CfA Themenheft „Mediengeschichte“ bei Geschichte lernen

In der aktuellen Ausgabe von Geschichte lernen findet sich ein Einladung zur Mitarbeit für ein Heft zur Mediengeschichte. Schwerpunkt soll das 19. und 20. Jahrhundert sein. Zur Zeit ist die Heftbeschreibung nur in der Printausgabe zu lesen, wird aber sicher in den nächsten Tagen auch auf die Webseite der Zeitschrift gestellt.

Mediengeschichte kommt nach meiner Erfahrung im Unterricht kaum, allenfalls schlagschlichtartig vor. Vermutlich  wird die Erfindung des Buchdrucks angesprochen und zusammen mit einer Reihe weiterer „Erfindungen“ als Aufzählung von Daten aufgeführt und auswendig gelernt. Der rasante Wandel und die Bedeutung von Telegraf, Telefon, Radio, Film, Fernsehen gerät kaum in den Blick, eventuell noch die Entstehung der „neuen“ Massenmedien in der Weimarer Republik und ihre Verwendung durch die Nationalsozialisten besprochen.

Auch hier im Blog findet sich zur Mediengeschichte bislang nicht viel. Publizierte Materialsammlungen und Unterrichtsentwürfe zu dem Bereich sind mir auch nicht bekannt (Hinweise sind immer willkommen). Das Heft könnte helfen die Lücke ein wenig zu schließen. Mehr Mediengeschichte im Unterricht, also ein Lernen über Medien aus historischer Perspektive macht Sinn: Die Einordnung und Erklärungen der „neuen“, hier im Sinne von aktuell digitalen, Medien erfolgt stark geschichtsbezogen. Die Vergleiche und Diskurse im Geschichtsunterricht aufzugreifen, auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, ist originär historisches Lernen mit starkem Gegenwarts- und Lebensweltbezug.

Publizierte Vorschläge helfen solche Themen in den Unterricht zu tragen. Anknüpfungspunkte an die Lehrpläne gibt es viele,, so dass es sich nicht um zusätzlichen „Stoff“ geht, das funktioniert als Forderung für den Geschichtsunterricht schon lange nicht mehr, sondern um exemplarisches Lernen: Die Nutzung und Bedeutung einzelner Medien ist jeweils eng gebunden an die konkreten historischen, gesellschaftlichen Bedingungen. Anders formuliert: Der Bedeutung  z.B. des Buchdrucks liegt in seiner gesellschaftlichen Nutzung und nicht in der technischen Erfindung (bekannte Beispiele sind China und Korea mit viel älteren Erfindungen von Druckverfahren). In Schulbüchern und Unterricht wird in der Regel die Erfindung thematisiert, aber nicht die Nutzung, Verbreitung und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen.

Die Auseinandersetzung mit früheren Diskursen über die jeweils „neuen“ Medien ihrer Zeit, vor allem der Geschichte der Medienkritik, von Platons Kritik am Geschriebenen bis zur Comic-Schmutz- und Schundkampagne der 1950er Jahre (PDF), kann helfen, die heutigen Diskussionen und Argumente historisch einzuordnen und den immer wieder, gerade auch in Lehrerzimmern, zu hörenden Aufschrei mit der Warnung vor dem Untergang des Abendlandes durch den befürchteten Verlust grundlegender Kulturtechniken in seiner geschichtlichen Wiederholung am jeweils neuen Medium gelassen zur Kenntnis zu nehmen.

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Ein Gedanke zu „CfA Themenheft „Mediengeschichte“ bei Geschichte lernen

  1. Nach deinem letzten Abschnitt zu urteilen, ist Unterricht in Mediengeschichte dann vor allem den Lehrern und Bildungsbeamten zu verabreichen – denn die Schüler tun ja diesen warnenden „Aufschrei“ eher nicht 😉

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