Twitter für den Geschichtsunterricht

Interessante Links und Hinweise auf Materialien, Internetwerkzeuge u.a. für den Geschichtsunterricht vor allem aus dem anglo-amerikanischen Raum finden sich auf Twitter unter dem Hashtag #historyteacher

Außerdem gibt es hier eine Liste mit „100“ englischsprachigen Twitter Feeds zum Thema Geschichte und Geschichtsunterricht.

Etwas allgemeiner eine Liste mit Twitterern rund um das Thema Bildung, in twitter auch zu finden als Hashtag #Bildungstwitterer.

Twitter oder nicht twitter…

das scheint seit einigen Wochen die Frage. Überall im Netz wird darüber diskutiert, viele legen sich schnell ein Konto zu, um dabei zu sein und nichts zu verpassen. Dauerhaft scheinen hingegen nur wenige Twitter zu nutzen. Unterrichtsvorschläge werden präsentiert und der Nutzen für den Unterricht angepriesen. Ich sehe einen Hype aber bislang wenig Nutzen. Nachdem Durchsehen verschiedener Anregungen für den Unterricht hat mich wenig wirklich überzeugt. Als ein Beispiel für den Geschichtsunterricht sei auf dieses Video verwiesen: The twitter experiment – UT Dallas

Warum soll ich Twitter als Diskussionsmedium einsetzen, wenn alle Diskutierenden im Raum anwesend sind? Bei einer großen Teilnehmerzahl lassen sich Kleingruppen zur Diskussion bilden, deren Sprecher/in anschließend die Ergebnisse zusammenfassen und/oder mit den anderen Gruppensprechern diskutieren kann. Eine breite Beteiligung erreiche ich auch so und schule zudem noch die Vortragskompetenz vor einer (großen) Gruppe. Soziale Kompetenzen sollten nicht hinter dem Medieneinsatz verschwinden. Für die soziale Komponente von twitter, der Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schüler oder Studenten, halte ich virtuelle Klassenräume mit entsprechenden tools wie bei moodle oder lo-net2 möglich für wesentlich zweckmäßiger.

Hervorgehoben wird häufig, dass man seinen Aussage in 140 Zeichen auf den Punkt bringen müsste: Um Zusammenhänge aufzuzeigen, Begründungen zu geben, über historische Inhalte zu diskutieren, dabei aufeinander Bezug nehmen, eine eigene Meinung entwickeln und diese vertreten lernen, für allsdas braucht es mehr als 140 Zeichen. Diese grundlegenden Fähigkeiten müssen immer wieder trainiert und eingeübt werden,  twitter hingegen fördert genau das Gegenteil: nämlich kurze, unverbundene Statements. Keine Frage hat twitter seinen Zweck für die Verbreitung von Werbebotschaften für sich selbst oder ein Produkt, um mit Bekannten in Kontakt zu bleiben, für die schnelle Verbreitung von Informationen.

Der Einsatz dieses Tools im Iran finde ich schlicht beeindruckend und sollte unabhängig vom Ausgang des Machtkampfes vergleichend im Politik und Sozialkundeunterricht, aber auch in einem thematischen Längsschnitt zu (Medien in) Revolutionen im Fach Geschichte thematisiert und analysiert werden. Ein besserer Gegenwartsbezug lässt sich wohl kaum herstellen und im Vergleich werden dann auch alte Flugblätter und Zeitungsmeldungen von 1789 und 1848 wieder interessant.

Zur Zeit sehe ich einen Bereich, wo sich twitter sinnvoll im Unterricht einsetzen lässt, nämlich im kreativen Schreiben. Dabei liefert twitter nichts grundsätzliches Neues, aber eine attraktive, weil neue Form. Für den Geschichtsunterricht finde ich ein Projekt sehr interessant und würde das gerne im nächsten Schuljahr mit einem anderen Thema selbst mal ausprobieren. Das Projekt heißt TwHistory und beruht im Wesentlichen auf der Idee, Hauptpersonen eines historischen Ereignisses in Verbindung zu setzen und miteinander kommunzieren zu lassen. Beispielhaft wurde dies mit der Schlacht von Gettyburg durchgeführt, aber jedes andere historische Ereignis, das gut belegt ist, in dem viel passiert und  wo Entscheidungen diskutiert werden müssen, lässt sich hierfür nehmen.

Um die 140Zeichen-Mitteilungen sinnvoll zu füllen, sind dann in der Tat sehr präzise Recherchen über den historischen Hintergrund, Motive, Einstellungen und Handlungen der Personen zu leisten. Dazu braucht es im Unterricht biographische Quellen: Tagebücher, Briefe usw. Gelingt dies, lassen sich komplexe Entscheidungsprozesse anschaulich erarbeiten und auf kreative Art und Weise darstellen. Das ist zwar nichts, was im Geschichtsunterricht grundlegend neu wäre, aber twitter bietet hier m.E. tatsächlich eine attraktive Alternative zu bisherigen Formen des Schreibgesprächs oder Rollenspiels.

Globalgeschichtliche Perspektiven im Geschichtsunterricht

Nach Lesen der Beiträge in der neuen Ausgabe von geschichte für heute bin ich etwas ratlos. Einerseits finde ich die Idee einer stärkeren weltgeschichtlichen Verordnung der eigenen Geschichte überzeugend, andererseits sind m.W. die Vorgaben in Lehrplänen und Rahmenrichtlinien von wenigen Schlaglichtern abgesehen immer noch stark auf die nationale Geschichte ausgerichtet. Ich dachte bislang, eine Erweiterung des Unterrichts um eine  systematische Berücksichtigung verschiedener europäischer Perspektiven wäre bereits ein Gewinn. Gleichzeitig finde ich, dass die Geschichte vor Ort, der Stadt und Region, in der die Schüler leben, gleichfalls zu wenig Berücksichtigung findet. Dies scheinen zunächst gegenläufige Wünsche, die mehr Lerninhalte mit sich bringen, was bei gleichzeitig tendenziell sinkender Stundenzahl für das Fach nicht umsetzbar scheint.

Das von Jürgen Osterhammel vorgeschlagene exemplarische Lernen ist schon jetz wesentliche Grundlage des Geschichtsunterrichts. Durch Vergleichs- und Querschnittsverfahren in globalgeschichtlicher Perspektive kommen zwangsläufig neue Inhalte hinzu, zu deren Gunsten anderes wiederum gestrichen werden müsste. Eine einfache Lösung sehe ich nicht.

Trotz der genannten Bedenken glaube ich, dass es wichtig ist, die unterschiedlichen Perspektiven nicht additiv, sondern als sich gegenseitig ergänzend und unabdingbar zum Verständnis und zur Positionierung der eigenen Geschichte zu sehen. Und deshalb gehört dies in den Geschichtsunterricht, um weder in regional-, noch national- oder eurozentrischen Sichtweisen zu verharren, die auf  das bekannte Problem einer inhärenten Überschätzung des Eigenen und damit einhergehend einer Abwertung des Fremden hinauslaufen.

Entscheidend für die Durchsetzung des Konzepts wird sein, ob in absehbarer Zeit entsprechende Handreichungen, Unterrichtsvorschläge und überarbeitete Schulbücher als weiterhin die entscheidenden Leitmedien für die Gestaltung des Geschichtsunterrichts vorlegt werden, denen es gelingt, die unterschiedlichen Ebenen sinnvoll miteinander zu verbinden und das wissenschaftliche Konzept für den Unterricht umzusetzen.  Einige Unterrichtsvorschläge zum Bereich der Wirtschaft finden sich im aktuellen Heft von Geschichte lernen.

Deutsch-polnische Geschichte

Auf den Diskussionbeitrag von Markus Nesselrodt, der gestern pünktlich zum Jahrestag der Schlacht bei Grunwald/Tannenberg (15.7.1410) auf lernen-aus-der-geschichte.de erschienen ist, möchte ich an dieser Stelle kurz hinweisen. Seine Anmerkungen kann ich aus eigener Erfahrung in der deutsch-polnischen Projektarbeit nur unterstützen.

Hinzufügen möchte ich noch den Hinweis auf das Deutsch-Polnische Schulbuchprojekt, das vom GEI koordiniert und von beiden Regierungen zur Zeit unterstützt wird. Geplant ist 2011 ein deutsch-polnisches Schulbuch für den Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe I beider Länder herauszugeben.

Dies wird ähnlich wie bei den bereits erschienen Bänden des deutsch-französischen Lehrwerks für die Oberstufe die fachdidaktische  Diskussion über die Bedeutung der Geschichte des Nachbarlandes und einer europäischen Sichtweise im Geschichtsunterricht beleben. Zusätzlich wäre es wünschenswert, wenn die Zusammearbeit und der Vergleich mit unseren Nachbarländern auch zu einem Nachdenken über methodische Ansätze führen würde.

Start

„Das Medium ist die Botschaft. Und das Leit-Medium von Historie in der Gesellschaft ist weder die ‚Quellensammlung‘ (…) noch der listenhafte ‚Leitfadenabriss‘ voll Jahreszahlen. Die Medien von Geschichte sind relativ zahlreich, von der spannenden historischen Erzählung und der bewegenden Biografie über Tageszeitung und Reiseführer, über Denkmal und Gedenktag, über Kommentar und Essay (…), über Roman und Spielfilm zur kompilationsförmigen ‚Fernsehdokumentation und zur thematischen Ausstellung. Kompetenter Umgang mit diesen Medien (und nicht nur mit ‚Dokumenten‘) ist eine wichtige Qualifikation.“

Bodo von Borries, Geschichte Denken Lernen – Welterschließung statt Epochenüberblick, Opladen u.a. 2008, S. 100f.

Um mit dem Blog zu beginnen, werden die nächsten Tage hier zunächst sukzessive Informationen und Materialien eingestellt, die bisher an anderer Stelle zu sehen waren.

Der Begriff „Medien“ ist nicht, wie vielleicht naheliegenderweise zu vermuten, ausschließlich im Sinne digitaler Medien zu verstehen. Die Diskussion über diese „neuen“ Medien muss m.E. auch zu einem Nachdenken über den Einsatz der „alten“ Medien führen, um deren Position im Unterricht gleichsam neu zu bestimmen. Es geht also mehr um „neues Lernen mit Medien“ als um das lange diskutierte Lernen mit „neuen“ Medien. Darüber hinaus gilt es die spezifischen Beitragsmöglichkeiten des Geschichtsunterrichts zu einer allgemeinen Medienbildung (media literacy) zu erörtern. In diesem Zusammenhang ist ja schon verschiedentlich auf die hohe Affinität z.B. historischer Quellenkritik und dem Umgang mit dem Internet als Informations“quelle“ hingewiesen worden.

Der Blog soll Gelegenheit dazu geben, methodische und didaktische Überlegungen zum Einsatz  und Umgang mit Medien im Geschichtsunterricht auszutauschen und zu diskutieren. Ich hoffe, es ist die ein oder andere Anregung für die Gestaltung des Unterrichts dabei.