LdL-Einführung in der Mittelstufe

Die ICM-Konferenz in Marburg letzte Woche hat mich noch einmal darin bestärkt, dass der Flipped Classroom für Schulen eher ein Katalysator und Übergangsmodell zu einer anderen Lernkultur sein kann, die den einzelnen Schüler und die Interaktion mit den Mitschülern ins Zentrum des „Unterrichts“ stellt. Dazu muss man das Rad nicht neu erfinden, Lernen durch Lehren (LdL) ist eine Methode, die genau das leistet.

Nun will ich erstmalig mit einer 8. Klasse LdL ausprobieren. Bislang habe ich ganze Stunden und Unterrichtsreihen nur in der Oberstufe als LdL durchgeführt. Aber bereits beim Erklären des Prinzips und „Ausprobieren“ letztes Jahr, mit jeweils 10-15 Minuten, die am Beginn der Stunde als Wiederholung durch die Schüler selbst gestaltet wurden, kam die Frage auf, ob nicht auch ganze Stunden übernommen werden könnten.

Mittlerweile haben die Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht in Gruppenarbeit u.a. eigenständig Videos erstellt und Kurzvorträge gehalten. Was sie darüber hinaus noch in anderen Fächern an sozialen und methodischen Kompetenzen erworben haben, überschaue ich nicht. Das ist an meiner Schule leider bislang wenig vernetzt.

Nun werden wir zum Beginn der neuzeitlichen Geschichte die komplette Unterrichtsreihe „umdrehen“: Die Schülerinnen und Schüler suchen sich ihr Thema, ausgehend von der Vorgaben des Lehrplans, aus, arbeiten sich in ihr Thema ein, treffen eine Auswahl an relevanten Inhalten für die Unterrichtsstunde und gestalten als Experten diese mit eigener Material- und Methodenauswahl. Die Vorbereitung erfolgt im Unterricht. Meine Aufgabe ist die Betreuung und Beratung der einzelnen Gruppen. Die Absprache der Stundengestaltung habe ich verpflichtend gemacht, damit soll verhindert werden, dass Stunden völlig am Thema vorbeigehen.

Zwischen die Stunden der Schüler sind „Plenums“-Stunden eingefügt, die dazu dienen sollen, die einzelnen Themen miteinander zu vernetzen und mögliche Fragen zu klären. Diese Stunden sind offen angelegt und werden von mir moderiert, wobei auch denkbar ist, die Moderation abzugeben.

Die Stunden werden nicht wie Vorträge oder Referate benotet. Allerdings können wir nicht nur im notenfreien Raum arbeiten, deshalb werde ich mir während der Stunden Notizen zur Mitarbeit des Plenums, also nicht der Schüler als Lehrende, machen – einsehbar und damit möglichst transparent für die Schüler. Am Ende steht zudem auf Grundlage der Schülerstunden ein abschließender Test.

Ob das alles so funktioniert, bin ich gespannt. Die Planung beruht auf den bisherigen Erfahrungen in der Oberstufe. Es ist für mich ein erster Versuch in dieser Form in der Mittelstufe zu arbeiten. Das ernsthafte Interesse und Nachfragen sowie das Verteilen der Themen heute deuten in eine gute Richtung. Ich hoffe, dass sich das in den kommenden Vorbereitungsstunden bestätigt.

Wen die Planung und Anlage der Unterrichtsreihe näher interessiert, der kann gerne einen Blick in den Ablaufplan sowie das Infoblatt werfen, die sich sowohl an die Schüler als auch implizit an die Eltern richten. Konstruktive Kritik ist – wie immer – sehr willkommen. Falls die Planung nicht völlig daneben ist, können die beiden Zettel vielleicht als Anregung oder Vorlage für eigene LdL-Reihen dienen.

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4 Gedanken zu „LdL-Einführung in der Mittelstufe

  1. Vielen Dank für die Bereitstellung der Anleitung, die ich sehr nützlich finde und die sicher für viele die Hemmschwelle senkt, LdL im Unterricht auszuprobieren.
    Ich gebe den SuS als Orientierung noch ein Gerüst zur Stundenplanung mit, das sie in der Regel recht hilfreich finden:
    Einstieg: Einführung, Interesse wecken, an Vorwissen anknüpfen
    (kann zu einer oder mehreren Stundenfragen führen)
    Erarbeitung
    Sammlung / Sicherung der Ergebnisse (Antwort auf die Stundenfrage)
    ggf. Konsolidierung (z.B. HA)
    Damit läuft man natürlich Gefahr, dass das Lernen wieder sehr verschult abläuft. Es hilft aber gerade SuS der Mittelstufe, die unter Umständen recht lang erscheinenden 45 Minuten für alle anderen transparent zu gliedern. Und die SuS setzen das wirklich individuell und methodisch abwechslungsreich um.

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  2. Gute Idee und schöner Plan! Ein Gedanke dazu: Ich würde von der Benotung / Bewertung des Plenums absehen. Gerade die Klassendiskussion hat zum Ziel, dass jeder einfach Ideen äußern kann, die wiederum von der Gruppe aufgegriffen und weiterverarbeitet (relativiert / korrigiert / bestärkt / …) werden können. Wenn die Schüler dabei den Eindruck haben, dass „potenziell alles bewertet“ wird, könnte das kontraproduktiv für die Diskussionen sein. Es soll ja gerade ein Raum geschaffen werden, in dem Fehler erlaubt sein sollen… und ob du deine Schüler davon überzeugen kannst, dass es dabei irrelevant ist, ob der Gedanke richtig oder falsch ist?

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    • Vielen Dank für deinen Kommentar und die Ermutigung. Ich weiß, was du meinst. Ich würde gerne auch auf Noten verzichten, habe mit notenfreien Räumen in den letzten beiden Jahren (auch eine Neuentdeckung für mich) wirklich gute Erfahrungen gemacht, aber genau in dieser Klasse ist das angesichts der vorangehenden Projekte und des allgemeinen Rahmens (Reihe über mehrere Wochen bei einem zweistündigen Fach) kaum mehr möglich, da am Ende auf dem Zeugnis Noten stehen müssen, die ich auch begründen können muss. Allerdings werden nicht einzelne Äußerungen benotet, sondern über den langen Zeitraum die Mitarbeit. Ich hoffe, dass nach anderthalb Jahren ein bisschen klar ist, wie ich als Lehrer ticke und dass es mir gelingt, einen möglichst angstfreien Raum im Unterricht zu schaffen, wo klar ist, dass es vor allem wichtig ist, sich mit seinen Gedanken, Ideen und Fragen einzubringen und man dabei natürlich auch Fehler machen darf….aber die Antwort, ob das wirklich so ist, kennen natürlich letztendlich nur die Schüler.

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  3. Pingback: “Ausprobiert: Lernen durch Lehren” (aus dem Blog von Jörg Krämer) | Jean-Pol Martins Weblog

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