„Mit der App ist der Unterricht noch interessanter geworden und es hat Spaß gemacht mit der App zu arbeiten.“

Zusammenfassung der Ergebnisse einer Schülerbefragung zum Unterrichtseinsatz der App in die Geschichte:

Die Schülerinnen und Schülern, die die App erstmalig im Unterricht am Eichdorff-Gymnasium Koblenz ausprobiert haben, nannten als positive Lernerlebnisse:

  • Geschichtliche Ereignisse aus der Umgebung entdecken und verstehen zu können
  • Das Gefühl, im Unterricht etwas zu gestalten bzw. selbst zu erstellen und nicht nur passiv zuzuhören
  • Der Wunsch nach mehr Unterrichtsstunden in diesem Fach sowie
  • nach einem häufigeren und intensiveren Einsatz solcher (neuer) Unterrichtsanwendungen.

Im Auftrag der INA hat die FactWorks GmbH Berlin eine Online-Befragung unter den Schülern zweier Pilotklassen (42 Teilnehmer) durchgeführt. Es erfolgte je eine Befragung, deren Teilnahme freiwillig war, vor und nach dem App-Einsatz, der im zweiten Schulhalbjahr 2013/2014 stattfand.

Die Schüler wurden durch die Arbeit mit der App nicht nur für das Fach Geschichte motiviert, sondern auch zu konkreten Verbesserungsvorschlägen und Ideen für die Weiterentwicklung der App angeregt, wie z.B. „mehr Spiele“, „mehr Themen“ und verbessertes Design.

 

Evaluationsbogen zum Geschichts- und Sozialkundeunterricht

In Berlin werden zu diesem Schuljahr verpflichtende Rückmeldungen zu Lehrer und Unterricht durch die Lernenden eingeführt (siehe auch den Bericht in der Berliner Zeitung). Die Schülerinnen und Schüler sollen die Fragebögen am Computer im Unterricht ausfüllen. Die Rückmeldungen sind anonym verschlüsselt, werden elektronisch ausgewertet und nur der Lehrkraft zur Verfügung gestellt. Die Bögen sowie das Portal zur schulischen Selbstevaluation sind vom Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg entwickelt worden.

An anderer Stelle hatte ich ja schon mal darauf hingewiesen, wie hilfreich und sinnvoll Schülerrückmeldungen in meiner eigenen Unterrichtspraxis sind, insofern finde ich das Projekt und die damit verbundene Unterstützungsleistung für die einzelne Lehrkraft sehr begrüßenswert, zumal die Daten der Rückmeldungen beim Lehrenden zur Verbesserung seines Unterrichts bleiben.

Neben allgemein Kriterien/Fragebögen zum Unterricht sind auch fachspezifische Raster entwickelt worden. Wer sich den Bogen für Geschichte/Politik/Sozialkunde mal anschauen möchte, kann diesen hier als PDF-Dokument herunterladen.

Es ist überaus interessant ist, was hier unter „gutem“ Geschichtsunterricht verstanden und welche Kriterien dafür zugrunde gelegt werden. Für den Geschichtsunterricht unterteilt sich der Bogen in die Bereiche: Förderung der 1) „Deutungs- und Analysekompetenz“, 2) „historischer Methodenkompetenz“ sowie 3) der „Urteils- und Orientierungskompetenz“. Vieles ist sicher einleuchtend und unstrittig, z.B. da wo einzelne Items auf etablierte Kategorien der Geschichtsdidaktik wie Multiperspektivität oder Kontroverstität rekurrieren. Anders ist das sowohl in der diffusen Anlehnung an strittige Kompetenzmodelle sowie in den einzelnen Punkten einigermaßen diskutier- und streitbar…

Ist z.B. das (häufige) Durchführen von Zeitzeugen- und Expertengesprächen ein Qualitätsmerkmal von Geschichtsunterricht? Wie realistisch ist das angesichts der wenigen Unterrichtsstunden des Fachs? Methodisch lässt sich vieles auch an schriftlichen oder videografierten Zeitzeugenberichten einüben, das wird aber nicht abgefragt… Bei einzelnen Items fällt auch mir schwer zu verstehen, was hier wohl gemeint sein könnte, so z.B. unter 2.10 „Wir können das Thema der Stunde oft gemeinsam mit unserer Lehrerin, unserem Lehrer oder selbst finden“ oder unter 3.3 „Im Unterricht diskutieren wir die historische Veränderung von Moral und Wertvorstellungen.“ Das Bemühen um einfache Formulierungen ist zu erkennen, ich könnte mir aber vorstellen, dass da doch der ein oder andere jüngere Schüler der Sekundarstufe schlicht mit überfordert sein dürfte…

Es ist natürlich immer vergleichsweise einfach zu kritisieren. Es selbst besser zu machen, wäre die wirkliche Herausforderung. Deshalb sei es noch einmal deutlich gesagt:  Ich finde es gut, solche Bögen zu erarbeiten und vor allem diese so einfach für alle zur Verfügung zu stellen, auch wenn im Detail das ein oder andere vielleicht überdacht werden sollte. Als Orientierung und Vorlage für eigene Rückmeldebögen ist das Angebot unzweifelhaft eine Hilfe für Geschichts- und Sozialkundelehrkräfte auch außerhalb von Berlin und Brandenburg.

Mich würde ja noch interessieren, weil das aus dem Evaluationsportal des ISQ nicht hervorgeht, wer auf welcher Grundlage den Bogen ausgearbeitet hat? Und ob sich Geschichtsdidaktiker oder der Geschichtslehrerverband an der Erstellung beteiligt haben bzw. was diese dazu sagen? Immerhin werden hier auf Landesebene relativ mutig Qualitätskriterien für den Fachunterricht formuliert, deren theoretische und/oder empirische Fundierung und Genese zumindest im Umfeld der Veröffentlichung auf den Seiten des Instituts nicht expliziert werden.

Digitale Medien in der Schule: die Sicht der Schüler

Zunächst mal vielen Dank für die netten Reaktionen hier im Blog, per Mail und über Twitter auf den Artikel in Zeit Online. Das hat mich sehr gefreut; gerade auch die einiger Schüler aus verschiedenen Bundesländern.

Abgesehen von den Kommentaren unter dem Artikel, bei denen klar ist, dass die Kommentierenden gerne öffentlich ihre Meinung kundtun, auch wenn sie offenkundig nicht wissen, wovon sie schreiben, waren die Reaktionen überwiegend sehr positiv in dem Sinne: Es wäre schön, wenn mehr Lehrer digitale Medien im Unterricht einsetzen würden und darauf würden die Schüler als netzaffine Generation nur warten.

Interessant genug wird in Beiträgen über Internet- und Computernutzung im Unterricht gerne und viel über Ausstattung und Mittel, Chancen und Lehrerkompetenzen bzw. deren Mangel diskutiert, aber zum einen wird oft impliziert, dass es in den Schulen nur eine Generationenfrage sei, dass junge Lehrer nachwüchsen, die quasi selbstverständlich digitale Medien im Unterricht einsetzten. Zum anderen spielt die Sicht der Schüler selten bis nie eine Rolle, allenfalls wird davon ausgegangen, dass Schüler Arbeit mit dem Internet im Unterricht per se gut fänden (siehe z.B. hier).

Beides kann ich aus meiner begrenzten Erfahrungswelt so nicht bestätigen. Es gibt eine Menge auch junger Kollegen, die selbstverständlich Facebook oder ihr Smartphone nutzen, aber der Meinung sind, dass das nichts im Unterricht zu suchen habe und einen Unterricht reproduzieren, den sie im Studienseminar so gelernt oder als Schüler in den 80er und 90er Jahren selbst erlebt und für gut befunden haben. Ebenso kenne ich viele Kollegen – sagen wir mal im fortgeschrittenen Alter – , die mit Begeisterung immer neue Dinge ausprobieren, viel mit digitalen Medien arbeiten und Vorreiter in ihren Schulen sind. Es ist keine Frage des Alters. Entscheidend scheint mir viel mehr, die eigene Motivation und Neugier, Neues ausprobieren, die Schüler und sich selbst nicht langweilen zu wollen.

Was die Schüler angeht: Ich bemühe mich von Zeit zu Zeit meinen Unterricht und speziell nach dem Ausprobieren neuer Formen im Unterricht diese durch Schüler evaluieren zu lassen. Nun ja, evaluieren ist vermutlich etwas hochgegriffen, es geht um mündliche und (anonyme) schriftliche Rückmeldungen. (Wer mag, kann sich ein Beispiel für so einen Rückmeldebogen hier als Worddatei runterladen. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden.)

Diese empfinde ich als sehr hilfreich und bin immer wieder positiv erstaunt wie präzise und gut auch schon jüngere Schüler (ich unterrichte ab Klasse 7) Unterricht beobachten und diesen reflektiert, differenziert und fair bewerten. Ich kann das nur empfehlen. Ich habe damit bisher ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. Wichtig ist natürlich, die Schüler ernst zu nehmen, die Anonymität zu wahren und Kritik auch anzunehmen. Dann ist das Feedback der Schüler eine echte Bereichung und hilft dabei gemeinsam sowohl die Gruppe als auch den Unterricht weiterzuentwickeln.

Um zum Punkt zurückzukommen: Die Rückmeldungen zum Computer- und Interneteinsatz durch die Schüler sind durchaus gemischt. Einige finden das richtig klasse, andere überhaupt nicht. Kaum ein Punkt der Rückmeldungen in den verschiedenen Klassen und Kursen wird dermaßen kontrovers bewertet. Das hat sicherlich damit zu tun, dass die Arbeit mit Computern eine Individualisierung des Lernens unterstützt, so dass jeder arbeiten muss und sich im Gegensatz zu einer Frontalstunde nicht zurücklehnen und rausziehen kann. Vor allem aber, so mein persönlicher Eindruck, hängt die positive oder negative Bewertung an der Internetaffinität und den Vorkenntnissen der Schüler. Nur sehr wenige  Schüler nutzen privat Blogs oder Twitter oder schreibt aktiv an einem Wiki, wie z.B. der Wikipedia, mit. Genutzt werden soziale Netzwerke, Youtube etc.

Zusammenfassend lässt sichj sagen: je größer die Vorkenntnisse, desto positiver das Feedback. Aber es gibt weiterhin viele Schüler, die sich mit Computern sehr schwer tun, sich keineswegs intuitiv durch das Web klicken und den Unterricht mit Buch und Tafel vorziehen.

Beispielhaft seien hier einige typische Schülerrückmeldungen wiedergegeben, die die Vor- und Nachteile aus Sicht der Schüler aufzeigen:

„Mir gefällt, dass es nicht so ein strikt durchgezogener Unterricht ist, wo man nur die Jahreszahlen auswendig lernt.“

Meinst du, dass das, was du gelernt hast, für dich wichtig ist? „Ja, auf jeden Fall, da ich mit mir unbekannten Medien gearbeitet habe [… und] dass das neue Wissen auch in Zukunft einsetzbar ist für Geschichte, aber auch für andere Fächer.“

„Mir hat vor allem das selbstständige und eigenständige Arbeiten gut gefallen.“

„Zu Beginn hatte ich Probleme mit dem Computer […] Ich denke, dass es normal ist, dass man am Anfang ein bisschen Zeit braucht, um mit der Technik klar zu kommen.“

„Es war viel Arbeit.“

Schreibe auf, was dir am Unterricht am wenigsten gefällt: „nicht zu viel mit dem Computer arbeiten“

„Ich fand den Geschichtsunterricht gut, jedoch fände ich eine geringere Arbeit am PC besser.“

„Ich fand, dass wir etwas zu viel am PC gemacht haben im Unterricht und anfangs war ich manchmal […] überfordert.“

„Ich habe sehr viel gelernt, manches hat mir nicht sehr gefallen, wie z.B. die ganze Computerarbeit, aber das Positive überwiegt.“

„Ich wurde auf jeden Fall nicht unterfordert. Ich finde, es war schon richtig so, obwohl man nicht wirklich oft in der Schule so gefordert wird.“