Tagungsankündigung: #gld14. Geschichte Lernen digital. Geschichtsdidaktische Medienverständnisse

Am Freitag, den 25., und Samstag, den 26. April 2014, findet am Historischen Institut der Universität zu Köln die Tagung #gld14 | Geschichtsdidaktische Medienverständnisse | Entwicklungen – Positionen – neue Herausforderungen des KGD-Arbeitskreises dWGd | digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik statt.

Interessierte Beiträger/innen können bis Dienstag, den 10. Dezember 2013, einen Vorschlag für einen Beitragstitel sowie ein kurzes Abstract (max. 800 Zeichen) bei Christoph Pallaske einreichen.

Weitere Informationen zum Tagungskonzept finden sich im Blog des KGD-Arbeitskreises „Digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik“.

P.S. Zuerst hatte ich ja geschichtsdidaktische „Missverstädnisse“ gelesen, aber das hat sich dann doch als Verleser herausgestellt… 😉

Auswahl von Online-Materialien & digitalisierten Quellen zur Geschichte des 1. Weltkriegs

Der Erste Weltkrieg in Rheinland-Pfalz:
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Bildpostkarten Universität Osnabrück: Der Erste Weltkrieg auf der Bildpostkarte

http://www.bildpostkarten.uni-osnabrueck.de/index.php?cat=142

BpB Dossier: Der Erste Weltkrieg

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/ersterweltkrieg/

Deutsch-französisches Kriegsalbum

http://centenaire.org/de/international/das-deutsch-franzoesische-album-des-ersten-weltkriegs

DHM Der Weltkrieg1914-1918 Ereignis und Erinnerung

http://www.dhm.de/ausstellungen/der-erste-weltkrieg/ausstellung_ziele.html

Digitales Archiv Hessen-Darmstadt: Feldpostbriefe im 1. Weltkrieg

http://www.digada.de/wk1/kap2/feldpostbriefe.htm

European Film Gateway – First World War Collections

http://www.europeanfilmgateway.eu/about_efg/EFG1914collections

Europeana 1914-1918

http://europeana1914-1918.eu/de

Imperial War Museums – Google Art Project

http://www.google.com/culturalinstitute/collection/imperial-war-museums

Informationsportal Politische Bildung: Linksammlung 100 Jahre Erster Weltkrieg

http://www.politische-bildung.de/100_jahre_erster_weltkrieg.html

Feldpost 1916/17: Die Briefe und Tagebücher des Oberleutnants August Dänzer aus
Siebenbürgen und Rumänien

http://www.uni-cms.net/feldpostsammlung/

Feldpostbriefe. Lettres de poilus „…wer fällt, der stirbt den Heldentod“ (Deutschlandfunk)

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/feldpost/index.html

Feldpostbriefe: Bernd Ulrich, Die Augenzeugen. Deutsche Feldpostbriefe in Kriegs- und Nachkriegszeit 1914-1933, Essen: Klartext Verlag 1997, online:

http://www.erster-weltkrieg.clio-online.de/default.aspx?tabid=40208182

Irland und der Erste Weltkrieg

http://www.irelandww1.org/

La grande guerre. A Global History of World War I

http://grandeguerre.hypotheses.org/

Over the Top. An Interactive Adventure. Canadian War Museum

http://www.warmuseum.ca/cwm/games/overtop/index_e.shtml

Stadterinnerungen des Ersten Weltkriegs: Le Havre und Koblenz

http://memoires-urbaines-premiere-guerre-mondiale.spip.ac-rouen.fr/

Supremacy 1914 – Online-Spiel

http://www.supremacy1914.de

Themenportal Erster Weltkrieg der Bibliothek für Zeitgeschichte in der WLB Stuttgart
Traces 1914 – Schülerprojekt

http://www.traces1914.eu/

Walter Koessler Project (Fotoalbum eines deutschen Soldaten)

http://wwiphotos.tumblr.com/

Wikimedia Commons: World War I

http://commons.wikimedia.org/wiki/World_War_I

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Auch als Etherpad ergänz- und weitergebbar: http://geschichtsunterricht.titanpad.com/10

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint…

Wollen wir den potentiellen Koalitionären von Union und SPD guten Willen und vielleicht sogar die überraschend gereifte Erkenntnis zugestehen, dass digitalen Medien und insbesondere individuellen mobilen Endgeräten für das Lernen in der heutigen Welt wie für die Zukunft eine wichtige Rolle zukommt. Der Gedanke, dass es sich hier nicht mehr nur um „Empfangsgeräte“ zur „Vermittlung von Inhalten“, sondern um die zentralen „Kulturpartizipationsgeräte“ handelt, scheint mir keineswegs abwegig und unterstreicht ihre Bedeutung.

Selbst wenn man davon absieht, dass es sich bei der Ankündigung vermutlich um nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis handelt, da der „Finanzierungsvorbehalt“ – von vielen in den sozialen Netzwerken schon als (Un-) Wort des Jahres 2014 vorgeschlagen – gleich mit benannt wird, der sich für mich so liest: „Schöne Idee, dafür werden uns viele mögen, aber das machen wir eh nicht.“ Also selbst wenn man davon absieht und guten Willen unterstellt, scheint die groß angekündigte und öffentlichkeitswirksame Ankündigung – „Große Koalition will jedem Schüler ein Handy schenken“ titelte z.B. Die Welt – ein wenig durchdachter Schnellschnuss.

Um aufzuzeigen, wo mögliche Fallstricke liegen, nur einige Nachfragen:

– Wozu sollen alle Schüler mit mobilen Endgeräten ausgestattet werden, wenn deren Nutzung in den meisten Schulen verboten ist?

– Wie soll in den Schulen mit den Geräten gearbeitet werden, wenn die entsprechende Infrastruktur (Breitband/Wlan) fehlt?

– Viele Kinder und Jugendliche haben bereits eigene mobile Endgeräte (→ BYOD-Projekte): Warum muss nach dem „Gießkannenprinzip“ allen ein Gerät zur Verfügung gestellt werden?

– Was bedeutet „allen Schülerinnen und Schülern“? Wer ein Jahr später eingeschult wird, erhält dann kein Gerät mehr oder bekommt jedes Jahr ein Jahrgang eine Komplettausstattung? Wie wird die Nachhaltigkeit gesichert?

– Mobile Endgeräte halten zur Zeit in der Regel zwei, vielleicht drei Jahre. Nach spätestens vier bis fünf Jahren ist ein solches Gerät technisch überholt. Wenn ein Schüler nun in der 5. Klasse ein Gerät vom Staat finanziert bekäme, dann hätte er spätestens in der 9. Klasse nichts Brauchbares mehr in den Händen. Was passiert dann?

– Von welchem Anbieter werden die Geräte erworben? Soll eine Monokultur in den Schulen implentiert werden mit allen Nachteilen der Bindung an einen Hersteller? Wie auch immer das Vorhaben wäre eine riesige staatliche Investition, ein sehr attraktiver Auftrag für jedes Unternehmen. Steckt hier vielleicht doch mehr Lobbyismus für die Förderung der IT-Wirtschaft dahinter als Überlegungen zur Bildung?

– Nicht nur Regeln und Infrastruktur spielen eine Rolle, auch der Umgang der Lehrkräfte mit den Schülergeräten? Wie sieht es aus mit Lehrerfortbildungen und Materialien zur Technik und zum (fachspezifischen) Unterrichtseinsatz?

Man mag die Ankündigung als „positives Zeichen“ werten, so ist es vermutlich auch gemeint, quasi ein Nachwahlversprechen, eine Art Zuckerstückchen, um die von allen ungeliebte große Koalition etwas annehmbarer zu machen. Ich sehe das kritischer, weil sich aus der Ankündigung mehr Fragen ergeben, als gelöst werden. Sicher hat es in den letzten Jahren bereits in vielen anderen Ländern Ausstattungsinitiativen für Schülerinnen und Schüler in diesem Umfang gegeben; in Deutschland bislang nicht. Aber aus den Erfahrungen anderer Länder könnte man lernen. Wenn man das Thema Bildung, das neue Lernen mit (digitalen) Medien in der Schule ernsthaft angehen und von Bundesseite fördern wollte, würden sich meines Erachtens andere Konzepte anbieten, z.B.: durch die Bereitstellung von Bundesmitteln u.a.

– zur gezielten Förderung von finanziell schwachen Familien zum Erwerb eigener Geräte für die Kinder, nach ähnlichen Kriterien wie beim Schulbuchgeld oder der Förderung von Klassenfahrten;

– zum Ausbau der schulischen Infrastruktur (Breitbandanschluss, Wlan), damit Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Geräte sinnvoll und ohne weiteren Kosten in der Schule genutzt werden können;

– zur Finanzierung von regionalen Stellen, Budgets oder Stundenkontigenten an Schulen zur Pflege und Wartung der neuen Infrastruktur, das ist für Lehrkräfte nicht „nebenbei“ zu leisten;

– zur Finanzierung einer Arbeitsgruppe (oder nennt es: „Task Force“), deren Auftrag die Erstellung einer Online-Plattform mit OER-Materialien zum (schulischen) Lernen mit mobilen Endgeräten und die Durchführung von Lehrerfortbildungen ist.

Frauen, Filme und Geschichte

Gerade mal einen Blick in die (Lehrer-!) Materialien des Geschichtslehrerverbandes zur neuen ZDF-Reihe „Frauen, die Geschichte machen“ geworfen.

Im Hinblick auf die Unterdrückung der katholischen Konfession und der Hinrichtung Mary Stuarts muss das Medium Film sich für eine Variante entscheiden und kann nicht die in der Geschichtsschreibung vorhandene Bandbreite an Interpretationen widerspiegeln. In beiden Fällen entscheidet sich der Film für die für Elisabeth heroischste und am wenigstenbelastende Variante: Wollte sie die Katholiken wirklich nicht bei günstiger Gelegenheit bekämpfen? (aus Lehrermaterial: Elisabeth, verheiratet mit England?)

Ist Geschichtsfernsehen tatsächlich notwendigerweise so beschränkt und kann nicht anders?

Die Materialien zu den sechs Folgen scheinen von verschiedenen Bearbeitern erstellt worden zu sein und schwanken in ihrer Qualität erheblich. Erfreulich ist anzumerken, dass nun in mehreren Ausarbeitungen ausdrücklich ein medienanalytischer Ansatz als unterrichtliche Heransgehensweise Erwähnung findet.

Bratkartoffeln und Hammelbeine

Nein, das ist kein Beitrag über Kochrezepte. Ich werde auch nicht von jetzt an, um mehr Leser zu finden, von Zeit zu Zeit Rezepte oder Tierbilder einstellen. Ausgelöst wurde dieser Beitrag vielmehr durch die Sendung Karambolage auf Arte von gestern. In einem kurzen Beitrag wurde dort die Redewendung: „Ich verstehe nur Bahnhof.“ erklärt, von der ich auch gedacht hätte, sie käme von der schlechten Qualität der Lautsprecher für die Ansagen aus den Bahnsteigen. Der Ursprung der Redewendung liegt aber wohl am Ende des Ersten Weltkriegs:

Um die wahre Erklärung zu finden, muss man allerdings bis ans Ende des ersten Weltkrieges zurückgehen. Die Soldaten, besser gesagt die Überlebenden, waren stark geschwächt und dachten alle nur an eins: nach Hause fahren. Nach Hause kam man aber nur mit Zug, der bekanntlich vom Bahnhof abfährt. Man erzählt daher, dass die Soldaten, wenn man sie auf irgendetwas ansprach, das nichts mit ihrer Heimkehr zu tun hatte, alle geantwortet hätten: „Ich verstehe nur Bahnhof“, im Sinne von : „Ich will nur das Wort Bahnhof hören, alles andere interessiert mich nicht“.

Auf Twitter kam dann von Manfred Koren der Hinweis, dass der Ausdruck „sich verfranzen“ gleichfalls auf den Ersten Weltkrieg zurückgehen soll:

Im ersten Weltkrieg hatte das Flugzeug zunächst die vornehmliche Aufgabe der Aufklärung. Hierzu war ein Flugzeug zumeist zweisitzig. Die Besatzungen bestanden aus einem Piloten und einem Navigator. Letzterer bediente sich einer groben Koppelnavigation mit Flugkarte, Daumen, Uhr und Kompass. Die grobe Koppelnavigation nannte man Franzen. Die Herkunft dieser Begrifflichkeit wird aus der Sprechgruppe „Franz“ im deutschen Flugfunk vermutet. Diese Sprechgruppe war für die Navigatoren der Flugzeuge zuständig. So bürgerte sich also der Name Franz für den Navigator ein. […] Verirrte sich nun eine Besatzung, so lag die Last beim Franz, weshalb der Emil schon mal sagen konnte, dass sich sein Franz „verfranzt“ habe. [Fliegerlexikon]

Jujoma wies gleichfalls über Twitter daraufhin, dass der bekannte Ausdruck 08/15 gleichfalls auf den Ersten Weltkrieg zurückgeht:

Es gibt drei Erklärungsansätze zur Entstehung der Redewendung. Alle stehen im Zusammenhang mit dem Maschinengewehr mit der Typenbezeichnung MG 08/15, das im Ersten Weltkrieg erstmals zum Einsatz kam. […] Verbreitung fand der Begriff auch durch die 1954 erschienene Romantrilogie 08/15von Hans Hellmut Kirst. Es war einer der ersten Bestseller der Bundesrepublik und wurde im selben Jahr unter demselben Titel verfilmt. [Wikipedia]

In einer schnellen Netzrecherche habe ich einige weitere Ausdrücke und Redewendungen gefunden, die auf den den Ersten Weltkrieg zurückgehen sollen und heute noch – mehr oder wenig – gebräuchlich sind:

Bratkartoffelverhältnis: Der Ausdruck stammt aus dem ersten Weltkrieg und bezeichnete damals eine kurzfristige Liebesbeziehung, die vor allem wegen besseren Verpflegung eingegangen wurde. Heute meist Synonym für eine „wilde Ehe“ [Fundstelle]

jemandem die Hammelbeine lang ziehen: jdn. scharf angehen oder schikanieren, laut Wikipedia aus der Soldatensprache des Ersten Weltkriegs. (Eine ganz andere Erklärung findet sich hier bei SWR2).

eine treulose Tomate: Der Ausdruck soll sich ausgehend vom Bündniswechsel Italiens von einer Bezeichnung für Italiener entwickelt haben. [Fundort, siehe auch Wikipedia]

Vermutlich gibt es noch mehr Ausdrücke und Redewendungen, die auf den Ersten Weltkrieg zurückgehen. Wer weitere kennt, bitte als Kommentar hinzufügen. So ließe sich eine kleine Sammlung anlegen. Die Ausdrücke und Redewendungen sind  insofern spannend, als sie zeigen, wie stark auch die Alltagssprache durch den Ersten Weltkrieg geprägt wurde. Zu überlegen wäre, ob eine oder mehrere dieser Redewendungen nicht auch für den Unterricht z.B. als Einstieg geeignet wären, um Interesse zu wecken oder darüber hinaus auch Teilaspekte des Ersten Weltkriegs zu thematisieren.

 

Rehabilitation 1914-18

In Ergänzung zu dem vorangegangenen Beitrag folgt hier nur der kurze Hinweis, dass es in Frankreich eine Bewegung gibt, die die Rehabilitation der „zur Aufrechterhaltung der Disziplin in der Truppe“ standrechtlich erschossenen Soldaten aus dem „Großen Krieg“ fordert. Die Gründe für die Verurteilung sind vielfältig. Für den Ersten Weltkrieg sind hier aber vor allem zu nennen Selbstverstümmelung (siehe auch das Buch bzw. den Film: Un long dimanche de fiançailles / Mathilde – eine große Liebe), Desertion, Verlassen des Postens sowie Ungehorsam vor dem Feind.

France3 berichtet über eine Kundgebung in Dijon, Burgund Unten auf der Seite sind ein paar interessante weiterführende Links angegeben. Die Materialien sind sicher auch interessant speziell für den bilingualen Fachunterricht. Zu dem Thema gibt es auch einen Artikel in der französischsprachigen Wikipedia, der recht detailliert, allerdings nicht mit anderen Sprachversionen verlinkt ist.