Classroom4.eu jetzt auch auf Facebook

Nachdem die Finanzierung für die Webseiten zumindest für die nächsten zwei Jahre gesichert erscheint, haben wir uns nun neben dem Twitter-Account auch einen Facebook-Auftritt zugelegt. Wer also über das Projekt auf dem Laufenden bleiben will, hat nun eine Möglichkeit mehr sich zu informieren.

Vielleicht hat ja noch jemand Lust und Zeit am Ende des Schuljahres mit einem Oberstufenkurs an einem der Themen zu arbeiten und kurze Artikel schreiben zu lassen. Die Beiträge der Schüler können dann auch auf classroom4.eu veröffentlicht werden.

Es gibt bereits Essays auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Alle Beiträge stehen unter CC-Lizenz und können auch als Material für den Unterricht genutzt werden. Es können auch selbst erstellte Bilder und Videos ergänzend zum Text eingereicht werden

Ideen und Anregungen, wie mit dem Projekt im Unterricht gearbeitet werden kann, finden sich hier in einem Google Doc zusammengefasst. Ansonsten  stehe ich für Fragen auch gerne zur Verfügung.

“Will you join me in this revolution?”

Gestern habe ich ein paar Auszüge aus der Rede der EU-Kommissarin Neelie Kroes auf der Online Educa vom 1. Dezember als Kommentar unter die Diskussion zum #speedlab2 gepostet. Da geht der Text meines Erachtens aber etwas verloren und ich finde die Rede so klasse, dass ich einige Auszüge in einem eigenen Artikel nochmal aufnehmen möchte. Den Volltext gibt es übrigens hier und den kann man auf der Website von Neelie Kroes auch kommentieren und disktutieren. Die Aufzeichnung der Rede als Video habe ich leider noch nicht gefunden.

Ladies and Gentlemen,

[…] In the last 20 years, the information and communications revolution has really taken off. The Internet, smart-phones and tablets are a world of opportunity. And they are as readily available, as readily usable for today’s generation as the home telephone, radio and the television once were. These days people can enjoy access to information and expect it anytime, any place, anywhere. [...]

Elsewhere in the world, people have realised this potential. In South Korea, all classrooms will go fully digital by 2015, ending the paper and textbook era. I recently visited a primary school in the slums of Nairobi, Kenya – and even there they’ve realised the potential of ICT, they are teaching kids computers. Even there it’s having an impact on the children, broadening their skills, expanding their horizons, and opening up new hope for the future.

So, why, here in Europe, do most of our classrooms still feel like they did when I was at school? When digital media can be combined to create interactive rich content to help teaching: why are we still based on blackboards, textbooks and a uniform approach for everybody? In today’s digital world, are we really doing all we can to ensure we use the digital revolution to educate, to enrich, to enlighten?

My goal in the EU is clear: to get Every European Digital. That has to include education and training. We need every teacher digital, and every student digital. Right from the very start of formal education, and as part of lifelong learning.

[…] If these solutions can transform our relationship to knowledge – how we find it, access it, acquire it – then it is our duty to make sure everyone has that opportunity. They should not have to wait until they are locked onto a career path – they should have these opportunities from the earliest age, including at school.

No two people learn alike. There are as many ways to learn as there are learners. Some people need time to approach an idea from new angles; but those who get it straight away will get bored if they can’t move on. Some people want to hear an explanation, others to see a demonstration. Some learn best by themselves, others in a group. Some in a formal learning environment; others at home over morning coffee. And so on.

Technology can respond to this: it can tailor learning. It can help people learn at their own pace, in their own way, wherever they are, and throughout their lives. Let’s embrace that fact. And let’s change the way we learn.

Because if we don’t provide these opportunities we will be guilty of a grand failure: a failure to give our children the best chance in life.

Of course, the words are the easy part. I know you share a desire to fulfil this potential. The hard part, of course, is changing things. [...]

To really make this case, we need to join forces. Because to transform education, we will need not just education experts; not just technology experts; not just funding experts. We need all three: we need people from all those areas to sit down, work together, and understand each other’s needs. That is the only way to get products which are useful to teachers, trainers and students. Products which are reliable, user-friendly, and which make a difference on the frontline.

I propose to get everyone together: in a common, multi-stakeholder platform. So those making technology can learn the needs of those in education. So educators can learn, support and champion the benefits of new technology. And, overall, so we can mainstream new technology into the European education and training systems. […]

Changing learning through technology might not be an overnight process – but it will be a revolutionary one.

At the moment, we are on the right road, but we are moving too slowly. So let’s speed up – let’s work together to put this right at the centre of our public policy agenda. Information and communications technology has already transformed how we connect, interact and transact. With the right ingredients and the right approach, we can also give learning and education their rightful place in this revolution. […]

We have to think not of “what is”; but “what could be”. Not simply to repeat the comfortable habits of the past; but to capture the massive opportunities of the digital future. Learning new things is not just for pupils and trainees: it is for everybody in our education and training system. Teachers, too, can learn to do things differently.

If we do this, we can build a system where teachers have the technological tools to reach out to students of all needs, backgrounds, and abilities. We can stimulate an economy that produces wild, exciting innovations to support the education sector. And we can build a society where education is an endless adventure for everybody.

Ladies and gentlemen: will you join me in this revolution?

Ich habe vor, den gekürzten Text der Rede morgen zur Grundlage für eine Seminarsitzung mit Geschichtsreferendaren zu machen. Im Mittelpunkt der Diskussion sollen dann die folgenden drei Fragen stehe

- Wie wirkt sich der durch die Digitalisierung bedingte gesellschaftliche und technologische Wandel auf den Geschichtsunterricht aus?
- Wie kann der Geschichtsunterricht auf diese Herausforderungen reagieren?
- Wie können die Möglichkeiten der digitalen Medien für historisches Lernen genutzt werden?
 

Natürlich könnte man einwenden, dass aufgrund des Wandels sich vielleicht in Zukunft auch die bestehende Struktur von Schule und vor allem die Unterteilung in Fächer auflösen wird, hier geht es jedoch um einen pragmatischen Ansatz zu notwendigen und möglichen Veränderungen auf Ebene des Unterrichts.

P.S. Nachdem es im Seminar eben so viel Kritik als Reaktion auf den Text gegeben hat, habe ich einige Stellen im Text noch einmal markiert und damit hervorgehoben. Im Volltext findet sich die Idee dann auch noch ausführlicher.

Mit classroom4.eu im Unterricht arbeiten

Der Beitrag ist etwas länger und liegt daher auf Google Docs. Darin habe ich versucht darzustellen, wie sich mit der Arbeit an dem europäischen Projekt classroom4.eu Unterricht öffnen und individualisieren lässt, um unterschiedlichen Interessen und Neigungen von Schülerinnen und Schülern zu berücksichtigen und ihnen verschiedene thematische Zugänge zu bieten.

Das Feedback zu durchgeführten Projekten war von den Lernenden relativ gut. Die Kritik bestand vor allem darin,  dass es viel Arbeit gewesen sei. Positiv hervorgehoben wurde, dass das Gelernte auch in anderen Fächern und  über die Schule hilfreich und nützlich ist.

Die Arbeit an classroom4.eu eignet sich m.E. besonders zum Einstieg in die Oberstufe und die methodische Schulung grundlegender Arbeitstechniken wie Recherche, Exzerpieren und Bibliographieren. Zugleich bieten sich den Lernenden für ihre Texte Internet eine Publikationsmöglichkeit, was neben der Idee der Mitarbeit an einem  innovativen europäischen Bildungsprojekt zusätzlich motivierend wirken kann.

Der auf Google Docs liegende Text kann vielleicht Hilfe und Anleitung sein, diese Art offenen, projektförmigen Arbeitens im eigenen Unterricht auszuprobieren. Über Rückmeldungen und konstruktive Kritik würde ich mich freuen!

Das Geschichtsbild des Empörten

Seit einer Weile lag die Streitschrift von Stéphane Hessel hier auf dem großen Stapel der ungelesenen Bücher. Jetzt habe ich das Buch endlich gelesen und mein erster Eindruck nach Lesen des letzten Satzes war: “Und das war’s schon?” Der Text Hessels lässt sich kurz zusammenfassen: “Liebe Jugendliche, schaut euch um und ihr findet schon etwas, über das ihr euch empören könnt. Macht alles, nur habt bitte keine Null-Bock-Haltung. Das geht gar nicht.” Nichts, was man vorher nicht auch schon gehört hätte. Meine Lehrer haben mir als Schüler mit anderen Worten auch schon vor zwanzig Jahren leierkastenhaft gepredigt.

Das Lesen hat meinen Eindruck bestärkt, dass in den aktuellen europäischen Protesten, auch die spanischen Jugendlichen beziehen sich als “Empörte” (Indignados) explizit auf das Buch Hessels (spanische Übersetzung des Titels: “¡Indignaos!”), weniger um die Rezeption der (dünnen) Inhalte des Buches geht, sondern um die Übernahme der griffigen Slogans: “Indignez-vous!” sowie am Ende “Créer, c’est résister. Résister, c’est créer.” (S. 22, alle Angaben beziehen sich auf die Ausgabe: Indigène Editions, 12. Auflage, Januar 2011)

Was mir beim Lesen allerdings auffiel, ist das explizite Geschichtsbild, das der Argumentation Hessels zugrunde liegt. Zum einen bezieht er sich auf selbst erlebte Geschichte, vor allem die Résistance und die Ausarbeitung der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Diese Errungenschaften bilden den Ausgangspunkt seiner eigenen Empörung: “C’est tout le socle des conquêtes sociales de la Résistance qui est aujourd’hui remis en cause.” (S. 11)

Zum anderen expliziert er seine Vorstellungen von Geschichte als lineare und sinnhafte Entwicklung: Die Geschichte der Menschheit als Fortschritts- und Erfolgsgeschichte. Das Ziel der Geschichte sei die vollständige Freiheit des Menschen in einem idealen demokratischen Staat. (S. 13)

Diese Überzeugung speise sich aus seinem naturgegebenen Optimismus, dem er das Denken und Leben Walter Benjamins, den er als “väterlichen Freund” bezeichnet, gegenüberstellt, der eine negative Botschaft gehabt und Geschichte als unvermeidliche Kette von Katastrophen wahrgenommen habe und dessen Leben (deshalb quasi folgerichtig) im Selbstmord geendet hätte (S. 14) und nicht in einer Beteiligung am Aufstand der Résistance wie Hessel selbst.

Auch wenn Hessel von der “langen Geschichte der Menschheit” spricht, haben seine historischen Ankerpunkte wenig zeitliche Tiefe. Die zunehmend große Kluft zwischen Arm und Reich ist für ihn eine “Erfindung des 20. und 21. Jahrhunderts”. (S. 14) Etwas weiter fordert er dann, dass man mit dem westlichen Denken von Wachstum und eines “Immer mehr” (S. 20) brechen müsse.

Dass sich keine reine Erfolgsgeschichte erzählen lässt, ist Hessel natürlich nicht zuletzt aufgrund seiner Lebenserfahrung klar. Also versteht er Geschichte als eine Erzählung von Etappen des “Fortschritts”, die immer wieder auch “Rückschläge” erleidet. Er stellt die beiden Begriffe “progrès” und “récul” einander gegeüber und füllt sie mit einigen Beispielen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (S. 21) Da aber das Ziel der geschichtlichen Entwicklung die Freiheit des Menschen sei, dürfe man hoffen, müsse sich den Herausforderungen stellen und seinen Teil zur Verwirklichung der Geschichte beitragen. Die Hoffnung ist ein zentraler Begriff seiner Überlegungen und speist sich aus seinem historischen Fortschrittsoptimismus.

Man muss nicht erst die für den Geschichtsunterricht entwickelten Kompetenzmodelle zugrunde legen, um die vergleichsweise Naivität dieser teleologischen Konzeption von Geschichte zu erkennen, die in der Tradition der europäischen Aufklärung steht. Sie bildet allerdings den Kern von Hessels Argumentation: Aus dem erkannten Gang und Ziel der historischen Entwicklung leitet er die Hoffnung auf Fortschritt und Freiheit ab, die für ihn die Basis für die Aufforderung zu Empörung und Engagement bilden.

Auch wenn, wie eingangs gesagt, vermutlich mehr die Slogans als der gesamte Text Hessels von den Protestierenden in Europa rezipiert werden, stellen sich mir die Fragen, warum gerade dieser Text so erfolgreich ist und ob nicht ein optimistischer Fortschrittsglaube, der weniger auf Hessels Buch, als auf einem allgemein verbreiteten naiven Vorstellungen vom Verlauf der Geschichte aufbaut, auch eine wesentliche Grundlage für die Bereitschaft vieler Menschen zum gesellschaftlichen Engagement und Protest darstellt?

La memoria de Europa – The memory of Europe

Die aktuelle Ausgabe der von der Stiftung der europäischen Akademie in Yuste herausgebenen Pliegos de Yuste ist online. Die Artikel sind alle auf Englisch und Spanisch verfügbar und dem Oberthema der Erinnerungskultur gewidmet. Die meisten Beiträge beschäftigen sich mit der aktuellen Situation in Spanien. Dort beginnt man seit einigen Jahren die Aufarbeitung der Franco-Diktatur (1936/1939-1975), verbunden mit sehr kontroversen juristischen und politischen Debatten, die 2007 u.a. in ein Gesetz zur historischen Erinnerung (Ley de Memoria Histórica) durch die regierenden Sozialisten mündeten.

Im Heft ist übrigens auch ein kleiner Beitrag (PDF) meinerseits zu “Gipfel-” bzw. Herrschertreffen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zwischen Karl V. und Franz I.

Die europäische eTwinning-Konferenz und der Leitmedienwechsel in der Schule

Die letzten drei Tage war ich in Budapest auf der europäischen Jahreskonferenz von eTwinning. Für alle Leser, die eTwinning noch nicht kennen sollten, hier eine kurze Beschreibung:

eTwinning ist ein Programm der europäischen Union, in dem seit 2005 eine  Internetplattform für europäische Schulprojekte zur Verfügung gestellt wird. Es gibt eine Lehrerplattform, die sich in Form und Aussehen zunehmend sozialen Netzwerken annähert und den Austausch zwischen Lehrkräften aus ganz Europa sowie die Anbahnung von Projektpartnerschaften ermöglichen soll. Wer zumindest einen Partner aus einem der 31 teilnehmenden Länder (neben den 27 der EU auch noch Norwegen, Island, Kroatien sowie die Türkei) hat, bekommt zur Arbeit mit den Schülern einen „virtuellen Klassenraum“, den sogenannten Twinspace, zur Verfügung gestellt, der die gängigen digitalen Werkzeuge wie Wiki, Fotogalerie, Dateiablage, Forum, Chat etc. enthält. eTwinning ist ein europäisches Leuchtturmprojekt. Aktuell sind auf der Plattform fast 130.000 Lehrkräfte registriert.

Unter anderem im Nachklapp auf das 7. Educamp und die „Keine Bildung ohne Medien“-Konferenz und in Vorbereitung auf die re:publica XI, wird in einigen Blogs sowie auf Twitter gefragt und diskutiert, warum Lehrer kaum mit digitalen Medien arbeiten (viele Befragungen scheinen das ja zu belegen) und wie sich dies gegebenenfalls ändern ließe. Es geht natürlich nicht um das Einführen und die Anleitung im Gebrauch einzelner „Werkzeuge“, sondern um die Frage, wie Schule auf die Anforderungen eines  gesellschaftlichen Wandels hin zu einer digitalen Welt reagieren muss, der mit dem Leitmedienwechsel einhergeht und grundlegend den Umgang mit Informationen (deren Rezeption, Organisation und Produktion) verändert.

Daraus folgt, dass es auch nicht nur um eine Lernplattform, hier: eTwinning, geht. Ich finde es aber – und das ist mir tatsächlich erst dieses Wochenende in Budapest klar geworden -, erstaunlich, dass eTwinning im Unterricht in so vielen Ländern bei so unterschiedlichen Lehrkräften und Schulsystemen dermaßen erfolgreich ist. Eine zentrale Frage ist ja, wie man Veränderungen im (trägen) System Schule unterstützen und fördern kann: Durch vorbildliches Vorangehen und das Ausarbeiten und Publizieren von Praxisbeispielen? Durch Verbesserung der technischen Ausstattung? Durch Lehrerfortbildungen zu einzelnen „digitalen Werkzeugen“? Durch veränderte Rahmen-, Lehrplan- und Prüfungsvorgaben? Durch Arbeitsgruppen und Mediencurricula in den Schulen oder gar ein eigenes „Medien“-Fach? Dahinter stecken im Detail durchaus kontrovers diskutierte Fragen über den zu beschreitenden Weg. Sofern sie sich nicht gegenseitig ausschließen, spielen vermutlich die Faktoren alle zusammen und bieten nur gemeinsam sinnvolle Lösungsansätze. Offen bleibt jedoch, wie der Wandel in der Breite initiiert werden kann.

Von der erfolgreichen Implementierung digitaler Medienarbeit durch eTwinning in tausenden von europäischen Schulen lässt sich meines Erachtens etwas lernen. Warum machen so viele Lehrkräfte bei eTwinning mit? Die Antwort ist einfach: Weil es ihnen einen deutlichen, leicht erkennbaren Mehrwert für ihren (Fach-) Unterricht bringt. Oder um es anders zu sagen: Man muss die Lehrer offensichtlich da abholen, wo sie stehen ;)

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Aber für eTwinning sind zehntausende Lehrkräfte bereit sich in Fortbildungen oder alleine zuhause vor dem Rechner, die nicht ganz einfache Handhabung der Plattform anzueignen. Die meisten wollen nicht mit eTwinning arbeiten, weil sie digitale Medien einsetzen wollen und sich fragen, was sie mit einer Lernplattform, einem Blog oder Wiki anfangen können, sondern weil sie mit eTwinning ihren Schüler über eTwinning authentische und zugleich sichere Kontakte zu Gleichaltrigen in anderen Ländern bieten können, mit denen die Schülerinnen und Schüler dann ihre Fremdsprachenkenntnisse anwenden, ihr Schul- und Alltagsleben vergleichen, unterschiedliche Sichtweisen und Arbeitsergebnisse austauschen und veröffentlichen können. Das ist für Schüler enorm motivierend, weil sie nicht für die Schule oder die Lehrkraft lernen, sondern mit Anwendungs-, Lebenswelt- und Gegenwartsbezug. Trotz des erhöhten Arbeitsaufwands wird eTwinning von den Lehrkräften als Bereicherung für den eigenen Unterricht und motivierend für die eigene berufliche Tätigkeit beschrieben.

Hinzu kommt aber noch etwas anderes und das scheint mir das eigentlich Spannende:

Am zweiten Tag der Konferenz gab es eine ganze Reihe von Workshops. Die meisten beschäftigten sich mit der Rolle von Schülern und Lehrern sowie den Grundlagen von Projektunterricht (daneben gab es Vorstellung von gelungenen und ausgezeichneten Projekten sowie einzelner Tools). Den Lesern dieses Blogs erzähle ich da nichts Neues: Wer mit einer Lernplattform und digitalen Werkzeugen arbeitet, braucht auch andere Formen des „Unterrichts“, veränderte Rollen von Lehrern und Lernern. Die Arbeit mit eTwinning oder anderen Lernplattformen lässt sich nicht in einen belehrenden Frontalunterricht “einbauen” (der übrigens entsprechend der Schultraditionen in einigen europäischen Ländern viel stärker verankert ist als in Deutschland), sondern sie führt zu einer methodischen und inhaltlichen Öffnung von Unterricht, zu raum- und grenzüberschreitendem kollaborativen Arbeiten, was sich an den vielen dokumentierten eTwinning-Projekten ablesen lässt. Das gemeinsame Arbeiten auf der Lernplattformen tritt hier phasenweise an die Stelle des bisherigen Buchunterrichts. An die Stelle der Bücher tritt Kommunikation, Kollaboration und Produktion eigener “Contents”. Ausgehend von den europäischen Projekten setzen die Lehrkräfte in der Folge Lernplattformen und andere digitale Werkzeuge auch in anderen Unterrichtszusammenhängen ein. Sie werden selbstverständlicher Teil von Schule und Unterricht.

Was projekt- und prozessorientiertes Arbeiten ist, muss allerdings von vielen erst noch gelernt werden,  damit die Arbeit mit eTwinning gelingt. Die Lehrkraft nimmt sich zurück, wird zum Lernbegleiter, die Schüler rücken in den Mittelpunkt. Genau das wird europaweit in vielen eTwinning-Workshops und -konferenzen vermittelt. Der Ausgangspunkt aber, der die Bereitschaft zum Lernen, Umdenken und Verändern ausgelöst hat, war, und das scheint mir wichtig, nicht die Frage nach dem Einsatz von Technik  und Medien.

Die eingesetzten digitalen Werkzeuge sind erstmal Mittel zum Erreichen eines konkreten Zwecks. Dazu gibt es z.B. bei der Einführung des Buchdrucks ja durchaus historische Parallelen. Die daraus hervorgehende Kompetenz in der Handhabung und die Selbstverständlichkeit des Einsatzes digitaler Arbeitsmittel führt schrittweise zu einem grundlegenden Wandel des Unterrichts und in der Folge auch des Systems Schule. Ich vermute, dass vielen die Konsequenzen, die sich aus dem Einsatz der Plattform für den eigenen Unterricht ergeben (müssen), beim Einstieg in die Arbeit mit eTwinning gar nicht bewusst waren und erst die zunehmend positiven Erfahrungen und Rückmeldungen durch die Schüler zu einem grundlegenden Überdenken des eigenen Unterrichts geführt haben.

Bei entsprechendem Bedarf und Nachfrage in den Kollegien lässt sich übrigens beobachten, dass sich damit auch langsam aber stetig die Ausstattung der Schulen verbessert. Dies geschieht bei eTwinning nicht zuletzt über die Kombination mit Comenius-Projekten, in denen einzelnen Schule finanzielle Projektmittel zur Verfügung gestellt werden, aus denen sich Verbesserungen der Infrastruktur finanzieren lassen.

Ich denke, der Debatte in Deutschland würde es gut tun, nicht nur auf die sicherlich weiterhin vorhandenen Mängel und Defizite zu schauen, sondern auch auf solche, gerade in ihrer Breitenwirkung beeindruckenden, Erfolge zu schauen. Viele Schulen scheinen weiter zu sein, als man das aufgrund der publizierten Umfragen und der Diskussion über den Einsatz von Medien vermuten könnte…

Vorbereitungen Wettbewerb classroom4.eu

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der erste europäische Wettbewerb soll Mitte April starten. Im classroom4.eu-Wiki finden sich seit dieser Woche einige neue und lesenswerte Schüler-Beiträge zur Geschichte des Wahlrechts.

classroom4.eu ist ein europäisches Projekt der Akademie Yuste, das in Form eines Wikis ein interaktives Schulbuch zur europäischen Kulturgeschichte von Schülern für Schülern aufbauen will.

Der Winter 1783/1784 und die Hochwasserkatastrophe von 1784

“Der extreme Winter von 1783/84 der nördlichen Hemisphäre war Resultat einer natürlichen Klimaveränderung. Der Nordwinter 1783/84 gilt als einer der härtesten überhaupt in Mitteleuropa, war aber auch in Nordamerika und Asien bedeutsam. Diesem folgten extreme Überschwemmungen im Februar/März 1784 in Mitteleuropa, die als eine der größten Naturkatastrophen der frühen Neuzeit in Mitteleuropa angesehen werden. Die Ursache dafür wird in besonders schwefelreichen oder besonders heftigen und aschereichen vulkanischen Eruptionen gesehen, die sich in Island und Japan ereigneten.” Weiterlesen in der Wikipedia.

Einen umfangreichen Artikel zum Thema bietet auch Bernd Nebel auf seiner Seite mit einer Übersicht der in “Deutschland” vom Hochwasser 1784 zerstörten Brücken. Auf Archivalia sind einige digitalisierte Bücher mit zeitgenössischen Beschreibungen der Katastrophe von 1784 verlinkt.

Zu den Zusammenhängen bzw. Auswirkungen dieser Klimaphänomene auf die Französische Revolution siehe die Seiten 214ff. in der Kulturgeschichte des Klimas von Wolfgang Behringer.

 

 

eTwinning im Geschichtsunterricht

Die Präsentation gibt einen Überblick zu den Einsatzmöglichkeiten der europäischen Lernplattform eTwinning im Geschichtsunterricht. M.E. können durch den Einsatz von eTwinning besonders die fachdidaktischen Prinzipien der Multiperspektivität und eine authentische Kontroversität im Unterricht gefördert und unterstützt werden.