Virtuelle Erinnerungskultur

Unter diesem viel versprechenden Titel findet sich ein kurzer Beitrag in der aktuellen GWU Ausgabe zu „Erinnerungsorten“. Leider wird dort, der Beitrag fällt unter die Rubrik „Informationen neue Medien“, nur auf im Internet vorhandene Informationsportale und publizierte Texte über Erinnerungsorte hingewiesen. Auch wenn die Literaturhinweise durchaus interessant sind, fand ich das enttäuschend.

(Die Linkangaben sind übrigens bis zu drei Zeilen lang, weil u.a. die exakte URL eines PDF angegeben wird – ich habe es nicht geschafft, diese richtig abzuschreiben, wie ich nach Rückkehr aus der Bibliothek zu Hause dann gemerkt habe.)

Das ist schade, weil die Chance vertan wurde entsprechend des Titels auch das Thema von virtuellen Erinnerungsorten im Netz aufzugreifen und diese aktuellen geschichtskulturell hoch interessanten Entwicklungen einem vermutlich weniger medienaffinen, dafür aber breiterem Publikum vorzustellen. Was das „virtuelle“ im Titel des GWU-Beitrags sein soll, erschließt sich mir nicht. Die sonst um präzise Begriffe bemühte Geschichtswissenschaft scheint „virtuell“ weiterhin auf alles zu projizieren, was irgendwie mit dem Internet zu tun hat.

In diesem Blog wurde schon mehrfach darauf hingewiesen: Zunehmend finden sich (sehr unterschiedliche) Formen des Gedenkens und der Erinnerungskultur im Internet, hier lässt sich dann in der Tat von „virtueller Erinnerungskultur“ sprechen. Die Bundeszentrale für politische Bildung organisiert Mitte April eine internationale Tagung in Berlin unter dem Titel „“httppasts://digitalmemoryonthenet“, die das Thema aufgreift und aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet:

Auschwitz bei Facebook. Anne Frank auf YouTube. Ein Tweet aus dem Holocaust Museum – Die Erinnerung an die Vergangenheit ist längst Teil der virtuellen Welt. Digitale Medien prägen somit nicht nur die heutige gesellschaftliche Kommunikation, sie bestimmen auch zunehmend unser Verständnis der Vergangenheit und schaffen neue Formen des Erinnerns und der Vermittlung von Geschichte: Hat das Geschichtsbuch bald ausgedient? Werden Gedenkstättenbesuche überflüssig? Wird es künftig ausschließlich virtuelle Zeitzeugenbegegnungen geben?

Mehr Informationen sowie das Programm finden sich auf der Website der Tagung.

Im Rahmen des Programms werden Jöran Muuß-Merholz und ich am letzten Tag auch einen gemeinsamen Workshop „Lernen (wie) im echten Leben – Geocaching, Mobile Apps und selbst gestaltete Stadtrundgänge“ anbieten.

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