„Der Staat macht die Nation, nicht die Nation den Staat.“ (Roman Dmowski)

businessmen-152572_1280Schon Rénan (siehe den vorangehenden Beitrag) beklagte, dass die Begriffe Rasse und Nation zu seiner Zeit nicht deutlich unterschieden würden.1 In der Alltagssprache heute wird „Nation“ oft synonym mit „Staat“ verwendet, was bei Schülerinnen und Schülern oft zu Verwirrungen führt. Dies lässt sich jedoch im Kontext in der Regel schnell klären und ist Teil des Begriffslernens im Geschichtsunterricht, das von einem Alltagsverständnis zu einem historischen Fachwortschatz führen soll. Für den heutigen deutschen Sprachgebrauch2 scheint eine Unterscheidung und Abgrenzung zu den Begriffen „Volk“ bzw. „Ethnie“ , der so deutlich wie möglich vom Nations-Begriff abzugrenzen ist.3

Der Begriff Volk besitzt eine Doppelbedeutung: nämlich zunächst in einem ethnischen Sinne, in dem „Volk“ als Synonym von Ethnie4 verstanden werden kann. Die ist die ursprüngliche, ältere Bedeutung des Wortes. Gemeint ist damit eine Abstammungsgemeinschaft, eine imagniert homogene Bevölkerung mit gemeinsamer Sprache, Kultur und Geschichte. In dieser Bedeutung steht auch das ursprüngliche lateinische natio. Der zweite Sinn des Wortes ist neuer und politischer Art: Er bezeichnet die Bevölkerung eines Staates, i.S. eines Staatsvolkes, also einer Nation. Diese muss aber nicht unbedingt dieselbe Sprache, Kultur, Religion oder Geschichte teilen. Durch diese Doppelbedeutung kommt es in der Alltagssprache zu Unklarheiten und Ungenauigkeiten, so dass oft auch „Nation“ als Begriff für den Staat oder das Land verwendet wird.5 Problematisch ist gleichfalls, dass bis in neuere Forschungsarbeiten hinein, neben der ungenauen Verwendung des Nationsbegriffs oft auch eine Vermischung der Begriffe Volk und Nation zu finden ist. Die frühmittelalterlichen Ethnogenese wird teilweise bereits als Nationsbildung beschrieben, was ganz der Geschichtskonstruktion entspricht, die der Nationalismus selbst hervorgebracht hat und die offenkundig ein Deutungsmuster darstellt, das bis heute wirkt.6

Deutlich zeigt sich das an Arbeiten einiger Mediävisten, die dazu neigen, die Entstehung von Nationen vergleichsweise früh anzusetzen. Exemplarisch seien hier zwei Argumentationen herausgegriffen. Ausgehend vom übersetzten Quellenbegriff „die Deutschen“ bei einem Chronisten schreibt Nonn: „Seit jener Zeit wurde der Name der Deutschen bei den Galliern missachtet.“ Er spricht hier von „patriotischer Begeisterung“ und setzt auch die Deutschen im Sinne seiner im Aufsatztitel enthaltenen These von der „Entstehung der französischen Nation im frühen Mittelalter“ mit einem noch nicht existierenden „Deutschland“ gleich: „[…] das Königtum in Deutschland [sic!] [verlor] seit der Doppelwahl von 1198 zunehmend an Bedeutung“.7 Die anachronistische Verwendung von „Deutschland“ unterstützt die Vorstellung einer kontinuierlichen Nations- und Staatsvorstellung. Diese Sichtweise deckt sich weder mit den Quellenbegriffen noch mit den historischen Gegebenheiten des „römischen Reichs“, das erst später den Zusatz „deutscher Nation“ erhalten sollte, und postuliert zum anderen eine Kontinuität, die der prinzipiellen Offenheit historischer Entwicklung grundlegend widerspricht.8 Schiller stellte bereits treffend in einem unvollendeten Gedicht fest: „Deutsches Reich und deutsche Nation sind zweierlei Dinge.“9

Der Begriff „die Deutschen“ hat seinen Ursprung als Fremdbezeichnung von Aßen für die Bewohner des (Kaiser-) Reiches nördlich der Alpen.10 Der Begriff, der zwar aus den Quellen stammt, kann allerdings wie oben schon ausgeführt, zu Missverständnisse führen, wenn den historischen Begriffswandel nicht berücksichtigt. Die Bezeichnung kann nicht mit ihrer heutigen Bedeutung gleichgesetzt werden. Im frühen und hohen Mittelalter ist mit „den Deutschen“ nicht ein Volk gemeint. Als „Völker“ galten vielmehr Gemeinschaften der Herzogtümer wie die Sachsen oder Thüringer. So stellt auch Weinfurter in der Einleitung zu seinem Werk über das Reich im Mittelalter fest, dass dieses nicht „deutsch“ in einem modernen Sinn war und man daher auch kaum von einem „deutschen Reich“ sprechen kann.11 Noch die Goldene Bulle weist auf „die Vielfalt der Sitten, der Lebensweisen und der Sprachen“12 des Reiches hin. Gleichzeitig wird festgelegt, dass zukünftige Fürsten in den Sprachen des Reiches zu unterrichten seien.13

Erst Mitte des 15. Jahrhunderts taucht dann für das Reich die Formulierungen „heiliges Reich und Teutsche gezunge“ oder „reich und deutsche landen“14 auf. Dabei steht das deutsche Wort „gezunge“ zunächst als Übersetzung des lateinischen „natio“. Ab den 70er Jahren desselben Jahrhunderts findet sich der Zusatz „deutscher Nation“ an den Reichstitel angehängt, also eines Reiches, in dem vorrangig deutsch gesprochen wird.15

Was versteht man also unter „Nation“ bzw. wann spricht man von einer Nation im Gegensatz z.B. zu Begriffen wie Volk oder Ethnie? Der Politikwissenschaftler Deutsch beschreibt „Volk“ zunächst nur als „Personengruppe mit komplementären Kommunikationsgewohnheiten“ und grenzt davon die Nation ab, in dem er in der Nation ein Volk sieht, das die Kontrolle über einige gesellschaftliche Institutionen erlangt hat, was zur Ausbildung eines Nationalstaates führen kann.16 Schon hier wird der Zusammenhang von Nation und Staat in Abgrenzung zu „Volk“ deutlich. Dieser Zusammenhang ist in der Forschung unstrittig. Die Definition von Deutsch ist allerdings zu ergänzen und gerade in Hinsicht auf die implizite ethnische Gleichsetzung von Volk und Nation zu korrigieren.

Hobsbawm nennt drei Kriterien, die seines Erachtens eine eindeutige Klassifizierung eines Volkes, i.S. einer ethnischen Gruppe, als Nation ermöglichen: 1. Staat, 2. geschriebene Literatur und Sprache sowie 3. die erwiesene Fähigkeit zu Eroberung.17 Hobsbawm macht im Gegensatz zu anderen Autoren zu Recht deutlich, dass Nationalstaaten immer auch (sprachlich und ethnisch) heterogen sind, und damit immer auch Minderheiten umfassen, deren (zumeist späten) Schutz nach jahrzehntelanger Unterdrückung er als zivilisatorischen Fortschritt ansieht.18 Aus dieser wichtigen, an zahllosen Beispielen für alle Nationalstaaten zu belegenden Beobachtung kann abgeleitet werden, dass eine rein ethnisches Argument keine Rolle spielen kann für eine wissenschaftliche Definition des Nationsbegriffes.19

Zusätzlich bedarf es seines Erachtens einer gewissen Mindestgröße für ein Volk, um eine Nation zu konstituieren. Letzteres bezeichnet er als „Schwellenprinzip“.20 Dieses Prinzip lässt er allerdings nur für die Anfangszeit gelten und sieht spätestens nach 1870 eine „Aufgabe des Schwellenprinzips“.21 Daher kann es nicht zu den grundlegenden Bestandteilen des Nationsbegriffes gezählt werden. Gegen die Fähigkeit zur Eroberung als eindeutiges Kriterium gibt es ausreichend Beispiele für die Bildung „anerkannter“ Nationen ohne Eroberungen (so z.B. Norwegen, Belgien, Schweiz), so dass es keine Berücksichtigung in einer allgemeinen Definition zu finden braucht. Hobsbawm bietet eine „vorläufige Arbeitshypothese“, dernach eine Nation eine „ausreichend große Gemeinschaft [ist], deren Angehörige sich als Angehörige einer Nation betrachten.“22 Hobsbawm betont also neben der erforderlichen Größe, vor allem das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, das Nationalbewusstsein.

Definitionsansätze von Alter, Dann und Langewiesche

Alter definierte Nation als „soziale Gruppe, die sich aufgrund vielfältiger historisch gewachsener Beziehungen sprachlicher, kultureller, religiöser oder politischer Art ihrer Zusammengehörigkeit und besonderen Interessen bewusst geworden ist. Die Nation stellt die Forderung nach politischer Selbstbestimmung oder hat diese Forderung im Rahmen des Nationalstaates bereits verwirklicht. Konstitutiv für die Nation seien das Bewusstsein einer sozialen Gruppe, eine Nation zu sein oder sein zu wollen, sowie der Anspruch auf politische Selbstbestimmung. Gegenüber anderen Solidaritätsverbänden wie der sozialen Klasse, der Konfessionsgemeinschaft oder der Familie wird ihr eine höherrangige und allgemeinere Bedeutung zugestanden.23

Einen vergleichbaren Definitionsansatz bietet Dann: Eine Nation ist ihm zufolge „eine Gesellschaft, die aufgrund gemeinsamer geschichtlicher Herkunft eine politische Willensgemeinschaft bildet. Eine Nation verstehe sich als Solidargemeinschaft. Sie gehe von der Rechtsgleichheit ihrer Mitglieder aus und sei angewiesen auf einen Grundkonsens in ihrer politischen Kultur. Nationen seien stets auf ein bestimmtes Territorium orientiert, auf ihr Vaterland. Ihr wichtigstes Ziel sei die eigenverantwortliche Gestaltung ihrer Lebensverhältnisse, ihre politische Selbstverantwortung (Souveränität) innerhalb ihres Territoriums, ein eigener Nationalstaat.24

Langewiesche kritisiert an diesen Definitionsversuchen zu Recht die einseitige Festlegung des Nationsbegriffs auf das positive, partizipative Element, während die mit negativen Assoziationen verbundene aggressive Seite von Dann dem Nationalismus zugeordnet wird. So erklärt Dann den Nationalismus als „ein politisches Verhalten, das nicht von der Gleichwertigkeit aller Menschen und Nationen getragen ist, sondern intolerant einzelne Völker und Nationen als minderwertig oder als Feinde einschätzt und behandelt.“25 Zwar sei diese Tendenz in jeder Nationalbewegung anlegt, Dann versucht aber davon einen positiven besetzten Patriotismus abzugrenzen. Eine solche Zweiteilung ist, wie weiter unten noch darzulegen ist, nicht möglich. Der Begriffsdefinition von „Nation“ ist also das aggressive Potential, das in jeder Nation, steckt, hinzuzufügen. Für alle nationalen Bewegungen und Nationen gilt das Prinzip: Die Abgrenzung nach Außen bildet den notwendigen Gegenpol zur Integration nach Innen.26

Elemente einer Begriffsdefinition

Zusammenfassend bietet die Forschung für den Nationsbegriff folgende konstituierende Elemente (ohne Rangfolge):

  • a) Bewusstsein der Zusammengehörigkeit (Nationalbewusstsein)
  • b) Abgrenzung nach außen (und damit einhergehend: Integration nach Innen)
  • c) Partizipationsversprechen27
  • d) Rechtsgleichheit der Bürger
  • e) eine (zumindest teilweise) gemeinsame Geschichte
  • f) Anspruch28 auf ein bestimmtes Territorium
  • g) Anspruch auf Souveränität (zusammen mit f => Nationalstaat)
  • h) Solidarität mit den Mitgliedern der Gemeinschaft29

Diese Teilelemente müssen nicht alle und nicht gleichzeitig vorhanden sein, damit von einer modernen Nation gesprochen werden kann. Daher können sie auch keine Grundlage für eine sinnvolle Begriffsdefinition bilden. Von einer Minimalbeschreibung her gedacht, ist es sicherlich aber auch nicht ausreichend, bereits dann davon auszugehen, dass eine Gruppe von Menschen eine Nation bildet, wenn sie sich selbst als Nation bezeichnet.

Eine Arbeitsdefinition des Begriffs „Nation“, die sich auch für den Geschichtsunterricht eignet, könnte wie folgt aussehen:

Eine Nation ist eine Gruppe von Menschen, die sich als zusammengehörig ansieht, Anspruch auf politische Selbstbestimmung in einem bestimmten Territorium erhebt und von anderen Gruppen anerkannt wird.

Der moderne Nationsbegriff, der mit der Idee des Nationalstaats verbunden ist und sich dadurch von älteren Begriffsverständnissen abgrenzt, ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Europa entstanden. Auch wenn Nationalstaaten oft Homogenität anstreben, finden sich nie homogene Staaten. Jeder Nationalstaat, dessen Nationsidee von der größten und/oder einflussreichsten Bevölkerungsgruppe geprägt wird, umfasst immer auch Minderheiten sprachlicher religiöser, ethnischer o.a. Art. Dieses grundlegende Phänomen der seit etwas über 200 Jahren in nationalen Kategorien denkenden Welt führt zu immer neuen sozialen Gruppen, die sich als Nation betrachten und staatliche Souveränität anstreben und damit zu einer andauernden Zunahme der Anzahl von „National“-Staaten.30

Aus dem vorangegangen folgt, dass Nationen sich in der Zeit verändernde Gruppen von Menschen darstellen und daher historischem Wandel unterworfen sind. Da eine exakte Definition des Begriffes Nation nicht möglich ist, lassen sich zwar diese Veränderungen des Begriffgebrauchs in der Geschichte und das Selbstverständnis der jeweiligen Gruppen untersuchen und beschreiben, ein klarer Anfang bzw. Ursprung lässt sich jedoch nicht festlegen. Hingegen ist die Unterscheidung zwischen einem älteren, vormodernen, d.h. Mittelalter und frühe Neuzeit umfassenden, und einem modernen Nationsverständnis, das mit der Entwicklung des Nationalismus einhergeht, grundlegend.

Bestimmte Merkmale, die einer sozialen Gruppe als Nation zugeschrieben werden, wie z.B. eine gemeinsame Sprache, Geschichte oder Religion, sind somit Zuschreibungen bzw. Konstruktionen, die in seltenen Fällen der Nationsbildung vorausgehen können und die Identitätsbildung tragen, oder historisch weitaus häufiger der Staatsbildung folgen und auf eine Homogenisierung der Bevölkerung mit entsprechenden Integrations- und Exklusionsmechanismen zielen. Aufgrund dieser Mechanismen konstruiert der Nationsdiskurs auch nie nur eine, sondern immer mehrere Nationen, so dass einige Nationen zunächst als Fremdkonstrukte entstanden. Nationen bilden sich in „multipolarer Abgrenzung“, das heißt andere Gemeinschaften werden gleichfalls als Nationen aufgefasst, von denen es viele gibt und die jeweils als autonom verstanden werden.31

1 Rénan (1887), S. 278. Schon Rousseau hatte Volk mit Nation gleichgesetzt und eng mit seinen Vorstellungen von Demokratie verknüpft, so dass bis heute im westlichen Denken sowohl eine weitgehende Übereinstimmung von Volk als auch von (demokratischem) Staat mit Nation besteht. Bayer (1974), S. 369.

2 Zum Vergleich der Bedeutungsdifferenzen von „Volk“ und „Nation“ in verschiedenen europäischen Sprachen: Hirschhausen (2001), S. 13f.

3 Vgl. von Borries (2004), S. 310.

4 Der Begriff Ethnie wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der französischen Anthropologie entwickelt, um Gruppen mit gemeinsamer Sprache, Kultur oder Religion von anderen Gruppen von Menschen abzugrenzen. Im Bereich der Wissenschaft bildete „Ethnie“ zunächst den Gegenbegriff zu „Rasse“, bei dem versucht wurde, Unterscheidungen von Menschengruppen an äußerlichen Merkmalen festzumachen. Franche (2004), S. 92f.

5 Dann (1997), S. 82. Siehe auch Schnapper (1994), S. 28ff.

6 Zur politischen Bedeutung dieser Gleichsetzung und der daraus abgeleiteten historischen Rechtfertigung aktueller politischer Forderungen siehe z.B. Hösch (2007) 40ff. oder Sundhaussen (2007).

7 Alle Zitate: Nonn (1995), S. 50. Siehe auch: Ohler (1997), S. 316.

8 Einem vergleichbaren Muster folgt auch die Konzeption der im Oktober und November 2008 auf dem ZDF erstmals ausgestrahlten Dokumentationsreihe „Die Deutschen“, die in Zusammenarbeit mit dem Geschichtslehrerverband und unter wissenschaftlicher Beratung u.a. der beiden Mediävisten Gerd Althoff und Stefan Weinfurter erstellt wurde. Exemplarisch sei hier ein Zitat aus dem Vorspann jeder Folge zitiert, dass die geschichtsteleologische Darstellungsabsicht deutlich werden lässt: Deutschland „ein Land, das lange braucht, um eins zu werden“. Siehe dazu auch den sehr kritischen Artikel von Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung vom 06.11.2008.

9 Zitiert bei Safranski (2007), S. 176.

10 Auch die wiederholt angeführten „Zitate“ von Johanna von Orléans, die „die Engländer“ aus Frankreich habe vertreiben wollen (siehe z.B. Ohler (1997), S. 318f.), sind problematisch. So waren die französischsprechenden Burgunder mit den Engländern verbündet und sollten ebenso „aus dem Land gejagt werden“. Dazu kommt eine heterogene Zusammensetzung der englischen Armee sowie die loyale Verbundenheit großer Teile des heutigen Westfrankreichs zu England. Das Beispiel zeigt, dass es historisch zweifelhaft ist, rückblickend von einer ähnlichen Deckung von Bezeichnung und Bezeichnetem auszugehen wie heute.

11 Weinfurter (2008), S. 8.

12 Ebda., S. 204.

13 Ebda.

14 Ebda., S. 220.

15 Ebda. (2008), S. 220f.

16 Von Bredow (1996), S. 453f.

17 Hobsbawm (2005), S. 50f.

18 Zum Umgang mit nationalen Minderheiten in den Staaten vor allem Ostmitteleuropas zwischen den Weltkriegen siehe den Aufsatz von Lemberg (2007). Hier auch zu den Alternativen des Minderheitenschutzes wie z.B. Teilautonomie, Assimilierung, Zwangsaustausch und „ethnische Säuberungen“: Beer (2007), Ther (2011). Speziell mit Blick auf die Staaten des Balkan vgl. den Überblick von Sundhaussen (2007).

19 Nonn (2007), S. 195. Dies gilt, auch wenn natürlich historisch betrachtet „Volk“ bzw. „Rasse“ einer der zentralen „Kristallisationskerne des Nationalgefühls“ im nationalistischen Diskurs waren.

20 Hobsbawm (2005), S. 44f.

21 Hobsbawm (2005), S. 121f. Zur Kritik an dem „Schwellenprinzip“ vgl. auch Langewiesche (2007), S. 22.

22 Hobsbawm (2005), S. 19.

23 Zitiert nach Kunze (2005), S. 22.

24 Dann (³1996), S. 12.

25 Dann (1997), S. 83.

26 Langewiesche, Nation (2000), S. 40. Der „Nationalismus“ wird in eigenen Blogbeitrag später noch einmal ausführlich thematisiert.

27 In der deutschen Geschichte spielt die angestrebte Partizipation der Bürger eine große Rolle. Bekanntermaßen erfolgte erst nach 1848 eine Trennung der Ziele und in der Staatsbildung 1871 wurde der Nation dann tatsächlich weitgehend die Partizipation verweigert. Diese Schwäche der politischen Kraft war einer der grundlegenden Faktoren für die weitere Entwicklung der deutschen Geschichte. Dazu Kocka, „Das Problem der Nation in der deutschen Geschichte 1870-1945“ (1989) und Langewiesche „Staats- und Nationsbildung in Deutschland – ein Sonderweg? Die deutsche Nation im europäischen Vergleich“ (2001).

28 Die vorsichtige Formulierung ist hier ebenso wie das Versprechen bei Punkt c) sinnvoll, da z.B. die Polen im 19. Jahrhundert eine Nation bilden, die zwar einen Anspruch auf ein bestimmtes Territorium und Selbstverwaltung erhebt, aber seit den Polnischen Teilungen bis zum Ende des 1. Weltkrieges keinen eigenen Staat bildeten. Der Anspruch auf beides stellt gerade deswegen einen wichtigen Teil der nationalen Selbstfindung dar. Vgl. hierzu: Davies (2000), S. 228ff., der deutliche Wurzeln für einen polnischen Nationalismus schon vor der Französischen Revolution, und zwar spätestens mit der ersten „Teilung“ von 1773 sieht, die ein bewusstes Streben nach einem Nationalstaat ausgelöst und das Entstehen eines Nationalbewusstseins gefördert habe. Interessant auch der Aufsatz von Orłowski (2003), der den Zusammenhang von Nationsbildung und der Entstehung von gegenseitigen Stereotypen im deutsch-polnischen Verhältnis darstellt.

29 Am Beispiel Belgiens kann man sehen, wie sehr das Infragestellen dieses Punkts zusammen mit einem Dissens über die politische Kultur schon das Bestehen einer Nation gefährden kann. Zu Belgien siehe z.B.  den Artikel „Das doppelte Land“ (17.05.2010) und „Belgien am Rande der Spaltung: Dieses Spiel wird langsam gefährlich“ (19.05.2010) von Cornelia Bolesch in der Süddeutschen Zeitung.

30 Die formulierten Ansprüche wurden bei dem 2008 angenommenen Entwurf für die Fahne des unabhängigen Kosovo symbolisch umgesetzt: So zeigt die Flagge die Umrisse des (mit Serbien umstrittenen) Staatsgebiets, über dem sechs Sterne für die sechs größten Bevölkerungsgruppen des jungen Landes stehen.

31 Hirschi (2005), S. 58.

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