Shoah-Überlebender erzählt seine Geschichte über Twitter

Boruch Szlezinger wurde 1925 geboren. Er hat den Holocaust überlebt und sich vor acht Tagen einen Twitter-Account zugelegt (@BSzlezinger). Er lebt in Frankreich und schreibt auf Französisch. Eigentlich schreibt er nicht selbst: Laut dem ersten Tweet vom 21. März hat sein Enkel für ihn das Konto angelegt hat und schreibt für ihn. Szlezinger möchte seine Geschichte erzählen und den Zugang zur Erinnnerung vereinfachen („Compte créé dans le but de faciliter la transmission de la mémoire de la Shoah.“). In der Twitter-Bio ist nur ein Artikel zur englischen Wikipedia verlinkt, der dort jedoch wegen mangelnder Relevanz gelöscht wurde (siehe die Diskussion hier). Ebenso in der französischen Version.

via Lyonel Kaufmann

Aus den Fehlern der Weimarer Verfassung gelernt?

„Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben schließlich aus den Fehlern von Weimar gelernt.“ (Planet Wissen, Geschichte der Verfassung in Deutschland) Damit ist ein mittlerweile klassisches Lernziel des deutschen Geschichtsunterrichts formuliert. Im Vergleich der Verfassungen sollen die Schülerinnen und Schüler erarbeiten, wie weise die Verfasser das Grundgesetz angelegt haben. Das deutsche Grundgesetz erscheint im Unterricht  quasi als  Endpunkt der Entwicklung, als Krone der Verfassungsschöpfungen. Überspitzt formuliert. Dass das problematisch ist, zeigt schon ein Blick in Länder wie Frankreich oder die USA, deren Verfassungen zeigen, dass ein starker Präsident nicht zwingend gegen eine funktionierende Demokratie spricht, sondern dass das Argument nur im spezifischen Kontext der Weimarer Republik valabel ist.

Hinzu kommt: Gemäß des zweiten Punkts des Beutelsbacher Konsenses muss, was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, auch im Unterricht kontrovers erscheinen. Natürlich haben die die „Mütter und Väter des Grundgesetzes“ versucht, Lehren aus der Weimarer Verfassung zu ziehen. Das zu verstehen und aufzeigen zu können, ist ein Punkt. Zumindest müsste allerdings eine Differenzierung zwischen den von den Verfassern des Grundgesetzes als Probleme erkannten Ursachen und dem heutigen Forschungsstand differenziert werden, z.B. in Bezug auf die „Zersplitterung“ des Parteiensystems.

Das leisten schon die meisten Schulgeschichtsbücher nicht. Eigentlich müsste der Unterricht aber auch noch darüber hinausgehen, zumindest in der Oberstufe am Gymnasium, weil es genau einige dieser „Lehren“ sind, die heute diskutiert und in Frage gestellt werden. Zu nennen wäre hier u.a. die 5%-Hürde oder die Diskussion über Formen der direkten Demokratie.

Die Gegenwartsbezüge liegen auf der Hand. Daher darf der Unterricht nicht bei der Frage nach den Lehren des Grundgesetzes aus der Weimarer Republik stehenbleiben, sondern muss heute mit den Lernenden diskutieren, ob nach über 60 Jahren noch dieselben Grundsätze gelten, an denen sich die Verfasser orientiert haben oder eine Revision sinnvoll sein könnte. Das versetzt die Lernenden erst in die Lage die aktuelle politische Lage zu analysieren und ihre Interessen zu artikulieren (Beutelsbacher Konsens Punkt 3), statt nur einen auswendig gelernten Vergleich ohne Bezug zu ihrer Lebenswirklichkeit zitieren zu können.

Musikrätsel vor den Ferien

Eine Idee zu einer kleinen Aktitivtät für zwischendurch, eine Vertretungsstunde oder die letzten Minuten vor den Ferien:

Gebraucht werden mindestens 20 Minuten Zeit, Musik und ein entsprechendes Abspielgerät.

Einzelne historische Lieder werden angespielt. Sobald ein Schüler „Stopp“ ruft, wird die Wiedergabe angehalten. Geraten werden soll das Veröffentlichungsdatum des Liedes. Bei der genauen Jahreszahl gibt es 5 Punkte, bei einem Jahr mehr oder weniger noch 3, im Rahmen von bis zu 5 Jahren 1 Punkt. Liegt der Vorschlag ganz daneben, wird ein Punkt abgezogen. Dann wird das Lied weiter abgespielt, bis jemand so nah dran liegt, dass er mindestens einen Punkt erzielt. Letzteres verhindert, dass durcheinander reingerufen wird und einfach Jahreszahlen runtergerattert werden.

Um die Lieder einzuordnen, muss sehr genau zugehört werden, zum einen auf die Musik und die Aufnahmequalität, zum anderen und vor allem auf den Text. Entsprechend sollten die Lieder auch ausgewählt werden. Wie bei dem Beispiel des „Trizonesien“-Songs: Hier lässt sich die Entstehungszeit zwischen Ende des 2. Weltkriegs und Gründung der BRD gut eingrenzen. Das macht durch den Spiel-/Wettbewerbscharakter Spaß. Entscheidend für das historische Lernen ist die argumentative Begründung zur Einordnung des jeweiligen Liedes. Wer nicht auf Youtube oder ähnliche Webangebote zurückgreifen und selbst Lieder zusammensuchen möchte, findet mehrere gute Zusammenstellungen, z.B. in den

Protestsongs bei der BpB (2. Hälfte 20. Jahrhundert, Schwerpunkt: 70er-90er Jahre)

– in der CD-Beilage zu Praxis Geschichte Heft 5 (2004): Hi(t)story (Heft allerdings vergriffen)

– 4 CD-Boxen mit 12 CDs „Dass nichts bleibt, wie es war“ 150 Jahre Arbeiter- und Freiheitslieder (von 1844-1990, Rezension in der Zeit)

Hilfreich und sehenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Seite Historisch-Kritisches Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs.

Newsletter zum Geschichtsunterricht

Als regionaler Fachberater gebe ich seit letztem Jahr einen monatlichen Newsletter heraus. Gerade ist die 3. Ausgabe für 2012 erschienen. Das PDF-Dokument kann hier heruntergeladen werden. Einige Hinweise beziehen sich auf den Schulaufsichtsbezirk Koblenz, andere sind von allgemeinem Interesse. Die bisherigen Ausgaben des Newsletters können auf der Fachberaterseite heruntergeladen werden. Über das Kontaktformular dort lässt sich der Newsletter der Fachberatung auch abonnieren.

Infoshops zum Geschichtsunterricht auf der iMedia 2012

Die iMedia findet am Dienstag, 22.05.2012, am Gymnasium Theresianum in Mainz statt. Sie die zentrale Veranstaltung des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz zum Lernen mit Medien. Es gibt bei dem großen Angebot auch einige Infoshops speziell zum Geschichtsunterricht, für die allein sich schon die Reise nach Mainz lohnt:

  • Digitale Karten und mobiles Lernen
  • Das Römer-Experiment
  • segu- Selbstgesteuert-entwickelnder Geschichtsunterricht
  • Tele-Visionen – Deutsche Fernsehgeschichte interaktiv

Die Anmeldung erfolgt über TIS-Online. Die Veranstaltungs-Nummer lautet 212820101.

¡Viva la Pepa! Zum 200. Geburtstag der ersten spanischen Verfassung

Heute,  am 19. März, feiert Spanien den Bicentenario der ersten Verfassung. Der ungewöhnliche Spitzname der Verfassung stammt vom Heiligen dieses Tages, dem heiligen Joseph, auf Spanisch „José“ bzw. in der Koseform „Pepe“.  Der spanische Begriff für Verfassung „constitución“ ist weiblich, daher dann „La Pepa“.

Auf Deutsch wird die Verfassung auch nach dem Ort, an dem sie erarbeitet wurde, als Verfassung von Cádiz bezeichnet. In nicht französisch besetztem Cádiz tagten die Cortes. Zu den Inhalten und zum historischen Hintergund ist der entsprechende Wikipedia-Artikel hilfreich.

In Deutschland ist die Verfassung weniger bekannt. Der schulische Geschichtsunterricht beschränkt sich in der Regel auf einen Hinweis des spanischen Widerstands gegen die napoleonische Herrschaft. Die Berücksichtigung der spanischen Verfassung wäre in einer europäischen Perspektive allerdings durchaus interessant, könnte dies doch helfen, das Bild von einem politisch und wirtschaftlich rückständigen Spanien zu korrigieren und die Entwicklung von Liberalismus und Nationalismus über die Entwicklung in Frankreich und Deutschland hinaus vergleichend zu betrachten. Für die spanische Verfassungs-, Demokratiegeschichte sowie Nations- und Nationalstaatsbildung ist die Pepa absolut zentral.

Entsprechend wurde im spanischen Fernsehen dem Thema gestern schon viel Aufmerksamkeit geschenkt (siehe z.B. hier). Dabei wurde in einer Dokumentation auf dem Fernsehsender 24h dann behauptet die „Pepa“ sei weltweit (nach den USA und Frankreich) die dritte moderne Verfassung; modern in dem Sinne, dass sie geschrieben ist und auf der Idee der Volkssouveränität basiert.

So bedeutend die Verfassung für die spanische Geschichte und das Selbstverständnis der spanischen Republikaner und Demokraten ist, so baut sie doch auf einigen Verfassung in anderen Ländern auf, die ihr zeitlich vorausgehen. Da dies auch in vielen Geschichtsschulbüchern nicht korrekt dargestellt wird, hier eine kleine Auflistung der ersten vier modernen Verfassungen:

1755 Korsika

1787 USA

1791 Polen (3. Mai)

1791 Frankreich (3. September)

 

Constitución Cádiz 1812

Schülerarbeit: Gedenkorte in Koblenz

In Ergänzung zu ihrer Facharbeit bei einer Kollegin hat eine Schülerin alle Stolpersteine sowie weitere Gedenkorte in der Stadt Koblenz auf einer Karte bei Google Maps eingetragen. Ein schönes und einfaches Beispiel dafür, wie auch Lernende  selbstständig digitale Karten nutzen können. Vielleicht geht ja auch der lokale Verein Mahnmal Koblenz hin und bindet die Karte auf seiner Seite ein. Das wäre eine gute Ergänzung zur reinen Auflistung, die bislang auf der Seite steht. Ergänzend ließen sich auf der Karte noch direkte Links zu den Biographien setzen, die sich auf der Seite des Verein befinden.