Frauen, Filme und Geschichte

Gerade mal einen Blick in die (Lehrer-!) Materialien des Geschichtslehrerverbandes zur neuen ZDF-Reihe „Frauen, die Geschichte machen“ geworfen.

Im Hinblick auf die Unterdrückung der katholischen Konfession und der Hinrichtung Mary Stuarts muss das Medium Film sich für eine Variante entscheiden und kann nicht die in der Geschichtsschreibung vorhandene Bandbreite an Interpretationen widerspiegeln. In beiden Fällen entscheidet sich der Film für die für Elisabeth heroischste und am wenigstenbelastende Variante: Wollte sie die Katholiken wirklich nicht bei günstiger Gelegenheit bekämpfen? (aus Lehrermaterial: Elisabeth, verheiratet mit England?)

Ist Geschichtsfernsehen tatsächlich notwendigerweise so beschränkt und kann nicht anders?

Die Materialien zu den sechs Folgen scheinen von verschiedenen Bearbeitern erstellt worden zu sein und schwanken in ihrer Qualität erheblich. Erfreulich ist anzumerken, dass nun in mehreren Ausarbeitungen ausdrücklich ein medienanalytischer Ansatz als unterrichtliche Heransgehensweise Erwähnung findet.

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Ein Gedanke zu „Frauen, Filme und Geschichte

  1. Dass das ZDF in seinem Geschichtsfernsehen nicht bereit/in der Lage (siehe Zitat oben) ist, Geschichte angemessen differenziert darzustellen, hat nun auch erste Folgen für den Sender. Andere Themen als die Geschichte Englands im 16. Jahrhundert sind natürlich wesentlich sensibler und so meldet die ARD heute, dass ehemalige Angehöriger der Armia Krajowa (der poln. „Heimatarmee“) das ZDF nun verklagen. Im Detail heißt es im Bericht dazu:

    „Die Unterstellung, ausgerechnet Soldaten der Armia Krajowa hätten die Judenverfolgung in Polen gutgeheißen, bezeichnet Swirksi als infame Lüge. Deshalb will er gemeinsam mit einem weiteren Kombattanten auf dem Wege einer Zivilklage erreichen, dass die Heimatarmee nicht auch noch in Zukunft verunglimpft werde. […] Dass es Einzelfälle antisemitischer Entgleisungen bis hin zum Mord an Juden in Polen gegeben habe, stelle niemand in Frage, heißt es. Die gesamte Heimatarmee der deutschen SS gleichzusetzen, sei aber schon ein starkes Stück und Geschichtsfälschung obendrein. Eine Unterstellung, die in Polen besonders schmerzt, gelten doch hier Soldaten der Armia Krajowa als patriotische Kämpfer, die ihr Leben auch dadurch aufs Spiel setzten, dass sie eben Juden halfen.“
    Zum ganzen Artikel: http://www.tagesschau.de/ausland/polen474.html

    Zur Heimatarmee und ihrem Verhältnis zu Juden siehe auch hier:
    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2003-3-118
    http://www.ww2.pl/Die,Untergrundarmee,im,besetzten,Polen,38.html

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