Nun auch facebook…

Nun gehöre ich zu der wachsenden Zahl von Lehrern, die facebook in der Schule nutzen. Ich muss sagen, dass ich das bisher vermieden habe und facebook (zugegebenermaßen irgendwie undefiniert und durchaus widersprüchlich) kritisch sehe. Einen eigenen Account habe ich trotzdem seit einer Weile. Nach einigen Erfahrungsberichten von Kollegen sowohl mündlich als auch beim Open Course 2011, die sicherlich eine gewisse Öffnung bei mir bewirkt haben, hat sich der erste Einsatz von facebook in der letzten Woche quasi ergeben.

In den letzten Jahren habe ich viel mit verschiedenen Lernplattformen gearbeitet und experimentiert. In einerm Kurs, wo ich bisher keine Lernplattform eingesetzt habe, ergab sich das Problem, dass ich  anfing,  Hinweise auf interessante  den Unterricht ergänzenden Angebote im Internet, als Link an die Tafel zu schreiben. Was für ein Quatsch! Es stellte sich heraus, dass die Schüler alle bereits facebook nutzten und ich dann angeboten habe, dort eine Gruppe für den Kurs einzurichten, in dem ich Hinweise posten kann, aber ebenso die Schüler, die natürlich die Gruppe auch nutzen können, um mit Bezug zum Unterricht zu diskutieren, Nachfragen zu stellen, sich gegenseitig zu helfen usw.

Vorteil der Gruppe ist, dass man als Administrator in einer geschlossenen Gruppe bestimmt, wer Mitglied wird und mit den Mitgliedern auch nicht befreundet sein muss, so dass weder die Schüler mein facebook-Profil oder meine  privaten Postings sehen können noch ich ihre. Nach den Erfahrungen mit den Lernplattformen war ich positiv überrascht, wie schnell die Schüler diesGruppe angenommen haben. Während es bei den Lernplattformen immer großer Mühe ; Nachfragen und einer langen Zeit bedurfte (da an den jeweiligen Schulen noch nicht institutionalisiert), die Schüler alle anzumelden und dann zur einer möglichst aktiven Nutzung zu bewegen, waren 16 von 21 Schülern innerhalb von einem Nachmittag in der facebook-Gruppe freiwillig angemeldet (weil nur Zusatzangebot zum Unterricht für Links und Videos und nicht im Unterricht selbst genutzt). Und ebenso positiv überraschend innerhalb der ersten Tage hat rund die Hälfte der Schüler außerhalb des Unterrichts bereits etwas selbst an Inhalten eingestellt oder die von mir eingestellten Inhalte kommentiert.

Eine vergleichbare freiwillige Beteiligung habe ich in allen bisher genutzen Plattformen noch nicht erlebt. Nichtsdestotroz: Ich sehe den Einsatz von facebook in der Schule weiterhin sehr kritisch und denke nicht, dass facebook-Gruppen im verpflichtenden System Schule eine gute Lösung sind, aber es scheint irgendwie etwas dran zu sein an der Idee, Angebote da zu machen, wo Schüler schon sind…

Advertisements

3 Gedanken zu „Nun auch facebook…

  1. Hinweis bei Schulen ans Netz: Zuckerberg will Facebook für Kinder öffnen. Bisher liegt das Mindestalter ja bei 13 Jahren. Zur Begründung: „Zuckerberg sieht Facebook als Bildungsplattform, zu der bereits Kindern der Zugang ermöglicht werden müsse, denn die Erziehung beginne optimalerweise „in einem wirklich, wirklich jungen Alter“. In Zukunft werde zunehmend vernetzt gelernt, beispielsweise könnten sich Schüler online gegenseitig zum Lernen motivieren.“ Der ganze Artikel findet sich als aktuelle Meldung bei heise online.

    Gefällt mir

  2. Facebook sammelt bekanntermaßen die Daten seiner Nutzer. Werden nicht alle Informationen in gleicher Qualität über einen anderen Kanal angeboten, sind die Schüler zur Vermeidung von Nachteilen gezwungen, dieses System zu verwenden und ihre Daten preiszugeben. Schulische Angebote dürfen also nicht die Verwendung dieses Systems voraussetzen. Ende der Story – alles andere ist Rechtsbruch, auch wenn es nicht geahndet wird.
    Überspitzt formuliert: Da alle Schüler den ortsbekannten Dealer aufsuchen, ist es pädagogisch wohl das Wirksamste, die Hausaufgaben jeweils an eine Packung Heroin zu tackern.

    Gefällt mir

  3. Ich habe die gleichen Erfahrungen wie Herr Bernsen gemacht.

    Ich würde aber immer dafür plädieren, facebook als ergänzendes, aber nicht komplementäres Angebot zu der eingesetzten Lernplattform zu nutzen. Facebook erreicht die Schülerinnen und Schüler unmittelbar und direkt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Informationen innerhalb von Minuten von allen SuS registriert wurden.
    Die von Herrn Löhnertz angebrachte Kritik lässt sich leicht entkräften, wenn facebook lediglich als Bindeglied zwischen Schülerwelt und Lernplattform gesehen wird. Facebook kann genutzt werden, indem auf neue Inhalte der Lernplattform hingewiesen wird und nur in der Facebook Gruppe gepostete Links, Kommentare etc. werden in das Forum der Lernplattform übernommen. Die bereitgestellten Infos dürfen nicht auf das facebook-Monopol beschränkt sein!

    Facebook bietet die große Chance, die SuS im Alltag mit bildungsrelevanten Themen in Berührung zu bringen. Hier kann Medienkompetenz durch die Erkenntnis, dass ein Soziales Netzwerk eben nicht nur voyeuristischen Zwecken dient, ausgebaut werden.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass uns facebook Chancen bietet, die wir für die Ausbildung des Geschichtsbewusstseins nutzen sollten und wir gleichzeitig die erzieherische Pflicht haben, die SuS bei der Entwicklung ihrer Medienkompetenz nicht alleine zu lassen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s