Einstieg über das Ende

Zunächst werden die Schülerinnen und Schüler gefragt, was sie am 11. November gemacht haben (je nach Region und Alter gehen die Antworten mehr Richtung Karneval/Fasching, St. Martin/Lichterumzug oder einfach „nichts“). Danach werden zeitgleich zwei Bilder vom 11.11.2018 projiziert aus Paris oder Compiègne und Warschau. Z.B. die beiden hier verlinkten:

Die Schülerinnen und Schüler äußern begründete Hypothesen, was die Bilder zeigen und was mögliche Gründe für die Veranstaltungen in den beiden Ländern an diesem Tag gewesen sein könnten. Anschließend ist nun Aufgabe in Kleingruppen zu recherchieren und dann zusammenhängend darzustellen, welche Bedeutung dieser Tag in Polen und Frankreich hat und warum die Veranstaltungen in beiden Ländern einen so unterschiedlichen Charakter hatten [In Frankreich wird dem Waffenstillstand vom 11.11.1918 und damit den Toten und dem „Ende“ des Ersten Weltkriegs gedacht; in Polen feiert man die Wiedergewinnung staatlicher Unabhängigkeit, eines eigenständigen polnischen Staates gleichfalls am 11.11.1918, den es nach der 3. Teilung Polens seit 1795 nicht mehr gegeben hatte.]

Je nach Alter der Schülerinnen und Schüler kann es hilfreich sein, ihnen Informationskarten, wie sie auch bei der Methode „Mystery“ (PDF) verwendet werden, bereitzustellen, die sie dann „nur“ mithilfe der Online-Recherche in eine geordnete, vernetzte Struktur bringen. Die Recherche können vorgegebene Links z.B. zu Seiten der BpB (Frankreich, Polen) hilfreich unterstützen.

Ausgehend von diesem Einstieg kann der Erste Weltkrieg anschließend in einem multiperspektivischen Zugriff erarbeitet werden.

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Eine manipulierte Quelle zum Einstieg ins Fach Geschichte?

An den Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz gibt es in der Mittelstufe das Fach „Gesellschaftslehre“. Daraus ergibt sich ein schwieriger Übergang in die dann in der Oberstufe getrennten Fächer Geschichte / Erdkunde / Sozialkunde. Die im Lehrplan der Oberstufe vorgesehene Einführung in das (dann neue) Fach „Geschichte“ erhält dadurch eine besondere Bedeutung. Die gemeinsam mit zwei Kollegen entwickelte Unterrichtsreihe entwickelt, die wir parallel in den ersten Wochen des Schuljahrs in allen drei Geschichtskursen durchgeführt haben, möchte ich hier kurz vorstellen.brief-1917-einstieg-geschichte

Als Einstieg nutzten wir ein von uns manipuliertes Digitalisat einer Briefquelle (siehe rechts). Wer genau hinschaut, kann an mehreren Stellen die Veränderungen erkennen oder zumindest erahnen. Das Digitalisat ist der Sammlung von Feldpostbriefen der Museumsstiftung Post und Telekommunikation entnommen. Dort findet sich auch das vollständige Digitalisat inklusive vollständigem Transkript und kurzer biographischer Skizze zum Autor.

In der ersten Stunde wurde gemeinsam versucht, die Handschrift zu entziffern, also ein eigenes Transkript anzufertigen, um anschließend begründete Vermutungen anzustellen, um was es in dem Brief geht, was dessen Hintergrund ist (das entscheidende Wort ist allerdings durchgestrichen, so dass verschiedene Deutungen möglich sind). Anschließend wurde festgehalten, welche Informationen dem Brief bereits entnommen werden können (Datum, Ort, Vorname des Autors und der Empfängerin), welche Informationen zum Verständnis des Briefs fehlen und wie man an diese kommen könnte.

In der zweiten Stunde stand die Frage im Mittelpunkt, ob der Brief, der als „Zufallsfund aus dem Internet“ eingeführt worden war, überhaupt glaubwürdig ist oder ob es sich in irgendeiner Form um eine Manipulation oder Fälschung handeln könnte. Es wurden innere und äußere Kriterien der Quellenkritik erarbeitet (Prüfen von Schrift, Wortwahl, Unregelmäßigkeiten im Schriftbild, Fundort im Netz, Autor usw.). Um dann in einer ersten Internetrecherche die Glaubwürdigkeit der Quelle zu prüfen. Die Schülerinnen und Schüler haben unterschiedlich schnell und erfolgreich die entsprechende Seite der Museumsstiftung gefunden und konnte erkennen, dass es sich um eine leicht veränderte Kürzung des dort zu findenen Digitalisats handelt. Die verschiedenen Recherchestrategien wurden abschließend kurz besprochen und reflektiert und die Anfangsvermutungen über Kontext und Inhalt des Briefs anhand des vollständigen Texts überprüft.

Die dritte und vierte Stunde waren dem Kennenlernen von Periodisierungsmodellen der Geschichtswissenschaft und der Einordnung der Quelle in den historischen Kontext gewidmet. Schwerpunkt war dabei die Frage nach  1917 als „Epochenjahr“.

quellenanalyse-geschichtsunterrichtDie fünfte und sechste Stunde beschäftigten sich mit Quellenbegriff und –interpretation. Zunächst wurde derUnterschied von Quelle und Darstellung geklärt, dann verschiedene Quellengattungen kennengelernt und schließlich der Brief als erzählende Textquelle und Überrest eingeordnet. Mit Hilfe einer Übersicht mit den einzelnen Arbeitsschritten zur Interpretation von Textquellen (ergänzt durch das übersichtliche Schema von Marc Albrecht-Hermanns (siehe links) stellten die Schülerinnen und Schüler zunächst fest, welche Fragen sie bereits beantworten konnten und welche Informationen sie noch recherchieren mussten, um eine vollständige Quelleninterpretation durchführen zu können. Vorab wurden dazu Tipps für die Internetrecherche gesammelt und festgehalten (u.a. Phrasensuche, Suchfunktion im Browser)

Auf Grundlage der Auswertung der Briefquelle sowie der Recherchen verfassten die Schülerinnen und Schüler anschließend in Kleingruppen eine Quelleninterpretation, explizit auch als Annäherung an die Anforderungen der ersten Klausur – in der Mittelstufe werden ja weder in Geschichte noch in Gesellschaftslehre Klassenarbeiten geschrieben. Das gegenseitige Feedback und die ausführliche Besprechung der verschiedenen Schülertexte bildete dann eine gute Grundlage um abschließend in der Einführungsreihe den Konstruktionscharakter von Geschichte sowie die Frage der Objektivität von Geschichtsdarstellungen zu besprechen.

Insgesamt hat die Reihe als Einstieg ins Fach im ersten Durchlauf bewährt. Der Einstieg mit Hilfe einer Manipulation mag ungewöhnlich wirken, hat aber insofern gut funktioniert, als dass die Quelle nicht nur Aufhänger war, sondern den roten Faden für die ganze Unterrichtsreihe von 8 Stunden bildete und diese inhaltlich so getragen hat, dass es nicht langweilig wurde. Ganz im Gegenteil war besonders der Einstieg mit dem Rätselcharakter motivierend und hat die Schülerinnen und Schüler zugleich – quasi detektivisch – an die grundlegenden Begriffe und Methoden historischen Arbeitens in der Oberstufe herangeführt.

Flüchtling, Migrant, oder was? Vorschlag für eine Auftaktstunde zur Orientierung

20160513_154149Dieses Wochenende bin ich auf dem abschließenden Treffen des euroclio-Projekts „Teaching Europe“, in dem im vergangenen Jahr jeweils eine Lehrerin bzw. ein Lehrer aus jedem der 28 Mitgliedsstaaten vier Geschichts- und Politik-/Sozialkundebücher aus dem eigenen Land im Hinblick auf die Darstellung der EU untersucht hat. Die Kommunikationssprache ist Englisch. Somit liegt nun auf Englisch ein großer Fundus von Einzelanalysen vor, der in der Gesamtschau einen einmaligen Überblick über die Darstellung der EU in ausgewählten Schulbüchern aus allen Mitgliedsstaaten bietet. Wie wir die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit weitergeben und veröffentlichen  können, werden wir die kommenden Tage diskutieren.

euroclio macht großartige Arbeit, die in Deutschland vielleicht nicht immer in dem Maß wahrgenommen wird, wie sie es verdient hätte. Alle aktuellen Projekte von euroclio stehen für einen modernen, inhaltlich wie methodisch innovativen Geschichtsunterricht. Wenn die nächste Tage Zeit bleibt, werde ich über die ein oder andere Anregung vom Projekttreffen bloggen. Vorab möchte ich nur eine kleine Idee für eine Unterrichtsstunde weitergeben, die ich gemeinsam mit den Kollegen aus Lettland, den Niederlanden und der Tschechischen Republik heute in der ersten „working session“ erarbeitet habe.

Es handelt sich dabei um eine Einstiegsstunde in das Thema „Migration“ oder „Flüchtlinge“ in historischer Perspektive. Ziele der Stunde sind, dass die Schülerinnen und Schüler verschiedene Ursachen von „Migration“ kennenlernen, verschiedene Formen von Migration (Flucht vor Krieg, Verfolgung, Arbeitsmigration etc.) unterscheiden können und dass sie schließlich erkennen, dass Migration historisch betrachtet der Normalfall und keine Ausnahme ist.

Zum Einstieg erfolgt die Abfrage vorhandener Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler über die Frage „Was ist (deiner Meinung nach) ein Migrant?“. Gegebenenfalls kann dies durch ein Bild als Impuls unterstützt werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass das Bild nicrefugees-800pxht zu stark lenkt.

In einem zweiten Schritt erhalten die Schülerinnen und Schüler mehrere Kurzbiographien von Migranten, die sie in Kleingruppen bearbeiten. Sie sollen dabei die Ursachen für das Verlassen des Wohnorts, Veränderungen der Lebenssituation sowie langfristige Folgen herausgearbeiten. Eventuell kann hier gerade bei jüngeren Lernenden ein Arbeitsblatt mit einem vorgebenen Raster hilfreich sein, um die Arbeit mit den Text zu stützen.

Bei der Auswahl der beispielhaften Biographien sollten verschiedene Räume und Zeiten Berücksichtigung finden (z.B. Antike: griech. Kolonien, Mittelalter: Juden evtl. Maimonides, 17. Jahrhundert: Hugenotten, 18. Jahrhundert: Revolutionsflüchtlinge, 19. Jahrhundert: Arbeitsmigration aus Italien, Irland oder der Pfalz, 20: Jahrhundert: Vertreibungen Griechenland, Türkei, Polen, Jugoslawien usw.) Gut ist es auch, wenn ein oder zwei Biografien mit regionalem Bezug zum Schulort dazugenommen werden können. Auf Deutsch finden sich einige Biografien, die sich gut für den Unterricht eignen, allerdings nur die Neuzeit und verschiedene von Formen von „Flucht“, aber nicht Migration allgemein abdecken, auf dem Blog „gefluechtet.de“.

In einem Gruppenpuzzle stellen sich die Schülerinnen und Schüler anschließend in Expertengruppen die verschiedenen Migrationsgeschichten vor. Gemeinsam wird abschließend die Eingangsfrage noch einmal aufgeworfen, um dann festzuhalten, welche unterschiedliche Ursachen und Typen von Migration es gab und gibt.

Diese Stunde bietet als Einstieg bereits einen Überblick über das Thema, an den in den Folgestunden auf verschiedene Art und Weise angeknüpft werden kann: Es können sowohl eine historische Epoche näher betrachtet als auch – z.B. im übergreifenden Fach Gesellschaftslehre – die aktuelle Flüchtlings- „Krise“ mit ihren Ursachen und Folgen in den Blick genommen oder anhand der Familiengeschichten der Schülerinnen und Schüler, auch in scheinbar homogenen Klassen gerade unter Berücksichtigung von „Binnenmigration“, das Thema vertieft werden.

Am 7. März

[…] Der Sonntag wird erfunden von Konstantin dem Großen
Hans Rosenthal auf RIAS, ein Star ist geboren
GI’s haben bei Remagen den Rhein überquert
‚We are the World‘ zum ersten Mal im Radio gehört

Das erste Spiel Monopoly, ich hab keinmal gewonnen
Der WDR hat ‚Sendung mit der Maus‘ an diesem Tag begonnen
Marc Aurel wird Kaiser, die FDJ gegründet […]

Banales steht neben Persönlichem und vermischt sich mit Weltgeschichte anbei noch der Link zum kompletten Songtext und wer sich fragt, ist das wirklich alles passiert am 7. März, findet in der Wikipedia Antwort: „Dies und noch viel mehr“ im Artikel zum „7. März“ und es würde nicht überraschen, wenn der Teile des Liedtextes den Wikipedia-Artikel zur Grundlage haben…

Übrigens: Wer die Manie historischer Jahrestage und Jubiläen im Unterricht aufgreifen möchte, findet mit dem Song einen schönen Einstieg. Viel Spaß beim Hören!

Ach ja, der Stern meinte bei Erscheinen 2013 übrigens dazu:

„Dabei ist es faszinierend, welche Bedeutung ein einziges Datum gewinnen kann.“ Nun ja…

Video: Fußballer in Auschwitz

Das Museum der Gedenkstätte Auschwitz hat heute über seine Social Media-Kanäle das oben stehende Video verbreitet. Ich finde es, ehrlich gesagt, etwas seltsam. Nun klar dass man als Institution den Besuch der bekannten Sportler auch nutzen möchte, aber irgendwie wirken die zusammengeschnippelten Statements in dem Video für mich wie die Auszüge aus „Interviews“ mit Spielern direkt nach einem Match – also weitgehend nichtssagend. Ich habe kurz überlegt, ob man den Film für den Unterricht nutzen kann. Ich denke eher nicht. Allenfalls als Einstieg in eine Diskussion über den Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust heute – der Besuch der deutschen Nationalmannschaft war in den Medien kontrovers diskutiert. Zusammen mit den entsprechenden Zeitungsartikeln könnte der Film dann einen ganz guten Ausgangspunkt für diese grundlegendere Fragestellung sein. Interessant und ebenso kontrovers hierzu, soweit sprachlich zugänglich, sind auch die Kommentare der Facebook-Nutzer unter dem Video.

Nationsbildung und Nationalismus – eine Werbeanzeige als Einstieg

Werbung bedient sich oft historischer Bezüge. Am Wochenende habe ich unten stehende Anzeige in der Londoner Tube entdeckt. Der Werbespruch lässt einen zunächst stutzen und setzt im Idealfall einen Denkprozess in Gang: Wie kann das sein? Ist das möglich? Seit wann gibt es eigentlich Belgien? Damit könnte die Anzeige als Einstieg in das (schwierige) Thema von Nationsbildung und Nationalismus dienen, um eigene Recherchen der Lernenden anzustoßen.

Die Geschichte Belgiens mit der Nichtexistenz eines belgischen Staates vor 1831 und der besonderen Situation von zunächst zwei, später drei Sprachgruppen als eine Nation, die durch einen regionalen Nationalismus Flanderns heute wieder in Frage gestellt wird, bietet sich zum besseren Verständnis des Charakters von Nationen als historischen Konstrukten im allgemeinen sowie damit auch als Vergleichsfolie des deutschen Nations- und Staatsbildungsprozesses im besonderen an.

Personenraten mit Wordle

Eine schöne Anregung aus dem Workshop von Thomas Strasser auf dem 6. Moodlefest des LPM in Dudweiler/Saarbrücken:

Die Methode eignet sich im Geschichtsunterricht sowohl zum Einstieg zur Aktivierung des Vorwissens der Lernenden als auch zur Wiederholung von Inhalten.Ausgangspunkt ist ein Text mit der Kurzbiographie einer historischen Person, z.B. aus der Wikipedia oder einem anderen Online-Lexikon.. Der Text wird in die webbasierte Anwendung Wordle kopiert, die daraus eine Wortwolke erstellt. Dabei erscheinen verschieden groß, je nachdem wie oft sie in der Textvorlage vorkommen.

Idealerweise entfernt man noch den Namen der Personen sowie möglicherweise weitere allzu deutliche Hinweise (Rechtsklick auf die jeweiligen Begriffe). Mit Hilfe der Schlagwortwolke „raten“ nun die Schülerinnen und Schüler, um welche Person es sich handelt und begründen ihre Vermutung. Dabei werden neben zugleich eine Menge historischer Informationen aufgegriffen und miteinander verknüpft. Durch den Rate-/Spielcharakter und die ebenso schnelle wie ansprechende Gestaltung der Wordle-Wolken stellen diese eine aktivierende und motivierende Alternative zur Lehrerfrage dar.

Gleichfalls denkbar ist, das Vorgehen z.B. bei der Analyse von historischen Reden zu einer ersten Annäherung an den Text einzusetzen, um anschließend die vollständige Rede bzw. deren vorliegenden Auszüge zu analysieren.

Zum Schluss noch ein Beispiel, wie so eine Wort-Wolke aussehen kann. Viel Spaß beim „Raten“!

Ein sehr einfaches Beispiel: Textgrundlage