Deutsch-Polnisches Schulbuch: Lehrerworkshop auf der Didacta

Da hier im Blog bereits mehrfach über das deutsch-polnische Schulbuchprojekt berichtet und diskutiert wurde, ist die Aufnahme des folgenden Hinweises nur folgerichtig:

Unter dem Titel “Ein neuer Blick auf die Geschichte Europas? Innovative didaktische Ansätze im Geschichtsbuch” findet am 21.02. auf der Didacta in Köln ein gemeinsamer Workshop von Universum Verlag und dem Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung statt. Im Workshop werden erste Auszüge aus dem Schulbuch vorgestellt. Diese sollen von Lehrkräften der Sekundarstufe I diskutiert und beurteilt werden.

Die eigenen Ansprüche des Schulbuchprojekts sind hoch: ein Lehrwerk für die Sekundarstufe I, das allen Lehrpläne der 16 Bundesländer sowie dem Curriculum in Polen gerecht wird und auch die unterschiedlichen methodischen Traditionen berücksichtigt, das die binationale Verflechtungsgeschichte in den Blick nimmt und zugleich darüber hinaus, aber als erstes Lehrwerk einen globalgeschichtlichen Ansatz umsetzen will.

Ich bin gespannt auf die Umsetzung dieses ambitionierten Projekts. Trotz massiver öffentlicher Förderung scheint eine Lizensierung als Open Educational Resource wohl leider weiter kein Thema.¹

Der Workshop ist offen für alle interessierten Kollegen, erfordert jedoch vorherige Anmeldung. Weitere Informationen und Anmeldungen finden sich hier.

¹ Aktuelle Meldung bei heise.de zur Finanzierung von freien Bildungsmedien: “Experten der von Google finanzierten Denkfabrik Collaboratory haben sich im Rahmen der Initiative ‘Lernen in der digitalen Gesellschaft’ dafür eingesetzt, freie Bildungsmedien stärker zu fördern. Die Politik müsse darüber nachdenken, dass zumindest mit Steuergeldern erzeugte Lehrmaterialien auch offen bereit gestellt werden, erklärte Jutta Croll, Geschäftsführerin der Stiftung Digitale Chancen, am Mittwoch vor der Abschlusskonferenz der dafür zuständigen Arbeitsgruppe in Berlin.”

Kriegsgefangenenlager als Erinnerungs- und Lernorte 1

Zwei Wochen ist es mittlerweile her, aber die Zeit zum Schreiben ist leider nicht immer da. Als Fachberater war ich Teilnehmer einer Lehrer-Studienfahrt in die polnische Partnerregion von RLP: die Woiewodschaft Opole. Organisiert wurde die Fahrt vom Referat Gedenkstättenarbeit der Landeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit dem Oppelner Bildungskuratorium. Eine solche mehrtägige Veranstaltung wird bereits seit einigen Jahren angeboten, in der Regel als gemeinsame Fahrt von deutschen und polnischen Lehrkräften zu Gedenkstätten in beiden Regionen mit dem Fokus darauf, wie man dort mit Schülern in Begegnungs- und Austauschmaßnahmen arbeiten kann.

Besonders beeindruckt hat mich das Museum, der Friedhof und die Gedenkstätten in Łambinowice /Lamsdorf. Das Potential dieses ebenso schrecklichen wie vermutlich einmaligen Ortes für historisches Lernen werde ich in den nächsten Tagen versuchen in einem zweiten Beitrag aufzuzeigen.

Ich muss zugeben, dass ich mich zuvor nie mit Kriegsgefangenenlagern auseinandergesetzt habe. Unter den Teilnehmern der Fahrt war auch das Ehepaar Spietz, das seit 25 Jahren mit viel Engagement und wenig Unterstützung ein kleines Museum zum Kriegsgefangenenlager der Alliierten im rheinland-pfälzischen Bretzenheim aufgebaut hat (zur Geschichte des Lagers siehe den Beitrag auf den Seiten des Landeshauptarchivs).

Das ist ein schwieriges Thema, an dem sich auch eine größere gesellschaftliche Debatte der letzten Jahre festmacht. Auf der Fahrt kam im Gespräch dann die fast schon zu erwartende Replik, dass die deutschen Kriegsgefangenen ihre Haft und die Bedingungen quasi “verdient” gehabt hätten und sich das Gedenken nicht auf die Deutschen als Opfer fokussieren dürfe.

Was mir persönlich auf dieser Fahrt erst klar geworden ist: Ehemalige Kriegsgefangenenlager als Orte der Erinnerung dürfen nicht den rechten Parteien und Organisationen überlassen werden. Diese bemühen sich zunehmend darum, Kriegsgefangenenlager als vergessene Orte deutscher Geschichte zu vereinnahmen. Das wird in den Berichten des Ehepaar Spietz über die Besucher des Museums klar, zeigt sich aber auch z.B. in Remagen, wo auch in diesem Jahr am 24.11. wieder ein Neo-Naziaufmarsch geplant ist.

Wie einem Bericht der Rhein-Zeitung von letzter Woche zu entnehmen ist, gibt es bereits seit 2005 in Remagen, wo es neben der berühmten Brücke ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager sowie einen Soldatenfriedhof gibt,  immer wieder rechte Demonstrationen.

Meiner Meinung reichen anlassbezogene Gegendemonstrationen nicht aus. Die alliierten Kriegsgefangenenlager müssen Thema der historisch-politischen Bildung werden. Das Feld darf nicht anderen überlassen werden, die sie für ihren revisionistischen Ziele missbrauchen.

Die Institutionen politischer Bildung müssen sich dieser Orte annehmen. Engagierte Einzelpersonen dürften damit in der Regel überfordert sein. Sie brauchen fachliche und organisatorische Unterstützung. Einen Auftakt in Rheinland-Pfalz hat die Landeszentrale für politische Bildung mit einer Fachtagung zum Thema im August gemacht.

Das Kreismedienzentrum Ahrweiler hat nun zum Kriegsgefangenenlager einen kurzen Info-Film produziert. Die Stimme aus dem Off erzählt für meinen Geschmack etwas anstrengend langsam und allzu moralisch mahnend. Als Geschichtslehrer hätte ich mir den Film informativer gewünscht. Nichtsdestotrotz ist der Film wichtig. Besonders um auch die historische Darstellung  des Themas auch im Netz zu besetzen. Der Film ist im Artikel der Rhein-Zeitung verlinkt, über Youtube verfügbar und sollte auch im Unterricht Verwendung finden.

Über die Fußball-EM im Unterricht zum Thema Nation und ihrer Konstruktion

Große Sportereignisse bieten auch immer die Möglichkeit, Themen, die sonst weniger Aufmerksamkeit erhalten, stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. So ist dies auch mit der EM in Polen und der Ukraine. Sport ist nicht nur gegenwärtig, sondern war immer auch Politik. Während die Ukraine als Austragungsort gerade hoch politisiert wird, gerät Polen in der Debatte etwas ins Abseits. Dabei kann die EM Anlass sein, unsere Nachbarn besser kennenzulernen und z.B. die deutsch-polnischen Beziehungen auch im Unterricht aufzugreifen.

Dies lässt sich anhand der großen Politik tun, oder aber an Fußballgeschichte, an konkreten Biographien einzelner Spieler, wie z.B. Ernst Willimowski bzw. Ernest Wilimowski:

Seine Fußballlaufbahn begann er 1927 mit elf Jahren im deutsch-oberschlesischen 1. FC Kattowitz, wo er bis zum Jahr 1934 erfolgreich spielte. Nach dem Wechsel zu Ruch Wielkie Hajdukiwurde er bereits 1934 als 18-Jähriger polnischer Fußball-Meister. Diesen Titel errang er mit seinem Team auch 1935, 1936 und 1938. In 86 Spielen für Ruch Chorzow schoss Willimowski 112 Tore und wurde 1934 und 1936 polnischer Torschützenkönig.

Am 21. Mai 1934 debütierte er in der polnischen Nationalmannschaft in Kopenhagen gegen Dänemark. Polen verlor das Spiel mit 2:4. Vor dem Zweiten Weltkrieg spielte er 22 Mal für die Polnische Nationalmannschaft. [...] Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen unterschrieb Willimowski die deutsche Volksliste. [...] 1941/42 absolvierte er acht Länderspiele für die Deutsche Nationalmannschaft.

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Willimowski

Dass das Thema nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist, zeigen die neuen Veröffentlichungen und Veranstaltungen (Auswahl siehe unten).

Buch

Thomas Urban, Schwarze Adler, weiße Adler. Deutsche und polnische Fußballer im Räderwerk der Politik, Göttingen 2011. Lizenzausgabe der BpB 2012

Artikel

Marcin Wiatr, “Der oberschlesische Fußballplatz – ein europäischer Erinnerungsort?”, in: Inter Finitimos 9 (2011) – Themenschwerpunkt: Fußball, S. 22-47.

Konferenz

Konflikt und Konkurrenz: Deutsch-polnische Beziehungsgeschichte im Fußball. Ein historisches Symposium aus Anlass der Euro 2012 in Polen und in der Ukraine, FES Berlin, 29.-31.5.2012, Link

Ausstellung

Ausstellungseröffnung „Willimowski, Klose, Podolski & Co. • Oberschlesier in der deutschen und polnischen Nationalmannschaft – gestern und heute“  am 8. Juni 2012 im Amerika-Haus, Berlin, PDF 

Für den Geschichtsunterricht aufbereitet, wurde das Thema meines Wissens noch nicht. Lehrplanthemen an Fußballgeschichte aufzuhängen ist nichts Neues, für 1954 und 1974 kenne ich da einige Beispiele auch aus den bekannten Fachzeitschriften (zuletzt in Geschichte lernen Nr. 47).

Bücher und Aufsätze können das Material liefern, um hier exemplarisch eine Unterrichtseinheit vorzubereiten und passend zur EM das spannende und komplexe Thema der deutsch-polnischen Beziehungen und der Konstruktion von regionalen bzw. nationalen Identitäten an konkreten Spieler- und/oder Vereinsbiographien anschaulich im Unterricht aufzugreifen.

Kurzum die Frage: Hat jemand Interesse kollaborativ in einem Google Doc zum Themenkomplex: Deutsch-polnische Beziehungsgeschichte, Konstruktion von Nation und Nationalismus am Beispiel der oberschlesischen Fußballer und Vereine eine Unterrichtseinheit für eine 10./11. Klasse zu entwickeln?

http://goo.gl/HXCWE

Das wäre auch methodisch ein spannendes Experiment. Zwar habe ich über solche Dokumente bereits kollaborativ an Texten gearbeitet, gemeinsam eine kurze Unterrichtseinheit auf diesem Wege habe ich bisher noch nicht erstellt. Ich würde mich freuen, das mal mit ein paar Kollegen auszuprobieren!

Updates zum Projekt des deutsch-polnischen Schulgeschichtsbuchs

Update 1: Pressemitteilung der KMK vom 14.03.:

“Die Kultusministerkonferenz misst dem deutsch-polnischen Vorhaben ‘Schulbuch Geschichte’ einen hohen politischen Stellenwert für die bilateralen Beziehungen bei. Sie sorgt mit ihrem Beschluss für die notwendige finanzielle Grundlage des geplanten Lehrwerkes und spricht sich vor allem mit Blick auf die besondere Bedeutung für künftige Schülergenerationen beider Länder für den weiteren Fortgang des Projekts aus.”

http://www.kmk.org/presse-und-aktuelles/meldung/beschluss-zum-deutsch-polnischen-geschichtsbuch.html

Update 2: netzpolitik.org vom 04.04.:

“Wie die polnische Stiftung Nowoczesna Polska (“modernes Polen”) gestern mitteilte, soll in Polen eine mit fast 11 Millionen Euro ausgestattete Initiative für die Schaffung offener Bildungsmaterialien gestartet werden. Ziel des Projektes ist es, Schüler der Klassenstufen vier bis sechs mit einem vollständigen Satz kostenloser und aktueller digitaler Schulbüchern zu versorgen. Polens Premier Donald Tusk verabschiedete das Vorhaben gestern.

Das besondere an dem Unterfangen: Sämtliche Materialien sollen unter der CC-BY-Lizenz veröffentlicht werden. Dadurch können die Bücher (unter Nennung des Autorennamens) beliebig kopiert, vervielfältigt und verändert werden.”

http://netzpolitik.org/2012/polen-setzt-auf-offene-bildungsmaterialien/

Jetzt bräuchte man nur noch 1+1 zusammenzählen bzw. das eine mit dem anderen zusammenzubringen (siehe dazu bereits den Beitrag im Blog vor rund einem Monat)…

Gute Nachrichten für deutsch-polnisches Schulgeschichtsbuch

In einer Pressemitteilung gab das Auswärtige Amt gestern bekannt, dass es das deutsch-polnische Schulbuchprojekt unterstützen wird. Die Finanzierung von polnischer Seite steht schon länger, dort scheint auch auch bereits ein Verlag gefunden, der das Projekt umsetzen will.

Thomas Strobel vom GEI, der das Projekt als wissenschaftlicher Sekretär betreut, hatte den aktuellen Stand im November auf der Tagung “Polen im deutschen Schulunterricht” des Deutschen-Polen-Instituts vorgestellt. Die Finanzierungszusage ist nun eine weitere wichtige Etappe auf dem Weg zum Lehrwerk.

Bisher habe ich nichts davon gehört oder gelesen, dass sich auch ein deutscher Verlag – im Gegensatz zum Pilot- und Leuchtturmprojekt des deutsch-französischen Geschichtsbuchs – gefunden hätte. Das ist sehr bedauerlich. Zu vermuten ist, dass hier Wirtschaftlichkeitserwägungen ausschlaggebend sind. Das deutsch-polnische Schulbuch scheint bei den Verlagen auch nicht als Vorzeige- und Prestigeprojekt begriffen zu werden, oder wie lässt sich sonst die Zurückhaltung erklären? Die Produktion wird nun offensichtlich über massive staatliche Zuschüsse, also Steuergelder, ermöglicht.

Außer Frage steht für mich, dass es sinnvoll ist, das Projekt mit öffentlichen Geldern zu fördern. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob die Geld Deutschlands und Polens sinnvoll angelegt sind, in einem Projekt, dass dann auf ein abgeschlossenes, gedrucktes Lehrwerk hinauslaufen, das durch Verlagen vertrieben wird und mit denen sie ggf. doch – je nach Höhe der Deckung durch die Zuschüsse – Gewinn erwirtschaften? Die Schulbuchverlage haben keine Monopolstellung auf die Expertise bei der Erstellung von Lehr- und Lernmaterialien. Vielmehr hemmen sie in ihrer konservativen Haltung zumindest zur Zeit zumindest in Deutschland die didaktische und methodische Weiterentwicklung von Schulbüchern in digitalen Form.

Wenn also nun schon Gelder in diesem Umfang aus öffentlicher Hand für das Projekt zur Verfügung gestellt werden, warum macht man daraus nicht zugleich auch ein Leuchtturmprojekt für ein digitales “Schulbuch”, das neu gedacht wird mit den Möglichkeiten des Digitalen und kein reines Onlinestellen einer Printversion ist und entsprechend als Open Educational Ressource unter Creative Commons-Lizenz verfügbar ist? Die Chance, die sich hier bietet, ist groß, weil die Gelder da sind, die in anderen Projekte fehlen. Hinzu kommt, dass die das Projekt betreuenden Institutionen, auf deutscher Seite u.a. das GEI und die KMK, mehr als genug Know-How und Kompetenzen für Umsetzung eines solchen Projektes haben.

Der nächste Schritt wäre dann entsprechend des eigenen Anspruchs des Projekts die Antragsstellung, dieses auf alle Lehrpläne zugeschnittenen Werks in Polen sowie den Bundesländern als reguläres Lehrbuch zuzulassen. Das käme einer kleinen Revolution im Bildungswesen gleich und verlangt sicherlich Mut.

Wenn man darauf verzichtet, diese Chance zu nutzen, hoffe ich, das es nicht nur darum geht, dass am Ende einige Bildungspolitiker die Möglichkeit haben, mit einem gedruckten Buch in der Hand vor den Kameras zu posieren… das geht mit einem digitalen Lernbuch natürlich nicht.

Polen im Unterricht

Von Donnerstag bis Samstag vergangener Woche war ich auf einer sehr anregenden, interdisziplinären Tagung zu “Polen im deutschen Schulunterricht” (Programm), die vom Deutschen Polen-Institut in Heppenheim organisiert war. Ein kleiner Tagungsbericht folgt noch. Aufgrund der zahlreichen Hinweise der Vortragenden ist aber auch die Linksammlung mit Unterrichtsmaterialien und Informationen zur Geschichte Polens und der deutsch-polnischen Beziehungen deutlich angewachsen und kann hier eingesehen werden.

Vielleicht kennt ja auch noch jemand weitere Hinweise auf Materialien im Netz…

Polnische Geschichte und die deutsch-polnischen Beziehungen sind im deutschen Unterricht weiterhin  unterrepräsentiert, obwohl an vielen Punkten beispielhaft europäische oder sogar globale Entwicklungen besprochen werden könnten, aber dazu im Tagungsbericht in den kommenden Tagen mehr.

Hinweis auf zwei Seiten zum Holocaust

Beide Seiten habe ich letzte Woche “entdeckt” und die in der letzten Woche als Links schon die Runde in den sozialen Netzwerken gemacht haben. Die Links finden sich auch in der Diigo-Gruppe und daher zur Zeit auch noch aktuell hier oben rechts in der Spalte neben dem Text.

Versteckt wie Anne Frank  ist eine Seite, die auf dem Buch Andere achterhuizen beruht und auf einer Karte Verstecke anderer Juden und ihre Fluchtwege in den Niederlanden zeigt. Mit Klick auf die einzelnen Punkten erhält man dann Erzählungen und weitere Informationen zu den 23 dort dokumentierten Geschichten. Über eine Liste der versteckten Personen ist auch ein alphabetischer Zugang über deren Namen möglich.

Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt präsentiert Dokumente aus dem letzten Jahr des Bestehens des Ghettos. Kern der Seite bildet die Chronik, die in transkribierten Tagesberichten der jüdischen Ghetto-Verwaltung von August 1943 bis Juli 1944 einen Einblick in den Alltag des Ghettos bietet. Ergänzt werden die Tagesberichte durch gut verständliche Informationen zur Entstehung der Chronik, den Chronisten und dem Ghetto. Außerdem bietet die Seite noch eine Fotosammlung sowie einige der Tagesberichte als Audiopodcast.

Beide Seiten eignen sich hervorragend zum Einsatz im Unterricht, vor allem zur eigenständigen Arbeit der Lernenden.

Bericht zum deutsch-polnischen Schulgeschichtsbuch

Die aktuelle Ausgabe der Polen-Analysen widmet sich dem gemeinsamen Schulbuchprojekt mit einem Beitrag von Krzysztof Ruchniewicz. Die Polen-Analsysen werden vom Deutschen Polen-Institut hin Darmstadt erausgegeben und sind kostenlos als PDF-Dokument herunterladbar.

Wenn man das so liest, dann sieht es wohl (leider) eher nicht gut damit aus, dass das Projekt auch eine Umsetzung erfährt…

Aufstände und Widerstand im 2. Weltkrieg in Schulbüchern

Zur Unterrichtsvorbereitung habe ich gestern, da im eingeführten Geschichtsbuch nichts enthalten war, in verschiedenen anderen Lehrwerken nach Darstellungen und Material zum Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 und zum Warschauer Aufstand 1944 gesucht.

Vielleicht habe ich zufällig die falschen Bücher zuhause, aber zu meinem Erschrecken habe ich fast nichts gefunden: Eine Seite in einem Mittelstufenbuch zum Ghetto-Aufstand mit Bild und zwei Quellen stach bei der Suche positiv hervor und war zugleich die umfangreichste Darstellung. Wenn überhaupt fanden sich in den anderen Lehrwerken einzelne Sätze zum europäischen Widerstand. In einem Buch war zwar in der Nachkriegsgeschichte der Kniefall Brandts ausführlich thematisiert, das Ghetto und der Aufstand zuvor jedoch nicht. Mir persönlich ist völlig unverständlich, wie hier Zusammenhänge verstanden werden sollen.

Aufgefallen ist mir beim Durchblättern der Werke, dass gerade die Bilder der Kapitel zum Holocaust weiterhin die Vorstellung von wehrlosen (jüdischen) Opfern “wie Schafe auf dem Weg zur Schlachtbank” unterstützen. Handlungsoptionen und jüdischer Widerstand werden (fast) nirgendwo thematisiert (siehe hingegen die anregenden Beiträge im Magazin von Lernen aus der Geschichte vom 20. Januar 2010). Fündig geworden bin ich dann in einem Heft von Praxis Geschichte aus dem Jahr 1995 (!), dem übrigens auch die beiden Quellenauszüge aus dem erwähnten Mittelstufenbuch entnommen sind. (Wobei mir natürlich bekannt ist, dass es einige jüngere Veröffentlichungen von Materialien für den Geschichtsunterricht gibt, ich habe aber leider eben nicht alles griffbereit am heimischen Schreibtisch. Außerdem handelt es sich eben um Zusatzmaterialien und nicht um Schulgeschichtsbücher.)

Es betrifft im übrigen nicht nur den Holocaust, sondern die unterschiedlichen Widerstandsbewegungen in ganz Europa: Was sich durchgängig in den Schulgeschichtsbüchern findet, sind vergleichsweise umfangreiche, mehrseitige  Kapitel zum deutschen Widerstand (vor allem Scholl, Kirche und Stauffenberg). Was ich mich frage: Wie  soll Europa zusammenwachsen, wie sollen deutsche Jugendlichen ihre Nachbarn verstehen, wenn sie nie (zumindest im Geschichtsunterricht nicht) etwas von der Armia Krajowa, der Résistance oder dem Verzet gehört haben? Die Mythen und die Diskussion um diese Bewegungen spielen in unseren Nachbarländern bis heute eine wichtige Rolle für das Selbstverständnis und in der politischen Debatte.

Ist mein beschriebener Eindruck nicht völlig verkehrt und sind Schulgeschichtsbücher tatsächlich, wie so oft behauptet, weiterhin Leitmedium des Unterrichts, scheint mir hier – wiederum – eine höchst problematische Akzentuierung auf einen nationalstaatlichem Fokus vorzuliegen.

Gestern sind ja die Empfehlungen für ein deutsch-polnisches Geschichtsbuch vorgestellt worden. Man darf gespannt sein, inwiefern dies Anregungen zu einer notwendigen Perspektivverschiebung gibt und vielleicht zudem zu eingeführten Lehrwerken einen sinnvoll ergänzenden Materialfundus liefert.

Hinweise auf gute Materialien online oder auf Papier sind übrigens herzlich willkommen!