„Europa. Unsere Geschichte“ – zum deutsch-polnischen Geschichtsbuch – Teil 2

Nach dem Überblick zur Entwicklung des deutsch-polnischen Geschichtsbuchs im ersten Teil möchte ich den ersten, bereits erschienenen Band an einigen wenigen Punkten etwas ausführlicher besprechen.

  • Zunächst ins Auge springt die Seitengestaltung. Das Design ist sehr klar und übersichtlich. Farben und Schattierungen werden sparsam und gezielt zur Strukturierung der Seiten eingesetzt.
  • Die Inhalte sind untergliedert in Verfassertexte, Aufgaben und Materialien. Die Abbildungen sind in ausreichender Größe und in der Regel sehr guter Qualität abgedruckt. Es finden sich neben vielem Bekannten auch einige schöne, sonst in Schulbüchern wenig oder bislang gar nicht genutzte Materialien. Auch die zahlreichen, neu gestalteten, guten Karten stechen heraus und sind einen genaueren Blick wert, so dass das Buch auf jeden Fall auch eine schöne Fundgrube für GeschichtslehrerInnen bietet.
  • Bei den Materialien fallen die Bezeichnungen auf. In der Regel werden in deutschen Schulgeschichtsbüchern „Materialien“ durchgängig als „M“ oder differenziert nach Quelle und Darstellung als „Q“ und „D“ gekennzeichnet. Das deutsch-polnische Geschichtsbuch unterscheidet 5 Materialienarten, die jeweils auch einzeln am Material mit dem Anfangsbuchstanden ausgewiesen werden: Quellen („Q“), Darstellungen („D“), Rekonstruktionen („R“), Grafiken und Schaubilder („G“) sowie Karten („K“). Der Unterschied zwischen historischen Karten und Geschichtskarten wird dabei verwischt. Auch diese Strukturierung ist, wenn auch differenzierter, keineswegs eine Lösung für das seit langem diskutierte Problem bei der Schulbuchgestaltung.
  • Einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist die Tatsache, dass diese als „Materialien“ innerhalb eines Unterkapitels durchnummeriert werden: Es folgt also auf Q1, D2 und dann K3 und schließlich G4.
  • Auffällig ist der für deutsche Schulbücher hohe Anteil von „Rekonstruktionen“. Diese sind allerdings ebenso anschaulich wie neu und – wie oben beschrieben – immer auch als „Rekonstruktionen“ ausgewiesen. Ebenso fällt der geringe Anteil von geschichtskulturellen Zeugnissen auf. Dies mag dem langen Entwicklungszeitraum und der zum Teil veralteten zugrundliegenden Lehrplänen geschuldet sein. Nur sehr vereinzelt findet sich bildliche Darstellungen, die auf aktuelle Geschichtskultur verweisen (wie z.B. der Comic „300“ oder zur Schlacht von Tannenberg/Grunwald).
  • Die Aufgaben sind durchgängig operatorenbasiert und kompetenzorientiert. Dabei werden Sach-, Handlungs-, Methoden- und Urteilskompetenz unterschieden. Nach jedem Teilkapitel folgt eine Doppelseite mit einem „Kompetenztest“, wo zu den Materialien und Aufgaben auch die jeweiligen Schwerpunktkompetenzen explizit ausgewiesen sind. Diese „Test“-Seiten scheinen mir nicht immer überzeugend, da es vielfach noch einmal – allerdings stets materialgebundene – Detailaufgaben zu einzelnen Inhalten sind, aber wenig Syntheseleistungen zur Zusammenführung der verschiedenen Inhalte aus dem vorangehenden Kapitel angeboten werden. Eine Liste aller verwendeten Operatoren sowie eine Erklärung des zugrundeliegenden Kompetenzmodells fehlen im Band. Es wäre wünschenswert, diese zumindest im Lehrermaterial noch zu ergänzen.
  • Das Buch ist da stark, wo es in den direkten Vergleich von „deutscher“ und „polnischer“ Geschichte geht – wobei für den vorliegenden Zeitraum (Vor-/Frühgeschichte – Antike – Mittelalter) der Begriff „deutsch“ an einer Stelle gut problematisiert wird, für „polnisch“ habe ich Vergleichbares nicht gesehen. Aber um zu den Stärken zurückzukehren: Das Buch eröffnet einen „Blick nach Osten“, wenn im wie auf der Doppelseite zum Investiturstreit (S. 182/183) rechts das „Reich“ und links die Entwicklung bei den Piasten beleuchtet wird, wenn unter „Das Christentum breitet sich weiter aus“ (S. 128/129) auch eine Seite der „Slawenmission“ gewidmet ist oder bei den Kreuzzügen auch das die Kriege im Baltikum (S. 188/189) berücksichtigt werden. Das sind Themen, bei denen die meisten deutschen Lehrpläne und Geschichtsbücher traditionell auf einem Auge blind sind. Früher waren der vergleichende Blick nach England und Frankreich zumindest Usus, aber auch dieser ist – soweit ich das überblicke – in den letzten 20 Jahren weitgehend verschwunden zugunsten einer neuen Fokussierung auf eine „deutsche“ Nationalgeschichte.
  • Überraschend für ein grundlegend neu erarbeitetes, nicht auf anderen Schulbüchern aufbauendem Geschichtsbuch, das zudem intensiv auch fachwissenschaftlich begleitet wurde, ist die Tradierung überholter problematischer bzw. falscher Geschichtsbilder. Beispielhaft seien hier genannt die Verknüpfung von Bewässerungswirtschaft und Staatsentstehung im Alten Ägypten (S. 47, zur Kritik vgl. Backes/Eisenmenger, PDF S. 6 u. 8), die Herrschaftspyramide als Schaubild (S. 53) sowohl im Alten Ägypten wie Grundherrschaft, Lehnswesen mit Darstellung in Pyramidenform (S. 166; zur Kritik vgl. z.B. den Beitrag von Markus Bernhardt auf PublicHistoryWeekly). Mir ist das – ehrlich gesagt – unverständlich und ich hätte mir hier auch ein paar positive neue Impulse erhofft.

Ein so kurzer Überblick muss notgedrungen lückenhaft bleiben. Die Dinge, die mir fehlen, fallen mir zugebenermaßen schneller auf, als die vielen bekannten und gut funktionierenden „Selbstverständlichkeiten“. Immerhin hat sich hier mit Eduversum ein deutscher Verlag auf den Weg gemacht, der bislang keine Erfahrung auf diesem Gebiet hat, und zudem das Buch gemeinsam mit einem polnischen Partnerverlag produziert, was zusätzliche Absprachen und eigene Hürden mit sich bringt.

Für den ersten Band lässt sich sagen, dass es gelungen ist ein Schulbuch zur deutschen und polnischen Geschichte in europäischer Perspektive herauszubringen. Die globale Perspektive kommt mir persönlich mit wenigen Einsprengseln viel zu kurz und hätte angesichts der selbstgesetzten Ziele konzeptionell – auch in einem Band zu Steinzeit, Antike und Mittelalter (wo ist die Geschichte Chinas, Amerikas?) – durchaus mutiger und stärker berücksichtigt werden können. So bleibt der ganz „große Wurf“ leider aus. Dennoch gehört das deutsch-polnische Geschichtsbuch in die Handbibliothek jeder Schule und jedes Geschichtslehrers. Inbesondere die vergleichsweise kurzen Darstellungen zur polnischen Geschichte mit gut ausgewählten Materialien und anregenden Aufgaben sind eine Bereicherung für den Unterricht. Wer den Blick des Geschichtsunterrichts um die Perspektive unseres Nachbarlandes erweitern möchte, kommt um dieses Buch nicht rum. Ich warte auf jeden Fall gespannt auf die weiteren Bände zur neueren und neuesten Geschichte.

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Europa. Unsere Geschichte. Band 1. Eduversum: Wiesbaden 2016. Online bestellbar: http://www.jubi-shop.de/de/Shop/Jugend-Und-Bildung/Unterrichtsmaterial/Europa—unsere-Geschichte–Band-1_BEUUG.html

„Europa. Unsere Geschichte“ – zum deutsch-polnischen Geschichtsbuch – Teil 1

Bereits im Juni 2016 erschienen komme ich leider erst jetzt dazu über das deutsch-polnische Geschichtsbuch zu schreiben. Die deutsche Version hat der Eduversum-Verlag herausgebracht. In einem recht frühen Stadium der Konzeptionsphase hatte ich an einem sehr spannenden Lehrer-Workshop in Breslau teilgenommen und bei Gelegenheit im Blog über den Fortlauf des Projekts berichtet, ohne allerdings selbst über den Workshop hinaus involviert zu sein. Genau 10 Jahre hat es gedauert vom ersten Anstoß aus der Politik bis zur Veröffentlichung des ersten Bandes. Die weiteren drei Bände sollen nun bis 2020 folgen.

Natürlich wurde über dieses wichtige Projekt berichtet, wie z.B. hier im tagespiegel, allerdings war die Resonanz – so mein subjektiver Eindruck – (leider) deutlich geringer als beim deutsch-französischen Geschichtsbuchs 2006 (z.B. Der Spiegel oder hier zwei Jahre später zum Erscheinen des zweiten Bandes wiederum im tagesspiegel).

Beiden Werken gemeinsam ist, dass sie als reguläre Lehrwerke – und deshalb auch nicht digital und nicht als OER – in allen 16 Bundesländern und zugleich im Partnerland zugelassen sein sollte und es sich um ein exakt inhaltsgleiches Buch auf Deutsch bzw. Polnisch handelt. Während sich das deutsch-französische Projekt an die Sekundarstufe II richtete und eine klar binationale Konzeption besaß, ist das auf vier Bände angelegte deutsch-polnische Schulbuch für den Unterricht in der Sekundarstufe I konzeptioniert und will über das Binationale hinaus „die europäische und Globalgeschichte unter besonderer Berücksichtigung deutsch-polnischer Perspektiven“ in den Mittelpunkt rücken (Georg-Eckert Institut: Ziele).

Der Weg von der Idee zum Werk war lang und steinig. Es mussten die Geschichtslehrpläne von 16 Bundesländern sowie das nationale Curriculum Polens auf einen Nenner gebracht werden. Dazu kam eine zeit- und personalintensive politische und wissenschaftliche Begleitung des Projekts sowie nicht zuletzt unterschiedliche Traditionen in Historiografie und Unterrichtspraxis.

Dass am Ende nun ein fertiges, im Unterricht einsetzbares Schulbuch steht, ist – nicht nur angesichts der politischen Veränderungen der letzten Jahre insbesondere in Polen – keineswegs selbstverständlich und es ist das Verdienst einer Vielzahl von Beteiligten diese Herkulesaufgabe zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht zu haben. Dabei ist keineswegs ein aufgeblähtes Additum von vielen Lehrplänen und nationalen Perspektiven entstanden, sondern bei einem ersten Band, der die Epochen von der Steinzeit bis zum Ende des Mittelalters umfasst, mit rund 250 Seiten ein Werk mit überschaubarem und im Hinblick auf die Stundenzahl des Fachs Geschichte „realistischem“ Umfang.

Kritisch einzuwenden ist hingegen, dass aufgrund der notwendigerweise langen Entwicklung und des umfassenden Anspruchs der allgemeinen Gültigkeit, die Zeit gegen das Projekt gearbeitet hat. So gibt es z.B. seit letztem Jahr einen neuen Teillehrplan Geschichte in Rheinland-Pfalz, für den das deutsch-polnische Geschichtsbuch nur noch sehr eingeschränkt kompatibel ist. So taucht das Buch – angesichts der politischen Absprachen trotzdem überraschend – nicht im rheinland-pfälzischen Schulbuchkatalog der im Land für den Unterricht in der Sekundarstufe I zugelassenen Schulbücher auf.

Allerdings liegt die Bedeutung des gemeinsamen Geschichtsbesuchs wohl vor allem in der „hohe[n] bildungs- und wissenschaftspolitische[n] Bedeutung für die deutsch-polnischen Beziehungen. Beide Seiten zeigen damit ihren Willen, die geschichtlichen Erfahrungen des Nachbarlandes in der schulischen Vermittlung von Geschichte mit einfließen lassen und den Wissenschaftsdialog über historische Themen vertiefen zu wollen.“ (so die deutsch-polnische Schulbuchkomission auf der Projektseite).

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Europa. Unsere Geschichte. Band 1. Eduversum: Wiesbaden 2016. Online bestellbar: http://www.jubi-shop.de/de/Shop/Jugend-Und-Bildung/Unterrichtsmaterial/Europa—unsere-Geschichte–Band-1_BEUUG.html 

Buchners „Das waren Zeiten“ – neu für Rheinland-Pfalz

Zum neuen Teillehrplan Geschichte für die Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz, der zum nächsten Schuljahr zeitgleich in allen Jahrgangsstufen eingeführt wird, legt auch der Buchner Verlag eine eigene Ausgabe aus der Reihe „Das waren Zeiten“ vor. An den beiden Bänden habe ich als Autor und Herausgeber mitgearbeitet. In den letzten beiden Wochen haben wir das Konzept auf mehreren Veranstaltungen vorgestellt. Die Folien der Präsentation sind unten in diesem Beitrag zu sehen und können auch heruntergeladen und weitergegeben werden.

Der neue Lehrplan besteht aus zwei Elementen: dem gemeinsamen Vorwort für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer (PDF), das auch das eigene, fächerübergreifende Kompetenzmodell erklärt, sowie den Teillehrplan für das Fach Geschichte (PDF). Aufbau und Konzeption des Buchs erschließen sich nur auf Grundlage der Lehrplanvorgaben. Wir haben versucht, den Lehrplan möglichst präzise in den Büchern umzusetzen.

Das auffälligste Merkmal des neuen Lehrplans ist die Gliederung der Epochalen Schwerpunkte (ESP) anhand von jeweils fünf „Kategorien“ (Orientierung, Herrschaft, Wirtschaft, Gesellschaft, Weltdeutungen), die einen sektoralen Zugriff auf Geschichte bieten. In jedem Lernfeld müssen für die Unterrichtsgestaltung vorgegebene Leitfragen, Kompetenzen, Grundbegriffe und Inhalte berücksichtigt und sinnvoll zueinander in Bezug gesetzt werden. Beide Punkte (Zugriff über Kategorien und die Einzelelemente der Lernfelder) bedingen eine sorgfältige und langfristige Unterrichtsplanung. Deren Komplexität zusätzlich die Integration von Längsschnitten und den Auswahlmöglichkeiten bei den Inhalten gesteigert wird.

Der Lehrplan schwankt dabei einerseits zwischen Festlegungen, die eine bestimmten Kombination von Kompetenz, Inhalt und Methode festschreibt und damit Vorgaben bis in die einzelnen Unterrichtsstunden hinein macht (Beispiele Methodenkompetenz in den Lernfeldern I.4.3 oder II.2.2 des Lehrplans – was mir persönlich als unnötige Gängelung der Lehrkräfte erscheint). Andererseits lässt der Lehrplan sehr viele Wahlmöglichkeiten im Hinblick auf die Inhalte (Weglassen einer Kategorie pro ESP, große Auswahl von „Erweiterungs- und Vertiefungsthemen“ von denen jeweils nur 2 pro Doppeljahrgangsstufe verpflichtend sind).

Für mich ist kein roter Faden im Sinne einer didaktisch begründeten Auswahl der verpflichtenden Inhalte zu erkennen ist. So erschließt sich mir auch nicht, warum einige Themen, die mir zentral erscheinen nur in der freiwilligen Erweiterung oder Vertiefung auftauchen, an anderer Stelle aber in der Basis als verpflichtend gesetzt sind (vgl. z.B. Lernfeld I.2 oder Herrschaftslegitimation in Antike Basisinhalt, im Mittelalter Erweiterung usw.). Die genannten sowie weitere Punkte wurden übrigens mehrfach an die Lehrplankommission herangetragen, aber bei den Überarbeitungen des Lehrplanentwurfs nicht berücksichtigt.

Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen haben wir bei der Konzeption des Buchs versucht, die Auswahlmöglichkeiten zu erhalten und eine flexible Umsetzung des Lehrplans zu ermöglichen. Dies war ein Leitmotiv bei der Konzeption des Buchs. Die Präsentation unten zeigt auf, wie diese Wahlmöglichkeiten im Buch umgesetzt wurden. Auch die Doppelseiten sind nicht als fertige Unterrichtsstunden konzipiert, sondern bieten im Sinne eines Steinbruchs verschiedene Umsetzungsmöglichkeit und Schwerpunktsetzungen. Daher muss auch hier bei den Materialien und Aufgaben ausgewählt werden. Es ist nicht angedacht, dass alle Aufgaben und Materialien auf einer Doppelseite bearbeitet wird.

Aufgrund dieser zahlreichen Wahlmöglichkeiten haben wir überlegt, beispielhafte Stundenmodelle zu erarbeiten, von denen die ersten drei bereits verfügbar sind. Sie machen die enorme Arbeitserleicherung durch das Schulbuch deutlich, das die verschiedenen Elemente des Lehrplans zusammenführt und auf dieser Grundlage flexible Stundengestaltungen zulässt. Die Stundenentwürfe haben Modellcharakter und sollen eine möglichst hilfreiche Orientierung bieten, auch wenn sicher nicht jede/r die Unterichtsstunden genau so aufbauen wird:

Beispiele für Stundenmodelle zu einigen Doppelseiten (PDF)

Und noch eine abschließende Bemerkung: Vielleicht fragt sich der eine oder die andere LeserIn, warum ich an einem klassischen Schulbuch mitarbeite. Ausschlaggebend für die Entscheidung zur Mitarbeit war für mich die Aussage der beiden Herausgeber von „Das waren Zeiten“, die die Reihe seit 20 Jahren betreuen, in unserem ersten Gepräch: Wir wollen Geschichtsschulbücher für Kinder und Jugendliche machen. Bücher, die so ansprechend gestaltet und interessant sind, dass sie nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause zum Lesen in die Hand genommen werden. Das finde ich einen ebenso hervorragenden wie schwer einzulösenden Anspruch. Ob dies bei der Rheinland-Pfalz-Ausgabe gelungen ist, können nur die Leserinnen und Leser berurteilen.Ob dies bei der Rheinland-Pfalz-Ausgabe gelungen ist, können nur die Leserinnen und Leser berurteilen.

Aber noch ein weiterer grundsätzlicher Punkt spielte eine Rolle: Was das alltägliche, selbstverständliche Lernen mit digitalen Medien im Unterricht angeht, stehen wir trotz aller bisherigen Ausstattungsinitiativen, Leuchtturmschulen und -projekten immer noch am Anfang. Den meisten Schulen fehlt weiterhin schlicht die Infrastruktur, um durchgängig mit digitalen Materialien, ob nun als e- oder m-Book oder in Form von freien Modulen, zu arbeiten. Das zeigt sich auch daran, dass für den Einsatz multimedialer Schulbücher ausgewählte Projektschulen erst entsprechend ausgerüstet werden. Das ist in Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit den Schulbehörden und Schulträgern möglich, aber nicht für den einzelnen Schulbuchverlag.

Digitale Medien sind in der Fläche auch 2015 immer noch die Ausnahme und nicht der Normalfall. Deshalb spielt das klassische Schulbuch weiterhin eine zentrale Rolle für die Umsetzung des Lehrplans und die Gestaltung des Geschichtsunterrichts. Und daher lohnt es sich meines Erachtens auch, sich einzubringen und dazu beizutragen, dass Lernenden wie Lehrkräften möglichst gute Bücher zur Verfügung stehen, die sie dann als Ausgangspunkt, Steinbruch, Leitfaden oder Lesebuch nutzen können.

 

Schulbuchentwicklung zum neuen Lehrplan Geschichte in RLP

DwZ RLP 1 CoverDer Lehrplanentwurf für Geschichte in der Sek I in RLP ist in der kombinierten Vorgabe von epochale Schwerpunkte, Leitfragen, Kategorien/Lernfeldern, Kompetenzen, Inhalten und Begriffen nicht einfach umzusetzen – weder für den Unterricht noch für Lernmaterialien. Der Entwurf des neuen Teillehrplans für Geschichte wurde bereits mehrfach hier im Blog thematisiert (zuletzt hier).

Zur Bewertung der Schulbücher scheint mir ein guter Überblick über die Vorgaben und die Strukturierung des Lehrplans unbedingt notwendig.

Geplant ist die Einführung des Lehrplans in allen Jahrgangsstufen gleichzeitig mit dem Schuljahr 2016/17. Ein aktueller Überblick über den Stand des Schulbuchangebots – soweit bekannt – findet sich beim Fachberaterkollegen Nieß auf der Homepage.

Trotz der vergleichsweise kurzen Zeit liegt vom Klett Verlag ein Vorabdruck des Mittelalter-Kapitels vor, den wir als Regionale Fachberater auch in der Beratung zum Lehrplan in den Fachkonferenzen einsetzen können. Darüber hinaus hat Klett auf seinen Internetseiten Informationen zur neuen Rheinland-Pfalz-Ausgabe sowie bereits Lehrermaterialien zum Mittelalter-Kapitel als PDF-Download zur Verfügung gestellt.

Der Buchner-Verlag, wo ich auch an dem Schulbuch mitarbeite, hat vorab einige Musterseiten zum epochen Schwerpunkt „Antike Hochkulturen“ im Lernfeld „Herrschaft“ als PDF herausgegeben. Der Verlag hat zudem die Freigabe erteilt, dass die Seiten als PDF zum Download angeboten werden können. Rückmeldungen zum Entwurf sind ausdrücklich willkommen, noch sind Überarbeitungen und Verbesserungen möglich.

Download PDF: CCBuchner Das waren Zeiten – Rheinland-Pfalz ESP Antike_Teil1

Download PDF: CCBuchner Das waren Zeiten – Rheinland-Pfalz ESP Antike_Teil2

[Update 7.5.2015]

Cornelsen hat zu seiner Ausgabe von „Forum Geschichte“ einen Überblick über Aufbau und Konzeption der Reihe sowie Preis und Erscheinungsdatum der Bände online gestellt. Dort findet sich auch eine „Leseprobe“ als PDF mit Beispielseiten aus verschiedenen Kapiteln und einem Inhaltsverzeichnis der Bände 1-3.

Erste, allerdings noch weniger umfangreiche Informationen zur „Horizonte“-Ausgabe von Westermann für Rheinland-Pfalz finden sich auch bereits auf den Seiten des Verlags.

[Update 20.11.2015]

Siehe auch die ausführliche Vorstellung der Konzeption von Buchners „Das waren Zeiten“ Band 1 für Rheinland-Pfalz unter folgendem Link:

https://geschichtsunterricht.wordpress.com/2015/11/20/buchners-das-waren-zeiten-neu-fuer-rheinland-pfalz/

mBook – Infos zum multimedialen Geschichtsbuch aus Eichstätt

Während es lange Zeit nur wenig bis keine Informationen zum mBook-Projekt gab (siehe auch 2 Jahre später hier), kann man mittlerweile einen Einblick in das digitale Geschichtsbuch erhalten.

Im Zug des Modellversuchs an 41 Schulen in NRW hat das „Institut für digitales Lernen“, das als „akademisches Spin-off“, also als ein aus der Universität ausgelagertes Unternehmen (genauer: einer GbR), funktioniert, grundlegende Informationen zum Konzept online gestellt.

[Korrektur: Auf Hinweis von Florian Sochatzy möchte ich hier klarstellen, dass die Evaluation des Unterrichtseinsatzes nicht durch das Institut selbst durchgeführt wird, sondern unabhängig durch andere Institutionen. Ich hatte die Formulierung  „Zugehörige Projekte sind […] in Zusammenarbeit mit dem Institut für digitales Lernen, einem wissenschaftlichen spin-off der Professur, die wissenschaftliche Begleitung der Einführung dieses digitalen Lernmittels in Realsituationen“ falsch interpretiert und bitte den Fehler zu entschuldigen.]

Seit Ende September steht ein eigener Image-Film des Instituts auf Youtube zur Verfügung:

Außerdem hat es das mBook in die Wikipedia geschafft und dort einen eigenen Eintrag (mBook-Projekt), der aber sprachlich vor allem durch die unkritische Übernahme der Begriffe der mBook-Macher auffällt. Kritische Anmerkungen z.B. über Verlinkung zu einem Beitrag hier im Blog wurden mittlerweile dort entfernt (siehe auch die Diskussionsseite zum Beitrag). Hauptautor des Wikipedia-Artikels ist unter dem Benutzernamen „Wikiautor1410“ übrigens Florian Sochatzy, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Theorie und Didaktik der Geschichte der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Für den Modellversuch in NRW wurde (endlich!) ein Teilkapitel zur öffentlichen Ansicht freigegeben. Wer sich also selbst ein Bild von mBook machen möchte, findet Zugangsdaten zu einer im Funktionsumfang reduzierten Testversion zum Thema „Erster Weltkrieg“ auf den Seiten der Medienberatung NRW.

Spontan ins Auge gesprungen sind mir u.a. die nicht an einen Bildschirm angepassten Textseiten, die langes Scrollen notwendig machen, die vielfach mangelnde historische Einordnung von Bildquellen (Autor, Jahr etc.), fehlende kollaborative Elemente sowie die offensichtlich weiterhin unvermeidliche (?) Verwendung von W-Fragen.

Sowohl aus einer Schule in NRW wie auch aus Ostbelgien finden sich auf Youtube zwei kurze Filme aus Schulsicht zum mBook. Spannend ist die unterschiedliche Bewertung des Buchs. Zudem fallen in dem Video des Rivius-Gymnasiums die zum Teil suggestiven Fragen sowie das vom Bildschirm Ablesen der vorbereiteten Antworten durch die Schülerinnen und Schüler auf.

Deutsch-Polnisches Schulbuch: Lehrerworkshop auf der Didacta

Da hier im Blog bereits mehrfach über das deutsch-polnische Schulbuchprojekt berichtet und diskutiert wurde, ist die Aufnahme des folgenden Hinweises nur folgerichtig:

Unter dem Titel „Ein neuer Blick auf die Geschichte Europas? Innovative didaktische Ansätze im Geschichtsbuch“ findet am 21.02. auf der Didacta in Köln ein gemeinsamer Workshop von Universum Verlag und dem Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung statt. Im Workshop werden erste Auszüge aus dem Schulbuch vorgestellt. Diese sollen von Lehrkräften der Sekundarstufe I diskutiert und beurteilt werden.

Die eigenen Ansprüche des Schulbuchprojekts sind hoch: ein Lehrwerk für die Sekundarstufe I, das allen Lehrpläne der 16 Bundesländer sowie dem Curriculum in Polen gerecht wird und auch die unterschiedlichen methodischen Traditionen berücksichtigt, das die binationale Verflechtungsgeschichte in den Blick nimmt und zugleich darüber hinaus, aber als erstes Lehrwerk einen globalgeschichtlichen Ansatz umsetzen will.

Ich bin gespannt auf die Umsetzung dieses ambitionierten Projekts. Trotz massiver öffentlicher Förderung scheint eine Lizensierung als Open Educational Resource wohl leider weiter kein Thema.¹

Der Workshop ist offen für alle interessierten Kollegen, erfordert jedoch vorherige Anmeldung. Weitere Informationen und Anmeldungen finden sich hier.

¹ Aktuelle Meldung bei heise.de zur Finanzierung von freien Bildungsmedien: „Experten der von Google finanzierten Denkfabrik Collaboratory haben sich im Rahmen der Initiative ‚Lernen in der digitalen Gesellschaft‘ dafür eingesetzt, freie Bildungsmedien stärker zu fördern. Die Politik müsse darüber nachdenken, dass zumindest mit Steuergeldern erzeugte Lehrmaterialien auch offen bereit gestellt werden, erklärte Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen, am Mittwoch vor der Abschlusskonferenz der dafür zuständigen Arbeitsgruppe in Berlin.“

Classroom4.eu jetzt auch auf Facebook

Nachdem die Finanzierung für die Webseiten zumindest für die nächsten zwei Jahre gesichert erscheint, haben wir uns nun neben dem Twitter-Account auch einen Facebook-Auftritt zugelegt. Wer also über das Projekt auf dem Laufenden bleiben will, hat nun eine Möglichkeit mehr sich zu informieren.

Vielleicht hat ja noch jemand Lust und Zeit am Ende des Schuljahres mit einem Oberstufenkurs an einem der Themen zu arbeiten und kurze Artikel schreiben zu lassen. Die Beiträge der Schüler können dann auch auf classroom4.eu veröffentlicht werden.

Es gibt bereits Essays auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Alle Beiträge stehen unter CC-Lizenz und können auch als Material für den Unterricht genutzt werden. Es können auch selbst erstellte Bilder und Videos ergänzend zum Text eingereicht werden

Ideen und Anregungen, wie mit dem Projekt im Unterricht gearbeitet werden kann, finden sich hier in einem Google Doc zusammengefasst. Ansonsten  stehe ich für Fragen auch gerne zur Verfügung.