Auf dem Weg und noch nicht am Ziel…

Lisa Rosa hat vor zehn Tagen einen ebenso beeindruckend offenen wie mutigen Artikel in ihrem Blog veröffentlicht. Wie es sich manchmal so ergibt, hatten wir über das Thema am Rande der #gld13-Tagung gesprochen. Sie hat mich ermutigt, auch über meinen Weg zu schreiben. Eigentlich versuche ich meine Person beim Schreiben zurückzunehmen, weil mir die Inhalte wichtig scheinen und ich die Erfahrungen gerne teilen und diskutieren möchte.

Nachdem ich bei der #ICM13-Konferenz in Marburg angefangen habe, zu erklären, warum ich überhaupt nach anderen Lernformen suche, und nach der ausdrücklichen Ermutigung durch Lisa, möchte ich das hier kurz erzählen. Vielleicht kann die Geschichte, auch wenn sie nicht so tief und schmerzhaft ist wie die von Lisa, dem einen oder der anderen Mut machen.

Wenn ich überlege, wann und warum ich angefangen habe, nach Alternativen zu der im Referendariat erlernten Unterrichtsgestaltung zu suchen, fallen mir wenige Erlebnisse ein, letztendlich eigentlich nur eines, das mir im Rückblick als Schlüsselszene erscheint. Ich wollte schon immer nicht „was mit Medien“, sondern etwas mit Geschichte machen. Das Fremdsprachenstudium war für mich ein interessantes, aber vor allem notwendiges Beiwerk, da mindestens zwei Fächer nötig waren. Lehrer werden wollte ich bis zum Ende des Studiums eigentlich nie. Mir war aber immer klar: Geschichte ist mein Fach. Auch wenn ich als Schüler schon die Erfahrung gemacht hatte, dass mein privates Interesse an Geschichte irgendwie nicht mit dem Unterricht in der Schule zusammenpassen wollte.

Im Referendariat habe ich gelernt und wohl ganz passabel umgesetzt, was vorgegeben und erwartet wurde. Ich fand diesen Unterricht selbst eher langweilig. In meiner Examensarbeit 2003 habe ich ein Online-Projekt via Mail und Chat mit einer litauischen Partnerklasse durchgeführt. Es war schön, das ausprobieren zu dürfen, auch wenn vieles nicht geklappt hat. Interesse hat das Projekt damals auch weder bei meiner Fachleiterin noch bei meinen Mitreferendaren geweckt.

Als Junglehrer habe ich dann nicht zuletzt wegen der hohen Stundenzahl meinen Geschichtsunterricht meistens so geplant, wie ich es gelernt hatte.

Langweilig? Ja, das fand ich meistens. Das Verhalten und die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler bestätigten mir dies.

Unbefriedigend, weil die eigene Begeisterung nicht den Unterricht trägt? Ja, auch das war so, eine Erkenntnis, die ich mit einiger Resignation für mich zu gewinnen schien. Auch aus den Erinnerungen an meine Schulzeit dachte ich, das muss vielleicht so sein. Interesse und Begeisterung für Geschichte funktionieren im Rahmen von Schule eben nicht. Von wenigen Highlights abgesehen schien der Geschichsunterricht ein von den meisten Schülern als ziemlich langweilig empfundenes Fach. Auf das Urteil der Schüler über Unterricht sollte man nicht so viel geben, hatten wir im Referendariat gelernt und bestätigt wurde die Beobachtung durch empirische Untersuchungen, die das Auseinanderklaffen des Interesses an Geschichte und am Unterricht belegen.

Im Rückblick zentral waren dann die letzten fünfeinhalb Jahre. In zwei parallelen Leistungskursen hatte ich ab 2007 vier Schülerinnen zugleich in Französisch und Geschichte. Die armen! 9 Stunden pro Woche denselben Lehrer. Da ergibt sich aus Schülersicht der Vergleich von selbst. Und irgendwann platzte es förmlich aus ihnen heraus: „Französisch ist so toll bei Ihnen. Das macht so viel Spaß! Aber Geschichte… pfff…..“

– „Das liegt nicht an Ihnen, das ist das Fach“ fügten sie schnell hinzu, das sei so zäh und langweilig. Das war ebenso ehrlich wie nett gemeint. Aber ich war wie vor den Kopf gestoßen. Französischunterricht bei mir soll „toll“ sein? Das war der Unterricht, über den ich mir, ehrlich gesagt, nie besonders viel Gedanken gemacht hatte. Es war ja nur mein „zweites“ Fach. Auch im Referendariat hatte ich da schlechtere Noten und nach meinem Eindruck auch die schlechtere Ausbildung. Also war ich davon ausgegangen, da auch ein schlechterer Lehrer zu sein. Ok, der Geschichtsunterricht schien auch mir langweiliger, aber da hatte ich ja schwarz auf weiß bescheinigt bekommen, dass ich das gut und richtig unterrichten kann.

Das mag banal klingen und letztendlich ist es das auch. Aber von heute aus betrachtet war genau das, die in meinen Augen vernichtende Rückmeldung der Lernenden, der Anstoß für mich, etwas zu ändern.

Das fing mit dem Vergleich meines Unterrichts und der Struktur der beiden Fächer an. Der Rest war und ist im wesentlichen Trial and Error. In einigen Vorhaben lagen gute Ansätze, andere sind gescheitert. Viele haben mich, aber auch die Schülerinnen und Schüler, übermäßig Kraft, Zeit und Arbeit gekostet. Aus den Misserfolgen habe ich versucht zu lernen, die guten Projekte versucht zu wiederholen, zu verbessern und die Erfahrungen mit anderen zu teilen. Daraus ist dieses Blog entstanden. Erst in letzter Zeit habe ich angefangen, auch nach Modellen und theoretischer Fundierung der Erfahrungen zu schauen.

Nicht, dass ich heute alle Schülerinnen und Schüler für Geschichte interessieren oder begeistern könnte. Nicht, dass ich behaupten würde, durchweg tollen oder interessanten Unterricht zu machen. Nein, ich suche weiterhin, aber der Geschichtsunterricht ist für die Lernenden, zu denen ich mich nun auch zähle, interessanter geworden. Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler im Unterricht und mit kurzen Evaluation am Ende jedes Halbjahres, zum Teil auch der Eltern, zeigen das und motivieren weiter den eingeschlagenen Weg zu gehen, auch wenn ein Ziel noch nicht absehbar ist. Vielleicht ist aber, auch wenn als Metapher reichlich abgegriffen, auch der Weg das Ziel…

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Ein Gedanke zu „Auf dem Weg und noch nicht am Ziel…

  1. Pingback: Mehr Erfahrungen zum Lehren und zum Lernen für das Lehren | Apanat - Notizen zur Meinungsbildung

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