Wikipedia als Geschichtslexikon für Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 – Schwierigkeiten und unterrichtliche Lösungsansätze

Anbei veröffentliche ich hier vorab schon einmal die Folien meines Beitrags zur Konferenz „Wikipedia in der Praxis. Geschichtsdidaktische Perspektiven“ am Freitag und Samstag in Basel. Weitere Informationen zur Konferenz sowie das aktualisierte und aufgrund von Absagen leider auch reduzierte Programm finden sich im Blog des Arbeitskreises „digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik“ der kgd. Für alle, die die Tagung online mitverfolgen wollen, der Hashtag lautet: #gld15. Für alle, die vor Ort sind, gibt es, da die Folien ja hier schon stehen, dann am Samstagmorgen die Gelegenheit für einen zweiten Kaffee 😉

P.S. Gerade gesehen, dass Slideshare den kursiven Schrifttyp eigenwillig geändert hat… das sieht in der Originalpräsentation anders aus. Hier bleibt das jetzt aber so. Ich hab ehrlich keine Lust, so lange mit Uploads rum zu experimentieren, bis das richtig angezeigt wird… dann halt Fraktur!

Konferenz Wikipedia in der Praxis – Geschichtsdidaktische Perspektiven

Nach #gld13 in München und #gld14 in Köln veranstaltet der Arbeitskreis „digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik“ der KGd eine weitere Tagung. Diese findet am 27. und 28. November 2015 in Fourth477-488Basel statt. Im Mittelpunkt steht diesmal die „Wikipedia“, die aus verschiedenen Winkeln geschichtsdidaktisch in den Blick genommen wird. Wie bereits bei der ersten Veranstaltung in München soll die Tagung als interaktive Netzkonferenz durchgeführt werden Das Programm sowie weitere Informationen finden sich bereits bei H-Soz-Kult online.

Aus Anlass der Tagung habe ich mal nachgeschaut: Hier im Blog sind seit 2009 ingesamt 22 Beiträge erschienen, die mit „Wikipedia“ verschlagwortet sind. Die einzelnen Beiträge sind in Umfang und Gehalt sehr heterogen. Die Wikipedia war 2009 tatsächlich eines der ersten Themen, das ich im Blog aufgegriffen habe. Alle bisherigen Beiträge zur Wikipedia finden sich hier in umgedrehter chronologischer Reihenfolge.

Für mich wird es eine spannende Zeitreise zur Vorbereitung auf die Tagung die alten Blogartikel noch einmal durchzulesen – und dabei vermutlich mehr als einmal aus heutiger Sicht mit Verwunderung auf frühere Überlegungen zu schauen… 😉

Nachdenken über OER – Nachlese zur Konferenz

In Berlin fand am Wochenende die von der Wikimedia ausgerichtete zweite OER Konferenz statt, die u.a. durch UNESCO und BpB unterstützt wurde. Das Programm bestand aus Keynotes, Talks und Barcampteil, letzteres allein mit insgesamt über 30 einzelnen Sessions. Vorträge wie Sessions sind online dokumentiert: Programm und Folien stehen auf den Seiten der Veranstaltung, die einzelnen Sessions sind durch die Teilnehmer in Etherpads (jeweils unter der Sessionankündigung verlinkt) dokumentiert. Die Tagung war sehr gut organisiert, der Veranstaltungsort, die Atmosphäre und Gespräche waren prima. Die aus den zahlreichen Anregungen der zweitägigen Konferenz folgenden Gedanken und Überlegungen versuche ich mit diesem Beitrag ein wenig zu ordnen und zur weiteren Diskussion zu stellen.

bookworm_penguinIn seiner Session am zweiten Tag lieferte André Hermes in seinem einführenden Input eine schlüssige Erklärung, warum OER in den Schulen bei einer Mehrheit der Lehrer kein Thema ist. Er stellte dazu den analogen Lehrer einem digitalen gegenüber. Der analoge Lehrer bediene sich an zahllosen Stellen, kopiert, schneidet, klebt -also remixt- das gefundene Material um für seine Lerngruppen und seinen Unterricht passende Lernangebote zu kreieren. Im besten Fall teilt er seine Arbeitsblätter sogar mit Kollegen. Bei den benutzten Materialien sind vielleicht auch OER dabei, vermutlich ohne dass er das bemerkt, weil die Lizenzen egal sind.

Die Frage nach OER kommt erst dann auf, wenn der Lehrer anfängt im Klassenraum digital zu arbeiten, wobei André zu Recht betont hat, dass für frontale Unterrichtsformen z.B. am Whiteboard die Verlage mittlerweile durchaus Angebote machen. Eine Änderung findet also erst statt, und das war für mich die zentrale Erkenntnis der Session, wenn die Schülerinnen und Schülern an der Erstellung eigener Produkte mit digitalen Endgeräten arbeiten.

Für mich fokussiert die Debatte über OER bislang zu sehr die Angebotsseite. Es gibt ja durchaus bereits OER-Angebote und es wird darüber diskutiert, weitere zu schaffen. Ein im Sinne von André analoger Lehrer kann aber gar nicht verstehen, was das Tolle an OER sein könnte und warum er daran überhaupt Interesse haben sollte. Werbung für OER kann also kaum funktionieren. Für analoge Lehrer wäre damit sogar eine Einschränkung verbunden, nutzen viele doch für ihre Arbeitsblätter auch urheberrechtlich geschütztes Material.

Daher ist es wichtig, sich die Nachfrageseite stärker anzuschauen. Nur durch weitere OER-Angebote wird die in Deutschland im Schulbereich bislang eher geringe Nachfrage nicht gesteigert werden können. Dies gilt ebenso für die Nutzung von OER. In der Debatte zentral ist nicht nur die Idee der einfachen Nutzung, sondern im Unterschied zu urheberrechtlich geschützten Materialien die Möglichkeiten des Remixen und Neuveröffentlichens. Auf der Konferenz habe ich mehr als einmal gehört, dass vorhandene Angebote durchaus genutzt, auch für die eigene Lerngruppe angepasst werden, aber eine Weiterentwicklung und Teilen veränderter Materialien scheinen (bislang) kaum stattfinden. Gute Ideen dazu lieferte Guido Brombach, der zu Recht in einem 10-Punkte-Programm darauf hinwies, dass es nicht reicht, einfach Materialien irgendwo auf eine Seiten im Netz zu stellen, sondern, wenn man möchte, dass das Angebot genutzt und weiterentwickelt wird, eine Community darum aufzubauen und zunächst über persönliche Kontakte Fachkollegen per Mail darauf hinzuweisen und ggf. um Rückmeldung zu bitten.

David Klett hat sich in mehreren Talk und Sessionangeboten, die unter unterschiedlichen Titel firmierten aber wesentlich ähnliche oder sogar die gleichen Argumenten wiederholt, für mich allerdings überzeugend vermittelt, dass ein Verlag auf Nachfrage reagiert. So lange ein Verlag mit seinem Angebot Abnehmer findet, warum sollte er sein Angebot ändern? Würden die Lehrer andere Formen einfordern, ließe sich damit Geld verdienen und die Verlage würden entsprechend reagieren. Das System hat also eine starke Beharrungskraft durch die normative Kraft des Faktischen. Den Schulbuchverlagen dies vorzuhalten ist meines Erachtens grundverkehrt: Sie orientieren sich am Markt und produzieren das, was sie meinen, verkaufen zu können. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Wer hier eine Änderung will, so wie Dirk Van Damme in seiner Eingangskeynote gefordert hat, dass OER nicht nur ein Pionierelitenphänomen bleibt, sondern in den Mainstram aufgenommen wird, der muss die Nachfrage stimulieren.

Forderungen OER Schulbücher über den Staat zu finanzieren, sehe ich ähnlich kritisch wie Klett. Die öffentlichen Kassen sind knapp, in vielen (den meisten?) gibt es Lehrmittelfreiheit. Die Finanzierung von OER-Schulbüchern wären für den Staat also eine doppelte Belastung. Der Drang nach Kostenreduzierung könnte schnell so groß sein, dass das ein Mal finanzierte Buch dann verpflichtend für alle wird. Auch die Vorfinanzierung durch Ausschreibung scheint mir problematisch: Was passiert, wenn das (eine, in Auftrag) gegebene Buch nicht rechtzeitig fertig wird oder qualitativ doch nicht den Anforderungen entspricht. Klar kann in letzterem Fall nachbessern, aber das ist ja nicht Sinn und Zweck des Auftrags, zumal dies auch noch einmal Zeit und Arbeit in Anspruch nimmt. Wenn aktuell ein Verlag ein Buch schlecht oder zu spät auf den Markt bringt, verkauft er es nicht. Das scheint mir die gegenwärtige beste Sicherung von Qualität, die durch die Wahl und Entscheidung der Kunden bestimmt wird.

Ebenso abwegig wie ärgerlich fand ich allerdings Kletts Verweis auf vor allem Ungarn, um ein Schreckensszenario von staatlichen Eingriffen in die schulischen Inhalte an die Wand zu malen.Nicole Allen hat in ihrer Abschlusskeynote auf Nachfrage aus dem Publikum ganz zu recht betont, dass öffentliche Gelder nicht automatisch Einflussnahme bedeuten, sondern dies von Gesetzen und politischer Kultur des jeweiligen Landes abhängig ist. Darüber hinaus nimmt der Staat bereits zentralen Einfluss auf die Inhalte: Die Bundesländer erstellen die Lehrpläne. Und natürlich finden sich hier immer auch normative Setzungen.

Wer argumentiert, dass diese so allgemein sind, dass sie den konkreten Unterricht nicht betreffen, der möge sich mal den neuen Lehrplan für Geschichte in der Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz anschauen, wo z.B. verpflichtend gesetzt wird, beim Thema Herrschaft eine Form Rollenspiel, bei der Gesellschaft nach 1945 eine Zeitzeugenbefragung durchzuführen. Das mögliche Argument, dass die Lehrkräfte den Lehrplan vielleicht gar nicht so genau umsetzen, weil es keiner kontrolliert, gilt in gleicher Form für die konkrete Arbeit mit Schulbüchern im Unterricht. Vermutlich kann jeder aus seiner Schulzeit einen Lehrer erinnern, der ein verpflichtend angeschafftes Lehrbuch so gut wie nie eingesetzt und stattdessen vornehmlich mit Kopien gearbeitet hat.

Was bedeutet das für OER?

Meines Erachtens spielen Open Educational Resources nicht die zentrale Rolle, die ihnen zugeschrieben wird. Die Debatte ist weiterhin stark politisch, technisch, rechtlich und programmatisch geprägt, nach meinem Empfinden zu wenig pädagogisch und im Mainstream der Praxis nicht angekommen. Das wird sich vermutlich nicht ändern, so lange über OER und nicht über Lernen gesprochen wird. Was OER leisten können, ist quasi als „Label“ einen Rahmen für Diskussion und Austausch zu bilden, wie z.B. die Konferenz wieder gezeigt hat.Aber es gilt auch zu beachten, dass auch unter freien Lizenzen stehende, im Internet veröffentlichte Arbeitsblätter zwar OER sein können, aber zugleich nur ganz geschlossene Aufgaben enthalten und behavouristischen Lernkonzepten folgen. Entscheidend ist daher vielmehr eine veränderte Lernkultur, die Gestaltung der Lernsituation und die Nutzung der Materialien. Für die Öffnung von Schule und Unterricht zu Demokratisierung, Individualisierung und Projektorientierung können OER eine hilfreiche, bei der Arbeit mit digitalen Endgeräten vielleicht sogar notwendige Unterstützung sein, da sie z.B. das Erstellen und Veröffentlichen anderer Lernprodukte ermöglichen – selbst Treiber oder Katalysatoren für diese Entwicklung scheinen sie mir allerdings weniger zu sein.

Die europäische eTwinning-Konferenz und der Leitmedienwechsel in der Schule

Die letzten drei Tage war ich in Budapest auf der europäischen Jahreskonferenz von eTwinning. Für alle Leser, die eTwinning noch nicht kennen sollten, hier eine kurze Beschreibung:

eTwinning ist ein Programm der europäischen Union, in dem seit 2005 eine  Internetplattform für europäische Schulprojekte zur Verfügung gestellt wird. Es gibt eine Lehrerplattform, die sich in Form und Aussehen zunehmend sozialen Netzwerken annähert und den Austausch zwischen Lehrkräften aus ganz Europa sowie die Anbahnung von Projektpartnerschaften ermöglichen soll. Wer zumindest einen Partner aus einem der 31 teilnehmenden Länder (neben den 27 der EU auch noch Norwegen, Island, Kroatien sowie die Türkei) hat, bekommt zur Arbeit mit den Schülern einen „virtuellen Klassenraum“, den sogenannten Twinspace, zur Verfügung gestellt, der die gängigen digitalen Werkzeuge wie Wiki, Fotogalerie, Dateiablage, Forum, Chat etc. enthält. eTwinning ist ein europäisches Leuchtturmprojekt. Aktuell sind auf der Plattform fast 130.000 Lehrkräfte registriert.

Unter anderem im Nachklapp auf das 7. Educamp und die „Keine Bildung ohne Medien“-Konferenz und in Vorbereitung auf die re:publica XI, wird in einigen Blogs sowie auf Twitter gefragt und diskutiert, warum Lehrer kaum mit digitalen Medien arbeiten (viele Befragungen scheinen das ja zu belegen) und wie sich dies gegebenenfalls ändern ließe. Es geht natürlich nicht um das Einführen und die Anleitung im Gebrauch einzelner „Werkzeuge“, sondern um die Frage, wie Schule auf die Anforderungen eines  gesellschaftlichen Wandels hin zu einer digitalen Welt reagieren muss, der mit dem Leitmedienwechsel einhergeht und grundlegend den Umgang mit Informationen (deren Rezeption, Organisation und Produktion) verändert.

Daraus folgt, dass es auch nicht nur um eine Lernplattform, hier: eTwinning, geht. Ich finde es aber – und das ist mir tatsächlich erst dieses Wochenende in Budapest klar geworden -, erstaunlich, dass eTwinning im Unterricht in so vielen Ländern bei so unterschiedlichen Lehrkräften und Schulsystemen dermaßen erfolgreich ist. Eine zentrale Frage ist ja, wie man Veränderungen im (trägen) System Schule unterstützen und fördern kann: Durch vorbildliches Vorangehen und das Ausarbeiten und Publizieren von Praxisbeispielen? Durch Verbesserung der technischen Ausstattung? Durch Lehrerfortbildungen zu einzelnen „digitalen Werkzeugen“? Durch veränderte Rahmen-, Lehrplan- und Prüfungsvorgaben? Durch Arbeitsgruppen und Mediencurricula in den Schulen oder gar ein eigenes „Medien“-Fach? Dahinter stecken im Detail durchaus kontrovers diskutierte Fragen über den zu beschreitenden Weg. Sofern sie sich nicht gegenseitig ausschließen, spielen vermutlich die Faktoren alle zusammen und bieten nur gemeinsam sinnvolle Lösungsansätze. Offen bleibt jedoch, wie der Wandel in der Breite initiiert werden kann.

Von der erfolgreichen Implementierung digitaler Medienarbeit durch eTwinning in tausenden von europäischen Schulen lässt sich meines Erachtens etwas lernen. Warum machen so viele Lehrkräfte bei eTwinning mit? Die Antwort ist einfach: Weil es ihnen einen deutlichen, leicht erkennbaren Mehrwert für ihren (Fach-) Unterricht bringt. Oder um es anders zu sagen: Man muss die Lehrer offensichtlich da abholen, wo sie stehen 😉

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Aber für eTwinning sind zehntausende Lehrkräfte bereit sich in Fortbildungen oder alleine zuhause vor dem Rechner, die nicht ganz einfache Handhabung der Plattform anzueignen. Die meisten wollen nicht mit eTwinning arbeiten, weil sie digitale Medien einsetzen wollen und sich fragen, was sie mit einer Lernplattform, einem Blog oder Wiki anfangen können, sondern weil sie mit eTwinning ihren Schüler über eTwinning authentische und zugleich sichere Kontakte zu Gleichaltrigen in anderen Ländern bieten können, mit denen die Schülerinnen und Schüler dann ihre Fremdsprachenkenntnisse anwenden, ihr Schul- und Alltagsleben vergleichen, unterschiedliche Sichtweisen und Arbeitsergebnisse austauschen und veröffentlichen können. Das ist für Schüler enorm motivierend, weil sie nicht für die Schule oder die Lehrkraft lernen, sondern mit Anwendungs-, Lebenswelt- und Gegenwartsbezug. Trotz des erhöhten Arbeitsaufwands wird eTwinning von den Lehrkräften als Bereicherung für den eigenen Unterricht und motivierend für die eigene berufliche Tätigkeit beschrieben.

Hinzu kommt aber noch etwas anderes und das scheint mir das eigentlich Spannende:

Am zweiten Tag der Konferenz gab es eine ganze Reihe von Workshops. Die meisten beschäftigten sich mit der Rolle von Schülern und Lehrern sowie den Grundlagen von Projektunterricht (daneben gab es Vorstellung von gelungenen und ausgezeichneten Projekten sowie einzelner Tools). Den Lesern dieses Blogs erzähle ich da nichts Neues: Wer mit einer Lernplattform und digitalen Werkzeugen arbeitet, braucht auch andere Formen des „Unterrichts“, veränderte Rollen von Lehrern und Lernern. Die Arbeit mit eTwinning oder anderen Lernplattformen lässt sich nicht in einen belehrenden Frontalunterricht „einbauen“ (der übrigens entsprechend der Schultraditionen in einigen europäischen Ländern viel stärker verankert ist als in Deutschland), sondern sie führt zu einer methodischen und inhaltlichen Öffnung von Unterricht, zu raum- und grenzüberschreitendem kollaborativen Arbeiten, was sich an den vielen dokumentierten eTwinning-Projekten ablesen lässt. Das gemeinsame Arbeiten auf der Lernplattformen tritt hier phasenweise an die Stelle des bisherigen Buchunterrichts. An die Stelle der Bücher tritt Kommunikation, Kollaboration und Produktion eigener „Contents“. Ausgehend von den europäischen Projekten setzen die Lehrkräfte in der Folge Lernplattformen und andere digitale Werkzeuge auch in anderen Unterrichtszusammenhängen ein. Sie werden selbstverständlicher Teil von Schule und Unterricht.

Was projekt- und prozessorientiertes Arbeiten ist, muss allerdings von vielen erst noch gelernt werden,  damit die Arbeit mit eTwinning gelingt. Die Lehrkraft nimmt sich zurück, wird zum Lernbegleiter, die Schüler rücken in den Mittelpunkt. Genau das wird europaweit in vielen eTwinning-Workshops und -konferenzen vermittelt. Der Ausgangspunkt aber, der die Bereitschaft zum Lernen, Umdenken und Verändern ausgelöst hat, war, und das scheint mir wichtig, nicht die Frage nach dem Einsatz von Technik  und Medien.

Die eingesetzten digitalen Werkzeuge sind erstmal Mittel zum Erreichen eines konkreten Zwecks. Dazu gibt es z.B. bei der Einführung des Buchdrucks ja durchaus historische Parallelen. Die daraus hervorgehende Kompetenz in der Handhabung und die Selbstverständlichkeit des Einsatzes digitaler Arbeitsmittel führt schrittweise zu einem grundlegenden Wandel des Unterrichts und in der Folge auch des Systems Schule. Ich vermute, dass vielen die Konsequenzen, die sich aus dem Einsatz der Plattform für den eigenen Unterricht ergeben (müssen), beim Einstieg in die Arbeit mit eTwinning gar nicht bewusst waren und erst die zunehmend positiven Erfahrungen und Rückmeldungen durch die Schüler zu einem grundlegenden Überdenken des eigenen Unterrichts geführt haben.

Bei entsprechendem Bedarf und Nachfrage in den Kollegien lässt sich übrigens beobachten, dass sich damit auch langsam aber stetig die Ausstattung der Schulen verbessert. Dies geschieht bei eTwinning nicht zuletzt über die Kombination mit Comenius-Projekten, in denen einzelnen Schule finanzielle Projektmittel zur Verfügung gestellt werden, aus denen sich Verbesserungen der Infrastruktur finanzieren lassen.

Ich denke, der Debatte in Deutschland würde es gut tun, nicht nur auf die sicherlich weiterhin vorhandenen Mängel und Defizite zu schauen, sondern auch auf solche, gerade in ihrer Breitenwirkung beeindruckenden, Erfolge zu schauen. Viele Schulen scheinen weiter zu sein, als man das aufgrund der publizierten Umfragen und der Diskussion über den Einsatz von Medien vermuten könnte…