Reisetipp: Yuste

Wem es gerade nicht geläufig ist, in das Kloster von Yuste hat sich Karl V. 1556 zurückgezogen, nachdem er Kaiser- und Königskrone niedergelegt bzw. an seinen Bruder und seinen Sohn weitergegeben hatte. Das nüchterne Kloster in idyllischer Lage lohnt den Besuch, wie der große Parkplatz mit den zahlreichen Bussen davor auch nahezulegen scheint (zu Fuß war ich der einzige, der sich auf die fast 2Km vom nahegelegenen Dorf her aufgemacht hatte). Google Earth bietet hier eine verspieltes, aber, wie ich finde, weder hilfreiches noch informatives 3D-Modell der Anlage.

 

Neben Kirche, Kloster und den ehemaligen Wohnräumen Karls v. beherbergt die Anlage heute auch noch den Sitz einer Stiftung, die u.a eine europäische Akademie mit höchst illustren Mitgliedern umfasst und alle zwei Jahr eigene Forschungsstipendien vergibt. Darüber hinaus gibt die Stiftung eine  jährlich erscheinende, mehrsprachige Zeitschrift, die Pliegos de Yuste zu Themen der europäischen Geschichte, Politik und Kultur heraus, die komplett online verfügbar ist und zu der ich in der letzten Ausgabe auch einen kleinen Artikel beitragen durfte.

Die Busse  scheinen dann auch gleich weiterzufahren und verpassen damit doch einen, wenn nicht zwei sehenswerte Orte der Umgebung: Zum einen das Dorf Cuacos de Yuste, wo ich heute viele alte Menschen, aber keine Touristen gesehen habe. Ein kleines Juwel mit wunderschönen Häusern, Kirchen und Plätzen aus dem 16.-18. Jahrhundert, aufgrund des nur vorbeifahrenden Touristenstroms allerdings in teilweise sehr bedauerlichem Zustand.

Bekannt ist das Dorf übrigens für sein geräucherter Chili-Pulver (pimentón de la Vera wobei der ehemalige Kaiser auch hier in der Lokalgeschichte bei der legendären Einführung der Chilis nicht fehlen darf). So sieht man an vielen Häusern rote Chili zum Trocknen hängen, ganz wie in Espelette im Baskenland, nur wie gesagt (fast) ohne Touristen, zumindest jetzt im Herbst.

Die andere Entdeckung bzw. Überraschung befindet sich auf halbem Weg zwischen dem Dorf und dem Kloster: ein deutscher Soldatenfriedhof. Ein deutscher Soldatenfriedhof im mittleren Westen Spaniens? Mit Soldaten aus dem 1. und 2. Weltkrieg? Eine Informationsplatte auf dem Gelände  brachte Klärung: Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hat die deutsche Kriegsgräberfürsoge entschieden für alle deutschen Soldaten die in Spanien verstorben sind, einen zentralen Friedhof anzulegen. Eben diesen. Dort finden sich Gräber für mit ihrem Flugzeug über Spanien abgestürzte, in U-Booten vor der spanischen Küste versenkte oder an Land gespülte, tot geborgene oder im Lazarett verstorbene Soldaten. Eine sehr surrealer Ort in dieser Landschaft, wie ich fand, vielleicht aber auch nur, weil ich nicht damit gerechnet hatte.

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2 Gedanken zu „Reisetipp: Yuste

  1. Ja, Frau Weller, unter anderem. Ziemlich beeindruckende Liste von Leuten. Findet sich auf der Seite der Stiftung unter „Academy“ -> „Academicians“.

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