Der Ärger mit LdL bei der Umsetzung in die Praxis

Ich finde das Konzept super, die Schüler äußern sich positiv und sind mehrheitlich mit Eifer und Engagement dabei, selbst ein Kollege, der mich letzte Woche vertreten hat, brauchte sich nur in die Klasse setzen und den Schülern dabei zuzuschauen, wie sie sich selbst unterrichten und fand das – trotz einiger notwendiger Interventionen zur Herstellung einer konzentrierten Arbeitsatmosphäre – so spannend, LdL vielleicht selbst einmal im Unterricht auszuprobieren.

Ein echtes Problem ist aber die Planung. Mich würde interessieren, wie andere damit in der Praxis umgehen. Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Stunden gemeinsam im Unterricht vorbereitet. Ich habe mir die Stundenkonzepte angeschaut, beraten und geholfen, wo das nötig war. Die einzelnen Stunden haben wir auf die kommenden Wochen verteilt und jede Gruppe hat einen festen Termin bekommen. Nun musste ich dieses Plan bereits zum vierten Mal korrigieren, neu erstellen und die Stunden nach hinten verschieben, da ich jede zweite Woche eine “Stattstunde” in dieser Klasse bekommen: Das ist (oft kurzfristiger) Vertretungsunterricht, für den die Schüler dann z.T. kein Material dabei haben und für den dann in der Folge eine andere reguläre Stunde, die am Rand des Stundenplan liegt -  in diesem Fall dienstags die erste -  ausfällt.

Die für den Dienstag geplante Schülerstunde verschiebt sich dann damit auf die Folgewoche und damit verschieben sich auch alle weiteren Stunde nach hinten. Von Mitte Mai für das vorgesehene Ende der LdL-Reihe sind wir mittlerweile bei Ende Mai angelangt. Vielleicht tritt das Phänomen in anderen Schulen weniger auf, es ist aber für mich zur Zeit ein ebenso banales wie ärgerliches Problem, das Formen der langfristig angelegten, schülerorientierten Unterrichtsplanung – gleiches würde ja auch für Wochenplanarbeit, Stationenlernen u.ä. gelten – bei einem zweistündigen Fach ganz erheblich erschwert.

“Netzaktivisten” als “neue geschichtsdidaktische Spezies”?

Laut Wikipedia ist ein Aktivist “eine Person, die in besonders intensiver Weise, mit Aktivismus, für die Durchsetzung bestimmter Ziele eintritt”. Den Eintrag “Netzaktivist” gibt es nicht, aber entsprechend der allgemeinen Wortbildungsregeln, soll es sich dabei wohl um jemanden handeln, der sich nachdrücklich für “Netze” einsetzt. Auch das wieder im Zusammenhang betrachtet, ist mit “Netz” als Metapher für “das Internet” gemeint. Also ist ein Netzaktivist jemand, der sich für das Internet einsetzt. Wenn ich glaube, dass es Menschen gibt, die das tun, dann versucht man diese auch als Gruppe zu benennen und ist bei der Idee, dass es so etwas gibt wie eine “Netzgemeinde”, die Sascha Lobo mal als “hocheffektive Lobbygruppe” beschrieben hat.

Warum schreibe ich darüber? Die Antwort ist schnell gegeben: In seinen einleitenden Worten zur Tagung “Geschichte lernen digital” hat Marko Demantowsky auf “Netzaktivisten” verwiesen und diese als “neue geschichtsdidaktische Spezies” bezeichnet. Gemeint sind damit, das wird im Zusammenhang klar, u.a. Alexander König, Thomas Spahn und ich. Das ist nachzuhören und zu sehen, sobald die Videos der Konferenz im April beim LISA-Portal online stehen.

Das war und ist vermutlich nicht böse gemeint. Ich muss aber sagen, dass mich diese Apostrophierung ärgert. Vielleicht war es Absicht, dann ist es gelungen; vielleicht steckt dahinter aber auch ein Missverständnis. Vielleicht auch ein bisschen von beidem.

Zunächst einmal sehe ich mich selbst nicht als “Aktivist”. Zuschreibungen können natürlich immer, sind es auch meist, Fremdzuschreibungen sein. Warum ich blogge, habe ich vor ein paar Tagen in einem Beitrag versucht darzustellen und das brauche ich deshalb an dieser Stelle nicht zu wiederholen. In einem beruflichen, fachlichen Zusammenhang bin ich zunächst einmal Lehrer, hier um genau zu sein als Geschichtslehrer anzusprechen, und dazu auch noch Berater für das Fach in meinem Schulaufsichtsbezirk.

Wenn man sich die Definition von Aktivist in der Wikipedia weiter anschaut, heißt es dort: “Ein Aktivist unterscheidet sich vom Politiker vor allem darin, dass er seine Ziele nicht über direkte Teilhabe an dem formellen politischen Prozess erreichen will, etwa durch Anstreben eines politischen Amts, sondern auf eher informelle Art und Weise” – nun würde ich das Unterrichten als Lehrer in der Schule in Bezug auf den Geschichtsunterricht nicht gerade als “informelle Art und Weise” ansehen.

Allerdings ließe sich das aus Sicht der Geschichtsdidaktik durchaus so betrachten. Das setzt jedoch voraus, dass man die eigene Disziplin als getrennt von Lehrern, Schule und Unterricht ansieht. Folgt man diesem Gedankengang macht das Statement Sinn: Da sind Leute, die versuchen, von außen Inhalte in die Geschichtsdidaktik zu tragen. Dass dieses mentale Konzept zutreffen könnte, lässt sich zusätzlich daran festmachen – am Ende der Tagung wurde es auch ausdrücklich thematisiert -, dass gerne unterschieden wird zwischen Praktikern, also den Lehrern, und den Geschichtsdidaktikern. Geschichtslehrer sind also trotz Studium, Ausbildung und Praxis keine Didaktiker, auch wenn sie, wie z.B. im Fall von Ulf Kerber oder Alexander König gar nicht mehr an der Svhule arbeiten, einen Lehrauftrag für Geschichtsdidaktik an der Uni haben und an Promotionsvorhaben in diesem Bereich arbeiten, diese aber eben noch nicht abgeschlossen haben.

Dass diese Trennung wenig Sinn macht, darauf hat Lisa Rosa schon ausführlich in ihrem Nachklapp zur Tagung hingewiesen. Als Reaktion auf das Explizitmachen dieses Abgrenzungsdiskurses auf der Tagung wurde sogleich versichert, dass man sich auf Augenhöhe begegne. Auch das bildlich schön, weil darin eben eine Begegnung von zwei unterschiedlichen Wesen kenntlich gemacht wird. Nun mag das auf viele überspitzt oder kleinkariert wirken. Mir scheint aber, dass sich dahinter grundlegende Wahrnehmungsunterschiede verbergen, die eine Verständigung über die Inhalte schwierig macht.

Ehrlich gesagt habe ich erstmal darüber nachdenken müssen, was wohl mit einer “neuen geschichtsdidaktischen Spezies” gemeint sein könnte. An einen zufällig gewählten oder spontan erfundenen Begriff glaube ich nicht. Zudem ergibt sich im Zusammenhang durchaus ein schlüssiges Konzept. Ich will mich nicht damit aufhalten, dass ‘Spezies’ als biologischer Artenbegriff unglücklich gewählt ist. Punkt ist: Verstehen kann man die Aussage nur, wenn man von dem beschriebenen Exklusionsvorstellungen ausgeht. Sonst wird nämlich nicht klar, was daran neu sein soll,

  • dass sich Geschichtslehrkräfte mit Didaktik beschäftigen,
  • dass sie Unterrichtsmaterialien und -entwürfe erstellen und publizieren,
  • und dass sie an geschichtswissenschaftlichen und -didaktischen Debatten teilnehmen.

Das haben Lehrkräfte schon immer gemacht und ihre Beiträge bilden einen wichtigen Teil der eigenen Fachgeschichte und natürlich auch der Gegenwart. Eine Sache ist aber sehr wohl neu, nun ja, in historischen Dimensionen zumindest. Dies betrifft aber keine “Spezies”, sondern die Kommunikation: das Schreiben, Veröffentlichen und Kommentieren über Blogs und Twitter. Ich finde, das sollte man präzise benannt werden. Die offenkundige Überraschung, dass sich in den letzten Jahren (weitgehend – die bekannten Ausnahmen vorausgesetzt) abseits der universitären Geschichtsdidaktik mit der Blogsphäre ein neuer, weiterhin sehr ausbaufähiger Kommunikationsraum gebildet hat, lässt sich nun schlecht als “Aktivismus” oder neue “Spezies” beschreiben.

Damit sind wir meines Erachtens beim Kern der Sache: Es sind die Bedingungen des Digitalen, die das wissenschaflichen Arbeiten und den wissenschaftlichen Diskurs verändern. Das war vor, auf und ist auch nun nach der Tagung, für die deutsche Geschichtsdidaktik wohl erstmalig, schön zu erleben.

Die Bedingungen des Digitalen haben wir auf der Tagung in einer Art experimenteller Versuchsanordnung ausprobiert, an den Schulen erleben wir sie alltäglich – mit entsprechenden Spannungen, Ängsten und Verbotsdiskussionen, aber natürlich auch vielen positiven Erlebnissen. Nicht nur die Wissenschaft ändert sich unter diesen Bedinungen, sondern auch Lebenswelt, Schule und Unterricht, und damit natürlich auch der Geschichtsunterricht. Es geht dabei eben nicht vorrangig und noch weniger ausschließlich – das scheint mir ein wesentliches Missverständnis während der Tagung gewesen zu sein – um den Einsatz von digitalen Medien als Mittel zur Unterrichtsoptimierung.

Dass nun gerade in der Schule die Auswirkungen bemerkt werden, scheint durchaus plausibel, vielleicht sogar naheliegend. Auch wenn Schule als Sytem einige Probleme mit dem digitalen Wandel hat und sich in aufreibende Rückzugsgefechte verstrickt, ignorieren oder ausschließen kann sie die Folgen nicht.

Auf diese Veränderungen, von denen nicht die Existenz, sondern allenfalls Umfang und Bedeutung im andauernden Wandelprozess strittig sind, auch für Geschichtsunterricht und -didaktik hinzuweisen und sie zu diskutieren, hat dann aber nichts mit einer “politischen”, vermeintlich durchschaubaren Strategie zu tun. Das in meinen Augen negative Etikett eines “Netzaktivismus” ist daher weder zutreffend noch angebracht.

Auf dem Weg und noch nicht am Ziel…

Lisa Rosa hat vor zehn Tagen einen ebenso beeindruckend offenen wie mutigen Artikel in ihrem Blog veröffentlicht. Wie es sich manchmal so ergibt, hatten wir über das Thema am Rande der #gld13-Tagung gesprochen. Sie hat mich ermutigt, auch über meinen Weg zu schreiben. Eigentlich versuche ich meine Person beim Schreiben zurückzunehmen, weil mir die Inhalte wichtig scheinen und ich die Erfahrungen gerne teilen und diskutieren möchte.

Nachdem ich bei der #ICM13-Konferenz in Marburg angefangen habe, zu erklären, warum ich überhaupt nach anderen Lernformen suche, und nach der ausdrücklichen Ermutigung durch Lisa, möchte ich das hier kurz erzählen. Vielleicht kann die Geschichte, auch wenn sie nicht so tief und schmerzhaft ist wie die von Lisa, dem einen oder der anderen Mut machen.

Wenn ich überlege, wann und warum ich angefangen habe, nach Alternativen zu der im Referendariat erlernten Unterrichtsgestaltung zu suchen, fallen mir wenige Erlebnisse ein, letztendlich eigentlich nur eines, das mir im Rückblick als Schlüsselszene erscheint. Ich wollte schon immer nicht “was mit Medien”, sondern etwas mit Geschichte machen. Das Fremdsprachenstudium war für mich ein interessantes, aber vor allem notwendiges Beiwerk, da mindestens zwei Fächer nötig waren. Lehrer werden wollte ich bis zum Ende des Studiums eigentlich nie. Mir war aber immer klar: Geschichte ist mein Fach. Auch wenn ich als Schüler schon die Erfahrung gemacht hatte, dass mein privates Interesse an Geschichte irgendwie nicht mit dem Unterricht in der Schule zusammenpassen wollte.

Im Referendariat habe ich gelernt und wohl ganz passabel umgesetzt, was vorgegeben und erwartet wurde. Ich fand diesen Unterricht selbst eher langweilig. In meiner Examensarbeit 2003 habe ich ein Online-Projekt via Mail und Chat mit einer litauischen Partnerklasse durchgeführt. Es war schön, das ausprobieren zu dürfen, auch wenn vieles nicht geklappt hat. Interesse hat das Projekt damals auch weder bei meiner Fachleiterin noch bei meinen Mitreferendaren geweckt.

Als Junglehrer habe ich dann nicht zuletzt wegen der hohen Stundenzahl meinen Geschichtsunterricht meistens so geplant, wie ich es gelernt hatte.

Langweilig? Ja, das fand ich meistens. Das Verhalten und die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler bestätigten mir dies.

Unbefriedigend, weil die eigene Begeisterung nicht den Unterricht trägt? Ja, auch das war so, eine Erkenntnis, die ich mit einiger Resignation für mich zu gewinnen schien. Auch aus den Erinnerungen an meine Schulzeit dachte ich, das muss vielleicht so sein. Interesse und Begeisterung für Geschichte funktionieren im Rahmen von Schule eben nicht. Von wenigen Highlights abgesehen schien der Geschichsunterricht ein von den meisten Schülern als ziemlich langweilig empfundenes Fach. Auf das Urteil der Schüler über Unterricht sollte man nicht so viel geben, hatten wir im Referendariat gelernt und bestätigt wurde die Beobachtung durch empirische Untersuchungen, die das Auseinanderklaffen des Interesses an Geschichte und am Unterricht belegen.

Im Rückblick zentral waren dann die letzten fünfeinhalb Jahre. In zwei parallelen Leistungskursen hatte ich ab 2007 vier Schülerinnen zugleich in Französisch und Geschichte. Die armen! 9 Stunden pro Woche denselben Lehrer. Da ergibt sich aus Schülersicht der Vergleich von selbst. Und irgendwann platzte es förmlich aus ihnen heraus: “Französisch ist so toll bei Ihnen. Das macht so viel Spaß! Aber Geschichte… pfff…..”

- “Das liegt nicht an Ihnen, das ist das Fach” fügten sie schnell hinzu, das sei so zäh und langweilig. Das war ebenso ehrlich wie nett gemeint. Aber ich war wie vor den Kopf gestoßen. Französischunterricht bei mir soll “toll” sein? Das war der Unterricht, über den ich mir, ehrlich gesagt, nie besonders viel Gedanken gemacht hatte. Es war ja nur mein “zweites” Fach. Auch im Referendariat hatte ich da schlechtere Noten und nach meinem Eindruck auch die schlechtere Ausbildung. Also war ich davon ausgegangen, da auch ein schlechterer Lehrer zu sein. Ok, der Geschichtsunterricht schien auch mir langweiliger, aber da hatte ich ja schwarz auf weiß bescheinigt bekommen, dass ich das gut und richtig unterrichten kann.

Das mag banal klingen und letztendlich ist es das auch. Aber von heute aus betrachtet war genau das, die in meinen Augen vernichtende Rückmeldung der Lernenden, der Anstoß für mich, etwas zu ändern.

Das fing mit dem Vergleich meines Unterrichts und der Struktur der beiden Fächer an. Der Rest war und ist im wesentlichen Trial and Error. In einigen Vorhaben lagen gute Ansätze, andere sind gescheitert. Viele haben mich, aber auch die Schülerinnen und Schüler, übermäßig Kraft, Zeit und Arbeit gekostet. Aus den Misserfolgen habe ich versucht zu lernen, die guten Projekte versucht zu wiederholen, zu verbessern und die Erfahrungen mit anderen zu teilen. Daraus ist dieses Blog entstanden. Erst in letzter Zeit habe ich angefangen, auch nach Modellen und theoretischer Fundierung der Erfahrungen zu schauen.

Nicht, dass ich heute alle Schülerinnen und Schüler für Geschichte interessieren oder begeistern könnte. Nicht, dass ich behaupten würde, durchweg tollen oder interessanten Unterricht zu machen. Nein, ich suche weiterhin, aber der Geschichtsunterricht ist für die Lernenden, zu denen ich mich nun auch zähle, interessanter geworden. Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler im Unterricht und mit kurzen Evaluation am Ende jedes Halbjahres, zum Teil auch der Eltern, zeigen das und motivieren weiter den eingeschlagenen Weg zu gehen, auch wenn ein Ziel noch nicht absehbar ist. Vielleicht ist aber, auch wenn als Metapher reichlich abgegriffen, auch der Weg das Ziel…

2012 in review

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Hier ist ein Auszug:

4.329 Filme wurden beim Cannes Film Festival 2012 eingereicht. Dieses Blog hatte 54.000 Besucher in 2012. Wenn jeder Besucher ein Film wäre, dann würde dieses Blog 12 Film Festivals füllen

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Jahrestage im Juli

Aus persönlicher Sicht jähren sich im Juli einige Ereignisse. Zunächst einmal wird dieses Blog drei Jahre alt. Mittlerweile gibt es 428 Artikel und über 540 Kommentare. Das war vor drei Jahren sicher nicht absehbar. Ein großes Dankeschön an alle Leser und Kommentare. Ohne die vielen Rückmeldungen würde ich hier vermutlich schon lange nicht mehr schreiben.

Anfangen habe ich das Blog aus Neugier, die zusammenging mit der Teilabordnung mit halber Stelle in das Landesprogramm “Medienkompetenz macht Schule” am damals noch Landesmedienzentrum, heute Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz. Nach nun drei Jahren endet die Abordnung und ich kehre als Fachberater Geschichte mit voller Stundenzahl zurück an meine Schule.

Außerdem jährt sich noch mein Umzug nach Koblenz. Auch wenn ich mich hier schon voll heimisch fühle, bin ich doch erst vor fünf Jahren in die einzige Stadt an Rhein und Mosel gezogen… aber so wie es aussieht, werde ich hier auch noch eine ganze Weile bleiben – und ich freue drauf ;)

In den letzten Jahren habe ich viele Beiträge in meinen Abordnungsstunden im Büro geschrieben (mit Erlaubnis der Leitung aufgrund der offenkundigen Schnittmenge der beiden Arbeitsbereiche ;) ). Die Stunden fallen jetzt leider weg. Das bedaure ich sehr, weil sich aus den im letzten Jahr dann drei Arbeitsbereichen zahlreiche produktive Synergieen ergeben haben. Die Frequenz der Blogbeiträge wird daher vermutlich in den nächsten Monaten deutlich zurückgehen, weil für das Schreiben weniger Zeit bleiben wird.

Vielleicht hat aber auch das sein Gutes und führt zu einer Konzentration auf Wesentliches und eine qualitative Verdichtung der Beiträge im Blog. Wie auch immer: Zunächst geht es in vier Wochen Sommerpause. Mitte August geht es hier wieder weiter.

Bis dahin: Schöne Ferien!!!

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P.S. Noch ein Fundstück aus den Flickr Commons:

Poster in a London travel agency advising people to book their holidays in spite of the tense situation in Europe (Hitler, Germany, the Second World War). About 1939. Collectie Spaarnestad.

Podiumsdiskussion: Kritische Auseinandersetzung mit Positionen des Geschichtslehrerverbandes

Als sich im vergangenen Semester Studierende in einem Seminar zur Globalgeschichte auch mit der ZDF-Reihe ‘Unterwegs in der Weltgeschichte mit HaPe Kerkeling’ auseinandersetzten haben sie sich an den Positionen des Verbands der Geschichtslehrer Deutschlands, der das Projekt begleitete, ebenso gerieben wie Studierende eines anderen Seminars am Kompetenzmodell des Verbands.

Erfreulicherweise kommt es nun zu einer Diskussion zwischen Studierenden und dem Vorsitzenden des Verbands der Geschichtslehrer Deutschlands, Dr. Peter Lautzas. Dabei soll es um Austausch, Erkenntnis, Reflexion und Perspektivierung des Geschichtsunterrichts in der Zukunft gehen. Aktuelle Konfliktlinien sollen dabei ebenso freigelegt werden wie auch gemeinsame Positionen. Vor allem aber geht es um die Suche nach den Grundlagen eines “zeitgemäßen und interessanten Geschichtsunterrichts” (Lautzas).

Die Podiumsdiskussion findet am 24.04. von 10-12 Uhr an der FU in Berlin statt.

Ich finde es gut, dass Lautzas dieser Diskussion stellt. Da wäre ich ja gerne dabei… aber von einem Live-Stream oder einer Aufzeichnung steht da nichts und mal eben nach Berlin jetten ist leider auch nicht.

Um das Zitat von Lautzas aufzunehmen: Was macht (Geschichts-) Unterricht “zeitgemäß und interessant”? Und was trägt der Geschichtslehrerverband dazu bei?

Arbeit mit digitalen Endgeräten, Lernplattformen, interaktiven Wandtafeln, Web 2.0, Wikis, WebQuests, digitalen Schulbücher, OER, kollaboratives Arbeiten …? Fehlanzeige.

Die Vorstellungen des Verbandes spiegeln sich vermutlich sehr gut in dem Panel auf dem Historikertag zum Thema Medialer Geschichtsunterricht: Innovation statt Beliebigkeit – Öffentlich-rechtliche Medien und Geschichte. In den Beiträgen geht es vor allem um die Kooperationen mit dem ZDF, die sicherlich sehr prestigeträchtig sind, aber auch in den vom Verband erstellten Materialien alles andere als innovativ und zum Teil auch inhaltlich problematisch sind.

Es geht aber auch um Geschichtsunterricht “über” die Internetseite des Verbandes – worunter ich mir beim besten Willen nichts vorstellen kann, aber wer die Seite kennt oder sich mal anschaut, kann mir da vielleicht auf die Sprünge helfen…

Newsletter zum Geschichtsunterricht

Als regionaler Fachberater gebe ich seit letztem Jahr einen monatlichen Newsletter heraus. Gerade ist die 3. Ausgabe für 2012 erschienen. Das PDF-Dokument kann hier heruntergeladen werden. Einige Hinweise beziehen sich auf den Schulaufsichtsbezirk Koblenz, andere sind von allgemeinem Interesse. Die bisherigen Ausgaben des Newsletters können auf der Fachberaterseite heruntergeladen werden. Über das Kontaktformular dort lässt sich der Newsletter der Fachberatung auch abonnieren.

CfA Themenheft “Mediengeschichte” bei Geschichte lernen

In der aktuellen Ausgabe von Geschichte lernen findet sich ein Einladung zur Mitarbeit für ein Heft zur Mediengeschichte. Schwerpunkt soll das 19. und 20. Jahrhundert sein. Zur Zeit ist die Heftbeschreibung nur in der Printausgabe zu lesen, wird aber sicher in den nächsten Tagen auch auf die Webseite der Zeitschrift gestellt.

Mediengeschichte kommt nach meiner Erfahrung im Unterricht kaum, allenfalls schlagschlichtartig vor. Vermutlich  wird die Erfindung des Buchdrucks angesprochen und zusammen mit einer Reihe weiterer “Erfindungen” als Aufzählung von Daten aufgeführt und auswendig gelernt. Der rasante Wandel und die Bedeutung von Telegraf, Telefon, Radio, Film, Fernsehen gerät kaum in den Blick, eventuell noch die Entstehung der “neuen” Massenmedien in der Weimarer Republik und ihre Verwendung durch die Nationalsozialisten besprochen.

Auch hier im Blog findet sich zur Mediengeschichte bislang nicht viel. Publizierte Materialsammlungen und Unterrichtsentwürfe zu dem Bereich sind mir auch nicht bekannt (Hinweise sind immer willkommen). Das Heft könnte helfen die Lücke ein wenig zu schließen. Mehr Mediengeschichte im Unterricht, also ein Lernen über Medien aus historischer Perspektive macht Sinn: Die Einordnung und Erklärungen der “neuen”, hier im Sinne von aktuell digitalen, Medien erfolgt stark geschichtsbezogen. Die Vergleiche und Diskurse im Geschichtsunterricht aufzugreifen, auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, ist originär historisches Lernen mit starkem Gegenwarts- und Lebensweltbezug.

Publizierte Vorschläge helfen solche Themen in den Unterricht zu tragen. Anknüpfungspunkte an die Lehrpläne gibt es viele,, so dass es sich nicht um zusätzlichen “Stoff” geht, das funktioniert als Forderung für den Geschichtsunterricht schon lange nicht mehr, sondern um exemplarisches Lernen: Die Nutzung und Bedeutung einzelner Medien ist jeweils eng gebunden an die konkreten historischen, gesellschaftlichen Bedingungen. Anders formuliert: Der Bedeutung  z.B. des Buchdrucks liegt in seiner gesellschaftlichen Nutzung und nicht in der technischen Erfindung (bekannte Beispiele sind China und Korea mit viel älteren Erfindungen von Druckverfahren). In Schulbüchern und Unterricht wird in der Regel die Erfindung thematisiert, aber nicht die Nutzung, Verbreitung und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen.

Die Auseinandersetzung mit früheren Diskursen über die jeweils “neuen” Medien ihrer Zeit, vor allem der Geschichte der Medienkritik, von Platons Kritik am Geschriebenen bis zur Comic-Schmutz- und Schundkampagne der 1950er Jahre (PDF), kann helfen, die heutigen Diskussionen und Argumente historisch einzuordnen und den immer wieder, gerade auch in Lehrerzimmern, zu hörenden Aufschrei mit der Warnung vor dem Untergang des Abendlandes durch den befürchteten Verlust grundlegender Kulturtechniken in seiner geschichtlichen Wiederholung am jeweils neuen Medium gelassen zur Kenntnis zu nehmen.

Hinweis: Blick auf deutschsprachige Geschichtsblogs

An dieser Stelle nur ein kurzer Hinweis, falls es jemand noch nicht gesehen haben sollte: Klaus Graf und Mareike König haben sich für das Redaktionsblog von Hypothèses die Mühe gemacht, die deutschsprachigen Geschichtsblogs zusammenzustellen. Die Auflistung bietet einen guten Überblick über die existierenden Blogs, die sich mit Geschichte, spezifischen Epochen oder Regionen, Geschichtskultur und/oder -unterricht auseinandersetzen.

Wie der Titel “Entwicklungsfähige Blogosphäre” andeutet, ist das Ergebnis überschaubar. Einzelne Ergänzungen wurden mittlerweile per Kommentar gemacht, aber da würde ich Michael Schmalenstroer zustimmen, der zu recht schreibt, dass das “den Kohl nicht fett macht”. Es bleibt abzuwarten, ob über das Angebot von Hypothèses als geisteswissenschaftliches Blogportal noch den einen oder die andere zum Bloggen verführen kann…

Ich jedenfalls möchte das Bloggen als virtuellen Zettelkasten, für den kollegialen Austausch (zum Schreiben gehört ja auch immer das Lesen) und Reflektionsinstrument meiner Unterrichtspraxis nicht mehr missen.

Das Alte Ägypten im Geschichtsunterricht – Entwicklung von Unterrichtseinheiten

Das Thema steht demnächst in meiner 7. Klasse an. Hat jemand Lust, hier in den nächsten Wochen gemeinsam eine Unterrichtsreihe zu entwickeln und die Einheiten in einem eigenen Blog online unter CC-Lizenz zur Verfügung zu stellen?

Grundsätze für die Erarbeitung der Einheiten könnten u.a. die Berücksichtigung

- einer globalgeschichtlichen Perspektive,

- interkulturellen Lernens,

- der Möglichkeiten digitaler Medien,

- kooperativer und kollaborativer Lernformen

sowie

- der inhaltlichen Kritik an der Aufbereitung des Thema in aktuellen Schulbüchern sein.

Ich finde, es wäre ein interessantes Experiment, gemeinsam über einen Blog Unterrichtseinheiten zu entwerfen, zu diskutieren, im Unterricht auszuprobieren und nach Überarbeitung online zu stellen.