Wikipedia? Fürs Lernen nicht so wichtig…

In Vorbereitung auf die 3. Tagung des KGD-Arbeitskreises „Digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik“ habe ich in einer Klasse der Sekundarstufe I eine anonyme Umfrage zur Wikipedia-Nutzung für Schule und Geschichtsunterricht durchgeführt. Die Ergebnisse haben mich überrascht. Die Wikipedia besitzt für die Schülerinnen und Schüler laut eigenen Aussagen eine wesentliche geringere Relevanz, als ich angenommen hätte. Die mehrheitlich genannten Probleme waren erwartbar, vielleicht sogar in stärkerer Ausprägung. Überraschend hingegen fand ich wiederum, dass niemand die Wikipedia „sehr hilfreich“ hält. Insgesamt haben 27 Schülerinnen und Schüler einer Klasse an der Umfrage teilgenommen. Dadurch ist der Aussagewert natürlich sehr begrenzt, trotzdem denke ich, bieten die Antworten einen interessanten Blick auf das Bild von jüngeren Schülerinnen und Schüler auf die Wikipedia. Anbei zur Diskussion ein paar Ergebnisse als Grafiken aufbereitet:

Nutzung WikipediaWikipedia Nutzung wieWikipedia wozu nutzenWikipedia Nutzung ProblemeWikipedia wie hilfreich

 

 

Warum die Revolution des Lernens mit digitalen Medien ein offener Prozess ist

Jöran wollte mit seinem Beitrag provozieren. Das ist ihm auch gelungen. Mit der bewusst einseitigen Darstellung hat er eine hohe Aufmerksamkeit erreicht. Das Video des Vortrags dreht entsprechende virale Runden in den sozialen Netzwerken.

Der Vortrag ist hörenswert. Grundsätzlich stimme ich ihm in den wesentlichen Punkten zu. Die Arbeit mit digitalen Medien wird immer wieder in Schulen und Universitäten genutzt, um das bisherige Lernen in anderer Form abzubilden und vermeintlich „effektiver“ zu machen; oft wird es dadurch aber keineswegs besser, oft ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Die Berichte sind Legende von Lernplattformen voller PDF Dokumente, die niemand lesen kann und auch niemand in diesem Umfang in analoger Kopie zur Verfügung gestellt hätte.

Die positiven Tendenzen lässt Jören (absichtlich) weg. Das kann man machen. Damit erreicht er eine Fokussierung auf problematische Entwicklungen, die hoffentlich breiter diskutiert werden. Aus Sicht eines Geschichtslehrers würde ich aber gerne noch ein paar Gedanken zum verwendeten Revolutionsbegriff verlieren.

Zum Revolutionsbegriff äußert Jöran sich nicht weiter. Dieser ist letztlich nur ein Schlagwort, das er widerlegt bzw. an dem er versucht das Scheitern von grundlegenden Veränderungen aufzuzeigen. Aus historischer Sicht, würde ich sagen, hat er eben nur einen unklaren Revolutionsbegriff (ein Schlagwort eben), was wir erleben, ist nicht vergleichbar mit einer politischen Revolution (schnell, gewaltsam, wie z.B. der Französischen), sondern gesellschaftlichen Prozessen, die sich in Analogie auch als Revolution bezeichnen lassen, wie z.B. die Industrielle. Wenn man sich die Entwicklung unter diesem Blickwinkel anschaut, dann kann von „Scheitern“ kaum gesprochen werden. Vielmehr findet sich dieselbe Uneindeutigkeit einer vergleichweise schnellen Entwicklung mit tiefgreifenden Veränderungen heute wie in der Industriellen Revolution. Historisch basiert unser Wohlstand wesentlich auf den Prozessen und Veränderungen der Industrialisierung, die aber mit zahlreichen negativen Erfahrungen vor allem in der Frühzeit wie hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne, Ausbeutung, neue Abhängigkeiten usw. einherging.

In eine ähnliche Richtung geht auch die Diskussion rund um den Beitrag von „Deutschlands bekanntestem Internet-Experten“ Sascha Lobo, dessen Kernbotschaft „Das Internet ist kaputt.“ auch von der überregionalen Presse (u.a. FAZ, Focus, Welt) aufgegriffen und verbreitet wurde und mittlerweile einige Erwiderungen (u.a. netzwertig, taz, mspro, schmalenstroer.net) erfahren hat.

Ehrlich gesagt wundert mich die geäußerte Naivität, der offensichtlich zerbrochene Traum, dass eine – mal abstrakt formuliert – technische Entwicklung die Welt quasi automatisch besser machen soll. Das hat doch nicht wirklich jemand geglaubt, dass das von alleine passiert? Nur weil ich Wahlurne aufstelle und Stimmzettel verteile, habe ich doch auch noch keine Demokratie. Genauso wie es angesichts der Veränderungen im Laufe der Industrialisierung gesellschaftliche Aushandlungen und regulierende Eingriffe gegeben hat, sind diese heute nötig. Dafür ist Politik da (nicht nur die Politiker!), um gesellschaftliche Entwicklung zu gestalten.

Es geht also um Gestaltung, das Erkennen der Chancen, das Nutzen der Möglichkeiten, wie auch das Reduzieren und Bannen von Gefahren und Fehlentwicklungen. Und da sind wir auch wieder im Bildungsbereich. Auch hier entstehen Veränderungen auf Ebene von Unterricht und Institution nicht von alleine. Es gibt sogar gute Gründe anzunehmen, dass Schule als System besonders veränderungsresistent ist. Nur weil es neue Technik gibt, wird dadurch weder das Lernen noch die Schule besser. Auch ein paar gelungene Beispiele und überzeugende Ideen machen noch keine Bildungsrevolution. Revolutionen in diesem Sinne sind lange Prozesse, mit Vor- und Rückschritten, die meist nur rückblickend als solche erkannt werden, mit gelungenen, steckengebliebenen und ganz gescheiterten Initiativen. Die Frage des Erfolgs oder Scheiterns hängt in der Regel weniger mit der Qualität der dahinterstehenden Ideen oder der Leistung der Personen zusammen als schlicht mit den jeweils momentan wirksamen Rahmenbedingungen. Es gibt keinen Automatismus der Weltverbesserung. Wir sind mitten in einer Entwicklung, die man als Digitalisierung, digitalen Wandel oder digitale Revolution bezeichnen kann, ohne dass wir den Ausgang vorhersehen könnten.

Unsere Enkel werden entscheiden, ob das was wir gerade erleben, eine Revolution war und ob diese gelungen oder gescheitert ist.

Fundstück: Personalisierung, Differenzierung, Individualisierung

Barbara Bray und Kathleen McClaskey haben eine ebenso interessante wie hilfreiche tabellarische Übersicht zusammengestellt, die die grundlegendenen Unterschiede zwischen den Konzepten deutlich macht: (Binnen-) Differenzierung und Individualisierung sind lehrerzentriert. Sie gehen vom Gegenstand aus, der für alle gleich ist und von der Lehrkraft für die Gruppe bzw. die einzelnen Lernenden aufbereitet wird. „Personalized Learning“ hingegen geht vom Lernenden aus, der seinen Lernprozess selbst gestaltet und steuert, sich vernetzt und Verantwortung für das eigene Lernen übernimmt:

Schule im digitalen Zeitalter – Zum #speedlab2

Vorne weg ein Dankschön an die Organisatoren für den weitgehend gelungenen Rahmen zum anregenden Austausch mit interessanten Menschen. Wer sich fragt, was überhaupt ein Speedlab ist und wer das wo organisiert hat, kann das auf den Seiten von werkstatt.bpb.de nachlesen. Dort ist die „Mikrokonferenz“ auch ausführlich dokumentiert.

Auf dem Heimweg von Köln sind mir noch einige Sachen durch den Kopf gegangen, die ich völlig ins Unreine versuche durch das Niederschreiben zugleich zu ordnen und auszulagern.

Zuhause habe ich dann auch noch den (nicht ausgefüllten) Feedbackbogen in meiner Tasche gefunden, vielleicht geht der Beitrag dann hier auch als nachträgliche Rückmeldung zur Veranstaltung durch.

Zunächst war ich gespannt auf das für mich neue Format „Speedlab“. Es hat mich in vielem an ein World Café erinnert. Das Speedlab war mir aber über den Tag, ehrlich gesagt, zu laut, zu wuselig, was vielleicht auch an dem offenen Raum gelegen haben mag. Dieser war zwar schön, aber mir, und da war ich sicher nicht der einzige, dröhnte am Nachmittag schlicht der Kopf. Persönlich interessant fand ich bei der Veranstaltung viele Leute, die ich bisher nur über ihre Beiträge von Twitter oder ihren Blogs kannte, als Referenten oder Teilnehmer live und in 3D zu erleben. Das ist schon immer noch einmal etwas anderes.

Insgesamt hat die Veranstaltung bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Es wurden teilweise durchaus kontrovers, laut und emotional diskutiert. Oft allerdings an der Oberfläche oder wie zum Teil auf dem Podium auch schlicht aneinander vorbei. Was ich von dem Tag mitnehme, ist wenig Neues und viel Bestätigung eigener Ansichten. Es stimmt schon, dass solche Veranstaltungen auch ein Echoraum sein können, der die eigene Meinung unter „Gleichgesinnten“ positiv verstärkt.

Ein paar dieser neuen und bestätigten Gedanken will ich als Thesen kurz zusammenfassen und, sofern nicht eh altbekannter Konsens, damit natürlich auch zur Diskussion stellen. Außerschulische Bildung ist natürlich auch wichtig, kam aber auf der Veranstaltung eher am Rande vor und da ich Lehrer bin, beschränke ich mich auf den Bereich der Schule:

– Es gibt eine wachsende Kluft zwischen einer veränderten und sich weiter verändernden Gesellschaft (und damit auch Lebenswelt der Lernenden sowie der Arbeitswelt) und einer sehr trägen Institution Schule. Problematisch finde ich allerdings, die auch heute wiederholt gehörte Formulierung bisher sei aller Unterricht „schlecht“, „öd“, „fad“, „langweilig“ gewesen (alles heute auf dem Podium heute ernsthaft so geäußert). Das ist schlicht falsch und führt nicht weiter. Viele Kollegen fühlen sich damit zu Recht angegangen, ungerecht und falsch beurteilt und verschanzen sich, wie zu erwarten, in einer Abwehr- und Verteidigungshaltung. Richtig ist hingegen, dass die Digitalisierung unsere Gesellschaft durchdringt und verändert (dazu kommen noch ein ganze Reihe anderer Faktoren, die zu grundlegenden Veränderungen führen) und dem kann sich Schule nicht versperren, will sie nicht ihre grundlegenden Aufgaben verfehlen. Aber nochmal: Das heißt nicht, dass bisher alles schlecht gewesen wäre, sondern nur dass die bisherigen Konzepte von schulischen Lernen nicht mehr zur Realität unserer heutigen Welt passen.

– Es ist deutlich zu trennen zwischen der Ebene des Unterrichts und der des Systems Schule. Auf der Unterrichtsebene lässt sich vieles verändern. Das zeigen die vielen Beispiele von Edu-Hackern, -Bloggern, Bildungsaktivisten und wie sich der einzelne auch selbst gerne bezeichnen mag. Die Möglichkeiten zu Veränderung stoßen aber systembedingt an Grenzen. Felix Schaumburg hat das sehr schön formuliert, in dem er darauf hinwies, dass er sich mit seinem beruflichen Selbstverständnis in einem ständigen Widerspruch in Bezug auf die Vorgaben der schulischen Realität befindet.

– Wirklich ärgerlich fand ich, dass (mal wieder) über Lehrer, gerne auch pauschalisierend über „die“ Lehrer gesprochen wurde, aber auf dem Podium kein Lehrer saß, obwohl bei den Referenten einige mögliche Kandidaten dabei gewesen wären. Es muss darum gehen, mit den Lehrkräften zu reden und nicht nur über sie. Eigentlich sollte das klar sein. Ich erlebe das aber leider immer wieder anders. Pauschale Lehrerschelten helfen nicht. Positive Beispiele gehören hervorgehoben, diskutiert und verbreitet. Es gibt viele, die sich im Rahmen des Möglichen bemühen und Veränderungen in Gang setzen.

– Die Frage, wie man die erreicht, die sich den notwendigen Veränderungen widersetzen oder (weniger aktiv) schlicht entziehen, wurde mehrfach gestellt, eine überzeugende Antwort habe ich nicht gehört… Entscheidend scheinen Neugier, Bereitschaft zum Ausprobieren und Experimentieren, zu kritischer Selbstreflexion und dem Wunsch nach größerer Berufszufriedenheit zu sein. Das lässt sich allerdings schlecht vorgeben, allenfalls vorleben.

– Es waren übrigens insgesamt wenig aktive Lehrkräfte anwesend. Das sollte man aber nicht vorschnell einem Desinteresse zuschreiben: Freistellungen für Fortbildungen in der Dienstzeit sind schwierig, überhaupt ist Zeit, bzw. deren Mangel, ein Riesenproblem für Lehrkräfte und ein wesentliches Hemmnis für Innovationen. Auch hier verschärfen G8 und Zentralabitur die Situation zusätzlich.

– Ich habe den Eindruck, dass Lehrkräfte Fortbildungen, fachdidaktisch reflektierte Konzepte und Unterrichtseinheiten brauchen, wie sie digitale Medien in ihren Untericht integrieren können. Das ist noch nicht der schulische Leitmedienwechsel und Systemwandel, aber es ist das, was sofort im Kleinen möglich ist und eine Brücke bildet zur Heranführung an die Entdeckung der Potentiale. Als Technologie könnte auch das interaktive Whiteboard so eine Brücke, ein Katalysator sein. Es lässt sich in jede Art Unterricht integrieren, bietet aber zusätzliche Möglichkeiten und schöpft sein volles Potential erst aus, wenn die Lernenden mit eigenen Endgeräten digital arbeiten.

– Die Arbeit mit digitalen Medien ermöglicht / führt zu / erzwingt eine Öffnung des Unterrichts, und zwar auf allen Ebenen (inhaltlich, methodisch usw.). Das ist entgegengesetzt zur Ausbildung von Lehrern, sowie wie ich sie vor ein paar Jahren noch durchlaufen habe, die in anderthalb bis zwei Jahren lernen (und teilweise verinnerlichen), die Klasse, den Raum, die Inhalte, Methoden usw. zu kontrollieren. Wenn sie das können und in einer in höchstem Maße kontrollierten Situation vorführen, erhalten sie mit dem zweiten Staatsexamen die Erlaubnis zu unterrichten. Kein Wunder also, wenn in der Diskussion auch immer die diffuse, oft gar nicht bewusste Angst vor Verlust dieser (Illusion von) Kontrolle mitschwingt. Es ist ja genau das, was man gelernt hat, was eine gute Lehrkraft ausmacht.

– Ich bin immer wieder erstaunt zu hören, wie es mit den Einsatz digitaler Medien in anderen Bundesländern aussieht. Ich höre immer wieder: Es fehle an Konzepten, Ausstattung und Fortbildungen. Es scheint so, als wären wir in der Tat in Rheinland-Pfalz relativ weit. Wenn man selbst drinsteckt, muss ich sagen, sieht man doch eher die Mängel und Fehler und was man noch tun könnte. Der Blick von außen ist immer ein anderer.

– Es geht nicht um Geräte, sondern um Didaktik. Wir brauchen Lernsettings, eine neue Aufgabenkultur und vor allem neue Prüfungsformate. Über die Zulassung alternativer Bewertungen wird sich das Lernen und Lehren in Schulen grundlegend verändern. So lange zentral immer noch Klassenarbeiten und Klausuren stehen, die eine Wiedergabe auswendig gelernten Wissens verlangen, wird sich auch Unterricht nicht grundlegend verändern. Das Zentralabitur wirkt sich hier hemmend aus. Ein großer Schritt wäre die Zulassung von Open Educational Resources als reguläre „Schulbücher“ durch die Behörden der Bundesländern. In anderen Ländern, wie z.B. Kalifornien, passiert das bereits, berichtete Basti Hirsch in seinem Workshop. Für Deutschland scheint die Vorstellung noch utopisch und geradezu revolutionär.

– Die technische Entwicklung geht weiter und sie geht schnell voran. Daher veralten Geräte schnell. Schule kann sich eine permanente Erneuerung ihrer Ausstattung aber nicht leisten. Das lässt sich einfach z.B. an den meisten Computerräumen ablesen. Es kann also nicht darum gehen, dass Schulen nun in Klassenstärke oder größeren Zahlen iPads, Tablets oder was auch immer anschaffen, um sie in ein paar Jahren auszutauschen. Das kann sich niemand leisten, mal abgesehen von den Problemen, die entstehen, wenn Lernende die Geräte nur leihweise in ein oder zwei Stunden im Unterricht nutzen: So können dort z.B. keine eigenen Dateien abgelegt werden (darauf hat André Spang in seinem Kurz-Workshop hingewiesen) und sie stehen auch zuhause nicht zur Verfügung, sie können also nicht als eigenes Werkzeug in eine persönliche Lernumgebung integriert werden. Deshalb kann der Weg meines Erachtens nur über Geräte der Schüler führen, die dann mit Verlassen der Schule auch ihre Geräte mitnehmen. Die Lernenden finanziell zu unterstützen, die sich das von zuhause nicht selbst leisten können, kommt allemale günstiger als die komplette, regelmäßig notwendige Erneuerungen ganzer Schulausstattungen in diesem Bereich.

Wie gesagt, ein paar Gedanken zum heutigen Tag, schnell runtergeschrieben, ich hoffe nicht allzu wirr, aber zumindest sind sie jetzt aus meinem Kopf 😉

Mit selbst erstellten Apps üben und wiederholen

Wer die Seite noch nicht kennt, sollte einen Blick darauf werfen: LearningApps.org bietet die Möglichkeit kleine Anwendungen selbst mit Inhalten zu füllen und so an den eigenen Unterricht anzupassen.

Ich habe gestern und vorgestern ein bisschen experimentiert. Die Ergebnisse sind nichts, wofür ich mich rühmen könnte (siehe hier). Vor einem Einsatz im Unterricht müssten alle Entwürfe noch überarbeitet und ergänzt werden. Das gilt für die meisten der auf der Seite bisher freigeschalteten Apps. Mir ging es zunächst einmal darum, selbst auszuprobieren, wie das funktioniert und ich muss sagen, ich bin begeistert.

LearningApps ist ein gemeinsames Projekt in der Beta-Phase der Hochschulen Bern, Mainz und Zittau/Görlitz. Wer die Apps ansehen und ausprobieren möchte, kann dies auch ohne Anmeldung tun. Empfehlenswert ist die Nutzung der Apps im Vollbildmodus. Wer selbst eigene Apps gestalten möchte, muss sich dafür auf dem Portal registrieren. Entdeckt man unter den bereits veröffentlichten eine interesssante App, die aber entweder inhaltliche Fehler enthält oder an die Inhalte des eigenen Unterrichts angepasst werden müsste, so kann diese nach Anmeldung auch verändert (über den Button „Ähnliche App erstellen“) und unter den eigenen Apps gespeichert werden. Selbst erstellte Apps kann, aber muss man nicht veröffentlichen.

Es sind vor allem einfache Zuordnungsaufgaben und -spiele, die angeboten werden. Alle Apps enthalten eine Rückmeldungsfunktion, ob und die Ergebnisse richtig sind oder nicht. Von den bisher 10 Appmodellvorlagen lassen sich alle im Geschichtsunterricht einsetzen, um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Zahlenstrahl-Zuordnung: Es können Begriffe, Ereignisse, Personen auf einer selbst definierten Zeitleiste eingetragen werden und die einzelnen Elemente auch mit einer Hilfe zur Zurordnung versehen werden.
  • Zuordnung mit Landkarte: Texte, Bilder, Audio- und/oder Videodateien müssen auf einer Landkarte verortet werden.
  • Videos mit Einblendungen: Videos können mit Text versehen werden, der z.B. an bestimmten Stellen Verständnishilfen oder Arbeitsaufträge bereitstellt.
  • Gruppenzuordnung: Es können 2-4 Gruppen/Kategorien vorgegeben werden, denen dann Texte (Begriffe), Bilder, Audio- und/oder Videodateien zugeordnet werden müssen.

Wo und wie lassen sich diese Apps im Geschichtsunterricht einsetzen? Ein paar erste Gedanken:

Die Apps lassen sich vielfältig einsetzen. Mit der Erstellung werden automatisch eine Linkadresse, ein Einbettcode und ein QR-Code erstellt. So können die Apps auf interaktiven Whiteboards und festinstallierten Rechnern in der Schule, mobilen Endgeräten wie Laptops oder iPads, aber auch auf Smartphones genutzt werden. Auf den IWBs und Tablets macht das Verschieben und Zuordnen am meisten Spaß.

Der Einsatz scheint vor allem sinnvoll zum Üben und Wiederholen: zentrale Jahreszahlen, Begriffe, Epochen können so auf spielerische Weise noch einmal aufgegriffen werden, z.B. für einen aktivierenden Einstieg auf dem interaktiven Whiteboard am Beginn oder, falls noch Zeit ist, am Ende der Stunde. In älteren Klassen können auch die Schülerinnen und Schüler z.B. am Ende einer Unterrichtseinheit selbst Apps zu einzelnen Unterthemen erstellen, die dann von den anderen anschließend gespielt werden. Dies wäre ebenso unterrichtsbegleitend denkbar, so dass vor einem größeren Test oder einer Klausur die Apps zum Lernen herangezogen werden können.

Denkbar ist aber auch der Einsatz in einer Erarbeitungsphase, z.B. könnte man zentrale Begriffe der Aufklärungsphilosophie vorgeben, die dann einzelnen Philosophen zugeordnet werden. Die Schülerinnen und Schüler lesen einen Text oder schauen einen Film, dem sie die notwendigen Informationen entnehmen. Die Lösung dient dann zugleich der Ergebnissicherung, kann von jedem Lerner individuell erarbeitet und dann gemeinsam im Plenum besprochen werden.

Die Apps sind schnell erstellt. Nach einer ersten grundlegenden Orientierung habe ich für das Erstellen der vier Beispielapps jeweils 15-20 Minuten gebraucht. Für inhaltlich etwas aufwendigere benötigt man vielleicht 30 Minuten. Das ist überschaubar. Programmierkenntnisse benötigt man keine, die Bedienung ist weitgehend intuitiv. Damit nähern wir uns weiter der von Hilke Günther-Arndt beschriebenen Voraussetzung für die breite Nutzung digitaler Medien im Unterricht: „wenn sich die Alternative ‘Bedienkompetenz’ versus ‘historische Kompetenz’ nicht mehr stellt„.

Natürlich sind 30 Minuten Vorbereitung für 5-10 Minuten im Unterricht verhältnismäßig viel, dennoch resultieren aus der Erstellung der digitalen Materalien einige Vorteile für Lehrkräfte:

  • Die Apps liegen dauerhaft vor und können einmal erstellt immer wieder eingesetzt werden.
  • Sie sind schneller eingerichtet als vergleichbare Aufgaben mit der Software der interaktiven Whiteboards.
  • Auch andere Lehrkräfte erstellen Apps, die schnell an den eigenen Unterricht angepasst werden können. Der Pool der Materialien wächst sehr schnell.
  • Wo ein Internetzugang vorliegt, können die Apps auch in Vertretungsstunden eingesetzt werden.
  • Die Apps sind multimedial angelegt. Es können Texte, Bilder, Audio- und Videodateien eingebunden werden.
  • Die erstellten Apps sind unabhängig von der an der Schule verwendeten Lernplattform und der Marke der interaktiven Whiteboards. Sie funktionieren übergreifend webbasiert.

Ebenso vielfältig sind Vorteile für das Lernen:

  • Die Apps stehen den Lernenden auch außerhalb der Schule zur Verfügung. Wer mag oder Übung benötigt, kann die Apps zum individuellen Üben und Wiederholen zuhause oder mobil auf dem Handy nutzen.
  • Alle Apps haben sowohl bei der Erstellung als auch beim Einsatz etwas Spielerisches, das motivierend wirken kann. Gerade das ungeliebte Üben und Wiederholen, oft als „stumpf“ qualifiziert, wird leichter: Man lernt, wiederholt, ohne dass es sich wie Arbeit anfühlt.
  • Gleichfalls unterstützend wirken die Möglichkeiten zur Differenzierung (durch Hilfeangaben) und die Ausrichtung am individuellen Lerntempo (sofern individuelle Endgeräte vorhanden).

PS. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch zu vermelden, das Einbetten hat mit dem Code trotz längerem Rumprobieren hier im Blog nicht geklappt. Das ist schade, aber verschmerzbar.

Plagiatefinder – nicht nur für den Geschichtsunterricht

Für die anstehenden Facharbeiten, aber auch für sonstige Ausarbeitungen und Referate findet sich seit kurzem im Internet eine kleine Hilfe zur Überprüfung auf Plagiate. Auf sucodo.de lassen sich der ganze Texte oder einzelne Passagen in ein Suchfeld eingeben. Entsprechend der Einstellungen werden dann Wortgruppen aus den Passagen mit Texten im Internet abgeglichen. In der Auswertung werden dann Übereinstimmungen und vermutliche Übernahmen farbig markiert angezeigt, inklusive der Fundstelle im Internet als Link. Außerdem gibt es eine prozentuale Angabe für die wahrscheinlichen Plagiatsanteil des Textes.

Sucodo ist ein hilfreiches Werkzeug für Schulen, vor allem aufgrund der sehr einfachen Bedienung und übersichtlichen Ausgabe der Ergebnisse. Das macht die Nutzung auch wesentliche komfortabler als die Suche nach Plagiatsstellen z.B. über Google.

Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es keine 100% Trefferquote bietet. Die Fundstellen sind stark abhängig von der ausgewählten Länge der Wortgruppen. Deshalb sollte man auf jeden Fall die gut verständlichen, kurzen Informationen unter Fragen & Antworten lesen.

Und natürlich ist auch klar: Der „Plagiatefinder“ findet nur, was auch als Text im Netz steht. Schreiben die Verfasser aus  noch real existierenden, nicht digitalisierten Büchern ab, wird auch kein Plagiat entdeckt. Das dürften auch die Schüler schnell rausfinden. Vielleicht führt das dazu, dass die Lerner wieder verstärkt Bibliotheken aufsuchen… den Korrektoren bleibt trotz aller technischen Hilfen nur das intensive  Betreuen, gelegentliche Nachfragen und genaue Lesen der eingereichten Texte, um Lernenden zu gelungenen, eigenständigen Arbeiten zu verhelfen.

Evaluationsbogen zum Geschichts- und Sozialkundeunterricht

In Berlin werden zu diesem Schuljahr verpflichtende Rückmeldungen zu Lehrer und Unterricht durch die Lernenden eingeführt (siehe auch den Bericht in der Berliner Zeitung). Die Schülerinnen und Schüler sollen die Fragebögen am Computer im Unterricht ausfüllen. Die Rückmeldungen sind anonym verschlüsselt, werden elektronisch ausgewertet und nur der Lehrkraft zur Verfügung gestellt. Die Bögen sowie das Portal zur schulischen Selbstevaluation sind vom Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg entwickelt worden.

An anderer Stelle hatte ich ja schon mal darauf hingewiesen, wie hilfreich und sinnvoll Schülerrückmeldungen in meiner eigenen Unterrichtspraxis sind, insofern finde ich das Projekt und die damit verbundene Unterstützungsleistung für die einzelne Lehrkraft sehr begrüßenswert, zumal die Daten der Rückmeldungen beim Lehrenden zur Verbesserung seines Unterrichts bleiben.

Neben allgemein Kriterien/Fragebögen zum Unterricht sind auch fachspezifische Raster entwickelt worden. Wer sich den Bogen für Geschichte/Politik/Sozialkunde mal anschauen möchte, kann diesen hier als PDF-Dokument herunterladen.

Es ist überaus interessant ist, was hier unter „gutem“ Geschichtsunterricht verstanden und welche Kriterien dafür zugrunde gelegt werden. Für den Geschichtsunterricht unterteilt sich der Bogen in die Bereiche: Förderung der 1) „Deutungs- und Analysekompetenz“, 2) „historischer Methodenkompetenz“ sowie 3) der „Urteils- und Orientierungskompetenz“. Vieles ist sicher einleuchtend und unstrittig, z.B. da wo einzelne Items auf etablierte Kategorien der Geschichtsdidaktik wie Multiperspektivität oder Kontroverstität rekurrieren. Anders ist das sowohl in der diffusen Anlehnung an strittige Kompetenzmodelle sowie in den einzelnen Punkten einigermaßen diskutier- und streitbar…

Ist z.B. das (häufige) Durchführen von Zeitzeugen- und Expertengesprächen ein Qualitätsmerkmal von Geschichtsunterricht? Wie realistisch ist das angesichts der wenigen Unterrichtsstunden des Fachs? Methodisch lässt sich vieles auch an schriftlichen oder videografierten Zeitzeugenberichten einüben, das wird aber nicht abgefragt… Bei einzelnen Items fällt auch mir schwer zu verstehen, was hier wohl gemeint sein könnte, so z.B. unter 2.10 „Wir können das Thema der Stunde oft gemeinsam mit unserer Lehrerin, unserem Lehrer oder selbst finden“ oder unter 3.3 „Im Unterricht diskutieren wir die historische Veränderung von Moral und Wertvorstellungen.“ Das Bemühen um einfache Formulierungen ist zu erkennen, ich könnte mir aber vorstellen, dass da doch der ein oder andere jüngere Schüler der Sekundarstufe schlicht mit überfordert sein dürfte…

Es ist natürlich immer vergleichsweise einfach zu kritisieren. Es selbst besser zu machen, wäre die wirkliche Herausforderung. Deshalb sei es noch einmal deutlich gesagt:  Ich finde es gut, solche Bögen zu erarbeiten und vor allem diese so einfach für alle zur Verfügung zu stellen, auch wenn im Detail das ein oder andere vielleicht überdacht werden sollte. Als Orientierung und Vorlage für eigene Rückmeldebögen ist das Angebot unzweifelhaft eine Hilfe für Geschichts- und Sozialkundelehrkräfte auch außerhalb von Berlin und Brandenburg.

Mich würde ja noch interessieren, weil das aus dem Evaluationsportal des ISQ nicht hervorgeht, wer auf welcher Grundlage den Bogen ausgearbeitet hat? Und ob sich Geschichtsdidaktiker oder der Geschichtslehrerverband an der Erstellung beteiligt haben bzw. was diese dazu sagen? Immerhin werden hier auf Landesebene relativ mutig Qualitätskriterien für den Fachunterricht formuliert, deren theoretische und/oder empirische Fundierung und Genese zumindest im Umfeld der Veröffentlichung auf den Seiten des Instituts nicht expliziert werden.