Die Geschichte, die Gesellschaft und der Unterricht

Letzte Woche war es wieder soweit. Anlässlich des Jahrestags des Mauerbaus ging wieder mal ein Aufschrei durch die Medien über die mangelnden Geschichtskenntnisse der Kinder und Jugendliche. Der Schuldige steht seit längerem fest: Es ist der Schulunterricht. Also schreien die am lautesten, die am wenigsten Ahnung haben und beglücken via Pressemitteilung oder Interview das jeweilige Bundesland oder gleich die ganze Nation mit wohlfeilen Vorschlägen für „besseren“ Geschichtsunterricht: Exkursionen zur „Mauer“ sollten verpflichtend werden, die DDR früher oder ausführlicher, auf jeden Fall aber anschaulicher behandelt werden usw.

Die Debatte kehrt in dieser oder ähnlicher Form in unregelmäßige Abständen an verschiedenen Jahrestagen wieder. Ein medialer Wiedergänger. Nun kann man die zugrundeliegenden Umfragen, die die vermeintlich schlechten „Geschichtskenntnisse“ belegen, angreifen, man kann sich auf die Diskussion einlassen und versuchen eigene Positionen zu einem anderen didaktischen oder methodischen Zugriff einzubringen, z.B. zur Auflösung des chronologischen Durchgangs als Hauptstrukturierungsprinzip des Geschichtsunterrichts. All das führt auf falsche Wege und geht am Kern der Debatte vorbei.

L e r n e n  b r a u c h t  Z e i t – dem sind alle didaktischen und methodischen Überlegungen nachgeordnet. In einem Fach, das teilweise für Schülerinnen und Schüler pro Woche nur ein Mal 45 Minuten lang auftaucht, das in einigen Schulformen bis zur 10. Klasse gar nicht mehr als eigenständiges Fach vorhanden ist, daher fachfremd unterrichtet wird und das in einigen Bundesländern zudem in der Oberstufe abwählbar ist, darf niemand Wunder erwarten. Geschichte gehört zu den Fächern, das zugunsten anderer Fächer in den letzten Jahrzehnten Stunden und Profil verloren hat. Damit geht natürlich auch ein Verlust an Stellenwert innerhalb des schulischen Fächerkanons einher. Angesichts der wiederkehrenden Klagen stellt sich die Frage, wie wichtig ist uns „Geschichte“ und ihre „Vermittlung“?

Wenn eine Gesellschaft der Meinung ist, dass die historischen Kenntnisse und Fähigkeiten der Kinder und Jugendliche nicht ausreichen, dann muss sie eine Anstrengung unternehmen, um die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung stellen. Ressourcen heißt konkret: Mehr Unterrichtsstunden und damit in der Folge natürlich auch die notwendige Einstellung von gut ausgebildeten Geschichtslehrkräften. Dafür sollten alle Beteiligten und besonders die Fachverbände kämpfen und sich nicht in Diskussionen  auf Nebenschauplätzen verstricken lassen.

Dabei ist klar, nur ein „mehr“ ist noch lange kein „besser“, aber ohne ausreichenden zeitlichen Rahmen muss jede andere Bemühung vergeblich bleiben.

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App in die Geschichte – Trailer auf youtube

Im Rahmen der Aktion Tagwerk haben Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse am Eichendorff-Gymnasium einen kurzen Film zur GeschichtsApp erstellt. Die meiste Arbeit hat dabei Jannis Both geleistet, auf dessen Youtube-Kanal der Film aktuell zu sehen ist.