Erinnerung sichtbar machen: 80 Jahre Reichspogromnacht 2018. Ein Projekt für Schulklassen als Beitrag zur Erinnerungskultur

burning_synagoge_siegen_1938Ein kurzer Hinweis auf ein spannendes Projekt, das heute startet. Es ist zu wünschen, dass viele Schulen und Klassen sich daran beteiligen. Aus der Projektbeschreibung:

Schulklassen sollen angeregt werden, altes Bildmaterial zu Synagogen in ihrer Stadt zu recherchieren und in einer speziellen Datenbank zu publizieren, die den historischen Vergleich mit der heutigen Situation aus identischem Blickwinkel ermöglichen wird. Mit Hilfe der GPS-Koordinaten und mit Hilfe der augmented reality Technik auf dem Smartphone oder Tablet soll damit Geschichte vor Ort sichtbar und real erlebbar gemacht werden. Die Inhalte werden darüber hinaus über das Internet auch weltweit verfügbar sein. Zusätzlich zum Bildmaterial können pro Klassenprojekt Texte, Videos und Audiobeiträge erarbeitet und eingestellt werden. So könnten Schüler z. B. eventuell noch lebende Zeitzeugen oder deren direkte Nachkommen interviewen, daraus einen ‚Radio-‚ oder Youtube-Beitrag schneiden und diesen dem Projekt beifügen bzw. mit ihm verlinken. Auch die Archive der Städte und Gemeinden sowie der lokalen Zeitungen sollten aufschlussreiche Hinweise auf die damalige Zeit enthalten, die aufgearbeitet werden könnten.

Weitere Informationen und die komplette Ausschreibung unter: https://www.zum.de/kff/reichspogromnacht/

Der 9. November – „ein deutscher Schicksalstag“?

Angesichts des Datums überschlagen sich die Medien mit Nachrichten und Berichten zum historischen Datum. Auf den Internetseiten der Deutschen Welle findet sich ein bemerkenswert umotivierter und schlechter Artikel mit dem Titel Ein deutscher Schicksalstag, der auf die aufregend formulierte Banalität verweist, dass der 9. November „im historischen Kalender gleich mehrmals ein bedeutendes Datum“ war.

Das wird in jedem Geschichtsunterricht so gelehrt: 9.11. 1918, 1923, 1938 und 1989. „Schicksal“ klingt unheilvoll,  als wäre die Geschichte „der Deutschen“ von irgendwelchen höheren Mächten bestimmt. Hilfreicher wäre es auf die Zusammenhänge der Daten zu verweisen: 1923 hielt Kahr im Bürgerbräukeller in München eine Rede zum 5. Jahrestag der Revolution, 1938 versammelten sich die Nationalsozialisten zum Gedenken ihrer gefallenen „Helden“ von 1923. Die beiden Ereignisse stehen also in einem inneren Zusammenhang mit dem ersten. Der Mauerfall hat nichts mit der Revolution von 1918 zu tun. Also fallen zwei wichtige Ereignisse zufällig auf dasselbe Datum, das kann schon mal passieren. Mehr ist es aber auch nicht.

Das wäre im übrigen auch etwas, was man Schüler an geeigneten Materialien herausarbeiten lassen könnte.