Idee für die Arbeit mit Zeitleisten im Unterricht: Managing conflict in Europe

Timeline conflict 2DEuroclio bietet auf seinem Portal Historiana auf Englisch zahlreiche Unterrichtseinheiten zur europäischen Geschichte unter CC-Lizenz an. Gestern wurde eine Einheit vorgestellt, die mir besonders gut gefallen hat, weil sie eine interessante für die Arbeit mit einer digitalen Zeitleiste im Unterricht enthält.

Die komplette Einheit „Managing conflict in Europe in times of change: 1648-1945. What can we learn from a timeline about conflict management in Europe?“ umfasst mehrseitige Hinweise für Lehrkräfte als PDF und als zentrales Element eine Zeitleiste mit insgesamt 79 Einträgen unterteilt in drei Stränge von Ereignissen, Ideen und dem „weiteren Kontext“.

Die Unterrichtsplanung ist umfangreicher (PDF), hier möchte ich nur die Kernarbeit mit der Zeitleiste kurz vorstellen, weil mir dieser Ansatz von Zeitleistenarbeit gut gefällt und als Methode auch auf andere Themen übertragbar ist. Die zentrale Timeline conflict 3DFrage ist dabei, wie die europäische Staatenwelt mit Konflikten in dem langen Zeitraum zwischen 1648 und 1945 umgegangen ist. Es handelt sich dabei also um einen Längsschnitt, der vom Westfälischen Frieden über den Wiener Kongress und die Pariser Vorortverträge bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs reicht.

Für eine erste Orientierung können die Schülerinnen und Schüler in allen drei Strängen der Zeitleiste nach Hinweisen suchen, warum sich die Art und Weise änderte, wie die europäischen Staaten mit Konflikten umgegangen sind. Dabei lassen sich folgende Settings identifizieren:

  • supranationale Lösungen
  • Bündnisse zwischen Staaten
  • Friedensverträge
  • Mächtegleichgewicht
  • Wirtschaftliche Lösungen
  • Hegemonie eines Staates

Die Hauptarbeit besteht im Anschluss darin, die Zeitleiste nach den oben genannten, selbst erarbeiteten (ggf. auch vorgegebenen) Kriterien in verschiedene Abschnitte jeweils nach dem vorherrschenden Konfliktlösungsansatz innerhalb der europäischen Staatenwelt zu unterteilen. Voraussetzung sind in der Regel Kenntnisse über den behandelten Zeitraum. Schwieriger, aber dennoch möglich, ist auch der Einsatz zu Beginn einer Unterrichtseinheit, in der im Anschluss vertiefende Untersuchungen der einzelnen Friedensschlüsse folgen.

Diese Art mit einer Zeitleiste im Unterricht zu arbeiten unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, eine langfristige und grundlegende Orientierung in der Zeit zu gewinnen. Auf diese Weise lässt sich auch mit vorgebenenen Zeitleisten in Schulbüchern arbeiten, um z.B. zum Abschluss einer Unterrichtseinheit das Gelernte noch einmal zu wiederholen und über Kategorienbildung zu einem vertieften Verständnis langfristiger Prozesse von Wandel und Kontinuität zu gelangen.

Niederländische Sprichwörter

Pieter Bruegel the Elder - The Dutch Proverbs - Google Art Project

Beim Einbetten in das Blog ist die Interaktivität des Bilds leider verloren gegangen: Einfach mal draufklicken und das Bild in den Wikimedia Commons anschauen. Eine schöne Ergänzung ist die Ansicht im Google Art Project mit toller Zoom-Funktion, erklärendem Video und Audiokommentar. Beides ist wirklich schön gemacht, noch fehlt leider die deutsche Sprachversion. Gerade aber der Vergleich von englischen und französischen Sprichwörtern und eigener Suche nach einer deutschen Entsprechung könnte für den Fremdsprachenunterricht interessant sein.

Frühe Neuzeit in Computerspielen

Bei der Durchsicht meiner Mails nach dem Winterurlaub ist mir folgender Call for Papers aufgefallen, auf den ich hier auch gerne hinweise:

Vom 15. bis 17. März 2013 findet in Düsseldorf eine internationale Tagung zur Geschichte der Frühen Neuzeit im Computerspiel statt. Beiträgsvorschläge können bis zum 15. Mai 2012 eingereicht werden. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite zur Geschichte der frühen Neuzeit an der Universität Düsseldorf.

Es wird sicher spannend zu sehen sein, ob eine derartig zeitliche Einengung und fachliche Ausdifferenzierung trägt, zumal der inhaltliche Schwerpunkt bzw. oft nur weitestgehender Bezug der meisten Spiele im 2. Weltkrieg und der Zeitgeschichte liegt.

Positiv herzuheben ist sicher der Ansatz, „Videospiele [nicht] aus der Perspektive etablierter Forschungsprogrammatiken als defizitär zu beschreiben“. Einige der vorgegebenen Fragekomplexe für die Beitragsvorschläge sind interessant, zeigen in ihrer punktuellen Sprunghaftigkeit aber auch, wie wenig das Thema „Computerspiele und Geschichte“ bisher durchdrungen ist.

Einstieg zur Lektüre einer Ganzschrift

Nach der Klausur steigen wir nun im LK ein mit der (hier schon angekündigten) Ganzschrift. Für mich als Lehrer, aber auch für die Schüler im Geschichtsunterrichts eine Premiere. Ausgewählt hatte ich das Buch von Johannes Arndt über den Dreißigjährigen Krieg im Reclam-Verlag.

Ausschlaggebend war neben den niedrigen Kosten die Tatsache, dass das komplexe Thema hier neu und zusammenhängend dargestellt wird und in den Schulbüchern oft unterrepräsentiert ist. Zudem schien mir das Buch gut lesbar.

Die Schülerinnen und Schüler konnten das Buch über die Sommerferien bereits lesen. Wer das nicht getan hatte, sollte dies vom Schuljahrsanfang bis zu letzter Woche nachholen. Meine Idee ist, nachdem die Schülerinnen und Schüler das Buch nun einmal ganz gelesen haben, gezielt einzelne Punkte herauszugreifen und im Unterricht zu besprechen.

Die ersten Rückmeldungen haben mich durchaus erstaunt, da doch einige Schülerinnen und Schüler massive Verständnisprobleme hatten. Wie groß diese sind und wo sie genau liegen, wird sicher die Bearbeitung im Unterricht in den nächsten Wochen zeigen.

Nachdem Reformation und Religionsfrieden in den letzten Wochen intensiv bearbeitet wurden, haben die Schülerinnen und Schüler jetzt natürlich auch erst wichtige Voraussetzungen für das Verständnis des 30jährigen Krieges kennengelernt, die ihnen bei einer Vorab-Lektüre in den Ferien gefehlt haben könnten. Bei nochmaligen Überfliegen des Buches sehe ich nun auch, dass Arndt doch einiges an Vorwissen voraussetzt. Sonst ließe sich ein Buch über diese Zeit in dieser Kürze wohl auch gar nicht schreiben. Das wäre für die Auswahl einer weiteren Ganzschrift durchaus ein Kriterium für ein dickeres Buch, auch wenn das viele Lerner auch in der Oberstufe zunächst abschrecken mag… das Lesen und Arbeiten in der Folge kann dann aber gegebenenfalls einfacher werden.

Zum Einstieg habe ich einen etwas kreativeren Zugang gewählt. Just vor einigen Wochen ist eine Ausgabe von Spiegel Geschichte zum Dreißigjährigen Krieg erschienen. Weil für einige das Lesen des Buchs nun schon ein wenig zurückliegt und das Reclam-Buch keinerlei Bilder enthält, bot sich der Einstieg über das etwas reißerische Cover der Zeitschrift geradezu an.

Nach Aktivierung des Vorwissens und Analyse des Covers überfliegen die Schülerinnern und Schüler ihre mit Anmerkungen versehenen Reclam-Lektüren sowie das Inhaltverzeichnis des Buch, um anschließend selbst ein Cover für dieses Buch (andere Art der Publikation mit anderer Zielgruppe!) selbst zu entwerfen. Für den Entwurf können sie zeichnen, als Collage kleben oder mit der IWB-Software der Schule digital gestalten.

Der Arbeitsauftrag ist relativ offen, komplex und zugleich handlungsorientiert (Lektüre sichten, zentrale Inhalte herausarbeiten, Bilder suchen, auswählen, neu zusammenstellen sowie inhalts- und adressatenbezogen gestalten). Die Cover-Entwürfe werden in der nächsten Stunde vorgestellt, die Auswahl und Gestaltung kurz begründet. Die Schülerinnen und Schüler gewinnen so noch einmal einen Überblick über Thema und Buch, setzen schon eigene Schwerpunkte, was ihnen durch die Lektüre als wichtig erscheint und erhalten durch die Bildersuche, -auswahl und -verarbeitung einen ergänzenden visuellen Eindruck zu ihrer (bilderlosen) Erstlektüre.

La memoria de Europa – The memory of Europe

Die aktuelle Ausgabe der von der Stiftung der europäischen Akademie in Yuste herausgebenen Pliegos de Yuste ist online. Die Artikel sind alle auf Englisch und Spanisch verfügbar und dem Oberthema der Erinnerungskultur gewidmet. Die meisten Beiträge beschäftigen sich mit der aktuellen Situation in Spanien. Dort beginnt man seit einigen Jahren die Aufarbeitung der Franco-Diktatur (1936/1939-1975), verbunden mit sehr kontroversen juristischen und politischen Debatten, die 2007 u.a. in ein Gesetz zur historischen Erinnerung (Ley de Memoria Histórica) durch die regierenden Sozialisten mündeten.

Im Heft ist übrigens auch ein kleiner Beitrag (PDF) meinerseits zu „Gipfel-“ bzw. Herrschertreffen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zwischen Karl V. und Franz I.

Conflict history on Google Maps

Conflict history

Die Google Maps-Weltkarte ist mit einer Zeitleiste verbunden. Auf der Leiste lassen sich verschiedene Zeiträume einstellen. Entsprechend des gewählten Zeitfensters werden in einem Fenster Kriege mit den einzelnen Schlachten als Unterpunkten jeweils mit Name und Jahreszahl(en) angezeigt und auf einer Weltkarte lokalisiert. Die  Namen der Kriege und Schlachten sind nur auf Englisch verfügbar. Über den Button mit dem Ausrufezeichen sind zudem die entsprechenden Artikel in der englischsprachigen Wikipedia verlinkt. Die Karte  kann ein hilfreiches Werkzeug für  globalgeschichtliche Perspektiven im Geschichtsunterricht sein, nicht nur für den bilingualen Unterricht. So könnte man z.B. die ggf. unterschiedliche Namensgebung des Konfliktes im Deutschen und Englischen (z.B. Siebenjähriger Krieg – French-Indian War) thematisieren und hat auf der Karte zugleich die globale Dimension einzelner Konflikte visualisiert.

1769: Korsikas Platz in der Weltgeschichte

„Ein kleines Volk auf einer mässigen Insel im mittelländischen Meere, das den Paoli an der Spitze, und warmes Gefül von Freiheit, Vaterland und Tyrannei im Busen hat; ein Volk, das weder herrschen noch gehorchen will, kämpft […] um die Rechte der Menschheit und seine eigenen Rechte. Bald wird es nicht mehr seyn, dieses kleine verlassne Volk: oder es wird mal unabhängig seyn, dieses tapfere und der Unabhängigkeit würdige Volk! Dies ist das Volk, dessen Geschichte ich hier beschreibe […]

Überhaupt ward Corsica ein Muster einer wohlgeordneten Democratie. […] Seit der Zeit [nachdem Schlözer bereits geschrieben hatte] hat Corsica seinen PAOLI, seine Freiheit, und mit beiden zugleich sein Interesse verloren. Nunmer würde ich verlegen seyn, wenn mich jemand fragte: ob dieses Eiland auch wirklich ein eigenes Bändgen in der Weltgeschichte verdiene?“

aus: August Ludwig Schlözer, Kleine Weltgeschichte. Num. I. Geschichte von Corsica, Göttingen/Gotha 1769, S. 6, 111, 125.

Eine spannende und m.W. noch ausstehende Aufgabe wäre es, die Rezeption der korsischen Ereignisse in der europäischen Aufklärung und ihre mögliche Wirkung auf die nachfolgenden Revolutionen zu untersuchen.