This is the end

Es hatte sich nun schon länger angebahnt. Meine Schreibfrequenz hat in den letzten Jahren stetig abgenommen. Seit meinem Wechsel in die erweiterte Schulleitung als Oberstufenleiter war viel, sehr viel weniger Zeit für das Bloggen vorhanden als zuvor. Auch der direkte Austausch durch Teilnahme an Konferenzen, Tagungen und die Mitarbeit in Projekten war nur noch in seltenen Fällen vereinbar mit der viel Präsenz erfordernden Aufgabe, eine neue Oberstufe an einer Gesamtschule aufzubauen.

Zudem habe ich zunehmend weniger Geschichte unterrichtet. Seitdem die Abiturienten im März unsere Schule nach mündlichen Prüfungen „unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln“ leider ohne Feier verlassen mussten, unterrichte ich kein Geschichte mehr und das wird auf unbestimmte Zeit auch so bleiben.

Die enge Verbindung von eigenem Unterricht und dessen (öffentlicher) Reflexion hat mich für mich immer den Kern dieses Blogs ausgemacht: eine Art öffentlicher Zettelkasten mit mehr oder weniger losen Gedanken, spontanen Ideen, strukturierten Darstellungen eigener Unterrichtsvorhaben – gemeint nie als „best practice“, sondern als Angebot darüber ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen, kritisches und konstruktives Feedback zu erhalten und zu geben.

Bevor nun in ein paar Wochen der 11. „Bloggeburtstag“ ansteht, schließe ich dieses Projekt mit etwas Wehmut, aber auch mit realistischem Blick auf die mir zur Verfügung stehenden Zeitressourcen. Es waren spannende und schöne Zeiten. Im Schulalltag wurden mir allerdings die Grenzen fachdidaktischer Überlegungen immer wieder vor Augen geführt. Viele Ideen zur Gestaltung von Lernprozessen stießen allzu oft an Grenzen der (nicht) vorhandenen Infrastruktur oder anderer (fehlender) Bedingungen und Voraussetzungen.

Daher scheint es im Rückblick für mich weniger überraschend, dass mich zunehmend weniger fachdidaktische als systemische Fragen der Schulentwicklung interessiert haben. Das war bereits ein wesentlicher Grund die Stelle als Fachberater aufzugeben und in den Bereich der Schulleitung zu wechseln. Mit dem darauf folgenden beruflichen Alltag hat sich diese Schwerpunktverschiebung weg vom Unterricht hin zu Fragen der Schulentwicklung verstärkt.

Nun folgt der nächste Schritt: Ab 1.8. werde ich als Prozessbegleiter für das „nördliche Südamerika“ in das deutsche Auslandsschulwesen wechseln. Die Region umfasst die deutschen Schulen in Ecuador, Kolumbien und Venezuela. Wohn- und Einsatzort ist mit Quito, die wunderschöne Hauptstadt von Ecuador, die ich auf einer Übergabereise im Januar schon kurz kennenlernen durfte.

Die Stellenausschreibung war bereits letztes Jahr in den Sommerferien, das Auswahlverfahren im Herbst. Seitdem hat sich weltweit viel verändert, ist weiter im Wandel und in der Entwicklung offen. Wann ich die Stelle antreten kann und ob wir dann als Familie gemeinsam nach Ecuador ausreisen können, bleibt aufgrund der aktuellen Situation in den nächsten Wochen und vielleicht sogar Monaten erst noch zu klären. Ein bekloppteren Zeitpunkt für einen solchen beruflichen und privaten Wechsel hätte man sich in den letzten 60 Jahren vermutlich nicht aussuchen können…

Die Prozessbegleitung unterstützt die Schulentwicklung und das Qualitätsmanagement der deutschen Schulen, u.a. durch die Organisation und Durchführung regionaler Fortbildungen. Als Schwerpunkte der Entwicklung für die nächsten Jahre waren vor der Corona-Epidemie Digitalisierung und Inklusion benannt. Die verschiedenen Erfahrungen und Perspektiven meiner beruflichen Stationen von der Arbeit im Bereich der Lehrerfortbildung und Medienkompetenz über Fachberatung und Schulleitungsaufgaben fließen im Stellenprofil der Prozessbegleitung zusammen, so dass ich mich sehr auf die neuen Herausforderungen freue und hoffe, sie möglichst bald nicht nur von Deutschland, sondern auch vor Ort angehen zu können.

Diese Blog zu „Medien im Geschichtsunterricht“ werde ich zunächst noch online stehen lassen. Ich hoffe, dass die Inhalte als Anregung, Ärgernis oder einfach als Fundgrube für einzelne Kolleginnen und Kollegen noch hilfreich sind. Die Kommentarfunktion werde ich weitgehend abschalten und die Seiten auch sonst nicht mehr pflegen…

Abschließend: Ein ganz herzliches Dankeschön geht an all diejenigen, die dieses Blog begleitet, die hier gelesen, kommentiert haben und mit denen ich konstruktiv online und offline diskutiert und gestritten habe. Die Teilnahme am Diskurs, das Teilen von Erfahrungen, Ideen und Materialien, das Heraustreten aus dem so oft beschworenen „Einzelkämpfertum“ als Lehrer am Gymnasium durch virtuelles Öffnen der eigenen Klassentüren und Vernetzung mit allen Interessierten war und ist für mich der große Gewinn dieses Projekts.

6 Gedanken zu „This is the end

  1. Sehr schade, aber natürlich verständlich! Auch als Nicht-Lehrer habe ich viel aus dem Blog mitgenommen, und ich fand es immer sehr ermutigend, dass es Lehrer gibt, die sich über die normale Unterrichtsvorbereitung und -durchführung hinaus noch so viel Gedanken zur Geschichtsdidaktik machen.
    Alles Gute für die Zukunft!

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  2. Sehr schade, finde ich auch, Daniel! Herzlichen Dank für deine Einblick, die immer spannend und hilfreich waren. Ich freue mich, wenn das „zunächst noch online“ ein bisschen länger anhält 🙂
    Schon mal auf diesem Weg alles Gute für das nächste Projekt!

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  3. Sehr schade, Daniel, ich habe deinen Blog immer sehr gerne gelesen! Aber ich kann deinen Schritt natürlich verstehen und wünsche dir alles Gute für dein neues Projekt. Steht ja was ganz schön was Großes an! Viel Erfolg! Und danke für deine ganze Arbeit, die du dir über die Jahre hier gemacht hast!

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  4. Vielen, vielen Dank für diesen Blog mit Pioniergeist und vielen Anregungen für den Geschichtsunterricht!

    Wünsche alles Gute für die sehr spannenden neuen Aufgaben und eine gute Reise: ¡Qué lo pases bien!

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