Schulgeschichtsbücher in der Welt

In der Welt Online vom 30.04. findet sich ein sehr kritischer Artikel zu Schulgeschichtsbüchern mit dem Titel „Wer war das nochmal? Schulbücher werden üblicherweise nicht rezensiert. Dabei haben sie Kritik bitter nötig. Eine Probe aufs Exempel“. Der Autor kritisiert vor allem den Bildungsföderalismus, die in den Büchern gestellten, oft suggestiven Aufgabenstellungen (wo er Recht hat!) und quer durch den Salat inhaltlich verzerrende oder falsche Darstellungen, um abschließend zu dem Fazit zu kommen: „In der Regel lernen Kinder nicht in, sondern trotz der Schule.“

So ein Quatsch! Der ganzen Kritik liegt u.a. die Gleichsetzung von Schulbuch und Unterricht und damit der Fehlannahme zugrunde, dass wir (Geschichts-) Lehrer zu doof seien, inhaltliche Fehler von Schulbüchern nicht ebenso wie der Autor erkennen zu können und Aufbau und Aufgaben der Bücher eins zu eins im Unterricht zu übernehmen. Auch an anderen Stellen verkürzt der Autor unzulässig oder hat schlecht recherchiert. Wer das nachlesen mag, sei auf den aktuellen Beitrag auf edumeres.net hingewiesen, über den ich erst auf den Welt-Artikel aufmerksam geworden bin. Die Lektüre allerdings hätte ich mir auch sparen können.

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2 Gedanken zu „Schulgeschichtsbücher in der Welt

  1. In Ihrem Beitrag v. 17.05.2011 (Kritik der Schulbuchkritik) gehen Sie offenbar davon aus, dass Schulgeschichtsbücher quasi der verlängerte Arm des Geschichtslehrers seien, also vom Lehrer im Unterricht Fehlerhaftes korrigiert werde. Dies ist sehr einseitig gesehen. Schulgeschichtsbücher sind Bücher für Schüler, aus denen lernen sie auch selbständig zu Hause, übrigens auch Eltern. Dies mitbetrachtet ergeben sich für die Darstellungen in Schulgeschichtsbüchern Anforderungen, die gegenwärtig im Allgemeinen nicht eingelöst werden. Insbesondere wäre zu thematisieren, was das Buch nicht enthält und warum, welchen didaktischen Vorstellungen man sich verpflichtet fühlt und warum, und vor allem, dass es in einer pluralistischen Gesellschaft nicht nur eine Sicht gibt, und dass man sich bemühe, wenn man sich denn bemühen würde, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Jürgen Kant

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  2. Vielen Dank für den Kommentar. Sie haben da natürlich völlig Recht. Der Beitrag bezog sich auf die völlig hahnebüchenen Schlussfolgerungen, die Alan Posener aus den erkannten inhaltlichen Fehlern, die er in Schulgeschichtsbüchern gefunden hat, zieht. Das Aufdecken vereinzelter Fehler in unterschiedlichsten Schulbüchern (es handelt sich ja keineswegs um eine systematische Analyse) ist das eine, die ohne erkenntlichen Zusammenhang daran aufgehängte grundsätzliche Kritik an Lehrern, Schulsystem und Bildungsförderalismus ist das andere. Sehr empfehlenswert ist dazu die deutlich differenziertere Stellungnahme des Eckert-Instituts auf edumeres.

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