Überblick: freie Bildungsmaterialien (#OER) für den Geschichtsunterricht

1df7e1d9Die Diskussion um Open Educational Resources (OER, freie Bildungsmaterialien) ist nun schon etwas älter, also ist es an der Zeit, mal eine Bestandsaufnahme zu machen, was es an freien Materialien für den Geschichtsunterricht gibt.

Dazu gilt es zunächst OER von Open Content, also freien Inhalten, zu unterscheiden. Während unter Open Educational Resources kurz gefasst:

Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen erlaubt.“ (aus der Pariser Erklärung vom Juni 2012 UNESCO, Hervorhebungen durch den Autor).

Freie Inhalte sind hingegen „Inhalte, deren kostenlose Nutzung und Weiterverbreitung urheberrechtlich erlaubt ist. Dies kann nach Ablauf von gesetzlichen Schutzfristen zutreffen, so dass ursprünglich geschützte Werke als gemeinfrei gelten. Alternativ werden Inhalte als frei bezeichnet, wenn der Urheber oder Inhaber der vollumfänglichen Nutzungsrechte ein Werk unter eine freie Lizenz gestellt hat.“ (Wikipedia)

Für Geschichte bedeutet das: Quellen und Darstellungen unter entsprechender Lizenz, wie sie z.B. in den Wikimedia Commons zu finden sind, sind also keine OER, wohl aber Open Content. Damit lässt sich auch das Verhältnis der beide zueinander bestimmen: Freie Bildungsmaterialien sind ohne freie Inhalte nicht denkbar. Es braucht Open Content, um Open Educational Resources herzustellen. Ohne die einfache und kostenlose Verfügbarkeit digitalisierter Quellen, besonders n den Wikimedia Commons, wären z.B. weder Segu noch die Videos in meinem YouTube-Kanal möglich. Sie werden auch benötigt um durch Schülerinnen und Schüler selbst Lernangebote z.B. in den LearningApps zu erstellen. Im Bereich Geschichte sind wir in der sehr vorteilhaften Lage, dass, abgesehen von der Zeitgeschichte, ein Großteil der Quellen gemeinfrei und damit frei nutz- und veränderbar sind.

Daran anschließend ergibt sich übrigens die Frage, ob das Erstellen von „Lernmaterialien“ tatsächlich zukunftsweisend für historisches Lernen innerhalb und außerhalb von Schule ist oder angesichts der ubiquitären Verfügbarkeit digitaler und digitalisierter Quellen und Darstellungen (zumindest ab einer gewissen Alterstufe) doch eher das Lernen mit und an diesen direkt (siehe auch den älteren Beitrag hier im Blog: scarcity vs. abundance).

Die OER-Liste für den Geschichtsunterricht umfasst nur deutschsprachige Angebote, ist aber naturgemäß trotzdem vermutlich unvollständig. Dazu gehören laut obiger Kurzdefinition auch die Geschichtsseiten der Wikipedia, die ich aber aufgrund ihrer Besonderheit als Lexikon und des hohen Bekanntheitsgrads absichtlich ausgelassen habe. Weitere fehlende Seiten sind aber in keinem Fall absichtlich weggelassen, sondern nur meiner Vergesslichkeit und mangelhaften Recherche anzulasten. Hinweise auf weitere Angebote bitte per Mail oder noch besser direkt als Kommentar hier ergänzen.

Überblick in alphabetischer Reihenfolge:

[Das] Alte Ägypten im Unterricht https://dasalteaegyptenimunterricht.wordpress.com/ Unterrichtseinheit zum Alten Ägypten für eine 7. Klasse mit Beschreibung des Stundenverlaufs und Unterrichtsmaterialien zum Download.

App in die Geschichte http://app-in-die-geschichte.de/ WebApp auf Deutsch mit verschiedenen Funktionen wie u.a. dem Erstellen von Zeitleisten und rund 80.000 digitalisierten Bildquellen aus verschiedenen Archiven.

LearningApps – Geschichte http://learningapps.org/index.php?category=9&s= Kleine Anwendungen wie z.B. ein Quiz, eine Zuordnungsübung oder ein Kreuzworträtsel, die selbst gestaltet, veröffentlicht und verändert werden können.

Lehrer-Online Geschichte http://www.lehrer-online.de/geschichte.php Vollständige Unterrichtseinheiten mit Arbeitsblättern. Veröffentlicht wurden die Arbeitsblätter schon immer in einem veränderbaren Format,die neueren Einheiten stehen explizit unter CC BY-S-Lizenz.

segu – Lernplattform für Offenen Geschichtsunterricht http://segu-geschichte.de/ Das Leuchturmprojekt im OER-Bereich für Geschichte: Die Plattform bietet für die Sekundarstufe I für alle Epochen vor allem Arbeitsblätter, die jeweils für eine Unterrichtsstunde konzipiert sind, in verschiedenen Modulformen angeboten werden, heruntergeladen und verändert werden können, darüber hinaus aber auch weitere Materialien und Unterrichtsanregungen.

Welterbe-Bildung im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal http://bildung.welterbe-mittelrhein.de/index.php?id=5883 Didaktische Anregungen und vollständige Unterrichtseinheiten mit Arbeitsmaterialien zur Geschichte des Oberen Mittelrheintals (z.B. Burg im Mittelalter oder Nationaldenkmäler) für das Lernen vor Ort oder im Klassenzimmer.

Youtube-Kanäle

ZUM-Wiki Geschichte http://wikis.zum.de/zum/Geschichte Eine offene Plattform, die Lehrinhalte, Hinweise zu Unterrichtsmaterilien, Anregungen für Stundenentwürfe sowie didaktische Hinweise und vieles mehr umfasst.

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Erinnerungsprojekt: Stolpertweets

Plötzlich taucht er in der Timeline neben zahlreichem Interessantem und Belanglosem auf: ein Stolpertweet. Sehr kurz und nüchtern stehen dort: Name, Informationen zur Geburt, zum Tod und ein Link ist alles, was da steht. Ein virtueller Stolperstein. Durch einen Klick auf den Link kann man mehr über den Menschen erfahren. Sofern mehr bekannt ist. Kurz innehalten, an den Menschen denken, der zwischen 1933-1945 Opfer des Nationalsozialismus wurde. Mit einem Retweet kann man als Nutzer diesen virtuellen Stolperstein auch anderen in den Weg legen, damit diese ihn sehen.

Es geht um die Erinnerung an den einzelnen Menschen. Angelehnt an das Prinzip der Stolpersteine basiert das Projekt vor allem auf den Informationsseiten aus ganz Europa zu lokalen Stolpersteinen und den, soweit möglich, aufgearbeiteten Biographien der Opfer, die jeweils im Tweet verlinkt wird. Es kann der Name sein, der Geburtsort, das Sterbedatum oder die kurze Spanne dazwischen, die einen innehalten lässt und Interesse an der Person weckt. Die Tweets erscheinen am Geburtstag des Menschen, an den erinnert wird. Aktuell sind es jeweils zwei bis drei Tweets pro Tag.