Einstieg in die Arbeit mit Schriftquellen

Aus meiner Erfahrung tendieren viele Schüler dazu, Quellen als eher „objektiv“ und Darstellungen als eher „subjektiv“ anzusehen. Um im Anfangsunterricht den Übergang zur Arbeit mit schriftlichen Quellen zu erleichtern und zugleich für einen kritischen Umgang mit Schriftzeugnissen zu sensibilisieren, hier ein möglicher Unterrichtsvorschlag:

Zum Einstieg schreiben die Schüler spontan zu Beginn der Stunde einen kurzen Bericht z.B. über die vorangegangene Geschichtsstunde oder ein andere gemeinsam erlebte Situation aus dem Schulalltag, wie das letzte Schulfest oder den ersten Schultag des Schuljahres. Daraus können sich auch interessante Fragen ergeben, was das denn mit Geschichte zu tun habe, wie „Geschichte“ gemacht wird und was historisch „bedeutsam“ ist.

Einige der Schülerberichte werden vorgelesen. Es stellt sich sehr schnell heraus, dass jeder Bericht andere Fakten nennt und andere Eindrücke schildert.In der anschließenden Diskussion werden die Gründe für die Unterschiede herausgearbeitet und schriftlich gesichert. Genannt werden u.a.:

– Vergessen aufgrund zeitlicher Distanz

– Andere Wahrnehmung desselben Ereignisses

– Unterschiedliche Interessen und Einschätzungen

– Positive Selbstdarstellung

Daran anschließen können sich allgemeine Reflexionen über die Möglichkeiten aus einem bzw. mehreren Berichten Rückschlüsse auf ein vergangenes Ereignis ziehen zu können. Hieraus lässt sich dann ein Erkenntnislernziel formulieren und festhalten, das die Schüler bei der weiteren Beschäftigung mit schriftlichen Quellen immer wieder anwenden können.

Die Unterrichtseinheit kann auf die Arbeit mit Bildquellen ausgeweitet werden, in dem Schüler als Hausaufgabe den Auftrag erhalten, bei der nächsten Schulveranstaltung Fotos zu machen, eines auszuwählen und in den Unterricht mitzubringen. An der Auswahl lassen sich wiederum Probleme der Überlieferung und der Perspektivität von Bildquellen sehr konkret und schülernah deutlich machen, die  dann als Transfer für die weitere Quellenarbeit im Unterricht zur Verfügung stehen.

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Nicht nur eine Frage der Relevanz…

Aufmerksam geworden durch den Eintrag auf archivalia hier nun der Hinweis auf einen sehr lesenswerten Artikel über Relevanz- und Löschkriterien bei wikipedia und ein paar eigene Gedanken zum Thema in bezug auf den Einsatz von wikipedia in der Schule. Ich denke, diese Infos gilt es sowohl für aktiv beitragende als auch für rezeptive Arbeit mit wikipedia zu berücksichtigen.

Der m.E. legitime Versuch, Kriterien für die Relevanz von Einträgen in wikipedia zu erstellen, ist offensichtlich in eine Orientierung an z.Zt. recht willkürlich gesetzten Quantitäten und eine Bindung an vermeintlich durch redaktionelle Auswahl Relevanz schaffende (alte) Medien wie Print und TV gemündet. Keine Berücksichtigung findet alles, was ausschließlich im Netz stattfindet und nur dort veröffentlicht wird. Das gleiche gilt für neue Forschungsansätze. Somit wird nur altes, scheinbar bewährtes Wissen aufgenommen. Ebenso problematisch wie der hier durchscheinende Wissensbegriff ist der  zweifelhafte Umgang der Administratoren mit ihren Lösch- und Zensurrechten (siehe dazu den Eintrag: Wikipediastrafrecht, oder: die sadistische Arrgonz der Admins auf archivalia). Qualität und Relevanz sind zwei verschiedene Dinge. Qualitätssicherung ist absolut grundlegend für wikipedia und ihren Nutzwert, kann aber über andere Mittel erreicht werden;  die Relevanzkriterien erscheinen mir hingegen äußerst fragwürdig.

Das alles kann man als „vordigital“, „konservativ“ oder „reaktionär“ bezeichnen, auf jeden Fall ist das Wissen um das  Funktionieren von wikipedia „relevant“ für deren Nutzung, auch im schulischen Bereich, wo ein kritischer Umgang  mit  wikipedia als Informationsquelle eingeübt werden sollte und eine aktive Mitgestaltung der wikipedia durch Schüler aufgrund des oben genannten schwierig wird. Erfahrungen haben dazu auch meine Schüler schon gemacht, deren Artikel, ein Ergebnis ihres Beitrags für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gleichfalls zur Löschung vorgeschlagen wurde. D.h. ich muss mir als Lehrer gut überlegen, was ich dort recherchieren lasse und ob ich mit meinen Schüler etwas zum „Weltwissen“ der wikipedia beitragen möchte. Nur weil etwas bisher nicht in wikipedia steht, heißt das nicht, dass  es das nicht gibt oder dass es zukünftig darin stehen wird.  Es lohnt auch nicht in seinem Fachgebiet nach Lücken in der wikipedia zu suchen und diese gemeinsam mit Schülern in Projektform aufzuarbeiten. Gerade innovative, selbst erstellte  und eigenständig recherchierte Inhalte (wie in dem Fall des o.g. Schüler-Projekts) laufen Gefahr, der Löschkontrolle zum Opfer fallen. Eigene wikis, die möglichst nicht nur auf der „Insel“ oder im „Hafen “ eines geschlossenen moodles-Kurses liegen, sind da auf jeden Fall die bessere Alternative.

Aktuell bietet auch Spiegel-Online in einem Artikel einen Überblick zum Thema mit weiteren Links. Sehr empfehlenswert als Gegenposition zum Eingangsartikel der Beitrag von Torsten Kleinz als Plädoyer für durchdachte Relevanzkriterien.

PS. Einen Einblick in die wikipedia-Kultur durch eine der Diskussionen um Relevanz bei wikipedia ermöglicht übrigens auch der Blog von Jean-Pol Martin in verschiedenen Einträgen und Kommentaren.

Kritische Anmerkung zur Quellenarbeit im Geschichtsunterricht

Schulgeschichtsbücher enthalten in der Regel nur relativ kurze Quellenausschnitte, die mehr als Beleg denn als Arbeitsmaterial taugen. Sie sind in ihrer Aufbereitung und Auswahl nicht mit editierten oder gar unbearbeiteten Quellenfunden vergleichbar. Deshalb eignen sie sich kaum dazu, die historische Quellenarbeit einüben, wobei in der Geschichtsdidaktik zunehmend diskutiert wird, ob die starke Orientierung an Quellen und wissenschaftlichen Arbeitstechiken überhaupt für den Geschichtsunterricht adäquat sein kann (siehe auch hier das Eingangszitat und den Literaturhinweis) . Schließlich tritt den wenigsten Menschen Geschichte außerhalb von Schule und Universität in Form von Quellen entgegen als vielmehr in verschiedenen Ausgestaltungen der Geschichtskultur, also in Fernsehdokumentationen, Spielfilmen, Computerspielen, historischen Romanen, mittelalterlichen Märkten, Ausstellungen usw. Ich kann mich dem nur anschließen. Ich denke, die von Geschichtslehrern mittlerweile als selbstverständlich erachtete Quellenorientierung gilt es grundsätzlich zu überdenken. Damit ist keineswegs eine Absage an propädeutisch wissenschaftliches Arbeiten in der Schule intendiert. Für eine Teilhabe an der Geschichtskultur, die mehr ist als reiner Konsum ist, muss der Unterricht auch eben genau diese geschichtskulturellen Phänomene thematisieren und in viel stärkerem Maße berücksichtigen, als dies bisher geschieht.

World is witness

FireShot capture #022 - 'World Is Witness' - blogs_ushmm_org_WorldIsWitness

World is witness is an internet based project by the US Holocaust Memorial Museum. google earth is used to map the actual places of genocides around the world. On the interactive map, actualisations by the staff of the project and guest contributors can be seen showing eyewitness reports and photos from the places of crisis. Since the beginning of the project, two years ago, several regions have been focussed such as Congo, Chad, Burundi, Rwanda and Sudan, but also Chechnya.

For history teaching the page can be helpful to show the actual dimensions of genocides and to discuss the possibilities of learning from history as well as preventing genocides nowadays. You will find also good resources for lessons about genocides there.

Secrets of Great History Teachers

„In these interviews distinguished teachers share their strategies and techniques. Good teaching is more often honored in rhetoric than reality. And great teachers are generally known locally within their own schools, but less often to a larger group of national colleagues. Our goal in this section is, in part, to identify and honor those people who have taught with excellence, dedication, and distinction. But more than that, we believe that these teachers have lessons to offer the rest of us and that there are remarkably few forums for hearing their wisdom.“

There is nothing to add, just read the interviews yourself. Very inspiring.

My history network

My history network is (going to be) a network of high school students from all over the world. The network is an English speaking ning-community for those who are interested in discussing the different perspectives of history and exchange about all questions concerning history and history teaching. As in most virtual classrooms, there is a chat, forums, databases for photos and videos as well as groups on special interests like ancient or medieval history.

History teachers are invited to join the network and will get administration rights so that they will be responsible for  the invitation of their students and the administration (accept/remove/moderate) of their students‘ activities in the network.

The initiative is proposed by David Hilton who created also the History Teachers group on diigo where you can find besides more than 1000 shared, tagged and commentated links also more information about the idea and the development of the „My history network“-project.

I think this is a great idea and opportunity to propose to the more interested students in your classroom  from which  they can get a lot of benefit.