Erste Artikel in classroom4.eu-wiki

Die Schülerinnen und Schüler des 13er Leistungskurses Geschichte haben mehrere Wochen recherchiert und die ersten Artikel stehen im neuen Wiki von classroom4.eu nun online. Das europäische Projekt wurde in diesem Blog schon an anderer Stelle ausführlich dargestellt. Die Grundidee ist, die europäische Kulturgeschichte  aus regionaler Sicht neu zu schreiben. Schüler schreiben in mehreren Sprachen ein virtuelles Schulbuch für andere Schüler in Europa. Im Wiki können die Geschichten aus den verschiedenen Regionen Europas verknüpft werden, so dass die vielfältigen Verbindungen von Künstlern und Wissenschaftlern und die Weitergabe von Ideen und Erfindungen aufgezeigt werden können.

Artikel gibt es bereits zur Geschichte der Post, der Porträtmalerei, des Pianos, der Linse sowie des geheimen Wahlrechts.

Geschichtsblogs und Kommentarkultur

Nachdem Klaus Graf auf archivalia einen Überblick über die bestehenden Geschichtsblogs gegeben hat auf Grundlage der „Weblogs des Monats“ bei histnet.ch, wo Jan Hodel diese Übersicht kommentiert und die m.E. reizvolle Idee eines realen Treffens von Geschichtsbloggern weitergetragen hat, folgt hier der Hinweis auf den bei Twitter unter dem Hashtag #Schulmeister diskutierten Artikel zur Kommentarkultur in Weblogs, der auch einen kurzen Abschnitt zu Geschichtsblogs im Speziellen beinhaltet. Der ganze Artikel ist als Vorabveröffentlichung zur Festschrift für Stefan Aufenanger hier als pdf runterladbar.

Interessant ist die Studie allemale zu lesen, z.B.  im Hinblick auf Wandel und Konstanz der Geschichtsblogosphäre anhand der dort aufgelisteten Blogs oder in bezug auf die Vernetzung und Diskussion von Themen. Es sind nicht nur Kommentare, die die Kommunikationskultur der Blogosphäre ausmachen, sondern in hohem Maße auch die Artikel selbst mit ihrer gegenseitigen Bezugnahme. Darüber hinaus kann ich dem Kommentar von Michael Kerres zustimmen, der darauf hinweist, dass Bezugnahmen innerhalb von Blogs mit „Zitierungen in wiss. Arbeiten […] zu vergleichen“ und Blogs mit „bestehenden Kommunikationswegen vernetzt“ sind.

Klaus Graf hatte an anderer Stelle schon einmal die mangelnde Vernetzung der deutschen Geschichtsblogs beklagt. Vielleicht ließe sich dem in der Tat durch ein Treffen abhelfen. Die Verbindung der Blogs mit anderen „Kommunikationswegen“, wie sie von Michael Kerres und Rolf Schulmeister für die Edu-Blogosphäre beschrieben werden, auffällig fand ich bei beiden die Betonung gerade der persönlichen, realen Kontakte zwischen den Bloggern, scheint mir da eine ausrichtsreiche Möglichkeit, auch die Geschichtsblogs stärker zu vernetzen.

Neues aus dem Landeshauptarchiv

Am Sonntag, den 7. März 2010, findet zum 5. Mal der Tag der Archive in Koblenz statt. Bundes-, Landeshaupt- und Stadtarchiv laden von 14-17 Uhr zum Besuch ein. Unter dem Motto „Dem Verborgenen auf der Spur“ bieten die Archive einen Blick hinter die Kulissen.

Am 19. März 2010 wird die neue Archivkiste (Infos dazu unnötig verschämt ganz unten auf der Seite), die von Schulen ausgeliehen werden kann, auf einem Pressetermin öffentlich vorgestellt.

Der Arbeitskreis „Archiv & Schule“ trifft sich in diesem Halbjahr, am 12. April, um 15 Uhr im Landeshauptarchiv in Koblenz. Interessierte Geschichtslehrer aus RLP sin.d herzlich willkommen. Für weitere Informationen gibt es bei den Ansprechpartnern der Landesarchive.

Passend dazu erschien gestern eine Rezension des Buchs „Schüler ins Archiv! Archivführungen für Schulklasse“ auf H-Soz-u-Kult. Laut Rezension ein anregendes Buch für Archivare und Lehrer mit zahlreichen Ideen und fertigen, laut Reszensent „praxisnahen“ Modulvorschlägen für die archivpädagogische Arbeit.

Steinbach verzichtet

Die deutsch-polnische Geschichte bildet ja neben Medien und Geschichtsunterricht einen kleinen, weiteren Schwerpunkt innerhalb dieses Blogs. Die Besprechung des Buches „Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung“ hier im Blog hatte in den letzten Wochen sehr hohe Trefferzahlen zu verzeichnen. Deshalb zum Thema hier kurz der Hinweis auf einen aktuellen Artikel aus Frankfurter Rundschau, die einen „Kompromiss zum Vertriebenen-Rat“ meldet und SZ: Steinbach verzichtet auf einen Sitz im Stiftungsrat. Der Bundestag soll die Besetzungen vornehmen, dafür wirdaber die Zahl der Sitze für den Bund der Vertriebenen von drei auf sechs in dem bisher 13- bald 21köpfigen Rat erhöht. Außerdem wurde einer Vergrößerung der Grundfläche der Ausstellung vereinbart. Der BdV sieht in dem Kompromiss einen „Riesenerfolg“.

Polen in der Schule

Das Deutsche Polen-Institut bietet mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung 2010 wieder Projekttage für Schulen in Hessen und Rheinland-Pfalz an.

Das Angebot richtet sich an weiterführende Schulen. Die Mindestteilnehmerzahl liegt bei 15 Schülerinnen und Schülern. Laut Aussage des DPI sollen die „Projekttage […] den Schülern Einblicke in die Landeskunde und Alltagskultur Polens sowie Grundkenntnisse zur deutsch-polnischen Geschichte und deutsch-polnischen Literaturbeziehungen vermitteln.“ Einen Programmentwurf für einen solchen Projekttages des DPI finden Sie hier. Das Programm kann aber auch den Interessen und Bedürfnissen der jeweiligen Teilnehmer angepasst werden. Die Projekttage eignen sich zudem als Vorbereitung für einen deutsch-polnischen Schüleraustausch und können z.B. auch einen Minisprachkurs umfassen.  Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung und weitere Infos gibt es über ein entsprechendes Formular oder direkt bei Herrn Mack

Wie funktioniert die Wikipedia?

Mit seinem Tafel-Wiki hat Christian Spannagel in seinem Blog einen ebenso einfachen wie anschaulichen Unterrichtsvorschlag beschrieben,  das Prinzip „wiki“ in der Schule zu erklären und das tatsächlich an einer Kreidetafel! 😉

Die Stunde gehört nicht speziell zum Geschichtsunterricht, aber die Wikipedia wurde hier ja schon mehrfach thematisiert, stellt eine der wichtigsten Informationsquellen für die Schüler in allen Fächern dar und gute Ideen gehören einfach weitergegeben… und hierbei handelt es sich um eine wirklich gute Idee!

Buchtipp: Erika Harris, Nationalism. Theories and cases.

Nur ganz kurz ein weiterer Buchtipp: Harris‘ Überblickswerk zum Thema „Nationalismus“ ist sehr lesenswert. Sie bietet einen gut verständlichen Überblick über die bestehenden theoretischen Ansätze, die mit kurzen Fallbeispielen unterfüttert und in einen breiten historischen und geographischen Hintergrund einbettet. Besonders erfrischend und überzeugend finde ich ihre (Neu-) Bewertung etablierter Theorien der Nationalismus-Forschung: So legt sie überzeugend dar, dass die ältere, auch in Schulbüchern noch weit verbreitete Unterscheidung von ethnischen und politischen definierten Nationen, die oft auch mit einer europäischen  Ost- / Westunterscheidung gleichgesetzt wird, keinen Erkenntniswert besitzt, da „all nationalisms are civic and ethnic to a greater or lesser degree at different times“. Ebenso macht für sie eine Unterscheidung von „gutem“ und „schlechtem“ Nationalismus (oft auch als „guter Patriotismus“ und „schlechter Nationalismus“) unterschieden keinen Sinn, da es hierbei immer um die Bildung einer Gruppenidentität, einer kulturellen und politischen Einheit geht, der immer die Tendenz innewohnt, die eigene Gruppe zu favorisieren und damit zugleich andere(n) abzuwerten. Harris‘ Erklärungsansatz liegt in der Betonung zweier widerstrebender Forderungen nach „Selbstbestimmung“.  Der Nationalismus mit seinem  Wunsch nach einem Nationalstaat berührt sowohl die Frage nach  ethnischer als auch nach politischer Selbstbestimmung, die aber, da homogene Nationalstaaten i.d.R. nicht realisierte Idealvorstellungen bleiben, gegensätzlich sind und Konflikte produzieren. In dieser Spannung zwischen Demokratie und Nationalismus sieht sie die wichtigste Herausforderung unserer Zeit. Angesichts der zahlreichen Konflikte, von denen sie einige, wie u.a. das Kosovo und Palästina, in ausführlichen Fallbeispielen behandelt, ist ihr hier sicherlich zuzustimmen.

Erika Harris, Nationalism. Theories and cases, Edinburgh 2009.