Mobiles Lernen vor 60 Jahren: Der Späher

20131003_173557Bevor wir morgen in kleinem Kreis die GeschichtsApp im Bundesarchiv vorstellen und diskutieren, anbei ein Hinweis, den ich Herrn Müller verdanke, mit dem ich in den letzten Monat sehr intensiv bei der Entwicklung der Web-App zusammengearbeitet habe.

Mobiles Lernen ist eines der ganz großes Themen im Bildungsbereich im Zusammenhang mit der Nutzung digitaler Endgeräte (siehe z.B. zuletzt die Mobile Learning Week der UNESCO). Natürlich haben sich durch die Digitalität die Rahmenbedingungen verschoben, trotzdem fand ich den Fund interessant, der zeigt, wie alt die didaktischen Ideen die nun wieder oder neu erfunden werden, eigentlich schon sind.

„Der Späher“ war Serie von Heftchen für Kinder, die zur ab 1953 erscheinenden, „Sternchen“ genannten Kinderbeilage des 1948 gegründeten Stern herausgegeben wurden. Die Hefte erschienen Mitte der 1950er Jahre. Im Netz finden sich nur wenige Informationen dazu. Hinweise auf weitere Infos sind willkommen.

Die Heft sind so angelegt, dass Kinder selbst ihre Lebensumwelt selbstständig entdecken und ihre Entdeckungen im Heft dokumentieren können. Das Ganze ist zudem verpackt in eine kleine ausgedachte Rahmengeschichte:

20131003_173638Das vorliegende Heft zielte besonders auf Architektur- und Kunstgeschichte. So werden z.B. Romanik und Gotik erklärt. Im Wohnort sollten dafür dann Beispiel gesucht werden und mit Name und Adresse des Gebäudes im Heft notiert.

Sehr spannend fand ich die letzte Seite des Hefts, die für mich die Mentalität der 1950er Jahre widerspiegelt. Vater, Mutter oder Lehrer sollen die Eintragungen im Heft prüfen! Es leben die familiären und schulischen Autoritäten.Das erinnert mich an eine beliebte spanische Fernsehserie, die in der Zeit ab 1969, also noch unter der Franco-Diktatur, beginnt. Der Vater hat das Konversationslexikon der Familie im Kleiderschrank des Schlafzimmers (!) versteckt, wo er immer wieder mal nachschaut, wenn er seine Kinder mit Wissen beeindrucken möchte oder diese mit ihm unbekannten Begriffen aus der Schule kommen.

Ganz im Sinne der Gamification gibt es im Späher verschiedene „Level“, in denen der Spieler unterschiedliche Titel je nach erreichter Punktzahl erwerben kann und in der Hierarchie der „Späher“-Gemeinschaft aufsteigen kann. Bei Zusendung an der Stern winken sogar externe Belohnungen in Form einer „Ehrennadel“.

Ein spannender Fund, der beispielhaft zeigt, nur weil es digital ist, ist längst nicht alles neu 😉

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6 Gedanken zu „Mobiles Lernen vor 60 Jahren: Der Späher

  1. Das ist eine nette Sache. Und man kann natürlich noch mehr draus lernen. Nämlich: Was ist – historisch gescheit gedacht – eigentlich das beliebte „Alt-Neu-Spiel“? („Nur, weil es digital ist, muss es nicht neu sein!“, „Alles schon mal dagewesen!“, „Nur, weil es neu ist, muss es noch lange nicht gut sein“ …) Und man könnte dahin kommen zu fragen: Ok, wenn es nicht neu ist, dann hat es drei Möglichkeiten: 1. Es ist eine Wiederholung des Alten; 2. Es ist eine neue Variante, eine Optimierung des Alten; 3. Es ist das Alte insofern, als … aber es ist auf einer ganz neuen Stufe, insofern als …
    Wenn man auf der dritten Möglichkeit angekommen ist, dann fängt es an, interessant zu werden 😉 Und darum bin ich ja immer für Projektlernen 2.0 – also Projekt auf der Stufe der Digitalität. Da kann ein Projekt im Einzelnen sogar ganz ohne Digitalkram laufen – die Hauptsache: die Haltung/Einstellung/Philosophie/Ideologie dabei ist zweinullig: Offenheit, Personalisierung, Kollaborativität, Rekontextualisierung, Multiperspektivität
    Denn auch in der Buchgesellschaft hat man den Gebildeteten ja nicht daran erkannt, dass er in ein Buch starrte oder schrieb, sondern immer – auch im Alltag – daran, WAS und WIE er sprach und an seiner Haltung, an seinem Habitus. Und so erkennt man den 2.0er nicht daran, dass er in ein iphone starrt oder auf eine App tatscht, sondern auch daran, was und wie er sich als Person gibt. Demnach gäbe es viele Gerätenutzer, die alles andere als 2.0 sind. Und so dreht sich dein letzter Satz um: Nicht alles, was neu ist, ist auch digital.

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  2. Ach ja: „Im Hauptquartier sitzt der Chef, der große Meister“ – das ist die Haltung (klingt Anfang der 50er noch nicht mal ansatzweise demokratisch, sondern einfach nur wie ein säkularisierter Gröfaz, nicht?) Und darum ist es alt – gaaaaanz alt. oder doch nicht?

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  3. Hi – the I-Spy books were invented in England in 1948 by a school teacher, and were very popular here in the 1950s and 1960s. There was an I-Spy club, newspaper column and meetings. Books often sold 250,000 copies. There were German editions (with a club newspaper) and also American editions. You can study more here – http://easyontheeye2.wordpress.com/i-spy-books/
    Danke! Simon Robinson

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  4. Hallo und guten Morgen,
    schauen Sie doch mal bei kalaydo.de und in den EBAY-Kleinanzeigen rein unter „SPÄHER“ !!!
    Viele Grüße aus Duisburg Bernd – 15.9.14

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