Kollaboratives Arbeiten an einem Geschichtslexikon von Schülern für Schüler

historische stichworteZur Ausgangsidee und der ersten Umsetzung steht das Wichtigste direkt auf der Seite des Schülerlexikons selbst, das braucht hier nicht wiederholt zu werden. Mittlerweile ist schon eine ganze Reihe von Begriffserklärungen zusammengekommen, die allerdings sowohl in der Quantität als auch in der Qualität noch ausbaufähig sind.

Gedacht ist das Schülerlexikon als Nachschlagewerk für jüngere Schüler. Wer damit im Unterricht arbeiten will, kann das idealerweise zur Wiederholung am Ende einer Unterrichtseinheit tun. Die Schülerinnen und Schüler sammeln zunächst, welche Begriffe sie nach Abschluss des Themas für wichtig erhalten. Sie gleichen ihre Liste mit den vorhandenen Stichwörtern auf der Lexikonseite ab. Bestehende Begriffseinträgen können auf ihre Korrektheit, ihre sprachliche Einfachheit, die Vernetzung mit anderen Begriffen und auf Vollständigkeit der Erklärung geprüft und ggf. erweitert werden.

Für bislang nicht vorhandene Stichwörter werden von den Schülerinnen und Schüler neue Erklärungen verfasst. Das lässt sich über ein Etherpad auch kollaborativ erledigen. Die Lernenden übernehmen zunächst allein oder zu zweit ein Stichwort und schreiben eine ersten Entwurf. Dieser wird dann in einen zweiten und dritten Schritt von anderen Lernenden gegenlesen, korrigiert, ergänzt und mit anderen Beiträgen verlinkt. Am IWB oder an der Tafel wird in einer Tabelle mit einem Kreuz kenntlich gemacht, welche Bearbeitungsstufe für den einzelnen Begriffe abgeschlossen ist. Die Lernenden arbeiten selbstständig und wählen selbst aus, wo sie weiterarbeiten wollen. Da alle Begriffe im selben Etherpad bearbeitet werden, ist jeweils sichtbar, wo aktuell jemand eine Bearbeitung vornimmt.

Auf diese Weise wiederholen die Schülerinnen und Schüler die zentralen Inhalte der letzten Unterrichtsstunden und vernetzen diese noch einmal miteinander. Sie üben an vergleichsweise kurzen Texten kollaboratives Schreiben. Die Ergebnisse stehen so dauerhaft zur Verfügung, so dass auf sie im weiteren Unterrichtsverlauf immer wieder zurückgegriffen werden kann, was auch die Möglichkeit umfasst, zentrale Begriffe wie Monarchie oder Demokratie zu vertiefen und ihrem historischen Wandel auszudifferenzieren. Diese Form kompetenorientierten Begriffslernens dürften zu einem vertieften Verständnis der Phänomene und ihrer Verknüpfung wesentlich beitragen.

Aufruf zur Mitarbeit: Unterrichtsideen zur Arbeit mit den Europeana Collections 1914-1918

Mit dem EU-geförderten Projekt Europeana Collections 1914-1918 wurden in den letzten drei Jahren über 400.000 Quellen aus dem Ersten Weltkrieg digitalisiert und öffentlich über das Portal „Europeana 1914-1918“ zugänglich gemacht. An dem EU-Projekt waren von zehn Nationalbibliotheken und weitere Partner aus acht europäischen Ländern beteiligt.

Gleichzeitig entstand unter Federführung der British Library, einer der am Projekt beteiligten Bibliotheken, eine E-Learning-Seite, auf der etwa 500 ausgewählte Quellen vorgestellt und sowohl englisch- als auch originalsprachig erläutert werden.

Begleitend werden auf der E-Learning-Website auch Unterrichtsmaterialien („Teachers’ Notes“) angeboten, bisher nur auf Englisch. Bis zum 14. März besteht die Gelegenheit, auch deutschsprachige Materialien dort einzustellen.

Gesucht werden daher Geschichtslehrer/-innen, die Interesse daran haben, anhand der auf der Webseite  vorgestellten Quellen Unterrichtsmaterialien beizusteuern oder zu entwerfen. Leider besteht keine Möglichkeit der Vergütung.

Als Ansprechpartnerin für Rückfragen steht unter den folgenden Kontaktdaten Frau Dr. Ulrike Hollender zur Verfügung:

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Fachreferentin für Romanistik
„Europeana Collections 1914-1918“
Potsdamer Str. 33
10785 Berlin

Tel.: ++49 (0)30 – 266 433 151
E-Mail

Geocaching is trending…

Leider bin ich erst jetzt dazu gekommen, die Beiträge zu sichten, möchte hier aber dennoch auf gleich zwei Publikationen vom Ende des letzten Jahres zum Geocaching im Geschichtsunterricht hinweisen:

Im Heft zum Ersten Weltkrieg von Praxis Geschichte (6/13, S. 50-51) ist unter dem Titel „Mehr als eine Schnitzeljagd. Geocaching im Geschichtsunterricht“ ein kurzer Artikel von Björn Dexheimer und André Lehnen erschienen.

Umfangreicher schreibt Sascha Siedler („Bock auf Schule“) in GWU (64, 2013, H. 11/12, S. 668-675). Das Editorial kommt vollmundig daher: „Geschichtsdidaktisches Neuland betritt Sascha Siedler mit dem handlungsorientierten Lernarrangements des Geocoachings, dessen Potentiale für den Geschichtsunterricht er erstmals auslotet.“ Das ist forsch formuliert, ist aber inhaltlich nicht haltbar. Ebenso wie der einleitende Hinweis des Autors im Artikel selbst, wonach „fachdidaktische Beiträge zurzeit noch nicht vorliegen und Erfahrungswerte aus dem Schulbereich bisher kaum vorhanden sind“. (S. 668)

Anhand der Abrufdaten der referenzierten Internetseiten lässt sich vermuten, dass der Beitrag bereits in der zweiten Jahreshälfte 2012 entstanden ist. Nichtsdestotrotz wäre es auch damals nicht verkehrt gewesen, die Kombination von „Geocaching + Geschichtsunterricht“ mal in eine Suchmaschine einzugeben.

Ebenso erstaunt im weiteren die Aussage: „Bei einem solchen Geocaching-Einsatz innerhalb des Geschichtsunterrichts spricht man von einem ‚History-Cache‘.“ (S. 670) Eine Begriffsprägung, die mir neu ist, aber gerne durchgehen kann, wobei ich darunter eher Caches mit Geschichtsbezug verstehen würde. Geschenkt.

Mittlerweile gibt es natürlich wesentlich mehr Beispiele, Angebote und auch fachdidaktische Reflexionen zum Thema als 2012, von denen ich hier einige mal zum einfacheren Auffinden und Nachlesen zusammenstelle:

Bereits im August 2012 hatte das Portal „Lernen aus der Geschichte“ Webempfehlungen zum „Educaching“ gesammelt und veröffentlicht: http://lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/10571

Als Unterpunkt zu „mobilem Lernen im Geschichtsunterricht“ war Geocaching auch Thema an einem  geschichtsdidaktischen Seminar an der Uni Duisburg-Essen. Die Beiträge der Studierenden finden sich im begleitenden Blog von Christian Bunnenberg: http://zwopktnull.hypotheses.org/38

Im Dossier „Kulturelle Bildung“ der bpb hatte Alexander König auch über mobiles Lernen und Geocaching geschrieben: http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/kulturelle-bildung/143889/geschichtsvermittlung-in-virtuellen-raeumen

Gemeinsam mit Alexander König ist ein umfangreicherer Beitrag mit grundlegenden didaktischen Überlegungen zum mobilen Geschichtslernen entstanden, der auf dem europäischen Portal „Open Education Europa“ abrufbar ist:

http://openeducationeuropa.eu/en/article/Moving-through-time-and-space—Learning-history-on-the-move

Eine stark überarbeitete Version des Beitrags erscheint demnächst auch im Journal of Educational Media, Memory, and Society (JEMMS) des GEI.

Auch außerschulische Einrichtungen greifen Geocaching auf, so u.a. Gedenkstätten. Zu den Pionieren in diesem Bereich gehört Osthofen, deren Cache-Projekt bereits vor zwei Jahren auf dem Historikertag in Mainz vorgestellt wurde: http://www.gedenkstaette-osthofen-rlp.de/index.php?id=685

Aktuell gibt es zum 25. Jahrestag des „Mauerfalls“ ein interessantes Projekt der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, das unter dem Titel „Untold Stories“ gleichfalls mit Geocaching arbeitet.

Die Liste ist keineswegs vollständig, weitere Hinweise sind herzlich willkommen… auch wenn ich nach eigenen Versuchen zur der für mich bislang gültigen Erkenntnis gelangt bin, dass Geocaching zumindest für den Geschichtsunterricht in der Schule in mehrfacher Hinsicht problematisch ist und sich eher für Projekte und außerschulische Arbeit eignet, verweisen die beiden Artikel sowie die weitere Auflistung auf einen methodischen Trend. Mal schauen, wie lange der anhält.

Ruanda 1994-2014

Foto: I, Inisheer, CC-BY-SA 3.0

Foto: I, Inisheer, CC-BY-SA 3.0

Im April jährt sich der Genozid in Ruanda zum 20. Mal. Ruanda steht ganz im Zeichen der Erinnerung an den Genozid mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Initiativen, mit zum Teil auch internationaler Reichweite. Der offizielle Gedenktag in Ruanda ist der 7. April 2014.

In Deutschland hat die Erinnerung an den Genozid bislang in diesem Jahr kaum Aufmerksamkeit gefunden. Medial fokussiert wird in bisher unbekanntem Maße die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, auch andere “runde” Jahrestage im “Gedenkjahr” 2014 (u.a. 14 n.Chr., 714, 1714, 1814) treten dahinter weiter zurück.

Nicht nur als Partnerland von Rheinland-Pfalz, sondern auch im Hinblick auf Ursachen des Genozids, den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit den Ereignissen sowie der Erinnerung an sie ist der Genozid in Ruanda ein relevantes Thema für den Geschichtsunterricht. Deshalb haben ich einige Online-Ressourcen zusammengestellt, um die Geschichte Ruandas und im besonderen die Erinnerung an den Genozid von 1994 im Geschichtsunterricht aufzugreifen.

Genocide Alert

http://www.genocide-alert.de/genozid-in-ruanda-zwanzig-jahre-danach/

Die Seite bietet zusammenfassende Informationen sowie Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe in mehreren deutschen Städten mit Podiumsdiskussionen.

Von Genocide Alert gibt es auch ein Twitter-Projekt zur Erinnnerung an die Ereignisse 1994, das Tag für Tag 20 Jahre danach “Tagesnachrichten” sendet:

http://www.genocide-alert.de/genozid-in-ruanda-zwanzig-jahre-danach/twitter-timeline

Kwibuka20

Kwibuka bedeutet Erinnern auf Kinyarwanda. Unter dieser Bezeichnung firmiert das nationale Gedenken mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, Aktionen und dem intensiven Einsatz von Social Media: http://www.kwibuka.rw

Auf Youtube findet sich ein Kurzfilm Kwibuka ‚Remember, Unite, Renew‘ http://www.youtube.com/watch?v=00x1L34wLF8

Die “Flamme der Erinnerung” wird zwischen Januar und April durch die 30 Bezirke des Landes getragen. U.a. auf Twitter und Facebook werden die Veranstaltungen in den verschiedenen Städten dokumentiert:

http://www.kwibuka.rw/events/events-listing/urumuri-rutazima-kwibuka-flame/

Homepage des Kigali Memorial Center http://www.kigaligenocidememorial.org

Les hommes debout / Upright men ist ein sehenswertes Kunstprojekt zur Erinnnerung an die Opfer des Genozids, das auf einer eigenen Homepage auf Englisch und Französisch dokumentiert ist:

http://www.uprightmen.org/

Arte hat weiterhin sein umfangreiches Dossier zum 15. Jahrestag online: http://www.arte.tv/de/2532286.html

In Ruanda ist die offizielle Bezeichnung der Genozid an den Tutsi, womit die Erinnerung an weitere Opfergruppen wie z.B. moderate Hutu ausgeblendet wird. Dagmar Dehner berichtet in einem “Ruanda-Tagebuch” aktuell für den Tagesspiegel mit einem kritischen Blick “vom richtigen und falschen Gedenken”:

http://www.tagesspiegel.de/politik/ruanda-tagebuch-2-vom-richtigen-und-falschen-gedenken/9435046.html

Hinweise zu Filmen über den Völkermord in Ruanda im Film finden sich in einem Beitrag auf “Lernen aus der Geschichte”: http://lernen-aus-der-geschichte.de/

Speziell zum Film „Hotel Ruanda“ bietet Amnesty ein kurze Handreichung mit Unterrichtsideen als PDF zum Download an: http://www2.amnesty.de/

Bereits von 2011 hat Julia Viebach für BpB über Ruanda für die BpB geschrieben:http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/68826/gedenken-an-genozid-in-ruanda-07-04-2010

Dort findet sich auch ein Beitrag von 2010 über das Gedenken an den Genozid in Ruanda: http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/68826/gedenken-an-genozid-in-ruanda-07-04-2010

Für eine tiefere historische Kontextualisierung und Ursachenforschung sollte auch die deutsche und später belgische Kolonialherrschaft bearbeitet werden. Im Hinblick auf den Genozid relevant ist die gegenseitige Wahrnehmung sowie insbesondere die durch die Kolonialmächte erfolgte und festgeschriebene Einteilung der Bevölkerung in Hutu und Tutsi.

Arbeitsblatt zur Ankunft der ersten Deutschen in Ruanda und der gegenseitigen Wahrnehmung

https://geschichtsunterricht.wordpress.com/2009/07/12/deutsche-kolonialherrschaft-in-ruanda/

Kurzer Überblick zur Genese und Entwicklung der Zuschreibungskonstruktion von Hutu und Tutsi von Johannes Scheu: http://www.exc16.de/cms/ruanda.html

Ausführlicher Simone Paulmichl (1998, PDF): http://www.gsi.uni-muenchen.de/forschung/forsch_zentr/forschung_3_welt/arbeitspapier/ap26.pdf

Der Erste Weltkrieg zum Remixen

Ein Gastbeitrag von mir im Medienpädagogik-Praxisblog:

100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs steht mit den Europeana Collections 1914-1918 eine einzigartige Sammlung digitalisierter Quellen für die Geschichte des Weltkriegs online. Die Digitalisate stammen aus zwei parallelen Projekten: Gemeinsam mit Archiven, Museen und Bibliotheken aus ganz Europa Quellen digitalisiert und bereitgestellt. Zeitgleich wurden Objekte aus Familienbesitz erfasst und digitalisiert. Einige Menschen reisten hunderte von Kilometern, andere warteten stundenlang, um ihre Familiengeschichte erzählen und aufzeichnen oder um ihre Familienerbstücke digitalisieren und ins europäische Online-Kulturerbe aufnehmen zu lassen.

Auf diese Weise ist eine Sammlung von mehreren Hunderttausend Digitalisaten zum Ersten Weltkrieg entstanden. Mehr als ein einzelner sichten kann. Das Sammlungsprojekt ist abgeschlossen, die Website veröffentlicht. Es stellt sich die Frage, was nun tun mit dem überwältigenden Ergebnis dieses Jahrhundertprojekts? Können die digitalisierten Quellen für medienpädagogische Geschichtsprojekte genutzt werden? Und wenn ja, wie?

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Twitter im Geschichtsuntericht: Virtuelles Reenactment oder kreatives Schreiben von Geschichte(n) im Netz

Ehrlich gesagt, verwundert mich das Interesse und die Debatte über die Nutzung von Twitter in der Schule.  Wenn man mal die Bedeutung digitaler Medien, besonders von Twitter, in verschiedenen Aufständen und Revolutionen im Iran und im arabischen Frühling beiseite lässt, so ist doch die Bedeutung als Nachrichtenkanal beim Durchzappen durch verschiedene Fernsehkanäle sofort evident. Tweets haben selbst mitlerweile Nachrichtenwert oder dienen als Bild-Belege in Nachrichtensendungen. So zuletzt gesehen in den Heute-Nachrichten auf dem ZDF, wo die Aussage, dass die internationalen Schauspielerkollegen um Philip Seymour Hoffman trauen, visuell mit Bildern von Tweets gestützt wurde. Allgegenwärtig und meines Erachtens reichlich nervig ist der Versuch „Stimmungen“ des Publikums über das Vorlesen von Tweets während Livesendungen einzufangen.

Auch im Wissenschaftsbereich findet sich zahlreiche Experimente bei Konferenzen und öffentlichen Debatten über digitale Medien Rückanäle für Fragen und eine Partizipation des Publikums besonders bei Livestreams von dem jeweiligen Empfangsgerät aus einzubinden. Auch hier spielt Twitter eine wesentliche Rolle (siehe z.B. History@Debate – Europa1914. Schlafwandler oder Brandstifter? vom 24.1.2014).

Man könnte also durchaus sagen, ob sie das nun selbst nutzen oder nicht, ist es für Jugendliche relevant für das Verständnis und Einordnen von Nachrichten sowie als eine Partizipationsmöglichkeit Twitter zu kennen, die Funktionsweise zu verstehen und ggf. selbst nutzen zu können. Twitter ist gegenwärtig ein wichtiger Teil unserer medialen Lebenswelt, und daher wichtig zu verstehen, was es ist und wie es funktioniert.

Nachdem verschiedene Geschichtsprojekte auf Twitter nicht nur viel Aufmerksamkeit erhalten haben (besonders @9Nov38), sondern zum Teil auch kontrovers diskutiert wurden (z.B. @1914 im Blog von Moritz Hoffmann), folgen hier noch einmal ein paar Gedanken zur Arbeit mit der Methode ¨virtuelles Reenactment¨ im schulischen Geschichtsunterricht.

Im Kern handelt es sich bei solchen Projekten im Geschichtsunterricht (siehe z.B. hier) um alternative Formen des kreativen Schreibens. Dazu gibt es für den Geschichtsunterricht eine Reihe von Veröffentlichungen und Unterrichtsvorschläge (u.a.Memminger 2007; Geschichte lernen 4/2009). Dabei geht es nicht um das für historisches Lernen in der Tat problematische Nachfühlen oder Nacherleben des realer Reenactment-Versuche, sondern um quellenbasierte Perspektivübernahmen.

Im Unterricht, besonders der jüngeren Klassen, sind diese Formen des kreativen Schreibens von Tagebucheinträgen, Briefen, Reden usw. schon länger angekommen und etabliert. Die Übernahme historischer Rollen, das Schreiben und Publizieren in sozialen Netzwerken oder in Blogs ist zunächst einmal nur eine andere Art kreativen Schreibens. Sie bietet allerdings durch z.B. das Hinzufügen von Fotos, Audio- oder Videodateien sowie die Möglichkeiten der Interaktion zwischen verschiedenen Akteuren zugleich auch erweiterte Darstellungs- und Ausdrucksformen.

Die Spannbreite möglicher Ansätze reicht dabei von einem sehr quellennahen, nacherzählend-zusammenfassenden Schreiben und damit von einem vergleichsweise niedrigen Anforderungsniveau, das aber dennoch helfen kann das Verständnis von Quelleninhalten und Zusammenhängen zu verstehen, bis hin zu relativ freien Formen der Auseinandersetzung. Bei letzteren können sowohl Quellen wie Darstellungen Grundlage der Einarbeitung in die Rolle sein. Zentral ist die parallele oder anschließende Reflexion und Begründung, inwieweit die verfassten Erzählungen historisch triftig und plausibel ist.

Eine Gefahr besteht bei diesem Ansatz in der Fokussierung auf historische Personen, die Gefahr läuft einem personalisierten Geschichtsverständnis Vorschub zu leisten und historische Prozesse wieder auf die Geschichte ¨großer Männer¨ zu reduzieren. Dem ist jedoch mit einer entsprechenden Vorbereitung und Einbettung der Projekte im Unterricht leicht entgegenzuwirken.