chronologie beibehalten. Also weiterhin die Abfolge: Antike, Mittelalter usw. Wobei die älteren Zeiten zugunsten der neuesten Geschichte gekürzt werden sollen: Für die 10. Klasse am Gymnasium ist nur die Zeit ab 1945 vorgesehen.

Neben Domänen, Chronologie, Inhalte und Grundbegriffe tritt die Kompetenzorientierung. Alle Elemente müssen für Unterrichtsplanung beachtet und in Einklang gebracht werden. Wenn der Lehrplan so kommt, wie im Entwurf vorgesehen, wäre eine umfangreiche Handreichung zur Umsetzung dringend notwendig.

Apropos Kompetenzorientierung: Der Lehrplan ist ein gemeinsamer von Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde mit Teillehrplänen für die jeweiligen Fächer. Bei der Kompetenzorientierung hat man sich für ein eigenes fächerübergreifendes Modell entschieden. Das ist in gewisser Weise interessant, macht aber auch die Anschlussfähigkeit an die fachdidaktische Diskussion ebenso schwierig wie die fachliche Profilierung über spezifische Kompetenzen.

Es ist auf jeden Fall ein interessanter und auch innovativer Entwurf, der zur Diskussion einlädt. Gelungen finde ich persönlich die deutliche Trennung von Kompetenzen und Kerninhalten. Noch nicht ganz klar ist mir aus dem vorliegenden Entwurf die Rolle von angekündigten, verpflichtenden Längsschnitten. Werden diese geschickt angesetzt, könnten einerseits schwierige Inhalte der älteren Geschichte in späteren Klassenstufen aufgenommen und zugleich die Kürzung bei der älteren Geschichte etwas ausgeglichen werden.

Digitales – weder als Teil der Geschichtskultur noch als Lernwerkzeug  – findet in dem Entwurf bislang (leider) keine Berücksichtigung, wobei es eine ebenso spannende wie offene Frage ist, wie die Digitalisierung beim dem sich weiterhin rasch vollziehenden technischen Wandel überhaupt in einen Lehrplan, der rund 15-20 Jahre Gültigkeit haben soll, aufgenommen werden kann…?

Update 17.10.2014: Seit der ersten öffentlichen Vorstellung des Lehrplanentwurfs sind nun bereits zwei Jahre vergangen. Die überarbeitete aktuelle Entwurfsfassung für die Anhörung findet sich hier als PDF zum Download: http://christian.naujock-sieber.de/images/sampledata/lehrplan/entwurfsfassung-29-09-14b.pdf

Update 17.07.2015: Der Lehrplan ist genehmigt. Die endgültige Fassung des Lehrplans liegt vor. Hier zum Download als PDF sowohl das allgemeine Vorwort (inklusives des übergreifenden Kompetenzmodells) sowie der Teillehrplan Geschichte. Die Dokumente sind noch nicht im endgültigen Layout, die Inhalte werden aber nicht mehr verändert.

Gesamtvorwort

Teillehrplan Geschichte

Gute Nachrichten im Hinblick auf die neuen Lehrpläne

Der ein oder andere wird es gesehen haben: In der aktuellen Ausgabe von geschichte für heute (3/2010) ist bei den Berichten aus den Landesverbänden unter Rheinland-Pfalz auf den Seiten 95/96 ein kurzer Überblick von Walter Helfrich „Zur Konzeption der ‚Richtlinien zur Umsetzung der Lehrpläne Geschichte““ für das 8jährige Gymnasium (in RLP nur bei Ganztagsschulen). Dort heißt es u.a.

„Zwei chronologische Durchgänge schienen […] nicht mehr haltbar und sinnvoll. […] Man muss in diesem Zusammenhang in Frage stellen, ob die zwei Durchgänge wirklich das Ziel eines Überblickswissens erreicht haben bzw. zuletzt überhaupt um umgesetzt werden konnten.“

Eine durchweg begrüßenswerte Erkenntnis und ein ehrliches Eingeständnis. Deshalb hat man sich zur Gestaltung der neuen Richtlinien am Kompetenzmodell des Geschichtslehrerverbandes orientiert, weil man das „für die Praxis“ geeignet hält. Dies scheint mir nun wieder eher problematisch angesichts des dortigen Kompetenzverständnisses (siehe dazu auch die Beiträge hier). Insgesamt lässt sich aber erfreut festhalten, in Rheinland-Pfalz bewegt sich was hinsichtlich der Chronologie im Unterricht. Es bleibt zu hoffen, dass die oben zitierten Einsichten auch Anwendung finden bei der aktuellen Neugestaltung der Sek I Lehrpläne Geschichte.

Die neuen Richtlinien für das Fach Geschichte am 8jährigen Gymnasium in Rheinland-Pfalz können auf dem Bildungsserver des Landes als PDF runtergeladen werden.