Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Deutschland und Frankreich – Teil 3: Exkurs NS-Zeit

Zurück zu Teil 2 – Weimarer Republik

Für die Nationalsozialisten war der Erste Weltkrieg ein zentraler Bezugspunkt für Politik und Erinnerungskultur. Nicht nur im Bezug auf die Revision des Versailler Vertrags, sondern auch ideologisch rückten der Mythos des Kriegserlebnisses und die Umdeutung von Krieg und Kriegstod als Opfer für die Gemeinschaft und Bedingung für den Erfolg und das Überleben des Volkes in den Mittelpunkt.

Entsprechend veränderte sich die offizielle Erinnerung an den Ersten Weltkrieg: Bereits 1934 wurde der ,,Volkstrauertag“ in ,,Heldengedenktag“ umgewandelt, zugleich wurden die Formen des Gedenkens vereinheitlicht. Die Inszenierung des Gedenkens an die Toten des Weltkriegs erfuhr eine Bedeutungsverschiebung von Trauer- zu Siegesfeiern.

So erklärte der „Bundesführer“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Siegfried Emmo Eulen, Ende 1933, da der Gedenktag „Volkstum und Volkskraft stärkt“ dürfe er kein Tag der Trauer bleiben, sondern müsse „ein Tag der Erhebung werden, ein Tag des Aufgehens der blutigen Saat“ (Zitat) werden. Hier findet sich auch das bereits im Beitrag zur Weimarer Republik erwähnte Motiv der Wiedergeburt.

Auch das Tannenberg-Denkmal wurde zum „Reichsehrenmal“ umgebaut. Die Nationalsozialisten verklärten Kampf und Opfer. Beschworen wurde die Bereitschaft, sich selbst zu „opfern“. Durch die Opferbereitschaft sollte sich das „Volk“, die „Rasse“ auszeichnen. Für die Masse der Verluste und die militärische Sinnlosigkeit schuf man so eine neue ideologische Legitimation, die den Kampf und möglichen Opfertod als Verpflichtung darstellte und mit der Entwertung des Einzelnen einherging. Die Bereitschaft zu Kampf und Tod „für das Vaterland wurde weder als bürgerliche noch als nationale Teilhabe am Gemeinwesen, sondern als Qualität der arischen Rasse und völkische Aufgabe inszeniert.“ (Zitat)

Ein lokales Beispiel aus Koblenz, das die veränderte Formensprache und Botschaft zeigt, ist das nach 1945 teilweise demontierte Denkmal für das Infanterie-Regiment „von Goeben“ Nr. 28 auf der Festung Ehrenbreitstein. Das genaue Jahr der Errichtung des Denkmals wird unterschiedlich angegeben. Die Gestaltung spricht allerdings für die Zeit nach 1933.

Update [7.7.2014]: Vielen Dank an Frau Weiß vom Stadtarchiv Koblenz, die darauf hinwies, dass das Denkmal auf der Festung Ehrenbreitstein am 16. Juni 1935 eingeweiht wurde.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:W-1R_-_Koblenz_%280RP%29,_InfRgt_28.jpg

Historische Postkarte. PD Wikimedia Commons, o.J.

März 1945. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1970-088-28 / U.S. Signal Corps / CC-BY-SA

März 1945. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1970-088-28 / U.S. Signal Corps / CC-BY-SA

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