Wikipedia visualisiert

Von Wikipedia war an dieser Stelle ja schon die Rede. Heute möchte ich hier auf eine webbasierte Anwendung hinweisen, die zur Zeit noch vor allem auf wikipedia als Informationsquelle zurückgreift.

eyePlorer bietet die Möglichkeit Suchbegriffe einzugeben. Angezeigt werden zunächst verwandte Begriffe, die nach Kategorien (Wissenschaft, Orte,  Personen usw.) farblich unterteilt angezeigt werden. Durch diese Visualisierung lassen sich gerade große Themengebiete und Recherchen zu Beginn einer Arbeit (Schulreferat etc.) übersichtlich strukturieren. Die Visualisierung kann auch dabei helfen, das richtige Stichwort zu finden, wenn Mehrdeutigkeiten vorliegen.

FireShot Pro capture #005 - 'Geschichtsunterricht - eyePlorer_com - Die visuelle Wissensmaschine' - de_eyeplorer_com_show_me_Geschichtsunterricht

Fährt man mit der Maus über die als zusammenhängend aufgezeigten Begriffe wird in einem kurzen Textzitat mit Quellenbeleg erklärt, worin der Zusammenhang besteht. Ist der richtige Begriffszusammenhang gefunden, sind auf die entsprechenden vollständigen Informationsquellen direkt zugegriffen werden. Textauszüge lassen sich auf einen Notizblock ziehen und dort speichern. Zusätzlich besteht die Möglichkeit den gefundenen Begriff oder Bilder dazu im Internet zu suchen. Für ganz aktuelle Themen kann der Begriff auch zusätzlich in Twitter gesucht werden.

Fazit: ein interessantes Tool sowohl zur Begriffsarbeit im Unterricht als auch zur Recherche-Hilfe.

Für weitere Anregungen für den Einsatz im Unterricht verlinkt die eyePlorer-Seite auf verschiedene (englisch-sprachige) Lehrerblogs. Etwas einfallslos und daher eher negativ („lustigen Spielereien“) die Einschätzung auf weblog.hist.net vom 15.9.

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5 Gedanken zu „Wikipedia visualisiert

  1. Nun, einerseits hat Kollege Haber sich eigentlich auf einen möglichen Einsatz in wissenschaftlichen Kontexten bezogen. Da halte ich dieses Tool in dieser Form wirklich für nichts weiter als eine Spielerei – auch wenn es Potenziale aufzuzeigen vermag. Eine Art Machbarkeitsstudie.
    Aber selbst, wenn wir das Tool im Hinblick auf einen Einsatz im Unterricht betrachten, bin ich etwas skeptisch, was den konkreten Nutzen betrifft. Teilweise wird einfach die Gliederung in farbige Punkte übersetzt; die schick wirkende Darstellung der Detailangaben beim „MouseOver“ führt noch mehr zur Fragmentierung der ohnehin sehr zerstückelten Wikipedia-Informationen. Ob das hilft, Zusammenhänge zu erkennen, nur weil man den Begriff auch auf Twitter abfragen kann? Meine Referenz-Jugendliche, meine 17-jährige Tochter fand das Ganze „zwar interessant, aber mega unübersichtlich“ und bestätigte in dieser Hinsicht die einfallslose Einschätzung von Kollege Haber. Dabei ist mir durchaus bewusst, dass man solche Tools didaktisch eingebettet mit klaren Aufträgen in den Unterricht einbringen muss. Aber die Reaktion der Jugendlichen ist eben nicht immer gleich begeistert wie von uns technik-interessierten Didaktikern und Lehrpersonen. Das gilt es einfach zu bedenken – und ernst zu nehmen.

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    • Erstmal vielen Dank für die kritische Reaktion. Trotz relativ vieler Zugriffe bleibt dieses Blog (wie viele andere auch) leider zumeist noch zu sehr Einbahnstraße.

      Die Einwände sind sicherlich berechtigt und ich behauptete nicht, dass eyeplorer ein herausragendes Werkzeug sei, nur dass in dem ein oder anderen (schulischen oder privaten Bereich) hilfreich sein könnte.

      Auch ich fand die Anwendung zunächst reichlich unübersichtlich, insofern bräuchte sie für den Einsatz in der Schule sicher eine kurze Einführung. Das ist aber wohl für die allermeisten Anwendungen der Fall. Für die Wissenschaft bringt eyeplorer vermutlich keinen Gewinn, ich denke aber, dass neben dem bunten, spielerischen Aspekt in dem Tool noch Potential vor allem für die Begriffsarbeit in der Schule steckt:

      1) Nach meinen Erfahrungen nehmen Schüler Begriffe oft eindimensional wahr. Als Beispiel sei der Begriff „Demokratie“ genannt, der auswendig gelernt dann immer wieder auf die einfache Formel „Volksherrschaft“ gebracht wird. Veränderungen in der Zeit, in unterschiedlichen Zusammenhängen (von Athen bis zur DDR) bleiben wohl auch am Gymnasium vielen Schülern.

      Eyeplorer kann aber genau diese Mehrdimensionalität, die Bedeutungsvielfalt in unterschiedlichen Zusammenhängen deutlich machen. Die Visualisierung kann je nach Lerntyp helfen, diese eher zu erfassen als ausschließlich über Texte. Die vorgegebenen Kategorien von Wissenschaft über Gesellschaft bis zu Person sind da leider recht starr, die Alternative einer weiteren Öffnung von Gebieten würde die Anwendung jedoch nur noch unübersichtlicher machen.

      2) Die Begriffsschnipsel sind in der Tat auf den ersten Blick merkwürdig kurz. Aus meinen Erfahrungen mit Gymnasialschülern kann ich sagen, dass es ihnen auch noch in der Oberstufe schwerfällt, relevante Informationen aus einem (wikipedia-)Text herauszuarbeiten. Ich kann es nur vermuten, aber man kann wohl davon ausgehen, dass es an anderen Schulformen noch größere Probleme gibt.

      In der Detailverliebtheit vieler, vor allem historischer Artikel liegt m.E. eines der Probleme von wikipedia, zumindest was den Einsatz in der Schule angeht. Manchmal ist es einfacher, einen Einstieg ins Thema zunächst in einem anderen Lexikon mit kürzeren Einträgen zu suchen, um einen ersten Überblick zu gewinnen.

      Ich denke, eyeplorer kann helfen, über die Verbindung von Stichwörtern zu für die eigene Arbeit relevanten Textstellen zu kommen, ohne den ganzen Text lesen zu müssen, was für weniger fleißige Leser und Lerner sicherlich eine Hilfe und in ein entsprechendes didaktisches Szenario eingebettet eine Heranführung an die Arbeit mit Lexika sein könnte.

      Zugegeben nicht viel, aber ich möchte auch noch mal auf die oben genannten englischsprachigen Blogs verweisen, die erste, offensichtlich gelungene Unterrichtsbeispiele aufzeigen: Dort wird es vor allem als Tool für den Einstieg in neue Themen und als Strukturierungshilfe für Schülerarbeiten hervorgehoben. Auf jeden Fall wäre interessant, das Werkzeug im Unterricht auszuprobieren. Vielleicht kann jemand ja auch hier schon erste eigene Erfahrungen beisteuern?

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  2. Dann will ich meine Mittagspause einmal nutzen, um mit meinen (unreflektierten) Gedanken entgegen der Fahrtrichtung in dieses Blog zu radeln 😉

    Meinens Erachtens ist dieses Tool in erster Linie als eine Art „Brainstorming-Maschine“ konzipiert und mag in diesem Kontext auch seinen Zweck erfüllen; besonders für einen ersten Einblick in ein Thema, bzw. zum strukturierten Einstieg. Vorausgesetzt, dass man sich mit der spielerischen/visuellen Art der Wissensstrukturierung anfreunden kann.

    Im schulischen Kontext könnte ich mir eine Verwendung durchaus vorstellen, jedoch nicht unbedingt in der von den Machern dieses Tools intendierten Art und Weise.
    „Eyeplorer“ basiert meines Wissens teilweise auf einem Algorithmus, greift jedoch auch auf redaktionell betreute (gepflegte/ausgewählt/etc.) Inhalte zurück. Dabei wird „Wissen“ in einer bestimmten Weise konstruiert und ein umfassender Überblick (zumindest) suggeriert. Das kritische Hinterfragen dieser visuellen Wissenskonstruktion könnte sich im Hinblick auf die Ausbildung einer „information literacy“ m.E. als fruchtbar erweisen.

    Um bei dem bereits erwähnten Beispiel Demokratie zu bleiben; zentrale Fragen im (Geschichts-)Unterricht könnten sein:
    Welche Begriffe/Konzepte werden mit dem Begriff „Demokratie“ verknüpft?
    Ist das Angebotene Wissenskonstrukt umfassen? Welche Begriffe fehlen (z.B. „Gegenmodelle“ wie etwa Diktatur oder bestimmte Personen)?
    Wer sind die Macher/Redakteure? Welche Intentionen verfolgen sie? Aus welcher Fachperspektive beleuchten sie die einzelnen Themenfelder?
    Wie wird das „Wissen“ strukturiert?
    Ist die Einordnung in die einzelnen Kategorien (Time, Place, Work, etc.) sinnvoll? Hier stellt sich etwa die Frage, warum die Kategorie „Time“ nur vier Begriffe enthält; haben nicht (fast) alle Begriffe auch eine historische Dimension?

    Und der Gleichen mehr …

    Letztlich zielen alle diese Fragen darauf ab, angebotene (multimediale) Inhalte kritisch zu hinterfragen und die (teilweise) technisierte Wissenskonstruktion zu entlarven und ihre „Begrenztheit“ zu thematisieren.

    Ausgehend von diesen Fragen könnten(Oberstufen-)Schüler zu bestimmten Themen/Begriffen eigene Darstellungen entwerfen und diese mit denen des „eyeplorer“ abgleichen. Hinterfragt werden sollten dann die Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten.
    Weitere Fragen könnten sein: Wie und wieso wurde der Begriff von den SuS so strukturiert? Finden sich Unterschiede innerhalb der Schulklasse (Stichwort: Perspektivität)? Wo sind Lücken/Unklarheiten/etc.? Wo liegen die Vorteile einer solchen Visualisierung, wo die Nachteile? …

    Alles nur spontane Gedanken in der Mittagspause! Praktische Erfahrungen würden mich interessieren … Viele Grüße aus Gießen *f_dt

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  3. Pingback: weblog.histnet.ch » Blog Archive » Medien im Geschichtsunterricht – Geschichtsblog des Monats September 2009

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