Welterbe-Bildung: Oberes Mittelrheintal – Unterrichtsmaterialien als OER

Welterbe Bildung HEader“Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…” Zum Welterbe Oberes Mittelrheintal liegt nun eine Handreichung mit Unterrichtsentwürfen und -materialien vor, die in Zusammenarbeit von Pädagogischem Landesinstitut Rheinland-Pfalz und Zweckverband erarbeitet wurde. Die Handreichung gibt es als Printversion (bestellbar hier) sowie als Open Educational Resources auf einer eigenen Website.

Dort finden sich alle Texte und Materialien der Handreichung zum Download in mehreren Formaten (pdf, doc, odt), so dass sie an die jeweilige Lerngruppe und Lernsituation angepasst werden können. Es sind (fast) alle Fächer vertreten, wobei besonders viele Unterrichtsvorschläge für Geschichte vorhanden sind.

Die Handreichung ist nicht nur für Schulen am Oberen Mittelrhein interessant, sondern darüber hinaus für alle, die das UNESCO-Welterbe exemplarisch im Unterricht aufgreifen wollen oder das Mittelrheintal für Exkursionen oder Klassenfahrten als Ziel wählen. Die Einheiten können differenziert aufgerufen werden, ob sie sich für den Unterricht im Klassenzimmer oder im Welterbe vor Ort eignen (siehe Wahlmöglichkeit “Lernort”).

Für mich ist das Projekt wegweisend für die Entwicklung von OER in Deutschland. Wenn sich die Aus- und Fortbildungsinstitute der Länder auf den Weg machen und ihre (ohne kommerziellen Interessen) erstellten Materialien als OER zur Verfügung stellen (siehe dazu auch hier), wird bereits vorhandenes Potential sinnvoll genutzt.

Allerdings ergibt sich daraus zugleich die weiterführende Frage nach der Auffindbarkeit der entsprechenden Online-Angebote. Auch über die Lizenzfrage, hier von den Herausgebern mit der Einschränkung NC gewählt, ließe sich noch einmal diskutieren. Aber angesichts der vorrangigen Erstellung, Veröffentlichung und Nutzung von OER in der Praxis sind das nachgeordnete Fragen und Probleme.

Internationale Projektarbeit mit eTwinning – das UNESCO – Welterbe im Vergleich

Die Arbeit in einem bi-oder trinationalen Projekt ermöglicht einen komparativen Zugang zu Begriff und Anschauung des UNESCO-Welterbes. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen die nächstgelegene Welterbestätte und tauschen ihre Ergebnisse mit einer oder mehreren Partnerklassen aus anderen Ländern aus. Sie entdecken dabei unterschiedliche world-projectFormen von Welterbe (Kultur, Natur, immaterielles Kulturerbe), können diese beschreiben, vergleichen und erkennen ihre Bedeutung.

Die gemeinsame Arbeit nimmt dabei je nach Alter der Schülerinnen und Schüler und je nach Ziel des Projektunterrichts auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen verschiedene Aspektein den Fokus. Das können die Kriterien der Anerkennung als Welterbe sein ebenso wie dessen Bewahrung, Tourismus oder Wirtschaft. Für Schulen in Rheinland-Pfalz und Hessenkann es darüber hinaus sinnvoll sein, über das Obere Mittelrheintal hinaus, weitere Welterbestätten in den beiden Bundesländern miteinzubeziehen, um diese miteinander zu vergleichen, so z. B. den Limes, die Porta Nigra in Trier oder den Kaiserdom in Speyer.

Was ist eTwinning?

eTwinning ist eine europäische Lernplattform für Schulen. Die Plattform besteht aus zwei Teilen: einem Community-Bereich für Lehrer und dem Twinspace, dem virtuellen Klassenraum für die gemeinsame Arbeit mit anderen Klassen aus ganz Europa. Aktuell (Stand:11/2014) sind auf eTwinning 275653 Lehrkräfte registriert. Im Lehrerbereich besteht die
Möglichkeit, Partner für eigene Projekte zu suchen, sich mit anderen Lehrkräften auszutauschen und gemeinsame Unterrichtsvorhaben vorzubereiten. DieAnmeldung und Nutzung ist kostenlos. Die Plattform ist darüber hinaus vollständig werbefrei, was sie für den Einsatz inder Schule besonders geeignet macht.
Um einen virtuellen Klassenraum, den sogenannten Twinspace, zu erhalten, benötigt man mindestens einen Partner aus einem der am eTwinning-Programm teilnehmendem Ländern.Das sind die 28 Länder der Europäischen Union sowie darüber hinaus Island, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Norwegen, die Schweiz und die Türkei. Im Rahmen von eTwinning Plus können auch Schulen aus Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldawien, der Ukraine sowie Tunesien teilnehmen.
Aufbauend auf einer eTwinning-Partnerschaft mit einer Schule aus einem dieser Länder können aber auch weitere, ggf. nicht-europäische Partner zur gemeinsamen Arbeit im virtuellen Klassenraum eingeladen werden, so dass sich
auch die globale Dimension des Welterbes im Projekt aufgreifen lässt. eTwinning stellt dafür allerdings keine Partnersuche zur Verfügung. Hilfreich kann hier z. B. das weltweite Netzwerk der UNESCO-Projektschulen sein.

Um den Schülerinnen und Schülern Zugang zum virtuellen Klassenraum zu geben, müssen keine Daten angegeben werden, nicht einmal eine E-Mailadresse ist notwendig. Im Twinspace gibt es verschiedene Bereiche, die gemeinsam von Lernenden und Lehrkräften oder getrennt voneinander genutzt werden können. Als Kommunikations-, Arbeits-und Publikationswerkzeuge stehen in jedem Klassenraum u. a. Foren, Blogs, interne E-Mails, Wikis und Fotogalerien zur Verfügung. Auch externe Inhalte wie z. B. Videos von Youtube können eingebunden werden.

Didaktisch-methodische Anmerkungen

Bei der Arbeit mit eTwinning handelt es sich um Projektarbeit mit einer Online-Lernplattform. Die Häufigkeit des Austauschs und die Intensität der Zusammenarbeit bestimmen die Partner jeweils selbst. So ist ebenso ein Projekt denkbar, das in wenigen Wochen alle Unterrichtsstunden der Projektarbeit widmet wie über einen Zeitraum von mehreren Monaten jeweils mit einer Projektstunde jede oder alle zwei Wochen. Entscheidend ist die Planung und Absprache durch die Partner und die zeitlich synchronisierte Abfolge der Arbeitsschritte in den beteiligten Lerngruppen mit jeweils vereinbarten Endterminen für die jeweilige Aufgabe oder Arbeitsphase.

eTwinning ist über einen Browser zugänglich. Zur Arbeit in der Schule sind also ausreichend Computer mit Internetanschluss notwendig. Je nach Projektplanung können weitere Geräte wie ein Beamer für Präsentation oder Lautsprecher für eine Videokonferenz notwendig sein. Bei der Projektplanung sollte vorab geklärt werden, ob die benötigte Software (z. B. Foto- oder Videobearbeitungsprogramme) auf den Schulrechnern vorhanden ist oder die Möglichkeit besteht, diese ggf. bis zum Projektstart dort zu installieren.
Je nach Alter und Erfahrung der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Lernplattformen und im Austausch mit Partnerklassen ist es empfehlenswert, vor Beginn des Projekts gemeinsam Verhaltensregeln für den „virtuellen Klassenraum“ zu besprechen und zu vereinbaren. Dinge, die eigentlich im Umgang selbstverständlich sind, werden in Einzelfällen manchmal mal nicht beachtet, was zu Irritationen und Problemen in der Projektarbeit führen kann.
Ein höflicher Ton und Umgang miteinander sollten selbstverständlich sein. Nur Dokumente (z. B. Fotos), die in inhaltlichem Bezug zum Projekt stehen, sollen hochgeladen werden. Den Schülerinnen und Schülern stehen im Twinspace auch Kommunikationsmittel wie private E-Mail oder eine private Chat-Funktion zur Verfügung, die für die Lehrkraft nicht einsehbar sind. Kontrollverlust ist aber nicht zu fürchten, da z. B. die E-Mails beim Empfänger dokumentiert werden und die Lehrkräfte in permanentem Austausch stehen. Das sollte den Schülerinnen und Schülern auch transparent gemacht werden.

Es ist theoretisch möglich, das Projekt nur im Klassen- und Computerraum durchzuführen und virtuelle Informations- und Zugangsmöglichkeiten zu nutzen. Sowohl bei der Vorstellung der eigenen Stadt, Region und speziell bei der Arbeit zum Welterbe erscheint es aber sinnvoll, dass die Lernenden die Schule verlassen und vor Ort Erkundungen durchführen und ihre Beobachtungen dokumentieren.

Exemplarischer Projektverlauf

Als Beispiel, wie die Arbeit mit eTwinning aufgebaut und strukturiert werden kann, soll ein Projektplan für ein eTwinning-Projekt „Unser UNESCO-Welterbe“ einer Schule im Welterbe am Mittelrhein mit einer Partnerklasse auf La Réunion (Weltnaturerbe) im Fremdsprachen- und Biologieunterricht einer 10. Klasse sein. Die Projektplanung lässt sich leicht an andere Themen und Regionen anpassen, indem entsprechend der inhaltliche Fokus verändert wird.
Grundsätzlich ist es immer eine didaktisch sinnvolle Möglichkeit von der Lebenswelt der Lernenden und damit also von den Regionen der Projektpartner auszugehen, in denen die Schülerinnen und Schüler das Welterbe entdecken, beschreiben und schließlich im Hinblick auf Ähnlichkeiten und Unterschiede im Austausch mit der Partnerklasse vergleichen.

Vorbereitung
1. Registrieren als Lehrkraft auf dem eTwinning-Portal (www.etwinning.net)
2. Falls nicht vorhanden, Suche nach (einem) geeigneten Partner(n) über die eTwinning-„Partnerbörse“ („eTwinner finden“), die auf dem eTwinning-Desktop nach Registrierung verfügbar ist.
3. Frühzeitiges Einbinden der Lernenden in die Projektplanung.
4. Kontaktaufnahme und Austausch mit Lehrkraft der Partnerklasse: Vereinbaren der Projektinhalte und –
ziele, der Kommunikationsmittel, des zeitlichen Rahmens, der Austauschfrequenz, der einzelnen Arbeitsschritte, ggf. eines (gemeinsamen) Lernprodukts.
5. Beantragung eines gemeinsamen Twinspace, virtuelles Klassenzimmer auf eTwinning. Nach Freischaltung Einrichten des Klassenraums und der Zugangsdaten der Schülerinnen und Schüler.

Durchführung
Im vorliegenden Projekt war vereinbart zwei bis drei Unterrichtsstunden pro Woche an dem Projekt zu arbeiten. Die Stunden lagen allerdings nicht parallel, so dass für synchrone Aktivitäten (Chat, Videokonferenz) Stunden mit Kollegen getauscht oder (freiwillige) Termine am Nachmittag vereinbart wurden. Das Projekt wurde in La Réunion im bilingualen Fachunterricht Biologie, in Deutschland fächerübergreifend in Französisch und Biologie durchgeführt. Die Kommunikation erfolgte jeweils in der Fremdsprache auf Deutsch bzw. Französisch.

1. Woche: Sich vorstellen und kennenlernen, Videokonferenz der Klassen als „Eisbrecher“, Kurzvorstellung der Schüler im Twinspace mit „Steckbriefen“.

2. Woche: Vorstellen der eigenen Schule und Stadt mit Hilfe von PowerPoint-Präsentationen oder kurzen Videos, Möglichkeit sich darüber im Chat oder Forum auszutauschen und Fragen zu stellen.

3. Woche: Die Schülerinnen und Schüler erstellen ein Online-Quiz über die eigene Region und ihre Freizeitaktivitäten für die andere Gruppe.

4. Woche: Einführung des UNESCO-Welterbes, Nutzung von z.B. Google Earth oder Google Streetview. Dazu gibt es auch ein spezielles Plugin für “Google Earth”, das UNESCO-Weltkulturerbestätten anzeigt.

5. Woche: Gesamtüberblick Weltnaturerbe auf La Réunion und Weltkulturerbe am Mittelrhein (Karten, Sehenswürdigkeiten). Vergleich von Natur- und Kulturerbe: Was ist beiden als Welterbe gemeinsam?

6.-7. Woche: Arbeit in gemischten Gruppen mit je zwei bis drei deutschen und französischen Schülern zu selbst gewählten Themen und Aspekten (Tourismus, Wirtschaft, Freizeit, Geschichte, Biodiversität etc.), die sie vergleichend für die beiden Welterbestätten erarbeiten.

8. Woche: Abschluss: Präsentation und Auswertung der Ergebnisse der Gruppenarbeiten (in diesem Fall PowerPoint-Präsentationen, denkbar wäre auch z. B. Texte und Fotos in einem gemeinsamen Blog oder die Gestaltung einer Ausstellung, die in beiden Schulen gezeigt wird)

Nachbereitung: gemeinsame Evaluation des Projekts

Bezüge zu anderen Fächern

Der Unterrichtsvorschlag zeigt eine Möglichkeit auf in einem bi-oder sogar multilateralen Klassenprojekt Welterbe-Bildung auch in den Fremdsprachen aufzugreifen. Dies bietet sich besonders für die Zusammenarbeit mit anderen Fächern an. Je nach thematischer Schwerpunktsetzung im Projekt ist eine Kombination mit fast allen naturwissenschaftlichen oder gesellschaftswissenschaftlichen Fächern denkbar. Inhaltliche Anregungen für ein eigenes Projekt finden sich z. B. in den Anerkennungskriterien der UNESCO für die Welterbestätte (siehe Beitrag 1.3 und 2.2).

Im Sprachunterricht können notwendige Redemittel geübt und der Wortschatz erarbeitet, im Fachunterricht die Inhalte begleitend vertieft bearbeitet werden. Für einen Fokus auf die UNESCO und die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von Welterbestätten und der Statusvergabe sowie aktuelle Fragen und Probleme bieten sich besonders die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer an.

Literatur- und Medienhinweise

Europäische Lernplattform eTwinning: http://www.etwinning.net/de/pub/index.htm

eTwinning Deutschland: http://www.etwinning.de/ (hilfreiche Seite mit Hinweisen zu aktuellen Angeboten, Fortbildungen, Kontaktseminaren, Praxishandbüchern zum Download etc.)

Daniel Eisenmenger, eTwinning – eine Chance für den Geschichtsunterricht? Eine Stärkung der europäischen Perspek
tive(n) durch den Einsatz von webbasierten Kommunikationswerkzeugen. in: geschichte für heute 2 (2010), S. 72-78.

Daniel Eisenmenger, Multiperspektivität fördern mit eTwinning, online: www.lehrer-online.de/multiperspektivitaet.php

Dieser Beitrag wurde ursprünglich unter CC BY-NC-SA Lizenz in der PL-Information 14/2014 “Welterbe-Bildung im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal” veröffentlicht.

Geschichte in Filmen – Versuch einer Empfehlungsliste

Aus einer Elternanfrage via Twitter ist in den letzten Tagen in einem offenen Etherpad eine Liste mit “Geschichtsfilmen” durch zahlreiche helfende Hände enstanden:

Dabei hat sich herausgestellt, dass es eine sehr umfangreiche, wenn auch keineswegs vollständige Liste von Filmen und Serien mit “Geschichtsbezug” in der Wikipedia bereits gibt.

ladyandbigradioBeiden Listen gemeinsam ist, dass sie weder für Lehrkräfte noch für Lernende oder Eltern eine echte Orientierung bieten, wobei im Etherpad von den zahlreichen Beitragenden bereits eine (Vor-) Auswahl getroffen wurde.

Die im Etherpad aufgelisteten Filme und Serien habe ich in eine Abstimmung eingetragen. Die Leserinnen und Leser des Blogs sind nun aufgerufen abzustimmen.

Die Idee ist, eine Liste mit Filmempfehlungen zusammenzustellen, die man Lernenden und/oder Eltern an die Hand geben könnte. Es geht also nicht darum, Filme zu benennen, die sich gut für den Unterricht oder die Analyse eignen, sondern die Kinder und Jugendliche mit Interesse in ihrer Freizeit schauen und dabei zugleich ein gutes Bild von der jeweiligen Zeit erhalten können, z.B. passend zur jeweiligen Unterrichtseinheit oder einfach aus Interesse.

Die Abstimmung ist so offen angelegt, dass für mehrere Serien/Filme abgestimmt werden kann. Wenvoten sich viele an der Abstimmung beteiligen, steht am Ende ein sicher nicht repräsentativer, aber vielleicht doch guter Überblick empfehlenswerter “Geschichtsfilme”.

Die besten Filme und Serien der Abstimmung werde ich in einer Liste zusammen- und als Textdokument hier im Blog zur Verfügung stellen. Diese Liste können dann Fachschaften z.B. auch als Empfehlung auf der Geschichtsseiten der Schulhomepage einstellen.

Naturgemäß ist die Liste nicht vollständig, wer weitere Filme empfehlen möchte, die bislang nicht auf der Liste stehen, kann dies gerne über die Kommentarfunktion hier im Blog oder direkt im Etherpad tun.

 

Nachschlagen vs. recherchieren

Die mitlesenden Lehrerinnen und Lehrer kennen das: Auch in den Klassen der Sekundarstufe I wiederholen jüngere Schülerinnen und Schüler zum Thema “Informationssuche im Internet” mittlerweile routiniert die Hinweise auf die Unsicherheit der Informationen und die Notwendigkeit des Abgleichens mit anderen “Informationsquellen”. Was vor zehn Jahren johnny-automatic-look-it-upnoch eine gute Lösung für ein vorhandenes Problem darstellte, wird heute selbst zu einem.

So positiv die Nachricht ist, dass die Kernbotschaft durchgedrungen ist, so unrealistisch und wenig sinnvoll ist sie in ihrer Verallgemeinerung. Wenn es schlicht darum geht, z.B. die Höhe, die Erbauungszeit oder den Architekten eines Gebäudes herauszufinden, ist es irrwitzig, zu erwarten, dass mehrere Internetseiten und Bücher genutzt und miteinander verglichen werden.

Das habe wir früher nicht gemacht. Damals hat ein Blick ins Lexikon genügt. Der Nachweis ist mehrfach erbracht, dass die Wikipedia mindestens ebenso zuverlässig ist. Es muss also reichen, dort schnell solche Informationen entnehmen zu können. Ich mache das in meiner täglichen Arbeit nicht anders. Und ich kann das auch nicht von meinen Schülerinnen und Schülern erwarten. Falls trotzdem mal ein Sach- oder Tippfehler vorhanden sein sollte, dann ist das so. Das war früher in den gedruckten Nachschlagewerken nicht anders. Es ist vielleicht nur seltener aufgefallen.

Den Unterschied zwischen jeweils anlass- und inhaltsbezogenem schnellen Nachschlagen und aufwendigerer Recherche sollten wir im Unterricht thematisieren, die unterschiedlichen Vorgehensweisen explizit machen und die jeweiligen Suchstrategien besprechen bzw. erarbeiten.

Bitte liebe Lehrerkollegen, liebe Lernmaterialersteller und Schulbuchverlage, seid präzise und differenziert: Nicht jede Informationssuche ist gleich eine Internetrecherche, sondern manchmal geht es auch einfach nur darum, etwas nachzuschlagen.

 

Safer Internet Day 2015: Der Staat und die Daten – Material für den Einstieg in die Diskussion

Wer kommende Woche den Safer Internet Day 2015 zum Anlass nehmen möchte, um in Oberstufenkursen über Überwachung und Grundrechte, Sicherheit und Freiheit mit seinen Schülerinnen und Schülern zu diskutieren, findet hier einen kurzen Film von 3Sat, der sich mit historischem Bezug zu den Protesten gegen die Volkszählung 1983 gut als Einstieg in das Thema eignet:

 

Mit einem anderen Zugang ist “Lesen gegen Überwachung” eine schöne Idee, um ins Gespräch über grundlegende Fragen von Umgang mit Daten und der Rolle von Wirtschaft und Staat in diesem Zusammenhang zu kommen. Die Veranstaltungsform als Lesung mit anschließender Diskussion lässt sich gut in die Schule übertragen, z.B. in dem ältere Schülerinnen und Schüler für jüngere Texte auswählen, diese vortragen und mit ihnen diskutieren.

Je nach Vorwissen, Zeit und Interesse der Schülerinnen und Schüler kann auch ein Vergleich mit der Stasi unternommen werden. Als Grundlage für die Diskussion eignen sich Auszüge aus dem Interview von Roland Jahn im tagesspiegel; als Einstieg eventuell die grafische Aufbereitung der Flächen der “Aktenschränke” von Stasi und NSA auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.

Open Educational Resources – nur ein Buch 2.0?

johnny-automatic-bellows-fileAuf Einladung der Piraten durfte ich gestern das Thema mit Dorothea Mützel vom Cornelsen-Verlag, Simon Köhl von serlo sowie CaeVye und Wilk Spieker von der Tellerand AG der Piraten, die sich mit Bildungsthemen beschäftigt, diskutieren. Der zur Diskussion gleichfalls eingeladene und angekündigte David Klett hat es zeitlich nicht mehr geschafft. Die Diskussion kann bei den Podcasts der NRW Piraten runtergeladen und nachgehört werden.

Die Diskussion ist sehr schnell vom eigentlich gesetzten Thema “Zukunft des (Schul-) Buchs” hin zu Fragen von u.a. OER, Lernkonzepten, Learning Analytics, Schulsystem, Bildung im 21. Jahrhundert. Mir ist in der Diskussion noch einmal klar geworden, wie eng diese eigentlich getrennten Themen miteinander zusammenhängen und wie wichtig gleichzeitig die analytische Trennung und vor allem explizite Klärung ist, über was man gerade eigentlich spricht.

Um das noch einmal an einem Beispiel deutlich zu machen: Open Educational Resources sind vereinfacht gesagt zunächst einmal nichts anderes als Lehr- oder Lernmaterialien, die durch entsprechende Lizensierung frei zugänglich und verändert sind. Ich könnte also hingehen und einen simplen Multiple-Choice-Test oder eine Liste von W-Fragen zu einer TV-Geschichtsdoku unter CC Lizenz als odt-Datei online stellen.

Guten Unterricht, eine Veränderung von Lernen und Schule bringt das nicht. Wenn ich über letzteres sprechen möchte, dann ist eine Qualitätsdebatte von OER der falsche Weg, sondern es muss über Lernkonzepte, Lehrpläne und Prüfungen gesprochen werden. Womit es zurückgeht zum Ausgangsthema: Die Zukunft des Schulbuchs. OER scheint mir dabei, obwohl es zur Zeit in der öffentlichen Debatte sehr stark fokussiert wird, doch eher ein randständiges Thema. Viel zentraler sind meines Erachtens die alt bekannten Fragen nach Didaktik und Methodik:

1) Was sollen Kinder und Jugendliche heute lernen? (Kerncurricula, Lehrpläne, Kompetenzmodelle – nach diesen Vorgaben müssen Verlage wie auch potentiell alle anderen Anbieter Schulbücher erstellen und die Vorgaben machen in Deutschland hier die Länder)

2) Wie sollen sie das lernen? (Methoden, Arbeitsweisen, Sozialformen, Aufgabenformate, Medien etc. – hier stehen dann die zentralen Elemente, die die Gestaltung der “Schulbücher” der Zukunft ausmachen).

Ein Schulbuch ist nicht deshalb gut, weil es OER ist. Qualität von Lehr- und Lernmaterialien liegen anderen Kriterien zugrunde. Erst nach der Klärung des “Was” und des “Wie” können dann passende Lehr- und Lernmaterialien entwickelt werden. Die Debatte um OER und die entsprechenden Initiativen sind nichtsdestotrotz wichtig: Wer digital arbeitet, Lehrende wie Lernende, braucht freie Materialien, um sie verändern, anpassen, neu veröffentlichen und teilen zu können. Dahinter steckt bereits eine Annahme meinerseits, wie Lernen mit digitalen Medien aussehen sollte.

Stopp! Schlecht argumentiert, werden einige – zu Recht – denken, denn genau dies ein Beispiel für die problematische Vermischung von zwei Themen, die in der Debatte deutlicher getrennt werden müssen. OER ermöglichen zwar die oben genannten Aktivitäten, hier liegt die zentrale Schnittstelle beider Themen; OER definieren aber eben noch nicht, wie Lernen und Schule in Zukunft aussehen werden.

Wieviel “Buch” im traditionellen Sinn in ein paar Jahren oder Jahrzehnten in den Schulen noch übrig bleibt oder inwiefern sich andere Formen eines zentralen medialen Leitfadens für das Lernen in der Schule oder eventuell sogar noch fundamentalere Wandlungsprozesse in Form von Individualisierung ohne gemeinsames “Leitmedium” entwickeln und etablieren, bleibt abzuwarten, wäre aber auch auf bildungspolitischer Ebene interessant zu diskutieren, um zukünftige Bildung zu gestalten und nicht von der technischen Entwicklung überrannt zu werden.

Ein Barcamp im Schulstundenrhythmus?!

Daniel Bernsen:

Es wäre mal zu überlegen, ob das Format auch im Geschichtsunterricht mit historischen Themen eingesetzt werden könnte…?

Ursprünglich veröffentlicht auf BYOD-Projekt:

Das geht doch gar nicht! In der Tat es ist nicht einfach, aber es geht und eigentlich gar nicht so schlecht…

Die Mehrheit der Schulen ist weiterhin im 45 Minuten Rhythmus, allenfalls noch in Doppelstunden, getaktet. Das widerspricht streng genommen der Anlage von Barcamps, nichtsdestotrotz lässt sich deren Grundidee in der Schule sinnvoll adaptieren.

In der BYOD-Klasse hatten wir (Lernende wie Lehrkräfte) festgestellt, dass die “Technik”-Kenntnisse der Lernenden sehr unterschiedlich sind. Einzelne Lernende hatten auch in der 8. Klasse noch Probleme damit, eine vorbereitete Präsentation für ein Referat vom USB-Stick zu starten und baten in solchen Fällen Mitschüler um Hilfe; andere beschäftigten sich in ihrer Freizeit intensiv mit neuer Technik, Programmieren und Hacken.

Daraus entstand die Idee, die Technikfragen der Lernenden aufzugreifen und zu thematisieren. Da bei allen Lernenden unterschiedliche Fragen und Fähigkeiten vorhanden waren, musste eine Form bzw. Methode gefunden werden, die möglichst vielen gerecht wurde. Gleichzeitig war damit…

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