Der „Flipped Classroom“ als Übergangsmodell?

Unter dem Titel des Beitrags gibt es drüben bei Christian Spannagel eine interesssante Diskussion. Ich habe dort gerade kommentiert und veröffentliche den Kommentar hier – leicht verändert – noch einmal:

Wenn man sich neuere Blogbeiträge aus den USA zum „flipped classroom“ (siehe z.B. hier) oder auch das Buch von Bergmann/Sams anschaut, dann wird dort eigentlich genau das beschrieben: der Flipped Classroom als “Übergangsmodell” zu anderen Formen von Lehre und Unterricht.

Unter dem Begriff des “flipped classroom” finden sich in der Praxis mittlerweile völlig unterschiedliche Arte gemeinsame Lernzeit zu gestalten. Wobei ich zwei unterschiedliche Ebenen sehe:

a) eine stark verkürzte Rezeption, vor allem in den Medien, aber auch bei vielen Kollegen, die die Videos fokussieren;

b) die Praktiker, die das Modell ausprobieren und es in ihrem Unterricht selbstständig weiterentwickeln.

Auch wenn der Ausgangspunkt das Vertauschen von “Unterrichts-” mit “Hausaufgabenaktivitäten” und das Lernen mit Videos war, ist dies gar nicht mehr der kleinste gemeinsame Nenner des Modells in der Praxis. Was allen Praxisbeschreibungen, soweit ich das überblicke, hingegen gemeinsam ist, ist die Aktivierung der Lernenden, die zunehmend individuell, kollaborativ und eigenverantwortlich ihre Lernprozesse organisieren. Damit verbunden natürlich eine gewandelte Rolle des Lehrers/Dozenten.

Welche Rolle spielt dann noch der eigentliche Ausgangspunkt des “flipped classrooms”?

Er ist Auslöser und Katalysator für weitergehende Veränderungen, regt an über grundlegende Fragen der Unterrichts- und Lernzeitgestaltung, der Rolle von Lehrkraft und Lernenden grundsätzlich nachzudenken und kann dadurch zu einer veränderten Haltung und Einstellung zur eigenen Rolle als „Lehrkraft“ (?) sowie zu Lernen und Unterricht führen. Das ursprüngliche Flipped Classroom-Modell bietet, genau Christian schreibt, einen guten Einstiegspunkt in solche Veränderungen für alle, die bisher stark lehrer- und inputzentriert arbeiten.

Ich habe meinen Unterricht nicht in Klassen umgestellt, aber da wo ich mit dem “flipped classroom” experimentiert habe, bin ich letztendlich bei Formen von Portfolio-Arbeit, LdL und Projektlernen gelandet – ganz ohne Videos, aber mit hoher Aktivierung und Verantwortlichkeit der Lernenden für Auswahl und Gestaltung von Lernprozessen und -inhalten.

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4 Gedanken zu „Der „Flipped Classroom“ als Übergangsmodell?

  1. Volle Zustimmung! Das heißt dann aber doch, wenn ich Dich richtig verstehe, dass der Flipped Classroom letztendlich auch im Projektlernen erhalten bleibt, da ja dann die hinterlegten Inhalte ebenfalls Grundlage für die Lernprozesse, die während der Unterrichtszeit stattfinden, sind oder sein können.

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    • Kann, aber nicht muss. Auch die Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben muss hinterfragt werden. Ich sehe da bei meiner Fächerkombination zwischen den Fremdsprachen und Geschichte z.B. große Unterschiede. In Projekte verzichte ich auf das „Stellen“ von Hausaufgaben, sondern bemühe mich altersadäquat einen Rahmen zu schaffen, in dem die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeits- und Lernprozesse selbst organisieren. Dazu kann dann z.B. auch die (selbst organisierte) Recherche in der Stadtbibliothek als „Hausaufgabe“ außerhalb der Unterrichtszeit gehören.

      Und ja, die selbst erstellen Lernvideos sowie andere von mir ausgewählte und verlinkte Videos sind von den Schüler sehr gut angenommen worden und bilden eine gute Materialergänzungen für das Arbeiten egal in welcher Form oder mit welcher Methode.

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      • Ja, das mache ich auch so: Im Projektlernen wird der Arbeitsprozess begleitet und es gibt keine oder nur wenig explizite Hausaufgaben. Das ist für mich ein bisschen vergleichbar mit Wochenplanarbeit: Bestimmte Aufgaben sind Pflicht, allerdings i.d.R. nicht zur nächsten Unterrichtsstunde; ein anderer Teil ist quasi Wahlpflicht, weil er notwendig ist, um das Projektergebnis / Produkt zu erstellen.

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  2. Pingback: Replik auf “Flipped Classroom nur ein Übergangsmodell?” von C. Spannagel | Neues von der Sandbank

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