Machiavelli als früher Empiriker

Lesenswerter Artikel von Cornel Zwierlein „Am Ursprung der neueren Intellectual History. Machiavelli und Machiavellismus“ (GWU 61, 2010, H. 11, 631-644),  der unter anderem Machiavelli als methodischen Neuerer einordnet, der im Bereich der Politik in Analogie zu Medizin und Recht auf Erfahrung und Anschauung zurückgreifen will. Das war mir bisher nicht so bekannt,  im Gegensatz zu anderen Deutungen Machiavellis  als „Realpolitiker“, Vordenker des „Absolutismus“ oder „Republikaner“.

Für den Geschichtsunterricht bietet der Schluss des Artikels eine interessante Perspektive:

Für den Geschichtsunterricht kann es hingegen gerade fruchtbar sein, zu zeigen, wie ein dermaßen vieldeutiger Autor wie Machiavelli und seine Texte wie ein Prisma einen erhellenden und zugleich verzerrten Blick auf seine zeitgenössischen Deuter freigibt. Man so die Vorstellung von der selbstverständlich gegebenen ‚einen Bedeutung‘ eines Textes und einer Person zerstören und zugleich bei den Schülern in Konfrontation der unterschiedlichen Deutungen zur Reflexion über Maßstäbe und Zeitgebundenheit von Interpretationen anregen und wohl mehr Irritation von historischem Bewusstsein erzeugen als mit weniger umstrittenen und weniger vielstimmigen Beispielen. (S. 643f.) 

Das zielt sicher auf den Unterricht in der gymnasialen Oberstufe, ist aber bisher m.W. in keinem Schulgeschichtsbuch so umgesetzt, auch entsprechende Unterrichtsvorschläge sind mir nicht bekannt. Die Idee wäre in der Tat mal die Ausarbeitung wert.

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