Es tut sich was in Didaktischdigitalien…

Während es um und in einigen Blogs bedauerlich still geworden ist, sind gerade einige neue Publikations- und Diskussionsorte zu Geschichtsunterricht und -didaktik entstanden, auf die ich hier kurz hinweisen möchte.

Als dieses Blog vor mehr als vier Jahren startete, war die Entwicklung kaum vorherzusehen. Aktuell, zum Teil im Zusammenhang bzw. Nachgang der beiden Konferenzen in München und Salzburg, scheint sich gerade eine Tendenz zur Institutionalisierung der Geschichtsblogosphäre abzuzeichnen, die bislang eher von individuellen Präsenzen geprägt war.

Seit letzter Woche ist das bereits länger angekündige professorale Blog Public History Weekly online gegangen. Die ersten Beiträge stehen seit Donnerstag auf der Seite und jeden Donnerstag sollen nun neue folgen. Geschrieben wird in wechselnder Folge von zwölf Professoren der Geschichts- und Politikdidaktik sowie vier Mal pro Jahr einem zusätzlich Erwählten. Die ersten Reaktionen auf den vom Oldenbourg-Verlag betriebenen Seiten sind sehr positiv. Technisch fehlt zur regelmäßigen Lektüre zur Zeit noch ein RSS-Feed, dafür wird der Auftritt allerdings von einem Twitter-Account begleitet. Mich persönlich irritiert die für das Web eigentlich untypische Abgrenzung und Abbildung von Hierarchien durch den ausgewählt begrenzten Autorenkreis, aber es bleibt abzuwarten, inwiefern hier tatsächlich aktuell geschrieben und vielleicht sogar diskutiert wird. Das wäre dann auf jeden Fall eine Bereicherung.

Im Vorgriff auf die Konstituierung des neuen Arbeitskreises „Digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik“ auf der kgd-Tagung in Göttingen gibt es auch hier bereits ein Blog und einen Twitter-Account.

Interessant finde ich in dem Zusammenhang folgenden Tweet, der – vermutlich in zustimmender Absicht – weitergegeben wurde:

Weil der Arbeitskreis ja genau das macht: Er schafft eine institutionalisiertes Forum zur Auseinandersetzung mit dem Thema mit jährlichen Workshops. An den Bezeichnungen der neuen Blogs und Initiativen sieht man das schwierige Ringen um Begrifflichkeiten dieses dann doch dieses für die Disziplin thematischen Neulands: Die Analogie zur digitalen Kunstgeschichte, Geschichtswissenschaft oder allgemein den digital humanities wird von der der universitären Didaktik gescheut. Die Diskussion darüber wird sicher spätestens im nächsten Jahr bei dem ersten geplanten Workshop zu den „Medienbegriffe[n] der Geschichtsdidaktik“ neu geführt werden.

Gleichfalls neu am Himmel der Geschichtsblogosphäre hat der Landesverband Rheinland-Pfalz des Geschichtslehrerverbandes seine Internetpräsenz von einer üblichen Webseite in ein Blog bei Hypotheses.org verlagert und damit zugleich rundum erneuert. Soweit ich das sehe, sind die Rheinland-Pfälzer der erste Landesverband der sich damit vom Prinzip der Einbahnverbandskommunikation löst und potentiell für den Online-Dialog mit Mitgliedern, aber auch sonst Interessierten öffnet. Bislang finden sich unter den „Mitteilungen“ genannten Blogeinträgen allerdings nur Übernahmen aus dem Newsletter der Fachberater sowie die Wiedergabe von Pressemitteilungen anderer Institutionen. Nichtsdestotrotz bin ich zuversichtlich: Das kann noch etwas werden mit Diskussion und Vernetzung, wenn dort die ersten verbandseigenen Positionen online gehen und diese dann direkt verlinkt und diskutiert werden können.

Last but not least soll auf das nicht mehr ganz so neue Blog von Christian Bunnenberg hingewiesen werden: geschichte zwopunktnull. Das Blog ist bereits Ende Juli gestartet und begleitet geschichtsdidaktische Hautpseminare an der Universität Duisburg-Essen. Entsprechend finden sich bereits auch einige interessante Beiträge von studentischer Seite besonders zu den Themen Mobiles Lernen und Geocaching im Geschichtsunterricht (z.B. hier).

So viel Neues kann der Geschichtsblogosphäre nur gut tun, ihr neues Leben einhauchen und die Diskussion befördern. Ich wünsche allen neuen Blogs einen guten Start und freue mich auf viele anregende Lektüren!

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6 Gedanken zu „Es tut sich was in Didaktischdigitalien…

  1. Vielen Dank für diese Zusammenfassung – es tut sich in der Tat etwas bei den Geschichtsdidaktikern und das ist wirklich begrüßenswert. Eine Anmerkung: Der zitierte Tweet bezog sich nicht dezidiert auf den Arbeitskreis „Digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik“, sondern eher auf die AG „Digitale Geschichtswissenschaft“ im Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschland eV. und deren Auftakttagung mit dem Hashtag #digigw2013 bzw. auf digitale Projekte allgemein. Die AG ist ebenfalls auf Twitter (@digigw) und wird demnächst auch bloggen. Die Anmeldung bei de.hypotheses liegt schon vor!

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    • Vielen Dank für den Kommentar. Der Zusammenhang des Tweets war mir aufgrund des Hashtags schon klar. Wenn ich das richtig sehe, ist die AG „Digitale Geschichtswissenschaft“ gut ein halbes Jahr weiter als die Geschichtsdidaktik und die Aussage ist in ihrer Allgemeinheit ja auch durchaus übertragbar 😉

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  2. Ok, alles klar. Ja, die Aussage ist symptomatisch für eine derzeit zu beobachtende vielfältige digitale Aktivität insbesondere, aber nicht nur, des Nachwuchses einerseits und der fehlenden Anerkennung durch die Institutionen andererseits. Man kann nur zustimmen, zumal, wenn jemand schnell etwas bewegen möchte.

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  3. Als Autor des Tweet kann ich bestätigen, dass er eine spontane Reaktion auf die #digigw2013 in Braunschweig war, mit der ich natürlich niemanden, der sich in Institutionen mit irgendeiner Form von digitaler Geschichtswissenschaft befasst vor den Kopf stoßen wollte 🙂
    Mein Anliegen war es, deutlich zu machen, dass „Digitale Geschichtswissenschaft“ sehr einfach und kostengünstig zu betreiben ist, und dass man dabei eben nicht auf Institutionen angewiesen ist. Statt die mangelnde Anerkennung durch die Institutionen zu beklagen, kann man diese eben am besten durch gute und erfolgreiche unabhängige Projekte erlangen.

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  4. Lieber Tweetautor, so hatte ich das wohl verstanden. Fühlt sich denn jemand vor den Kopf getreten? 😉 Retweeten kann wohl in der Regel – zumindest bis zum Beweis des Gegenteils – als Form der Zustimmung aufgefasst werden. Ich fand es daher interessant, dass gerade diejenigen, die die Institutionalisierung vorantreiben, einen Tweet weiterleiten, die darauf hinweist, dass das eigentlich auch gut ohne geht… 😉

    Wobei um nicht missverstanden zu werden: Eine gewisse Institutionalisierung z.B. über regelmäßige Workshops, etablierte Austauschplattformen und Anerkennung auch andere Publikationsformen kann vieles doch ganz erheblich vereinfachen.

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  5. Nochmal kurz: ich hatte dazu kommentiert, weil ich zum einen – lustigerweise – genau den gleichen Tweet für einen Blogbeitrag (Interview, noch in Arbeit) verwendet habe, und weil beim Lesen des Textes für mich der Eindruck entstand, der Tweet werde auf den Arbeitskreis bezogen, obwohl er in anderen Zusammenhängen entstanden ist. Ich fühle mich jedenfalls nicht vor den Kopf getwittert, obwohl ich ja auch zur Institutionalisierung gehöre, wenn man so will 😉

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