Wikipedia als Geschichtslexikon für Schülerinnen und Schüler der Klasse 8 – Schwierigkeiten und unterrichtliche Lösungsansätze

Anbei veröffentliche ich hier vorab schon einmal die Folien meines Beitrags zur Konferenz “Wikipedia in der Praxis. Geschichtsdidaktische Perspektiven” am Freitag und Samstag in Basel. Weitere Informationen zur Konferenz sowie das aktualisierte und aufgrund von Absagen leider auch reduzierte Programm finden sich im Blog des Arbeitskreises “digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik” der kgd. Für alle, die die Tagung online mitverfolgen wollen, der Hashtag lautet: #gld15. Für alle, die vor Ort sind, gibt es, da die Folien ja hier schon stehen, dann am Samstagmorgen die Gelegenheit für einen zweiten Kaffee ;)

P.S. Gerade gesehen, dass Slideshare den kursiven Schrifttyp eigenwillig geändert hat… das sieht in der Originalpräsentation anders aus. Hier bleibt das jetzt aber so. Ich hab ehrlich keine Lust, so lange mit Uploads rum zu experimentieren, bis das richtig angezeigt wird… dann halt Fraktur!

3 Tipps, um den Geschichtsunterricht zu öffnen – sofort!

johnny-automatic-prying-open-crate-800pxWie lässt sich der Geschichtsunterricht öffnen: von der Lehrer- zur Schülerzentrierung, vom Lehren zum Lernen und das im Rahmen der bestehenden Regelschule mit den vorhandenen Lehrplänen, einer Unterrichtstaktung von 45 Minutenstunden und fehlender Infrastruktur für Wlan oder eine 1:1-Geräteausstattung: kurz im Alltag für weiterhin die Mehrzahl der Kolleginnen und Kollegen.

Der Beitrag hat zwei Ausgangspunkte:

1) Die Veröffentlichung der Bertelsmann-Stiftung zu “Chancen der Digitalisierung für individuelle Förderung im Unterricht”, besonders mit der Untersuchung der Praxisbeispiele durch Jöran Muuß-Merholz (PDF), nach deren Lektüre ich auch den dort von Lisa Rosa verwendeten Begriff des personalisierten Lernens vorziehen würde und mir die Frage gestellt habe, was geht auch ohne digitale Medien. Sowie 2) die Frage danach, welche Spielräume die einzelne Lehrkraft hat im Rahmen des Bestehenden die gemeinsame Lernzeit in diesem Sinn anders zu gestalten, ohne vorab ihre Schule als Institution oder Schule als System zu verändern. Natürlich lässt mit entsprechenden strukturellen Veränderungen eine Vereinfachung und Erweiterung offener Lernformen erreichen, aber dafür gilt es dicke Bretter zu bohren; Schulen wandeln sich langsam.

Die folgenden Tipps sind vergleichsweise schnell umzusetzende und einfache Schritte, um über Auswahlmöglichkeiten nicht nur zu differenzieren, zu individualisieren, sondern historisches Lernen in der Schule ansatzweise zu personalisieren (vgl. die tabellarische Gegenüberstellung im PDF), in diesem Sinne zu öffnen, und damit Auseinandersetzung und Engagement zu fördern.

Wir haben es aber jeden Tag mit Kindern und Jugendlichen zu tun,

  • die u.a. direkten Zugang zu Informationen haben, die früher nur in gefilterter Auswahl oder über entsprechende Fachkenntnisse an speziellen Orten zugänglich waren und
  • für die aktiv sein und selber etwas zu tun, zentrale Kriterien für guten Unterricht und damit für gelingendes Lernen sind.

Hier drei Tipps aus der Praxis, die sich auch unter den gegebenen Bedingungen sofort umsetzen lassen:

1 Die Schülerinnen und Schüler können ihre Themen im Geschichtsunterricht selbst wählen.

Dies funktioniert im Rahmen der Lehrplanvorgaben. Die bieten nämlich immer auch Spielräume und nirgendwo steht, wie gelernt soll. Festgelegt werden nur die Ziele (Inhalte und/oder Kompetenzen). Was spricht also dagegen die “Römische Geschichte” statt im Durchgang durch den Lehrplan oder das Schulbuch je nach Interesse und Neigung aufzuteilen? Während sich die einen mit den Punischen Kriegen beschäftigen, informieren sich die anderen über die römische “Familia” und wiederum andere analysieren die Res Gestae des Augustus.

Ausgangspunkt kann immer das Schulbuch sein: Hier sind die lehrplanrelevanten Themen altersgemäß aufbereitet, einige Quellen und Darstellung bereits ausgewählt und aufbereitet. Darüber hinaus können natürlich weitere Materialien recherchiert und verwendet werden. Der Einstieg über die Schulbuchseite bringt zudem aber den notwendigen Kontext für eine weiterführende Recherche im Netz. Und wenn sich mal niemand für ein absolut verpflichtendes Unterthema des Lehrplans interessieren sollte, spricht nichts dagegen, als Lehrkraft für ein, zwei Stunden den Unterricht wieder zu übernehmen. Dies bietet sich auch immer wieder zwischendurch für Plenumsphasen zur Orientierung und Vernetzung an.

 

2 Die Schülerinnen und Schüler wählen ihre Lernprodukte selbst.

Die Schülerinnen und Schüler können selbst Unterrichtsstunden (LdL) oder Vorträge halten, schriftliche Ausarbeitung verfassen oder ein Video erstellen. Dabei ist die Beratung durch die Lehrkraft wichtig hinsichtlich der Machbarkeit in einem vorgegebenen Zeitrahmen, der notwendigen Voraussetzungen (Kenntnisse, Fähigkeiten, Verfügbarkeit technischer Geräte usw.) sowie der produktspezifischen Qualitätskriterien (Was macht einen guten Essay, eine gute Unterrichtsstunde, eine gute Filmdokumentation aus?).

Durch die unterschiedlichen Lernprodukte und deren gemeinsame Besprechung im Plenum wird übrigens auch zusätzlich sichergestellt, dass alle Schülerinnen und Schüler alle wesentlichen Inhalte des Lehrplans kennengelernt haben – wenn auch in unterschiedlicher Tiefe. Aufgrund der unterschiedlichen Zugänge, der eigenen Fragen und Schwerpunktsetzungen sowie der unterschiedlichen Lernprodukte können Themen auch doppelt oder dreifach gewählt werden. Dies ermöglicht Vergleich, Vertiefung, Wiederholung und Vernetzung im Plenum.

 

3 Die Aufgaben in Leistungsüberprüfungen und andere Formen der Leistungsbewertung offen gestalten.

Das ergibt sich bei der Bewertung von individuellen Lernprodukten von selbst, ist aber auch z.B. bei Tests möglich. So können die Schülerinnen und Schüler im Rückblick selbst für eine Epoche eine vorgegebene Anzahl von Jahreszahlen und Ereignissen auswählen, die sie für besonders relevant erachten und deren Relevanz sie auch begründen können. Dies kann individuell oder kollaborativ (z.B. über ein Etherpad oder auch in der Schule an der Kreidetafel) erfolgen. Was spricht dagegen – nichts zuletzt angesichts der bislang desaströsen Behaltensleistungen im Fach Geschichte – statt alle Jahreszahlen im Kapitel eines Schulbuchs, nur selbst ausgewählte zu lernen?

In einem Test könnten zwei Aufgaben dann z.B. wie folgt aussehen: a) Nenne 5 Ereignisse der römischen Geschichte mit der entsprechenden Jahreszahl. b) Begründe, warum die 5 von dir ausgewählten Ereignisse jeweils für die römische Geschichte besonders wichtig sind. Alle Schülerinnen und Schüler schreiben zum selben Zeitpunkt denselben Test, aber es gibt nicht einen einheitlichen Erwartungshorizont, sondern eine Vielzahl richtiger Antworten. Die Konzeption der Prüfungsaufgaben passt zur inhaltlichen Öffnung des Unterrichts.

Die Schülerinnen und Schüler haben so die Möglichkeit unterschiedliche, individuell angeeignete Kenntnisse wiederzugeben, erworbene Fähigkeiten anzuwenden und zugleich ein vertieftes Verständnis historischer Zusammenhänge nachzuweisen, das sonst oft gerade beim Auswendiglernen und Abfragen von Jahreszahlen allenfalls oberflächlich eine Rolle spielt.

Buchners “Das waren Zeiten” – neu für Rheinland-Pfalz

Zum neuen Teillehrplan Geschichte für die Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz, der zum nächsten Schuljahr zeitgleich in allen Jahrgangsstufen eingeführt wird, legt auch der Buchner Verlag eine eigene Ausgabe aus der Reihe “Das waren Zeiten” vor. An den beiden Bänden habe ich als Autor und Herausgeber mitgearbeitet. In den letzten beiden Wochen haben wir das Konzept auf mehreren Veranstaltungen vorgestellt. Die Folien der Präsentation sind unten in diesem Beitrag zu sehen und können auch heruntergeladen und weitergegeben werden.

Der neue Lehrplan besteht aus zwei Elementen: dem gemeinsamen Vorwort für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (PDF), das auch das eigene, fächerübergreifende Kompetenzmodell erklärt, sowie den Teillehrplan für das Fach Geschichte (PDF). Aufbau und Konzeption des Buchs erschließen sich nur auf Grundlage der Lehrplanvorgaben. Wir haben versucht, den Lehrplan möglichst präzise in den Büchern umzusetzen.

Das auffälligste Merkmal des neuen Lehrplans ist die Gliederung der Epochalen Schwerpunkte (ESP) anhand von jeweils fünf “Kategorien” (Orientierung, Herrschaft, Wirtschaft, Gesellschaft, Weltdeutungen), die einen sektoralen Zugriff auf Geschichte bieten. In jedem Lernfeld müssen für die Unterrichtsgestaltung vorgegebene Leitfragen, Kompetenzen, Grundbegriffe und Inhalte berücksichtigt und sinnvoll zueinander in Bezug gesetzt werden. Beide Punkte (Zugriff über Kategorien und die Einzelelemente der Lernfelder) bedingen eine sorgfältige und langfristige Unterrichtsplanung. Deren Komplexität zusätzlich die Integration von Längsschnitten und den Auswahlmöglichkeiten bei den Inhalten gesteigert wird.

Der Lehrplan schwankt dabei einerseits zwischen Festlegungen, die eine bestimmten Kombination von Kompetenz, Inhalt und Methode festschreibt und damit Vorgaben bis in die einzelnen Unterrichtsstunden hinein macht (Beispiele Methodenkompetenz in den Lernfeldern I.4.3 oder II.2.2 des Lehrplans – was mir persönlich als unnötige Gängelung der Lehrkräfte erscheint). Andererseits lässt der Lehrplan sehr viele Wahlmöglichkeiten im Hinblick auf die Inhalte (Weglassen einer Kategorie pro ESP, große Auswahl von “Erweiterungs- und Vertiefungsthemen” von denen jeweils nur 2 pro Doppeljahrgangsstufe verpflichtend sind).

Für mich ist kein roter Faden im Sinne einer didaktisch begründeten Auswahl der verpflichtenden Inhalte zu erkennen ist. So erschließt sich mir auch nicht, warum einige Themen, die mir zentral erscheinen nur in der freiwilligen Erweiterung oder Vertiefung auftauchen, an anderer Stelle aber in der Basis als verpflichtend gesetzt sind (vgl. z.B. Lernfeld I.2 oder Herrschaftslegitimation in Antike Basisinhalt, im Mittelalter Erweiterung usw.). Die genannten sowie weitere Punkte wurden übrigens mehrfach an die Lehrplankommission herangetragen, aber bei den Überarbeitungen des Lehrplanentwurfs nicht berücksichtigt.

Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen haben wir bei der Konzeption des Buchs versucht, die Auswahlmöglichkeiten zu erhalten und eine flexible Umsetzung des Lehrplans zu ermöglichen. Dies war ein Leitmotiv bei der Konzeption des Buchs. Die Präsentation unten zeigt auf, wie diese Wahlmöglichkeiten im Buch umgesetzt wurden. Auch die Doppelseiten sind nicht als fertige Unterrichtsstunden konzipiert, sondern bieten im Sinne eines Steinbruchs verschiedene Umsetzungsmöglichkeit und Schwerpunktsetzungen. Daher muss auch hier bei den Materialien und Aufgaben ausgewählt werden. Es ist nicht angedacht, dass alle Aufgaben und Materialien auf einer Doppelseite bearbeitet wird.

Aufgrund dieser zahlreichen Wahlmöglichkeiten haben wir überlegt, beispielhafte Stundenmodelle zu erarbeiten, von denen die ersten drei bereits verfügbar sind. Sie machen die enorme Arbeitserleicherung durch das Schulbuch deutlich, das die verschiedenen Elemente des Lehrplans zusammenführt und auf dieser Grundlage flexible Stundengestaltungen zulässt. Die Stundenentwürfe haben Modellcharakter und sollen eine möglichst hilfreiche Orientierung bieten, auch wenn sicher nicht jede/r die Unterichtsstunden genau so aufbauen wird:

Beispiele für Stundenmodelle zu einigen Doppelseiten (PDF)

Und noch eine abschließende Bemerkung: Vielleicht fragt sich der eine oder die andere LeserIn, warum ich an einem klassischen Schulbuch mitarbeite. Ausschlaggebend für die Entscheidung zur Mitarbeit war für mich die Aussage der beiden Herausgeber von “Das waren Zeiten”, die die Reihe seit 20 Jahren betreuen, in unserem ersten Gepräch: Wir wollen Geschichtsschulbücher für Kinder und Jugendliche machen. Bücher, die so ansprechend gestaltet und interessant sind, dass sie nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause zum Lesen in die Hand genommen werden. Das finde ich einen ebenso hervorragenden wie schwer einzulösenden Anspruch. Ob dies bei der Rheinland-Pfalz-Ausgabe gelungen ist, können nur die Leserinnen und Leser berurteilen.Ob dies bei der Rheinland-Pfalz-Ausgabe gelungen ist, können nur die Leserinnen und Leser berurteilen.

Aber noch ein weiterer grundsätzlicher Punkt spielte eine Rolle: Was das alltägliche, selbstverständliche Lernen mit digitalen Medien im Unterricht angeht, stehen wir trotz aller bisherigen Ausstattungsinitiativen, Leuchtturmschulen und -projekten immer noch am Anfang. Den meisten Schulen fehlt weiterhin schlicht die Infrastruktur, um durchgängig mit digitalen Materialien, ob nun als e- oder m-Book oder in Form von freien Modulen, zu arbeiten. Das zeigt sich auch daran, dass für den Einsatz multimedialer Schulbücher ausgewählte Projektschulen erst entsprechend ausgerüstet werden. Das ist in Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit den Schulbehörden und Schulträgern möglich, aber nicht für den einzelnen Schulbuchverlag.

Digitale Medien sind in der Fläche auch 2015 immer noch die Ausnahme und nicht der Normalfall. Deshalb spielt das klassische Schulbuch weiterhin eine zentrale Rolle für die Umsetzung des Lehrplans und die Gestaltung des Geschichtsunterrichts. Und daher lohnt es sich meines Erachtens auch, sich einzubringen und dazu beizutragen, dass Lernenden wie Lehrkräften möglichst gute Bücher zur Verfügung stehen, die sie dann als Ausgangspunkt, Steinbruch, Leitfaden oder Lesebuch nutzen können.

 

OER für Flüchtlinge!

Bildung, Netz & Politik

Auf dem von der Zentrale für Unterrichtsmedien und der Transferstelle für OER veranstalteten Treffen am vergangenen Wochenende in Schmerlenbach war auch die Bildungsarbeit mit Flüchtlingen Thema. Dabei waren sich die Anwesenden einig, dass aus öffentlichen Mitteln finanzierte Materialien frei und offen sein müssen, damit sie von allen Beteiligten kostenfrei genutzt, weiter gegeben und verändert werden können. Im gemeinsam formulierten offenen Brief heißt es:

CC BY Jonathasmello CC BY Jonathasmello

Bildung ist ein Schlüssel zur Integration von Flüchtlingen. Für das Gelingen spielen professionelle, ehrenamtliche und non-formale Bildungsangebote eine zentrale Rolle.

Die Unterzeichner begrüßen, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein entsprechendes Maßnahmenpaket im Umfang von 130 Millionen Euro angekündigt hat. Auch andere Akteure der öffentlichen Hand sind und werden aktiv, insbesondere um Lern- materialien für Flüchtlinge entwickeln zu lassen.

Um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit entsprechender Maßnahmen zu gewährleisten, fordern die Unterzeichner:

Von der öffentlichen Hand geförderte Lernmaterialien müssen offen lizenziert sein!

Der…

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Mit der “App in die Geschichte” fürs Abi lernen

Metacognition-800px Das Lernen fürs Abi war so nicht nur Paukerei, sondern auch Spiel und sogar ein bisschen Spaß. Die Idee stammt von den Schülerinnen und Schülern des letzten Leistungskurses Geschichte. Die App in die Geschichte hatten wir im Unterricht des Leistungskurses als erste getestet. Drei der Lernenden waren auch beim Seminar in Bundesarchiv dabei, um ihre Sicht vorzustellen und mitzudiskutieren. Zugebenermaßen haben es nur wenige genutzt, die haben nach eigener Aussage aber davon profitiert.
Das Tagging Game der GeschichtsApp lässt sich zum Lernen einsetzen. Dabei können die “SpielerInnen” auch Punkte für die Highscore sammeln, zugleich wiederholen sie aber zentrale Inhalte des Unterrichts und üben die Einordnung von Bildquellen. Dazu stellt die Lehrkraft aus dem Archiv der App geeignete Bildquellen, wie z.B. Karikaturen, für die jeweilige Lerngruppe zusammen und lädt ggf. weitere Bilder hoch, um sie als Sammlung zur Verfügung zu stellen. Während die Bilder im Archiv mit Metadaten wie Veröffentlichungsjahr, Autor, Kurzbeschreibungimage etc. erscheinen, sind sie im Tagging Game nur ohne weitere Informationen zu sehen und müssen selbstständig durch Verschlagwortung beschrieben werden.
Die Verschlagwortung funktioniert dann gut, wenn die SpielerInnen bereits das entsprechende Vorwissen mitbringen und so das jeweilige Bild fachlich korrekt entschlüsseln können, indem sie es historisch einordnen und die einzelnen Elemente möglichst präzise benennen (durch Identifizierung der abgebildeten Personen und Symbole, einer zeitlichen Einordnung usw.). So können in der Tat auf spielerische Art und Weise wesentliche Inhalte des Unterrichts sowie deren Zusammenhänge wiederholt und aufgefrischt werden. Historische Karikaturen zu diesem Zweck findet man zum Teil bereits im Archiv der App, ansonsten z.B. in den Wikimedia Commons.

Virtuelle Exkursionsorte für den Geschichtsunterricht

Hier habe ich eine Reihe von Beispielen von kostenlos, online verfügbaren historischen Orten und Gebäuden zusammengestellt, an die über das Web virtuelle Exkursionen von Zuhause oder aus dem Klassenzimmer unternommen werden können. Die Sammlung ist entstanden bei der Recherche für einen Beitrag für den im Frühjahr kommenden Jahres erscheinendencategory_genre_adventure-800px neuen Sammelband zu digitalen Medien im Geschichtsunterricht. An dieser Stelle noch ein großes Dankeschön an Michael Schmalenstroer für die ergänzenden Hinweise, die Eingang in die Liste gefunden. Weitere Hinweise sind herzlich willkommen!

Flucht und Migration als Thema im Geschichtsunterricht

“Schulbücher stellen Zuwanderung zu negativ dar”, so lautete im März 2015, also vor nmigration-is-not-a-crime-800pxicht einmal einem halben Jahr, die Schlagzeile in der ZEIT zu einem Artikel über eine Studie der Integrationsbeauftragten (deren Ergebnisse vollständig als PDF auf den Seiten der Bundesregierung). Weiter heißt es im Artikel die Studie zusammenfassend:

“Ausländer und Flüchtlinge werden in deutschen Schulbüchern immer noch negativ dargestellt. Zuwanderung werde im Sozialkunde- und Geschichtsunterricht, teilweise auch im Fach Geografie immer noch vor allem als “konfliktträchtig und krisenhaft” beschrieben […] Danach erscheinen Migration und Verschiedenheit in den Büchern in erster Linie als Problem und Herausforderung für eine weitgehend homogen vorgestellte Gesellschaft. Integration werde zwar als notwendig dargestellt, aber nicht weiter konkretisiert und unterschieden.”

Beretis 2012 in der Zeitschrift des Geschichtslehrerverbandes geschichte für heute (2/2012) ein (etwas kurz geratenen) Themenschwerpunkt “Migration” erschienen, in dem Peter Lautzas durchaus leidenschaftlich auf wahrgenommene Probleme hinweist und für die Aneignung einer positiven Grundhaltung zur Einwanderung wirbt. Lesenswert sind die didaktischen Überlegungen von Bodo von Borries in Historischen Denken Lernen (2008, S. 138-147) ebenso wie der von Bettina Alavi und Gerhard Henke-Bockschatz bereits 2004 herausgebene Tagungsband “Migration und Fremdverstehen” (Rezension, Inhaltsverzeichnis und Leseprobe als PDF), in dem Wolfgang Hasberg abschließend festhält, dass “Fremdverstehen, Migration und interkulturelle Erziehung in der Geschichtsdidaktik zwar immer wieder diskutiert würden, dass bislang jedoch noch keine ‘konsequente Zusammenschau dieser drei Teilaspekte geleistet’ worden sei (S. 233).

Aufgegriffen werden können das Thema Migration in allen Epochen und ist damit im chronologischen Durchgang in allen Jahrgangsstufen lehrplankonform integrierbar. In moderner angelegten Curricula, die mit Längsschnitten und Modulen arbeiten, ist in der Regel das Thema “Migration” mindestens einmal explizit Gegenstand des Unterrichts. Gute Anknüpfungsmöglichkeiten an Standardlehrplanthemen bieten folgende historische Migrationsbewegungen und Begegungsorte, so u.a.:

  • griechische Kolonien,
  • römischer Limes und Völkerwanderungen (“invasions barbares”)
  • Ostsiedlung im Mittelalter,
  • Vertreibung der Juden und deren Aufnahme in Polen und im Osmanischen Reich (Mittelalter/16. Jahrhundert),
  • Hugenotten (17. Jahrhundert),
  • europäische Auswanderung in die USA (18./19. Jahrhundert),
  • Adelsemigration während der Französischen Revolution (Koblenz),
  • Ruhrgebiet in der Industrialisierung (besonders die Arbeitsmigration aus den verschiedenen preußischen Territorien),
  • Exil in der NS-Zeit,
  • “Umsiedlung” nach dem 1. Weltkrieg (z.B. Türkei/Griechenland oder Oberschlesien)
  • Flucht und Vertreibung während und nach dem 2. Weltkrieg (besonders Polen/Ukraine/Deutschland),
  • Anwerbeabkommen und “Gastarbeiter” in den 1950er, 60er und 70er Jahren
  • sowie Flucht aus der DDR.

An den jeweiligen historischen Migrationsbewegungen lassen sich Ursachen, Auslöser, Mittel und Wege analysieren und miteinander oder mit heutigen Beispielen vergleichen. Begegnung und (gegenseitige) Fremdheitserfahrung, Ankunft und Aufnahme sowie die Spannung zwischen den Polen Abgrenzung und Assimilation können gleichfalls an zahlreichen Quellen untersucht werden. Wichtig erscheint mir, dass im Geschichtsunterricht deutlich wird, dass vermeintlich homogene, historisch unveränderte Gesellschaften eine Fiktion, Migration weder ein modernes Phänomen und noch eine Ausnahme, sondern der Normalfall ist.

Dazu passt der Ansatz, den Europäische Geschichte Online (EGO) verfolgt, der aber bislang nur kaum Anwendung auf Ebene des Geschichtsunterrichts gefunden hat. Unter dem Titel “Europa unterwegs” sind dort einige interessante Beiträge zu Reisen und Migrationsbewegungen in der europäischen Geschichte zusammengestellt.

Die Besonderheit des Projekts ist der Forschungsansatz, “Prozesse interkulturellen Austauschs in der europäischen Geschichte […], die über staatliche, nationale und kulturelle Grenzen hinauswirkten” (http://ieg-ego.eu/de/ego) in den Blick zu nehmen und “Europa als einen stets in Wandlung befindlichen Kommunikationsraum, in dem vielgestaltige Prozesse der Interaktion, Zirkulation, Überschneidung und Verflechtung, des Austauschs und Transfers, aber auch von Konfrontation, Abwehr und Abgrenzung stattfanden” (ebd.) zu beschreiben.

http://ieg-ego.eu/de/threads/europa-unterwegs

In einem der ersten Blogbeiträge vor über sechs Jahren hatte ich bereits auf verschiedene Internetportale hingewiesen, die Informationen und Materialien zu historischen Aspekten von Migration bieten. Die Links habe ich geprüft und sofern notwendig aktualisiert.

Hier folgen nun noch einmal Links zu Materialien für den Unterricht. Weitere Hinweise auf online verfügbare Quellensammlungen und Unterrichtsideen bitte gerne über die Kommentarfunktion hinzufügen!

Auf den Seiten der Geschichtsdidaktik der Universität Erlangen findet sich eine Handreichung für Lehrkräfte mit dem Titel “Migrationsgeschichte. Sammeln, sortieren und zeigen”, die von Gesa Büchert und Hannes Burkhart herausgegeben und großteils auch verfasst wurde. Sie kann als PDF heruntergeladen werden:

http://www.geschichtsdidaktik.ewf.uni-erlangen.de/migrationsgeschichte.pdf

Gleichfalls eine “Handreichung für Unterricht und Bildungsarbeit” bietet das Netzwerk Migration in Europa an. Der Schwerpunkt liegt auf der Gegenwart, es gibt aber auch Module zur Emigration der 1930er und 40 er Jahre sowie zur Genfer Flüchtlingskonvention von 1951:

http://www.migrationeducation.org/fileadmin/uploads/Broschuere_Deutsch_2.Auflage_01.pdf

Hilfreich vor einer unterrichtlichen Beschäftigung mit dem Thema “Migration” ist auf jeden Fall die Lektüre der Überlegungen zur “Kulturalisierungsfalle”, die sich begleitend zur (Online-) Ausstellung “Deutsch-Osmanische Verflechtungen und Armeniergräuel im Ersten Weltkrieg” finden. Dort sind auch aktuelle weiterführende Literaturangaben speziell zu Geschichtsdidaktik und -unterricht:

https://www.blogs.uni-mainz.de/fb07-armeniergreuel/didaktische-ueberlegungen/kulturalisierungsfalle-2/

Zunächst ist das aktuelle Projekt gefluechtet.de zu “Ursachen, Lebenssituation und Umgang mit Flucht” zu nennen. Das kollaborativ verfasste Blog dokumentiert Biografiegeschichten von Flüchtlingen in Vergangenheit und Gegenwart und ist offen zur Mitarbeit.

Eine umfangreiche Sammlung zu Projekt- und Unterrichtsideen sowie Materialien zu “Exil, Fremdsein und Migration” bietet weiterhin der Exil-Club, dessen letztes Update allerdings bereits Mitte 2007 erfolgte, so dass mit Sicherheit einige der Links nicht mehr funktionieren werden:

http://www.exil-club.de/dyn/411.asp?Aid=248&Avalidate=96477687&&cache=4053

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat aktuell ein Dossier mit verschiedenen Beiträge zum Thema “Flucht und Asyl” zusammengestellt: http://www.bpb.de/lernen/themen-im-unterricht/212843/flucht-und-asyl

Ebenso bieten Die Zeit wie auch die FAZ speziell für Schulen Texte und Materialien allgemein zum Thema “Migration” an:

http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2015-03/zuwanderung-schulunterricht-lehrmaterial

http://www.fazschule.net/project/die-welt-in-bewegung2011

Didaktische Überlegungen insbesondere zur Landesgeschichte: Ulrich Maier, Migration als Thema der Landesgeschichte, in: Landesgeschichte in Forschung und Unterricht 1, herausgegeben vom Württembergischen Geschichts- und Altertumsverein, Kohlhammer, Stuttgart 2005, S. 9-23. http://www.schule-bw.de/unterricht/faecheruebergreifende_themen/landeskunde/modelle/epochen/neuzeit/migration/migration-als-thema.pdf

Unterrichtsideen, didaktische Überlegungen und Materialien in: Deutschland & Europa 45 (2004): Migration http://www.deutschlandundeuropa.de/45_02/Migration.pdf

Zu den Hugenotten am Beispiel der Familie De Maizière schreibt Charlotte Jahnz auf gefluechtet.de: http://gefluechtet.de/wp/2015/09/25/vom-religionsfluechtling-zur-funktionselite/

Eher touristisch angelegt, aber geradea deshalb mit geschichtskultureller Perspektive auch für den Unterricht nutzbar ist der sogenannte “Hugenotten und Waldenser-Pfad”: http://www.hugenotten-waldenserpfad.eu/

Eine Unterrichtseinheit vom Deutschen Polen-Institut im Rahmen seiner Veröffentlichungen “Polen in der Schule” beschäftigt sich mit der Ostsiedlung im Mittelalter: http://www.poleninderschule.de/assets/polen-in-der-schule/downloads/arbeitsblaetter/Gesamtdatei-Ostsiedlung.pdf

Dort auch zur polnischen Emigration im 19. und 20. Jahrhundert: http://www.poleninderschule.de/assets/polen-in-der-schule/downloads/arbeitsblaetter/p-migration-01-didaktikliteratur01.pdf

Siehe dazu auch: Hellmuth Vensky, Polen prägten das Ruhrgebiet. Schimanskis Väter, in: Die Zeit Online, 2. März 2010, http://www.zeit.de/wissen/geschichte/2010-02/ruhr-polen/komplettansicht

Zur Auswanderung nach Nordamerika sei auch noch auf einen älteren Beitrag hier im Blog verwiesen: https://geschichtsunterricht.wordpress.com/2011/03/09/auswanderung-und-assimilation/

Siehe dazu auch: Bernd Brunner, Deutsche Massenmigration: Der große Aufbruch, in: : http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2011/03/Massenauswanderung/komplettansicht

Zur rheinland-pfälzischen Landesgeschichte auf die umfangreichen Seiten zum Thema “Auswanderung”. Neben den USA sind Brasilien, Osteuropa und das Exil während der NS-Zeit weitere Schwerpunkte: http://www.auswanderung-rlp.de/startseite.html

Koblenz als Zentrum der Emigration des französischen Adels 1791/1792:

Rhein-Zeitung: http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/koblenz/stadtgeschichte_artikel,-Teil-24-Koblenz-Zentrum-der-Royalisten-_arid,364571.html

regionalgeschichte.net: http://www.regionalgeschichte.net/bibliothek/texte/aufsaetze/thielen-katharina-emigrationszentrum-koblenz.html

Landeshauptarchiv: http://www.lha-rlp.de/index.php?id=367