Hinweise zur Kartenarbeit im Geschichtsunterricht

Seit einiger Zeit liegen schon zwei interessante Sachen zur Kartenarbeit auf meinem Schreibtisch. Ich komme aber leider erst jetzt dazu, sie hier kurz vorzustellen:

1. Der online Karten-Editor StepMap

In vier Schritten lassen sich hier online eigene Karten erstellen und bearbeiten. Dies bietet ein enormes Potential für die Arbeit im Geschichtsunterricht. Die Möglichkeiten des Web 2.0 werden hier auf die Arbeit mit Karten übertragen. Die Karten lassen sich frei gestalten: Es ist auch möglich, weitere Medien in die Karten einzubinden. Die fertigen Karten lassen sich auf den Seiten von StepMap veröffentlichen, nur privat speichern oder auch in Excel, Word oder Powerpoint exportieren.  Schüler können selbst zu allen Themen des Geschichtsunterrichts ihre Karten erstellen und es fällt nicht schwer sich vorzustellen, dass die eigenständige Arbeit auch das Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen von Karten fördert, was sich sonst als „Methodenteil“ anhand von fertigen Karten in den meisten Lehrbüchern findet. Aber auch Lehrer können eigene Karten als Ergänzung zum Buch oder für den Einsatz am interaktiven Whiteboard basteln. Anregungen für Lehrer, z.B. auch für den Deutsch- oder Kunstunterricht mit den Reiserouten von Schriftstellern und Künstlern, bietet StepMap auch an.

2. TOP Geschichte (westermann)

Als Ergänzung zur Arbeit mit Geschichtsatlanten bietet der westermann mit seiner TOP Geschichte-Reihe Arbeitshefte an, von denen die ersten drei Bände bereits erschienen sind.  Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass es den Schüler im Geschichtsunterricht schwer fällt, sich geographisch zu orientierung, weil sie oft bis in die Oberstufe kaum Vorstellungen davon haben, wo sich die genannten (europäischen) Länder, Städte usw., von denen im Geschichtsunterricht die Rede ist, befinden.

Durch die Zusammenlegungen der Gesellschaftswissenschaften in verschiedenen Schularten und Bundesländern, wird das Problem keineswegs behoben, sondern eher verschärft, da damit in der Regel Kürzungen in der gemeinsamen Stundenzahl der Fächer Geschichte, Politik und Erdkunde einhergehen. M.E. spricht nichts dagegen, auch die Orientierung im Raum bei den Schülern im Geschichtsunterricht stärker zu fördern, da sie grundlegend ist für das Verständnis historischer Prozesse. Ein „Abschieben“ als Aufgabe des Erdkundeunterrichts ist an Schulen von Geschichtslehrern oft zu hören, hilft aber nicht weiter.

Dieses Anliegen, „in schülergerechter Form den Kompetenzerwerb eines Raum-Zeit-Verständnisses“ (so der Verlag) zu fördern, verfolgen auch die hier vorgestellten TOP-Arbeitshefte. Peter Kirch und Jörg Manner bieten in ansprechender, kindgerechter Gestaltung Übungsaufgaben, Rätsel und Arbeitsblätter für den kompletten Durchgang durch die Geschichte. Vom Anspruch und Gestaltung her, eignen sich die Hefte weniger für den Geschichtsunterricht am Gymnasium in Rheinland-Pfalz, der erst mit der 7. Klasse einsetzt, aber für jüngere Klassen und an anderen Schulformen können die Hefte als Ergänzung zum Schulbuch gut eingesetzt werden.

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TwHistory: Paulskirchenprojekt

Tom Caswell von TwHistory hat in einer Twitterliste noch einmal alle Tweets des Paulskirchenprojekts zusammengefasst:

http://twitter.com/tom4cam/paulskirchenprojekt

Weitere Projekte zur Arbeit mit twitter im Geschichtsunterricht sind in der Planung. Das Rekonstruieren von Geschichte in 140 Zeichen scheint noch Potential für den Unterricht als digitale Form des Rollenspiels zu bergen.

„Bist du Jude?“

Andreas Körber weist in seinem Blog auf einen lesenswerten Artikel der Zeit zum Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust von Migranten in Deutschland, hier speziell mit türkischem Migrationshintergrund, hin. Körber schreibt: „Bitte auch die beiden verlinkten weiteren Artikel beachten — und die Kommentare der Leser, die zum Teil tiefe Einblicke in die (vorhandenen oder fehlenden) Fähigkeiten von Lesern geben, mit den Konzepten von historischer Identitäten umzugehen.“ Mittlerweile sind es 16 Seiten Kommentare unter dem Artikel.

DW-World Dossier: 50 Jahre Unabhängigkeit – Afrika und das koloniale Erbe

„17 afrikanische Kolonien erreichten vor 50 Jahren ihre Unabhängigkeit. Die europäischen Kolonialherren übergaben die Macht an Afrikaner. Das große Jubiläum – ein Grund zum Feiern?“ Das Online-Dossier der Deutschen Welle nähert sich mit zahlreichen Artikeln und Hörbeiträgen der  politischen Geschichte und Gegenwart des afrikanischen Kontinents aus verschiedenen Perspektiven.

Buchtipp: Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung 1939-1959

Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung 1939-1959. Atlas zur Geschichte Ostmitteleuropas, hg. v. der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009.

Großartiges Buch mit hervorragendem Kartenmaterial, um das Thema im Unterricht aufzugreifen. Das Buch ist ursprünglich von polnischen Wissenschaftlern erarbeitet und wurde für die Lizenzausgabe der BpB ins Deutsche übersetzt. Daher ergibt sich der Schwerpunkt auf der polnischen Geschichte. Da aber das komplette polnische Territorium vor- und nach dem 2. Weltkrieg miteinbezogen wird, ergibt sich hier eine ausgedehnte mitteleuropäische Perspektive, die auch Deutsche, Ukrainer, Litauer, Weißrussen, Tschechen und Slowaken mit einbzieht. Damit sind natürlich noch längst nicht alle betroffenen Gebiete Europas erfasst, aber diese europäische Perspektive ist m.E. für jede Art der Darstellung und Behandlung absolut grundlegend. Das Buch zeichnet sich neben den hervorragenden Karten durch das gelungene Layout, viele Fotoabbildungen und gelungenen Informationstexten und Übersichtstafeln aus. Es eignet sich daher sowohl zum Einlesen für Lehrer und Schüler in das Thema als auch die Darstellung im Geschichtsbuch als ergänzende Materialfundgrube.

Das Buch kann hier gegen eine Bereitstellungspauschale von 6 7€ bei der BpB bestellt werden. Es wäre wünschenswert, wenn das Buch in Deutschland breit rezepiert würde, da die Diskussion um Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung ja weiterhin eine hoch sensible und politische Angelegenheit ist, die einen entsprechend hohen Grad an Informiertheit  in einer möglichst breiten Öffentlichkeit erfordert.

Zum „Vertriebenen-Streit“ auch ein ganz aktueller Artikel in der taz, ein Interview mit dem polnischen Historiker Tomasz Szarota.

Paulskirchenprojekt en français

Lyonel Kaufmann gibt in seinem Blog eine Zusammenfassung des Twitter- und Blogprojekts auf Französisch. Für alle, die des Französischen mächtig sind, bietet Lyonel Kaufmann, der in der Lehrerfortbildung an der Haute Ecole Pédagogique in Lausanne in der Schweiz arbeitet, umfangreiche Seiten, von denen der Blog nur ein Teil ist,  mit zahlreichen Informationen, Anregungen und Überlegungen rund um den Geschichtsunterricht und vor allem dessen Entwicklung mit digitalen Medien. #Lesenswert!

Indian Ocean in World History

IndianOceanHistory ist ein großartiges, englischsprachiges Portal zur Geschichte des Indischen Ozeans in globaler Perspektive. Das Portal bietet interaktive Karten von der Antike bis heute, über die zunächst der geographische Raum des indischen Ozeans definiert sind und die in jeder Großepoche mit Mouseover-Buttons Informationen zu verschiedenen Schwerpunkten wie Karten, Reisende, Handelsgüter usw. bieten.

Es gibt zudem für Schüler und Lehrer einleitende Texte (im pdf-Format) sowie weitere Leseempfehlungen. Für den Einsatz im Unterricht werden darüber hinaus Unterrichtsanregungen und Aufgaben angeboten.

Für interessierte Schülergruppen mit entsprechenden Englischkenntnissen (d.h. wohl wenn für bilinguale Schulzweige und Leistungskurse) bietet die Seite eine hevorragende Möglichkeit, die eurozentrische Perspektive zu verlassen und eine andere Weltregion vergleichend in den Unterricht hinzuzunehmen. Da davon auszugehen ist, dass auch die wenigsten Geschichtslehrer  sich in der Geographie und der Geschichte des Raums gut auskennen, eignen sich die optisch schön gestalteten Seiten gut, um sich selbst erstmals mit dem Thema und der Region auseinanderzusetzen und damit seinen eigenen Horizont zu erweiteren.