Blogs als Wissenschaftsplattform

Artikel in der Süddeutschen Zeitung: Im Kern geht es darum, dass Blogs zunehmend wissenschaftliche Arbeiten besprechen, kommentieren und damit auch kontrollieren. Blogs sind schneller als die etablierten Zeitschriften,  bieten Raum für abweichende Meinungen und Gegendarstellungen und werden dadurch zu einer öffentlichen Diskussionsplattform von Wissenschaft.

Die Beispiele des Artikels stammen alle aus den Naturwissenschaften. Das ist sicher kein Zufall. Für die deutschsprachige Geschichtswissenschaft fehlt  es weiterhin an Bloggern, Lesern und Kommentatoren, sowohl quantitativ als auch qualitativ (Stichwort: bloggende Lehrstuhlinhaber), um Blogs zu einem anerkannten, alternativen Diskussionsforum werden zu lassen. Mögliche Gründe dafür sind in den letzten Wochen bereits verschiedentlich diskutiert worden. Erinnert sei an die Beiträge zum Basler „Kaffeekränzchen“ von Mitte November. Aber auch in den Naturwissenschaften ist das Verhältnis, wie der Artikel aufzeigt, noch keineswegs geklärt.

Wolfgang Schmale sieht die Entwicklung in seinem Buch Digitale Geschichtswissenschaft (Wien u.a. 2010) weitaus optimistischer. Was den Einsatz und die Bedeutung „neuer“ Medien für die Wissenschaft angeht, spricht er von zwei (Teil-) Systemen, „traditionelle und neue Medien“, die sich gegenseitig beeinflussen und kommt zu dem Schluss: „Wer den gleichzeitigen Umgang nicht beherrscht oder nicht will, wird sich schwertun, den Anschluss an die Forschung zu halten.“ (S. 45)  Das Internet biete zudem „ein riesiges gesellschaftliches Potential […, um ] Geschichtswissenschaft sehr breit zu vermitteln“, das auch helfen könne, die „Platzierung [der Geschichtswissenschaft] im System der Wissenschaften und der Wissenschaftspolitik zu verbessern.“ (S. 57). Allerdings sieht er auch, dass „das wissenschaftliche Publizieren im Netz bei einem großen Teil der Historikerinnen und Historiker nur ein geringes Ansehen“ besitzt. (S. 50)

Zur weiteren Entwicklung meint Schmale, wiederum äußert optimistisch, was die Rolle der „neuen“ Medien angeht: „Es ist schwer vorherzusagen, wann der kritische Punkt erreicht wird, an dem sich die Verhältnisse umgedreht haben, das heißt, ab dem […] die wesentlichen Forschungsimpulse im Netz passieren“. (S. 50f.)

Nach Schmale ist es also keine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann…..

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