Kraftvolle Formulierungen

Opferung IsaaksJe nach Größe des Bildschirms muss man genau hinschauen, um zu erkennen, was der Engel im Bild macht. Auf jeden Fall trifft er zielgenau Steinschloss und Feuerstein des Gewehrs, um den Schuss zu verhindern. Auf Exkursion in Trier musste ich dem Hinweis von Manfred Koren nachgehen und habe das Gemälde in der Jesuitenapotheke in Trier in Augenschein genommen. Statt des üblichen Messers zielt Abraham mit einem zu Beginn des 18. Jahrhunderts sich in der Armee durchsetzenden Steinschlossgewehr auf seinen Sohn Isaak. Statt des Griffs in den Arm der üblichen barocken Darstellungen, findet der Engel eine andere Form der Verhinderung des Opfers. Im Reim findet sich zudem für die Tätigkeit des Engels ein schöner, regional erhaltener alter Ausdruck.

Wir waren nicht die ersten in der Apotheke, die wegen des Bildes gekommen waren. Der Apotheker war ebenso freundlich wie kundig und hatte auch für 50 Cent Postkarten der recht ungewöhnlichen Darstellung zur Verfügung. Laut Auskunft vor Ort ist die Darstellung nicht ganz so selten: Es gibt wohl ähnliche Abbildungen in Bayern. Als Vorlage für das Bild in Trier könnte ein Kirchenfenster in Flandern gedient haben. Wer solche Darstellungen kennt, möge kommentieren. Eine kurze Online-Suche hat nämlich zu keinen weiteren Funden geführt.

Wer Gefallen hat an kraftvoll derben Sprüchen und Inschriften, für den folgt noch das Foto einer Torinschrift in Koblenz. Die Entzifferung überlasse ich den interessierten Lesern. Was man damit im Unterricht anfangen könnte, weiß ich auch nicht. Vermutlich eher wenig, nichtsdestotrotz sind beide Darstellungen ebenso ungewöhnlich wie erheiternd, dass sie einen kurzen Hinweis im Blog verdient haben.

Ob es reiner Zufall ist, dass beide Fundstücke aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts (1710 und 1732) stammen?

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7 Gedanken zu „Kraftvolle Formulierungen

  1. Bin kein Experte für Schriften. Wenn ich die Schriften auf beiden Fotos vergleiche, fällt mir auf, dass das „s“ in beiden Fällen gleich gleich geschrieben wird. Der Apotheker verwies übrigens noch auf einen Brief der Liselotte von der Pfalz, in dem sie von einem flämischen Kirchenfenster mit einer solchen Abrahamdarstellung berichtete, die – laut Apotheker – Vorbild für das Gemälde des Trierer Jesuitenpaters gewesen sein könnte. Ich habe nur ein wenig im Internet geschaut und dazu bislang nichts finden können. Hinweise, die weiterführen, sind sehr willkommen.

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  2. Auch ich habe schon amüsiert vor diesem Bild gestanden. Die Inschrift und damit die Erscheinungsformen der (Fraktur-)Buchstaben sind sicher erneuert, aber es spricht eigentlich nichts dagegen, den Wortlaut ins frühe 18. Jh. zu setzen.
    Das zweite Beispiel, die Hausinschrift in Kapitalis, steht in der alten Tradition der Neidinschriften, in denen Hauserbauer / -besitzer den Neid und die Kritik ihrer Nachbarn mehr oder weniger humorvoll bis drastisch zurückweisen.

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  3. Angeregt durch die Kommentare und zahlreiche hilfreiche Tweets von Klaus Graf zur Abbildung von Abraham mit der Flinte habe ich auch noch ein wenig weiter recherchiert. Klaus Graf hatte per Twitter auf eine Fundstelle in einem Buch von 1771 hingewiesen: http://books.google.de/books?id=lZ5KAAAAcAAJ&pg=PA115

    Die Darstellung wurde von den Zeitgenossen als kurios wahrgenommen und von den Autoren negativ bewertert („abgeschmackte Einbildungskraft“, „ungehirnten Vorstellungen“, „noch ausschweifender“). Die Darstellung war wohl eher selten, aber nicht einmalig. So habe ich zumindest einen Hinweis auch auf eine Rezeption im Theater gefunden von 1743: http://books.google.de/books?id=3NNca-jtlCAC&lpg=PP1&vq=226&hl=de&pg=PA226

    Auch wenn der Autor geltend machte, mit seinem Stück „naive Volksfrömmigkeit“ anprangern und die Zuschauer bessern zu wollen, machte sein Stück Skandal und wurde verboten.

    Eine kuriose Rezeption der Darstellung findet sich bei einer neu gestifteten Schützenscheibe der Günzburger Schützen (http://www.myheimat.de/guenzburg/fahnenband-und-schuetzenscheibe-gespendet-d43832.html), die einen Platz an der Wand im Vereinsheim gefunden hat (http://www.guenzburger-schuetzen.de/32801.html).

    Der ungefähre Hinweis auf eine weitere Abbildung in einem Kloster konnte von Klaus Graf gleichfalls präzisiert werden. In der Kartause Allerengelberg befand sich wohl eine entsprechende Darstellung (https://de.wikipedia.org/wiki/Kartause_Allerengelberg#Kuriosit.C3.A4ten), die jedoch bei einem Brand 1924 vernichtet wurde.

    Schließlich bin ich auch noch auf mehrere kleinere Publikationen gestoßen, von denen speziell für Trier hier eine genannt werden soll:

    G. Franz, „Abraham du druckst umsunst…“, in: Die Gesellschaft Jesu und ihr Wirken im Erzbistum Trier. Katalog-Handbuch zur Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Trier 11. September 1991 – 21. Oktober 1991, Mainz 1991, S. 482-484.

    In der Ausstellung war eine Kopie des Gemäldes zu sehen, zu der sich die genannten Seiten im Ausstellungsteil des Buchs finden. Dort klären sich die hier aufgeworfenen Fragen:

    Der Brief der Liselotte von der Pfalz über eine entsprechende Darstellung auf einem flämischen Kirchenfenster datiert vom 20. Mai 1700 und findet sich auch online: http://books.google.de/books?id=7t7Igqs7aOEC&pg=PA226. Dies dürfte, soweit ich das überblicke, der älteste Beleg für diese ungewöhnliche Darstellung der Opferung Isaaks sein.

    Der Beitrag im Ausstellungskatalog verweist auf einen (nicht mehr existierende) Aufzeichnung, die das Gemälde dem betreuenden Jesuitenbruder der Apotheke um 1710 zuschreibt.

    Es werden vage weitere Orte genannt, wo sich eine solche Darstellung befunden haben soll: in „einer Kapelle in Schleswig-Holstein“, „an einer hölzernen Brücke in Luzern“ sowie mit anderer Inschrift in der Düsseldorfer Gaststätte „Zum Goldenen Hahn“. Dem bin ich noch nicht weiter nachgegangen.

    Auch die mehrfach angemerkte, nicht historische Schrift wird im Beitrag erklärt: Das Bild wurde vor der Zerstörung der Trierer Jesuitenapotheke 1944 gerettet und in den 1950er Jahren in Köln restauriert. Dabei sind auch Rahmen und Inschrift erneuert worden.

    Der Spruch soll sich auf eine ältere Redewendung zum Gebrauch von Handfeuerwaffen beziehen: „Alle Kunst ist umsunst, wenn ein Engel auf dein Zündlich brunst“. Gemeint war das Nichtfunktionieren der Waffen, wenn das Pulver nass wurde. Darauf aufbauend wird der Spruch im Zusammenhang mit der Geschichte von Abraham und Isaak vom Autor als religiöse Botschaft gedeutet: Gottes Eingreifen kann das Handeln von Menschen verhindern.

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