Man sieht die Aussage vor lauter Symbolen nicht…

Achtung OER Baustelle!

Achtung OER Baustelle!

„Karikaturen gehören zu den schönsten wie zugleich zu den anspruchsvollsten Quellen im Deutsch-, Geschichts- oder Politikunterricht. Sie sind deshalb so scher zu entschlüsseln, weil sie sich einer Zeichen- und Symbolsprache bedienen. Diese Zeichen und Symbole konnten in ihrer Zeit meist bei den Leserinnen und Lesern der Zeitungen und Zeitschriften, in denen die Karikaturen erschienen sind, als bekannt vorausgesetzt werden.“

So startet der Einleitungstext im „Karikaturen-Wiki„. Das Wiki geht auf eine Anfrage von Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse zurück: Ob wir nicht mal eine Übersicht erstellen könnten, was welche Symbole in Karikaturen zu bedeuten hätten – so wie die Übersicht zu den Kriegerdenkmälern aus dem letzten Jahr (siehe Beitrag S. 46ff.). Eine super Idee! Und ja, in der Tat Karikaturen zu interpretieren gehört auch noch im Abitur zu den schwierigsten und deshalb eher ungern gewählten Aufgaben. Zu leicht ist hier etwas übersehen oder ein Element nicht richtig gedeutet.

KarikaturenwikiVon der Anregung bis zur Umsetzung hat es eine Weile gedauert, aber nun ist das „Karikaturen-Wiki“ online. Ab der kommenden Woche werden Schülerinnen und Schüler aus zwei meiner Klassen der Sekundarstufe I daran arbeiten. Das Wiki ist jedoch offen zur Mitarbeit für alle Interessierten, Lernende wie Lehrkräfte!

Ein großes Dankeschön geht an Christian Rühle, der über Twitter von dem Projekt erfahren hat, und einige Symbolerklärungen für das Wiki zur Verfügung gestellt hat, die er für seine Schülerinnen und Schüler als Hilfe zur Karikaturenanalyse zusammengestellt hatte.

Aktuell ist das Wiki noch eine große Baustelle mit wenig Inhalten und es lebt vom Mitmachen. Je mehr Klassen und Kursen sich beteiligen, das Wiki nicht nur zum Nachschlagen nutzen, sondern fehlende Begriffe ergänzen, Fehler korrigieren und bestehende Artikel erweitern, umso besser und hilfreicher wird das Wiki als Online-Nachschlagewerk für Karikaturen werden. Die Bedienung ist vergleichsweise einfach. Das Wiki ist Teil der ZUM Wiki-Family und basiert auf dem MediaWiki. Wer also bereits Erfahrungen mit der Wikipedia hat, kann sofort loslegen. Aber auch für Anfänger ist es einfach: Alle wesentlichen Editierfunktionen sind über eine Leiste erschlossen, deren Symbole aus Word oder OpenOffice bekannt sein dürften. Voraussetzung für die aktive Nutzung ist ein eigenes Benutzerkonto, das man sich über den Button oben schnell anlegen kann.

 

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Mit der „App in die Geschichte“ fürs Abi lernen

Metacognition-800px Das Lernen fürs Abi war so nicht nur Paukerei, sondern auch Spiel und sogar ein bisschen Spaß. Die Idee stammt von den Schülerinnen und Schülern des letzten Leistungskurses Geschichte. Die App in die Geschichte hatten wir im Unterricht des Leistungskurses als erste getestet. Drei der Lernenden waren auch beim Seminar in Bundesarchiv dabei, um ihre Sicht vorzustellen und mitzudiskutieren. Zugebenermaßen haben es nur wenige genutzt, die haben nach eigener Aussage aber davon profitiert.
Das Tagging Game der GeschichtsApp lässt sich zum Lernen einsetzen. Dabei können die „SpielerInnen“ auch Punkte für die Highscore sammeln, zugleich wiederholen sie aber zentrale Inhalte des Unterrichts und üben die Einordnung von Bildquellen. Dazu stellt die Lehrkraft aus dem Archiv der App geeignete Bildquellen, wie z.B. Karikaturen, für die jeweilige Lerngruppe zusammen und lädt ggf. weitere Bilder hoch, um sie als Sammlung zur Verfügung zu stellen. Während die Bilder im Archiv mit Metadaten wie Veröffentlichungsjahr, Autor, Kurzbeschreibungimage etc. erscheinen, sind sie im Tagging Game nur ohne weitere Informationen zu sehen und müssen selbstständig durch Verschlagwortung beschrieben werden.
Die Verschlagwortung funktioniert dann gut, wenn die SpielerInnen bereits das entsprechende Vorwissen mitbringen und so das jeweilige Bild fachlich korrekt entschlüsseln können, indem sie es historisch einordnen und die einzelnen Elemente möglichst präzise benennen (durch Identifizierung der abgebildeten Personen und Symbole, einer zeitlichen Einordnung usw.). So können in der Tat auf spielerische Art und Weise wesentliche Inhalte des Unterrichts sowie deren Zusammenhänge wiederholt und aufgefrischt werden. Historische Karikaturen zu diesem Zweck findet man zum Teil bereits im Archiv der App, ansonsten z.B. in den Wikimedia Commons.

Anarchismus in der Karikatur

Kladderadatsch, 1. 3.1885, CC-BY-SA Heidelberger historische Bestände digital

Kladderadatsch, 1. 3.1885, CC-BY-SA Heidelberger historische Bestände digital

Auf der Suche nach etwas ganz anderem bin ich in den Digitalisaten des Kladderadatsch auf mehrere Karikaturen zum Anarchismus gestoßen, die sich gut an den vorangehenden Artikel hier im Blog anschließen und zum Aufgreifen des Themas im Unterricht geeignet sein könnten.

Nach dem Anschlagsversuch bei der Einweihung des Niederwalddenkmals 1883, der nachfolgenden Verhaftung und Verurteilung der Verdächtigen stand der Anarchismus im Blick der Öffentlichkeit, was sich auf in den Karikaturen im Kladderadatsch widerspiegelt, die in diesem zeitlichen Kontext angesiedelt sind.

Auch in der Schweiz war man auf ein verdächtiges Treiben aufmerksam geworden und so diskutierte der Bundesrat Anfang 1885 darüber, dass „in einigen Orten der Schweiz Individuen unter dem Namen „Anarchisten“ Associationen bilden und offen Raub, Brandstiftung, Mord und Vernichtung der bestehenden Gesellschaft empfehlen; daß solche Aufforderungen durch Zeitungen verbreitet werden, die in der Schweiz erscheinen oder dort zur Austheilung gelangen; daß eine gewisse Anzahl von Indizien die Vermuthung aufkommen lassen, daß behufs Sprengung des Bundespalastes in Bern von Anarchisten ein Komplot angezettelt worden ist, und daß sogar dem letztern äußere Handlungen nachgefolgt sind, die als Anfang der Ausführung sich charakterisiren“.

Die überaus negative, mit Gewaltausübung verbundene staatsgefährdende Wahrnehmung ist überaus deutlich. Bezeichnenderweise verdächtigte man vor allem Immigranten dieser „Umtriebe“. Die namentliche Liste der Verdächtigten ist gleichfalls in dem Quellenfundus des Bundesrats überliefert. Immerhin 21 der „Landesfremden“ wurden wegen „propagandistischer Thätigkeit“ ausgewiesen. Da man ihnen aber sonst nichts nachweisen konnte, wurde die Untersuchung im Sommer bereits wieder eingestellt.

Interessant wäre in diesem Kontext mit weiteren Materialien die Untersuchung wie ein gesellschaftliches Gefahrenszenario politisch und medial aufgebaut wurde, das von einer fehlenden Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen politischen Ideen des Anarchismus ebenso zeugt wie es auch in keiner Relation zu der tatsächlich vorhandenen Bedrohung durch einzelne gewaltbereite Anarchisten stand. Mögliche Gegenwartsbezüge möge sich jeder an dieser Stelle selbst denken.

Kladderadatsch, 1.2.1885 "Interessenpolitik", CC-BY-SA Heidelberger historische Bestände – digital

Kladderadatsch, 1.2.1885 „Interessenpolitik“, CC-BY-SA Heidelberger historische Bestände – digital