Schlüsselerlebnisse als Comic darstellen

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Bei der Arbeit mit den Life Stories von euroclio sind die Übersetzungen auf Deutsch leider etwas eingeschlafen. Deshalb hier noch einmal der Aufruf: Wer mag noch helfen,  weitere Lebensgeschichten auf Deutsch zu übersetzen? Hilfreich ist auch das Korrekturlesen der bereits übersetzten Biographien. Alle Informationen und die Online-Dokumente für die Übersetzung finden sich hier im Google Drive. Sie können auch ohne Google Konto eingesehen und bearbeitet werden.

Für die Arbeit mit den Lebensgeschichten im Unterricht hier noch eine methodische Alternative: Die Schülerinnen und Schüler sollen in Kleingruppen die Geschichten lesen und das entscheidende Schlüsselerlebnis im Leben des Menschen bestimmen. Schlüsselerlebnisse sind oft Wendepunkte des Lebens, daher können 3-Bilder-Comicstrip gut genutzt werden, um diese zu illustrieren. Sie werden dabei aufgeteilt in die Folge von: 1) vorher, 2) Schlüsselerlebnis, 3 nachher.

Wir haben das im Unterricht ausprobiert. Den Schülerinnen und Schüler war freigestellt, selbst zu zeichnen oder einen Online-Comic-Generator wie MakeBeliefsComix oder Pixton (mit mehr Gestaltungsmöglichkeiten, aber nur mit Registrierung nutzbar und nach 15 Tage Testphase kostenpflichtig) zu nutzen. Am Ende der Stunde haben die Schülerinnen und Schüler ihre Comicstrips kurz vorgestellt, das Schlüsselerlebnis erläutert und im Zusammenhang mit der Lebensgeschichte begründet, warum es sich bei dem ausgewählten Erlebnis um das zentrale bzw. ein zentrales handelt.

Das hat insgesamt gut funktioniert. Zu sehen sind hier zwei Beispiele für Comicstrips, die mit Makebeliefscomix erstellt wurden (für Pixton hat sich trotz Bereitstellung eines eingerichteten Schüleraccounts aufgrund der Komplexität niemand entschieden). Man sieht: Die Gestaltungsmöglichkeiten sind bei diesem Generator sehr begrenzt. Das Verfahren ist methodisch jedoch für eine Auseinandersetzung mit Biographien sehr empfehlenswert. Entscheidend ist die mündliche Präsentation. Die kreative Annäherung  über das Comiczeichnen ist ein Hilfsmittel, das durch die Form (3 Bilder) die Aufmerksamkeit fokussiert und hilft den Text zu verstehen und zu erschließen.

Auch wenn es bei den Comicstrips vorrangig um das Erfassen des Schlüsselerlebnisses geht und die künstlerische Gestaltung weniger wichtig ist, sind die Comic-Generatoren ein schönes Hilfsmittel für die Schülerinnen und Schüler, die von sich selbst sagen, dass sie nicht gut zeichnen oder malen können, und denen so diese Hürde zu einer visuellen Umsetzung im Geschichtsunterricht genommen wird.

Berenguer Pétain

Leben in Europa nach dem 2. Weltkrieg: life stories – Aufruf zur Mitarbeit

Toni_Frissell,_Abandoned_boy,_London,_1945 „Millionen Deutsche waren bei Kriegsende unterwegs. Familien waren zerrissen, Frauen suchten ihre Männer, Eltern ihre Kinder, Kinder ihre Angehörigen. Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgebombte waren auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf. Kleine und große Nazis bemühten sich unterzutauchen. Hinzu kamen zehn bis zwölf Millionen Displaced Persons. Das waren unter anderem die ausländischen
Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die während des Krieges ins Deutsche Reich verschleppt worden waren, um in der Rüstungsindustrie und in der Landwirtschaft zu arbeiten, und nun in ihre Heimat zurückkehren wollten.“ (Buchner „Das waren Zeiten“ Ausgabe Rheinland-Pfalz Band 2, S. 188).

So oder so ähnlich wird die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland in vielen Schulbüchern beschrieben. Aber bedeutete es denn damals, wenn eine „Famillie zerrissen“, man selbst ein „Flüchtling“ oder „ausgebombt“? Lehrpläne und Schulbücher beziehen sich in der Regel auch nur auf die Situation in Deutschland, eine – eigentlich notwendige – europäische Perspektive fehlt bzw. schimmert nur an wenigen Stellen durch.

euroclio hat im Rahmen des Projekts „Decisions and dilemmas“ mit viel Aufwand eine umfangreiche Unterrichtseinheit zum Leben in Europa in der Nachkriegszeit erstellt. Die Unterrichtseinheit ist im Historiana-Portal unter CC-Lizenz abrufbar.

Kern der Unterrichtseinheit sind 23 aufwändig recherchierte „Life stories“, denen weitere folgen werden. Dabei handelt es sich um für den Unterricht auf Quellengrundlage geschriebene Kurzbiographien, die die Lebenserfahrungen von Menschen aus ganz Europa in den Nachkriegsjahren widerspiegeln. Die Auswahl der Biographien versucht eine möglichst breite Spannweite verschiedene Lebenssituationen abzudecken (jung/alt, Mann/Frau etc.), ohne allerdings insgesamt repräsentativ zu sein. Neben der Anschaulichkeit liegt die Stärke des Materials in seiner europäischen Perspektive.

Die Ruinen von Guernica 5603/37

Die Ruinen von Guernica
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Es gibt verschiedene Anregungen und mehrere Arbeitsblätter, die die Lernprozesse mit den Biographien strukturieren. Es geht vor allem darum, dass auch jüngere Lernende die abstrakten Begriffe aus den Darstellungstexten mit konkreten Vorstellungen füllen können, um ein vertieftes Verständnis der Situation der Menschen nach dem Krieg sowie ein Verständnis für die folgende politische Entwicklung in Europa entwickeln zu können.

Die Biographien sind großartige Lernmaterialien, liegen aber nur auf Englisch vor. Damit sind sie zumindest in jüngeren Klassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Regel nicht einsetzbar. Da alle Materialien jedoch unter CC-Lizenz vorliegen, können sie übersetzt und neu für alle interessierten Lehrkräfte und Lernenden zur Verfügung gestellt werden.

Dazu habe ich ein Google Doc erstellt: Oben finden sich die Links zu den bisher veröffentlichten Life Stories sowohl als Word-Doc wie als PDF. Darunter steht eine Tabelle, die alle Life Stories auflistet und in der letzten Spalte auf leere Google Docs verweist, in denen alleine oder gemeinsam an einer Übersetzung gearbeitet werden kann. Es wäre super, wenn sich ein paar Leserinnen und Leser für die Mitarbeit an der Übersetzung fänden. Wenn jede/r ein oder zwei Kurzbiographien übersetzt, haben wir schnell einen großen Materialfundus auf Deutsch zusammen, der zugleich allen Interessierten zugänglich und jederzeit erweiterbar ist.

Link zum Google-Doc „Life Stories“: https://goo.gl/xWknal

Das Tagebuch des Samuel Pepys‘

Das Tagebuch gibt es als Rss-Feed oder auf Twitter. Im dazugehörigen Blog wird das Tagebuch super aufbereitet und mit Hintergrundinformationen versehen. Die Einträge sind nach Themen verschlagwortet, Hintergrundinformationen (z.B. Ort seines Büro im Google Maps Stadtplan), die in den Artikeln wie Fußnoten verlinkt sind.

Darüber hinaus verlinkt der Blog auch die zeitgenössischen, tagesaktuellen Geschehnisse in den beiden Häusern des englischen Parlaments auf der sehenswerten Seite von British History Online.

Tage, Maße und Währungen

Obwohl es außer in der Projektarbeit sicher ein eher marginales Thema im Geschichtsunterricht möchte ich dennoch auf zwei interessante Webseiten hinweisen.  Aus dem Studium sicher noch allen bekannt, gibt es den Grotefend auch online.  Schnupperweise ist der Grotefend sicher im Leistungskursbereich einsetzbar und auch bei Nachfragen von Schülern und zum eigenen Nachschlagen kann das Buch auch für Geschichtslehrern hilfreich sein.

Was Maße und Einheiten in Mittelalter und Neuzeit angeht, bietet der Mittelalter-Rechner ein schönes Angebot. Alf Leue hat für viele, gängige Maße und Einheiten einen Umrechner online gestellt, der zum schnellen Nachschlagen geeignet ist, sollte z.B. im Unterricht im Buch oder bei Auszügen von historischen Romanen entsprechende Daten auftauchen. Das Ganze ist auch hilfreich mit Links und Quellenangaben versehen, so dass auch die Möglichkeit besteht von hier aus mit Schülerinnen und Schüler tiefer in das Thema einzusteigen.

P.S. Dank an Hans-Gerd Ackermann für die Hinweise auf die beiden Seiten.

Erste Artikel in classroom4.eu-wiki

Die Schülerinnen und Schüler des 13er Leistungskurses Geschichte haben mehrere Wochen recherchiert und die ersten Artikel stehen im neuen Wiki von classroom4.eu nun online. Das europäische Projekt wurde in diesem Blog schon an anderer Stelle ausführlich dargestellt. Die Grundidee ist, die europäische Kulturgeschichte  aus regionaler Sicht neu zu schreiben. Schüler schreiben in mehreren Sprachen ein virtuelles Schulbuch für andere Schüler in Europa. Im Wiki können die Geschichten aus den verschiedenen Regionen Europas verknüpft werden, so dass die vielfältigen Verbindungen von Künstlern und Wissenschaftlern und die Weitergabe von Ideen und Erfindungen aufgezeigt werden können.

Artikel gibt es bereits zur Geschichte der Post, der Porträtmalerei, des Pianos, der Linse sowie des geheimen Wahlrechts.

Buchtipp: Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung 1939-1959

Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung 1939-1959. Atlas zur Geschichte Ostmitteleuropas, hg. v. der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009.

Großartiges Buch mit hervorragendem Kartenmaterial, um das Thema im Unterricht aufzugreifen. Das Buch ist ursprünglich von polnischen Wissenschaftlern erarbeitet und wurde für die Lizenzausgabe der BpB ins Deutsche übersetzt. Daher ergibt sich der Schwerpunkt auf der polnischen Geschichte. Da aber das komplette polnische Territorium vor- und nach dem 2. Weltkrieg miteinbezogen wird, ergibt sich hier eine ausgedehnte mitteleuropäische Perspektive, die auch Deutsche, Ukrainer, Litauer, Weißrussen, Tschechen und Slowaken mit einbzieht. Damit sind natürlich noch längst nicht alle betroffenen Gebiete Europas erfasst, aber diese europäische Perspektive ist m.E. für jede Art der Darstellung und Behandlung absolut grundlegend. Das Buch zeichnet sich neben den hervorragenden Karten durch das gelungene Layout, viele Fotoabbildungen und gelungenen Informationstexten und Übersichtstafeln aus. Es eignet sich daher sowohl zum Einlesen für Lehrer und Schüler in das Thema als auch die Darstellung im Geschichtsbuch als ergänzende Materialfundgrube.

Das Buch kann hier gegen eine Bereitstellungspauschale von 6 7€ bei der BpB bestellt werden. Es wäre wünschenswert, wenn das Buch in Deutschland breit rezepiert würde, da die Diskussion um Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung ja weiterhin eine hoch sensible und politische Angelegenheit ist, die einen entsprechend hohen Grad an Informiertheit  in einer möglichst breiten Öffentlichkeit erfordert.

Zum „Vertriebenen-Streit“ auch ein ganz aktueller Artikel in der taz, ein Interview mit dem polnischen Historiker Tomasz Szarota.