Was ein Logo-Wettbewerb für Erkenntnisse bringen kann

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Im Rahmen des eTwinning-Projekts zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg haben wir auf Wunsch der aserbaidschanischen Schulen mit einem „Logo-Wettbewerb“ begonnen. Die Schülerinnen und Schüler der beteiligten Klassen konnte ein Logo für das Projekt entwerfen. Die gestalteten Logos sind seit Freitag online und im begleitenden Blog des Projekts kann darüber abgestimmt werden.

Das Alter der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler liegt so ca. zwischen 14-17 Jahren und, ehrlich gesagt, war ich von der Idee eines Logo-Wettbewerbs nicht sehr begeistert.

Aus meiner – zugegebenermaßen engstirnig kognitiven – Sicht sprachen da drei Dinge dagegen:

1) das Alter der Lernenden, mir schien so dies eher für jüngere Schülerinnen und Schüler geeignet, deshalb habe ich den Wettbewerb auch nur für Freiwillige zusätzlich angeboten, aber dafür keine Unterrichtsstunden für die ganze Klasse zur Verfügung gestellt;

2) die fehlende historische Auseinandersetzung, der fehlende Bezug zum Geschichtsunterricht;

3) der mangelnde inhaltliche Überblick zu Beginn des Projekts, das eigentlich für die Kreation eines solchen Logos hilfreich, wenn nicht sogar notwendig ist.

Letzteres zeigt sich auch in (fast) allen eingereichten Entwürfen. Sie nehmen Bezug auf den Ersten Weltkrieg (der bereits Thema im Unterricht war), aber nicht auf die Erinnerungskultur. Wenn Sie erinnerungskulturelle Elemente aufnehmen, dann bleiben sie auf den eigenen nationalen bzw. kulturellen Rahmen beschränkt. Viele Entwürfe verwenden Flaggen, wobei bei einigen nur vier Flaggen aufgenommen wurden, obwohl Schulen aus verschiedenen Ländern an dem Projekt teilnehmen; nicht bei allen Entwürfen wird deutlich, ob es sich um die Flaggen der an dem Projekt beteiligten Ländern oder um eine ahistorische Verwendung heutiger Flaggen in Bezug auf die damaligen Teilnehmerstaaten handelt.

Nichtsdesotrotz zeigen die eingereichten Beiträge eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Für mich überraschend war auch, wer das Angebot, freiwillig ein Logo zu kreieren und einzureichen, angenommen. Hinter allen Entwürfen stecken viel Überlegungen, Arbeit und Zeit. Das Kreieren eines Logos bot für einige offensichtlich einen anderen, interessanten Zugang zu dem Thema.

Darüber hinaus lassen sich die Logo-Entwürfe, unabhängig von der Abstimmung, nun wunderbar nutzen, um in das eigentliche Projektthema „Erinnerungskultur“ einzusteigen. Mit dem Blick auf die Entwürfe werden einige zentrale Elemente der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg (Poppies, Kriegerdenkmäler etc.) sichtbar, die Ausgangspunkte für das Entdecken national geprägter Erinnerungsräume und die Diskussion mit den Lernenden der anderen Klasse darüber sowie die Suche nach Erinnerungsspuren in der eigenen Stadt sein können.

Das Projekt zeigt darüber hinaus auch beispielhaft, welche Möglichkeiten sich für eine multiperspektivische Internationalisierung des Geschichtsunterrichts durch die Arbeit mit digitalen Medien als Kommunikations-, Kollaborations- und Publikationswerkzeuge ergeben (ausführlich dazu: Classroom4.eu Schüler schreiben ein multimediales Online-Schulbuch). 

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