#flipclass – mehr als Videos

Wie im vorangehenden Beitrag zum Flipped Class-Buch beschrieben, funktioniert das Konzept vor allem als Katalysator für das Nachdenken über den Unterricht selbst und kann daraus folgend zu Veränderungen erlernter, eingefahrener Unterrichtsroutinen führen.

Eine der häufigsten Fragen bei der Einführung des Flipped Classrooms ist die nach den Aktivitäten in der Unterrichtszeit:

„My biggest concern is finding meaningful and interesting activities for students to do during class time if they are getting the information at home.“ (Zitat siehe hier)

Das gilt auch für den Geschichtsunterricht. Wenn wir die inhaltliche Erarbeitung von Stunden, in denen wir sonst Verfassertexte im Schulbuch lesen lassen und „gemeinsam“, ein von uns als Lehrkraft zuhause entworfenes Tafelbild „entwickeln“, in die Hausarbeit verlagern, was machen wir dann im Unterricht?

Hier liegt eine Chances des Ansatzes: Plötzlich ist nämlich Zeit da für die Dinge, die oft am Ende einer Stunde nur angerissen oder ganz in die Hausaufgaben verlagert werden, wo Schüler dann nicht selten überfordert sind. Nach Aussagen vieler Kollegen fühlen sie sich durch die „Stofffülle“ des Fachs in Verbindung mit einer geringen Wochenstundenzahl regelrecht „gehetzt“ und haben „keine Zeit“ für „schönen Unterricht“. Der Flipped Classroom bietet ein flexibles und einfaches Modell, den eigenen Unterricht innerhalb der bestehenden Lehrplanvorgaben und der aktuellen Bedingungen von Schule anders zu strukturieren.

Für welche (Lern-) Aktivitäten bietet das Flipped-Modell im Geschichtsunterricht mehr Zeit und Raum? Zu nennen wären z.B.:

– Erstellen von eigenen Narrationen als Lernprodukte: Essays, journalistische Artikel, Geschichtszeitungen, Tagebucheinträge, Briefe, Blogs, Podcasts, Videos usw.

– vertiefende Analyse und Vergleich von Quellen, Darstellungen und vor allem Zeugnissen der aktuellen Geschichtskultur, gleichfalls in verschiedenen medialen Formen und mit Hilfe unterschiedlichster Methoden

– Diskussionen: von aktuellen Themen, aber auch klassischen Fragen des problemorientierten Unterrichts, in verschiedenen methodischen Formen (Pro-Contra, Podiumsdiskussion, Fishbowl etc.)

Wenn Narrativität von der Geschichtsdidaktik als zentral erachtet wird und die Re- sowie De-Konstruktion von Narrationen im Zentrum des Geschichtsunterrichts stehen soll, dann bietet der Flipped Classroom ein mögliches Modell für eine anspruchsvolle kompetenzorientierte Unterrichtsgestaltung.

Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann sich mit Hilfe des Flipped Classrooms-Modells auch vom gleichmäßigen Fortschreiten der Lerngruppe lösen und den Unterricht individualisieren, in dem für einzelne Einheiten Ziele (Inhalte und Kompetenzen) vorgegeben, den Schülerinnen und Schüler verschiedene Materialien (Texte, Videos etc.) zur Verfügung gestellt und eine (ggf. benotete) Form der Evaluation vereinbart. Letztere kann variieren von einem Test für alle über unterschiedliche Lernprodukte oder nur ein mündliches Gespräch mit der Lehrkräft.

Die Arbeit erfolgt dann individuell und in wechselnden Kleingruppen zur gegenseitigen Unterstützung. Die Lehrkraft wird zum Lernberater und kann den Lernenden dort und dann helfen, wo sie Probleme haben.

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