„Kinder wollen lernen, Neues erfahren. Statt dessen werden sie in Gedankengefängnissen eingesperrt. Nationalismus, Patriotismus sind solche Gedankengefängnisse, die überwunden, niedergerissen werden müssen.“ (Yehudi Menuhin)

AJ-Books-2-800pxNation“ und „Nationalismus“ in Schulbüchern

Der Geschichtsunterricht trägt weiterhin zum Aufbau und Fortführen der „great myth of the nation1, also der nationalen Identitätsbildung bei. Im Blick dieses Kapitels stehen die Erklärungen der zentralen Begriffe „Nation“ und „Nationalismus“ in Schulbüchern. Eine vollständige Analyse des Themas in Geschichtsbüchern, idealerweise in einer europäischen Vergleichsperspektive, kann in einem Blogbeitrag nicht geleistet werde. Daher werden nur einige Geschichtsbücher exemplarisch in den Blick genommen.2

Eine Definition der Begriffe ist – wie in den vorangehenden Beiträgen bereits dargelegt – alles andere als einfach, und zwar in dem Maße, dass auch viele wissenschaftliche Einführungen auf eine allgemeine Definition verzichten.3 Schulbücher haben es schwerer, da sie kaum – auch wenn sie, wie zu zeigen sein wird, das trotzdem des Öfteren tun – diese für den Geschichtsunterricht zentrale Begriffe in einem Glossar aussparen können.

Schulbuchdefinitionen des Begriffs „Nation”

Für die Sekundarstufe I heißt es in einem Werk:

Als Merkmale einer Nation gelten gemeinsame Abstammung, Sprache, Kultur und Geschichte sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl der in einem Gebiet zusammenlebenden Menschen. Während sich in den westeuropäischen Staaten (besonders England, Frankreich und Spanien) bereits seit dem Mittelalter ein Nationalgefühl entwickelte, bildete sich ein vergleichbares Nationalgefühl in Deutschland erst seit dem 18. Jahrhundert heraus, und erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Forderungen nach einem gemeinsamen Nationalstaat für alle Deutschen erhoben.“4

Die Definition verwendet ausschließlich „natürliche“ Merkmale zur Begriffsdefinition, hebt sehr stark auf das Nationalgefühl ab und datiert das Entstehen der Nation für Westeuropa ins Mittelalter. Dies wird von einer späteren, deutschen Entwicklung unterschieden, die aber dieselben Inhalte umfassen soll. Eine historische Veränderung des Begriffs wird nicht aufgezeigt.

Eine völlig andere Definition bietet ein zweites Schulbuch für die Mittelstufe:

(lat. natio: Herkunft, Abstammung): die im 18. Jahrhundert entwickelte Vorstellung, dass Menschen, die eine gemeinsame Kultur (Sprache, Religion, Literatur, Kunst) und Geschichte haben, ein Volk bilden. Seit der nordamerikanischen Unabhängigkeitserklärung (1776) und der Französischen Revolution (1789) geht diese → Ideologie zusätzlich davon aus, dass alle Völker das Recht haben, in Freiheit und nach eigenem Recht in einem Nationalstaat zu leben. 1848/49 scheiterte der Versuch, einen deutschen Nationalstaat zu errichten. Das 1871 gegründete Deutsche Kaiserreich verstand sich als Nationalstaat; es bestand bis 1918.“5

Ausgegangen wird hier von der ursprünglichen, lateinischen Wortbedeutung. Die begriffliche Entwicklung wird aber nicht weiter verfolgt. Stattdessen wird die Entstehung von Nationen ins 18. Jahrhundert datiert, an kulturellen Kriterien festgemacht, um dann die Nation mit dem Begriff der Ideologie und der Forderung nach einem Nationalstaat zu verknüpfen.

Für die Oberstufe finden sich Definitionen häufiger in den Büchern. Diese sind aber nicht unbedingt komplexer:

Nation (lat. Abstammung): bez. große Gruppen von Menschen mit gewissen, ihnen bewussten Gemeinsamkeiten, z.B. gemeinsame Sprache, Geschichte, Verfassung sowie inneren Bindungen und Kontakten (wirtschaftlich, politisch, kulturell). Diese Bindungen werden von den Angehörigen der Nation positiv bewertet. Nationen haben oder wollen eine gemeinsame staatliche Organisation (Nationalstaat) und grenzen sich von anderen Nationen ab.“6

Diese Begriffserklärung bezieht sich vor allem auf die Forschungen von Hroch und beschreibt die Nation als Kommunikationsraum. Dagegen bietet die nachfolgende Definition als einzige einen Einblick in den historischen Wandel des Begriffs:

(lat. Abstammung): Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Bezeichnung für Großgruppen mit gemeinsamer Herkunft; seit dem 12. Jh. stimmten die Teilnehmer auf kirchlichen Konzilien nach Nationen ab; an vielen Universitäten organisierten sich die Studenten nach Nationen. Seit dem 18. Jahrhundert wird der Begriff auf ganze Völker übertragen. Er bezeichnet große Gruppen von Menschen mit gewissen, ihnen bewussten Gemeinsamkeiten, z.B. gemeinsame Sprache, Geschichte oder Verfassung, und vielen inneren Bindungen und Kontakten (wirtschaftlich, politisch, kulturell). Diese Gemeinsamkeiten und Bindungen werden den Angehörigen der Nation positiv bewertet und teilweise leidenschaftlich gewollt.“ Nationen haben oder wollen eine gemeinsame staatliche Organisation und grenzen sich von anderen Nationen ab. Staatsbürgernationen („subjektive“ Nation) haben sich in einem vorhandenen Staatsgebiet durch gemeinsames politisches Handeln entwickelt (z.B. Frankreich). Kulturnationen („objektive“ Nation, Volksnation) verfügen über sprachlich-kulturelle Gemeinsamkeiten (z.B. eine Nationalliteratur) und Nationalbewusstsein, nicht jedoch unbedingt über einen Nationalstaat (z.B. Deutschland vor 1871, Polen vor 1918).“7

Dies ist die mit Abstand komplexeste und umfassendste Definition, die ich gefunden habe. Es gibt einige Überschneidungen mit den vorher zitierten Erklärungen, aber als einzige geht diese auf den in der Forschungsgeschichte wichtigen Unterschied zwischen Staats- und Kulturnation ein. Die neueren Forschungen hinsichtlich des Imaginations- bzw. Konstruktionscharakters der Nation sind noch nicht aufgenommen, was auch mit dem frühen Veröffentlichungsdatum (1995) dieses Lehrwerks zusammenhängen könnte.

Schulbuchdefinitionen des Begriffs „Nationalismus“

Nicht in allen Büchern finden sich Definitionen für die Begriffe „Nation“ und „Nationalismus“. Teilweise begnügen sich die Schulbuchmacher mit der Definition eines Begriffs, der das gesamte Phänomen erklären soll. Insgesamt findet der Nationalismus häufiger Aufnahme in ein Glossar. Er wird gemäß den Zusammenhängen mit den anderen Schwerpunkthemen desselben Schuljahres wie z.B. Liberalismus und Marxismus vor allem als Ideologie charakterisiert:

Der Nationalismus ist eine Ideologie, die dem Nationalstaat eine beherrschende Stellung für die Gegenwart und Zukunft eines Gebietes oder Volkes zuweist. In seiner heutigen Prägung ist er während der französischen Revolution entstanden, als die Abgeordneten des dritten Standes sich zur französischen Nationalversammlung erklärten. In Deutschland bildete sich der Nationalismus durch die Erfahrungen der französischen Fremdherrschaft und in den Befreiungskriegen heraus, als die Freiwilligen von 1813 für ein noch gar nicht existierendes geeintes Deutschland kämpften.“8

Der Nationalismus wird als moderne Erscheinung gekennzeichnet, die in der französischen Revolution entsteht und sich dann in den Befreiungskriegen gegen Napoleon auch in Deutschland „bildet“. Es wird darauf verzichtet, die Träger dieser Bewegung zu benennen, und auch der Hinweis „in seiner heutigen Form“, der ja vermuten lässt, dass es Nationalismus auch schon früher gegeben habe, bleibt nur vage.

Ein Buch, das beide Begriffe definiert, kann natürlich auf die Nation verweisen. Demnach ist Nationalismus:

ursprünglich das Bekenntnis zur eigenen → Nation bzw. dem Staat, dem man angehört. Der Nationalismus enthielt von Anfang an zwei Richtungen: Auf der einen Seite stand die Überzeugung, dass alle Völker einen Anspruch auf nationale Selbstbestimmung haben, auf der anderen die besondere Hochschätzung des eigenen Volkes. Die Abwertung von Menschen anderer Religion und Herkunft trug zu einem übersteigerten Nationalbewusstsein bei.“9

Interessant ist die Gleichsetzung von Staat und Nation. Verzichtet wird auf eine zeitliche Einordnung, dafür versuchen die Autoren die Doppelgesichtigkeit des Nationalismus aufzunehmen, ohne allerdings die Verbindung zur demokratischen Bewegung zu benennen. Die „zwei Richtungen“ beziehen sich in der vorliegenden Definition nur auf die Aufwertung der eigenen und die daraus resultierende Abwertung anderer Gruppen.

Auch für den Begriff „Nationalismus“ sind die Begriffserklärungen nicht unbedingt komplexer, aber im Vergleich zum Nationsbegriff häufiger. Überraschen muss, wenn in einem ansonsten guten Lernrepetitorium für das Abitur zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts Definitionen der beiden Begriffe fehlen und nur der offensichtlich als einfacher empfundene Begriff „Patriotismus“ als „Liebe zum eigenen Vaterland ohne Abwertung anderer Völker oder Konkurrenzdenken („positiver Nationalismus“) gekennzeichnet wird.10 Darin enthalten ist der vermeintliche Gegensatz zum Nationalismus als negativem Begriff – ein vereinfachender Gegensatz, der so historisch nicht richtig ist.

Eine komplexere Definition sieht den Nationalismus als

politische Ideologie zur Integration von Großgruppen. Der demokratische Nationalismus entstand in der Französischen Revolution; er war verbunden mit den Ideen der Menschen- und Bürgerrechte, mit dem Selbstbestimmungsrecht und der Volkssouveränität. Der integrale Nationalismus entstand Ende des 19. Jh.s und lehnte die Gleichberechtigung der Nationen ab. Die Interessen der eigenen Nation wurden denen aller anderen Nationen übergeordnet. Dadurch erhielt diese Spielart eine aggressive Komponente nach außen.“11

Die Autoren nehmen die historische Begriffsentwicklung zum integralen Nationalismus auf und ordnen das Phänomen auch zeitlich ein. Sehr deutlich wird die Verbindung zur demokratischen Bewegung herausgestellt. Ähnliche Schwerpunkte setzt die folgende Erklärung:

Der Nationalismus ist eine politische Ideologie, in deren Mittelpunkt die Nation bzw. der souveräne Nationalstaat stehen. Er dient häufig zur Integration sozialer Großgruppen. Der Nationalismus kam zum ersten Mal in Frankreich zur Zeit der französischen Revolution (1789) auf und besaß hier demokratische Züge. In Deutschland (und auch in anderen europäischen Staaten) strebte im frühen 19. Jahrhundert die nationale Bewegung einen souveränen Nationalstaat an, dessen Verfassung bürgerliche Freiheiten, Wahlrecht, Gewaltenteilung und Rechtsgleichheit garantieren sollte. Im deutschen Kaiserreich steigerte sich der Nationalismus zu einem Gefühl der deutschen Überlegenheit gegenüber anderen Völkern oder Nationalitäten. Er schuf nach innen ein Zugehörigkeitsbewusstsein und zeigte sich in aggressiv vertretenen nationalen Machtansprüchen nach außen.“12

Begrifflich nicht so präzise wie die vorangehende Definition überraschen die Autoren mit der Reduzierung des integralen Nationalismus auf das deutsche Kaiserreich. Damit einhergehend – und ebenso problematisch – ist die Tatsache, dass in allen Definitionen der Nationalismus personifiziert wird: Es werden keine Träger der Bewegung benannt. Verkürzt gesagt entsteht der Nationalismus in der französischen Revolution und dann „macht er“…13

Wiederum findet sich die umfassendste Definition im Geschichtsbuch Oberstufe:

Als wissenschaftlicher Begriff meint er die auf die moderne Nation und den Nationalstaat bezogene politische Ideologie zur Integration von Großgruppen durch Abgrenzung von anderen Großgruppen. Der demokratische Nationalismus entstand in der Französischen Revolution und war verbunden mit den Ideen der Menschen- und Bürgerrechte, des Selbstbestimmungsrechts und der Volksouveränität. Der integrale Nationalismus entstand im letzten Drittel des 19. Jh. und setzte die Nation als absoluten, allem anderen übergeordneten Wert. Zur politischen Macht wurde er insbesondere in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Daraus hat sich die negative Besetzung des Begriffs in der politischen Öffentlichkeit ergeben, in der Nationalismus in der Regel als übersteigerte und aggressive Form des Nationalgefühls verstanden wird (frz. Chauvinismus, engl. Jingoismus).“14

Hervorzuheben ist in dieser Definition die deutliche Unterscheidung von wissenschaftlichem und öffentlichem Gebrauch des Begriffs, die sich so sonst nicht in den Geschichtsbüchern findet, aber im Hinblick auf die Besonderheiten historischer Begriffe ebenso notwendig wie sinnvoll erscheint.

Die Schulbuchautoren tun sich offenkundig mit beiden Begriffen schwer. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Definitionen in den Schulbüchern immer nur Teilaspekte und sehr unterschiedliche Ansätze enthalten, aber durchgängig ältere Forschungsstände wiedergeben.

Da die Beitragsserie auf Notizen zu meiner abgebrochenen Diss beruht, sind die jüngsten Schulbücher von 2006. Mit 10 Jahren Abstand stellt sich die Frage, ob sich etwas geändert hat. In Rheinland-Pfalz tritt mit Beginn des neuen Schuljahrs 2016/17 der neue Lehrplan im Fach Geschichte in der Mittelstufe in Kraft. Der Lehrplan setzt sowohl „Nation“ wie auch „Nationalismus“ im Lernfeld I.6.1 als Grundbegriffe. Sie müssen damit als in allen Schulbüchern aufgenommen werden. Zum Lehrplan wurden in den letzten Jahren von vier Verlagen (Buchner, Cornelsen, Klett und Westermann) Schulbücher entwickelt, die Ende 2015 bzw. Anfang 2016 erschienen sind. Aufgrund der neuen Lehrplansstruktur ist das vergleichsweise komplexe Thema „Nationalismus“ bereits in Klasse 8, also mit recht jungen Schülern zu behandeln. Bei Buchner hatte ich als Mitherausgeber die Gelegenheit in Teilen die Inhalte des Buchs mitzugestalten, insofern werde ich mich einer detaillierten Analyse und Bewertung enthalten.

In den vorangehenden Beiträge zu „Nation“ (Teil 1  und Teil 2) und „Nationalismus“ sind notwendige Bestandteile und zeitliche Einordnung der beiden Phänomene herausgearbeitet werden. Die Zusammenstellung aus den drei Büchern zeigt sehr deutlich, dass nicht nur Lehrplan, Forschungsstand und Zeitpunkt der Veröffentlichung entscheidend sind, sondern dass bei Schulbüchern die inhaltliche Gestaltung (in Bezug auf das ganze Buch vergleichsweise kleinen Details) stark abhängig vom jeweiligen Verlag ist.

NATION

Buchner, Das waren Zeiten. Von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert, Rheinland-Pfalz Band 1 (2016), S. 374

„Nation: Als Nation wird seit dem 18. Jh. eine große Gruppe von Menschen mit gleicher Abstammung, Geschichte, Sprache und Kultur oder mit gemeinsamer Regierung und Staatsordnung (→ Verfassung) in einem Staat bezeichnet (→ Nationalstaat). Nationen sind keine natürlichen Gebilde. Sie sind einerseits Konstruktionen der Politik und leben andererseits davon, dass sich Menschen zu ihr ihnen bekennen.“

Klett, Geschichte und Geschehen Rheinland-Pfalz, Band 2 (2015), S. 143

„Nation und Nationalstaat: Als Merkmale einer Nation gelten gemeinsame Abstammung, Sprache, Kultur und Geschichte sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen, die in einem Gebiet zusammenleben“.

Westermann, Horizonte 7/8. Rheinland-Pfalz Band 1 (2015), S. 355

„Nation: Abgegrenzte Großgruppe von Menschen, die durch eine hinreiche Anzahl von Merkmalen miteinander verbunden ist und zumeist in einem bestimmten Territorium zusammenlebt. Da Nationen ‚gedachte Ordnungen‘ darstellen, existieren unterschiedliche Auffassungen über die Zugehörigkeitskriterien, welche von ethnischer Abstammung, gemeinsamer Sprache, Kultur und Geschichte bis hin zu einer politisch begründeten Staatsnation reichen, deren Zusammengehörigkeitsgefühl aus dem Bekenntnis zu gemeinsamen Grundwerten (Verfassung) resultiert.“

NATIONALISMUS

Buchner, Das waren Zeiten. Von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert, Rheinland-Pfalz Band 1 (2016), S. 374

„Nationalismus: weltanschauliches Bekenntnis zur eigenen → Nation und dem Staat, dem man angehört. Auf der einen Seite stand die Überzeugung, dass alle Völker einen Anspruch auf nationale Selbstbestimmung haben, auf der anderen die Hochschätzung des eigenen Volkes. Die Abwertung anderer Nationen trug seit Mitte des 19. Jh. zu einem übersteigerten Nationalbewusstsein (Chauvinismus) bei.“

Klett, Geschichte und Geschehen Rheinland-Pfalz, Band 2 (2015), S. 144

„nationale Frage und Nationalismus: Die Forderung nach einem deutschen Nationalstaat war eine Ausprägung des Nationalismus. Diese Weltanschauung weist der eigenen Nation eine beherrschende Stellung zu. Den Anfang machte die französische Nationalversammlung 1789. In Deutschland bildete sich dieser durch die Erfahrungen mit der französischen Fremdherrschaft [und in den Befreiungskriegen] hinaus.“

Westermann, Horizonte 7/8. Rheinland-Pfalz Band 1 (2015), S. 355

„Nationalismus: Überhöhung der eigenen Nation und Abwertung anderer Nationen. War der deutsche Nationalismus zum Zeitpunkt seiner Entstehung noch eng mit dem Liberalismus verknüpft und zielte hauptsächlich auf die Errichtung eines – innerhalb der europäischen Nationen gleichberechtigten – deutschen Nationalstaates ab, so wandelte sich dieser Nationalismus nach 1871 in einen konservativen Staatsnationalismus mit zunehmend aggressivem und chauvinistischem Charakter.“

1 Vgl. Leeuw-Roord (2000).

2 Siehe dazu z.B. Becher (2005), S. 45; Günther-Arndt (2007), S. 174.

3 Vgl. die fachliche Klärung dieser Arbeit. Die Schwierigkeit des Begriffs zeigt sich auch, wenn in wissenschaftlichen Veröffentlichungen schon Staats- bzw. Ethnogenese mit Nationsbildung begrifflich vermischt werden, so schreibt Assmann (1997), S. 299: „In Griechenland stoßen wir auf genau dieselbe Konstellation wie in Israel und – mutatis mutandis – auch in Ägypten: nationale [sic!] („panhellenische“) Idenitätsbildung im Zusammenhang der Perserkriege“. Sein Buch ist in dieser Hinsicht begrifflich unscharf, auch wenn in der zentralen Überschrift korrekterweise von „Ethnogenese als Steigerung der Grundstrukturen kollektiver Identität“ die Rede ist. Ebda., S. 144.

4 „Nation und Nationalstaat“ in: Geschichte und Geschehen 3. Sekundarstufe I (2006), S. 165.

5 Das waren Zeiten – Ausgabe C. Unterrichtswerk für Geschichte an Gymnasien und Gesamtschulen Sekundarstufe I (2004), S. 197.

6 Kursbuch Geschichte (2001), S. 569.

7 Geschichtsbuch Oberstufe Band I (1995), S. 352

8 „Nationalismus“ in: Geschichte und Geschehen 3. Sekundarstufe I (2006), S. 165.

9 Das waren Zeiten – Ausgabe C. Unterrichtswerk für Geschichte an Gymnasien und Gesamtschulen Sekundarstufe I (2004), S. 197.

10 Bemmerlein (2006), S. 154.

11 Kursbuch Geschichte (2001), S. 569.

12 Geschichte und Geschehen- Sekundarstufe II. Neuzeit (2005), S. 565. (Das Lehrwerk enthält keine Definition von Nation.)

13 Vergleiche dazu die Ausführungen zum historischen Denken von Jugendlichen im nachfolgenden Kapitel dieser Arbeit.

14 Geschichtsbuch Oberstufe Band I (1995), S. 353.

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