Wieso das mit den Dosen vielleicht doch keine so gute Idee ist…

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Das erste Geocaching-Projekt ist (fast) abgeschlossen. Vier der fünf von den Schülern erstellten Caches stehen nun online (siehe hier) und die ruhigen Ferientage vor Weihnachten bieten sich an, um eine Zwischenbilanz zu ziehen, bevor im Februar das zweite Projekt, dann im 13er Lk, ansteht.

Der Titel sowie die Tatsache, dass auch nach Monaten, das Projekt ist im Unterricht direkt nach den Sommerferien durchgeführt worden, noch nicht alle Caches online stehen, deuten an, dass die Zwischenbilanz zum Geocachen im Geschichtsunterricht nicht übermäßig positiv ausfällt.

Zunächst mal die positiven Aspekte:

Das Projekt ist von den Schülerinnen und Schüler überwiegend positiv aufgenommen und bewertet worden. Das Arbeiten in Projektform, mit Kleingruppen, Archiv- und Bibliotheksbesuch war insgesamt motivierend und ein gelungener Einstieg in den Leistungskurs Geschichte. Das medial gestützte Lernen an historischen Orten und das selbstständige Erstellen von Produkten für eine größere Öffentlichkeit sind gleichfalls positive Aspekte.

Die Probleme ergeben sich auf organisatorischer Ebene und betreffen speziell das Prinzip Geocaching:

– Ursprünglich geplant war die Veröffentlichung der Caches auf Geocaching.com, die Plattform ist zwar kommerziell, hat aber die bei weitem größte Reichweite. Opencaching war zugegebenermaßen nur eine Ausweichlösung. Es ist aber bezeichnend, dass auf Opencaching auch nach über einer Woche die ersten Caches der Reihe gerade ein einziges Mal gesucht wurden. Das sähe auf Geocaching.com anders aus. Für Geschichtsprojekte dürfte das Publizieren auf der Geocaching-Plattform die Ausnahme bleiben, weil zumindest die Innenstädte und auch sonst interessante Orte bereits voll sind: Bei Geocaching.com gilt eine Abstandsregel von mindestens 161 Metern zur nächsten Dose, deren Einhaltung auch streng überwacht wird.

Wer im Schulbereich trotzdem mit Geocaching arbeiten will, kann natürlich auch auf das Publizieren verzichten und die Caches auf einer eigener Plattform, z.B. einem Blog, online stellen oder auch nur Papierversionen anfertigen. Die Grundidee bleibt erhalten, nur erstellt man eben keine Produkte für eine größere Öffentlichkeit.

– Die Dosen für die Caches müssen gekauft werden, was keinen großen, aber immerhin einen gewissen finanziellen Aufwand bedeutet. Zwei der fünf in unserem Projekt versteckten Dosen sind vor Veröffentlichung schon verschwunden, mussten nachgekauft und neu versteckt werden. Damit ist ein weiterer Punkt angesprochen: Die Dosen müssen gepflegt und gewartet werden. Verschwinden sie, müssen sie nachgelegt werden. Werden die Logbücher nass oder sind sie voll, müssen sie ausgetauscht werden. Das heißt, jedes Geocaching-Projekt zieht einen je nach Anzahl der Dosen nicht unerheblichen langfristigen Arbeitsaufwand nach sich. Es ist zu klären, wer dies über Monate oder Jahre hinweg leisten kann und will.

– Die erstellten Rätsel für die Caches fokussieren sehr stark Detail- und Faktenwissen. Das zeigte sich auch bei der Vorbereitung der Klausur, in der ein Teil den Inhalten des Projekts gewidmet war. Die Schülerinnen und Schüler hatten mit dem Erstellen ihrer Caches einige Detailinformationen erworben, aber keinen Überblick über das Thema. Ähnliches gilt für den Einsatz der veröffentlichten Caches in anderen Lerngruppen: Die Caches können ein schöner motivierender Einstieg oder Abschluss des Themas sein, sie bieten aber nicht die Möglichkeit das historische Thema zu arbeiten und zu erschließen.

– Einige der von den Schülerinnen und Schüler erstellten Cache-Rätsel sind sehr gelungen und schön. Die Cache-Verstecke sind eher einfach und – für erfahrene Cacher – wohl eher langweilig. Das ist aber auch nicht anders zu erwarten. Zum Auswählen und Kreieren guter Verstecke gehört eine gewisse Erfahrung, die keiner der Lernenden in dem Projekt hatte. Für fast alle war Geocachen etwas Neues. Dem Geocachen mehr Zeit und Raum zu widmen ist keine realistische Alternative: Der Schwerpunkt des Unterrichts muss auf fachlichen Inhalten und Methoden liegen. Auch in dieser Hinsicht ist Geocachen vergleichweise zu komplex, da grundlegend gelten muss:

Solange ein erheblicher Teil der kognitiven Kapazität durch die Bedienung der Programme absorbiert wird, bleibt der didaktische Nutzen der Computer ambivalent: Zwar wird das Lernziel ‘Mit den neuen Medien umgehen’ erreicht, aber bei den Fachzielen müssen teilweise noch Abstriche hingenommen werden. Erst wenn sich die Alternative ‘Bedienkompetenz’ versus ‘historische Kompetenz’ nicht mehr stellt, wird der Computer ein selbstverständlicher Bestandteil für guten Geschichtsunterricht werden. (siehe hier)

Die spezifischen (Spiel-) Regeln und Bedingungen des Geocachings nehmen nach diesen ersten Erfahrungen meines Erachtens zu viel Raum ein und erfordern zu viel Aufmerksamkeit.

– Selbst wenn man nun idealerweise schöne von Schülern ertellte Caches auf Geocaching.com publiziert, folgt daraus, dass das Thema und die Orte belegt sind und damit eine Wiederholung der Unterrichtsreihe mit einer der nachfolgenden Jahrgangsstufen nicht mehr möglich ist. Aufwand, Durchführung und mangelnde Wiederholbarkeit scheinen mir in keinem sinnvollen Verhältnis zu stehen. Insofern werden Geocaching-Projekte die Ausnahme bleiben und nicht zu einem festen Bestandteil des Geschichtsunterrichts werden. Als (außergewöhnliche) Unterrichts- oder oder auch außerschulische Projekte stellt Geocaching jedoch eine bereichernde methodische Abwechslung dar.

Auch wenn mir Geocaching im regulären Unterricht aus den genannten Gründen wenig praktikabel erscheint, denke ich, dass mobiles historisches Lernen, also das Lernen an (historischen) Orten mit mobilen digitalen Geräten nichtsdestotrotz sehr zukunftsträchtig ist und sich hier neue erweiterterte Möglichkeiten für den Geschichtsunterricht eröffnen.

Alternativen zum Geoaching bieten Apps, mit denen sich virtuelle Stadtrundgänge oder -rallyes, Forschungsaufträge und Rätsel anlegen lassen. In diesem Bereich tut sich gerade sehr viel. Interessant sind Projekte, deren Produkte kosten- und möglichst werbefrei verfügfbar sind und in denen keine Programmiertkenntnisse notwendig sind, sondern eine einfache Bedienoberfläche, das Eingeben und Verorten von Inhalten in Form von Texten, Bildern, Audio- oder Videodateien ermöglicht. Beispielhaft zu nennen sind hier die (leider noch nicht zur eigenen Bearbeitung freigeschaltete) mehrfach ausgezeichnete Kaiserdom-App oder der Geo Quest Editor von Questor.

Die Vorlagen der Apps sind noch ausbaufähig, so ist es zur Zeit bei Questor (noch?) nicht möglich Fotos oder Audiodateien zu verwenden. Vorteile dieser mobilen Apps sind, dass keine Gegenstände versteckt und gewartet werden müssen, die einfache Bedienung, die Weitergabe und Nutzung der erstellten Produkte und die Möglichkeit zur Wiederholung der Projekte.

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Ein Gedanke zu „Wieso das mit den Dosen vielleicht doch keine so gute Idee ist…

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